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Full text of "Die erste deutsche Bibel"

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LITT 


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TOR 
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BIBLIOTHER 


LITTERARISCHEN VEREIN 


IN STUTTGART. 


CCAXAIV. 


TÜBINGEN. 
OSTEN DES LITTER 


N DES LI 
1904. 


PROTECTOR 
DES LITTERARISCHEN VEREINS IN STUTTGART: 
SEINE MAJESTÄT DER KÖNIG. 


* 


VERWALTUNG: 


Präsident: 
Dr. H. Fischer, professor an der universität Tübingen. 


Kassier: 
Rechnungsrat Rück in Tübingen. 


GESELLSCHAFTSAUSSCHUSS: 


Dr. G. v. Below, professor an der universität Tübingen. 
Professor Dr. G. Böhmer in Lichtenthal bei Baden, 

Dr. Bolte, professor in Berlin. 

Oberstudienrat Dr. Hartmann in Stuttgart. 

Director Dr. W. Heyd in Stuttgart. 

Dr. Martin, professor an der universitüt Straßburg. 

Dr. G. Meyer von Knonau, professor an der universität Zürich. 
Dr. H. Paul, professor an der universität München. 

Dr. Sievers, professor an der universität Leipzig. 

Dr. Steinmeyer, professor an der universität Erlangen. 
Dr. Strauch, professor an der universität Halle. 

Dr. Tobler, professor an der universität Berlin. 


DIE 


ERSTE DEUTSCHE BIBEL. 


ERSTER BAND 
(EVANGELIEN) 


HERAUSGEGEBEN 


W. KURRELMEYER, 


GEDRUCKT FÜR DEN LITTERARISCHEN VEREIN IN STUTTGART 
TÜBINGEN 1904. 


ALLE RECHTE VORBEHALTEN. 


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DRUCK VON 


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H. LAUPP JR IN TOBINGEN. 


MEINER MUTTER. 


Die handschriften. XXX 


leer, bl. 12—37a eine armenbibel (N. T.), während der prolog 
zu Matth. bl. 38a anfángt. Schluss von Offenbarung bl. 325a. 
Nach dem Ew. Nycodemus, bl. 350, die inschrift: 

Dicz puch ift aug gefchri- | ben worden am Eritag | vor 
fant michels tag | der was an einem funtag anno | dit M. 
ccc? und in dem xliii jar. Darunter, in roter tinte: 
pitt gott für die /chrey- | berin die dicz puch ge | /chriben hat k. n. 

We Ms. fol. 8 der grossherzogl. bibliothek zu Weimar. 
Vergl. Walther Sp. 313 ff. Papierhandschrift des 15. jahr- 
hunderts. 2 kol. zu je 41—44 zeilen. Ausser dem N. T. 
enthält der band ein lectionarium, darnach das ev. Nicodemi, 
schliesslich ein verzeichnis verschiedener bibelabschnitte. Schrei- 
ber und datum nicht angegeben. Die prologe zu den evan- 
gelien fehlen, ebenso die verse Luc. 1, 1—4, weil dieselben 
als vorrede betrachtet wurden. 


W. Kurrelmeyer. 


Baltimore 1903, am Weihnachtsabend. 


gereitzen die menfchen von dem gewin der irdifchen 

giiters, zi dem gewin himlifcher gütter. Vnd der 

fe}b--inatheus hat fur fich genumen aneuanck zwai 
“er menfchen* das ilt abraham vnd dauid’ dorumb daz 


“+, «aus den zwaien menfchen wurd in ein ander gefloch 


+ 
os 
b r 


ee “ten die geburt jhefu erilti. Vnd des erften menfchen 
“.* belunder abraham vor ganck* in das gelchlecht ihefu 


erifti: ¡ft gefchehen durch die befchneidung. Aber 
des andern menfchen das ift dauides anenanck* in 
daz gelchlecht erilti: ilt gewelt nach der erwelung’ 
wann dauid ilt gewelt der man den der herr erwelt 
hatt: nach dem wilen feins hertzen. Vnd aus den 
beyden ift kumen criftus jhefus. Vnd alfo hat ma 
theus uns gericht den aneuanck zü glauben. Vnd 

er hat das gethan in der zal zů iij maln xiiij’ die er 
ften xiiij zal der vetter der geburt crifti‘ ilt gewelt 
von abraham vntz zi dauid. Die ander zal aber xiiij 
vetter der geburt erilti' ilt gewelt wntz auf das ge 
fenckniß in dem die inden warn gefurt gen babilon 
Die drite zall der xinj vetter aus den geborn ift crif- 
tus: jít gewelt von jeconia vntz zů der iungfraw 

en maria. Alfo hat matheus entlich aus gefproch 

en dife iij mal xiiij gefchlecht- vntz auf den tag vn 
fers herren jhefu erilti. Vnd alfo hat er gemacht em 
lauf zü der zükunft des herrn: jn dem lauff er genug 
hat getan der oben gefchriben zal’ vnd die felben zal 
zů dreyen maln xiiij belchleuft in ir: die alten vnd 
newen ee: vnd dorzü die gebot die gebotten fein in 


+ 


23 raytzen K—Oa. 25 den aneuanck Z—Oa. 30 chrißi K. 
37 zu] fehlt E—Oa. 40 vntz auf das] bifs auf die Z— Oa. 41 dem] 


der K—Oa, 43 vntz] biß Z—Oa. 44 mathens M. 45 biß 
Z—Oa. 48 obgefchriben K— Oa, 
+ 

29 ihefu] fehlt BNg. 30 befcheydung Ng. 33 erwelt] der 

welt B. 35 beyden] + vetern BNg. hat (+ vns B) matheus 


der ewangelifta (+ vns Ng) geraichet den BNg. 88 geburt] + ihefu 


B. 40 gewelt] + von dauid BNg. 45 ynfers] des BNg. 
hat genunck gethan BNg. 49 vnd] + dy BNg. 


47 er 








Y. 


11. 


12. 


13. 
14. 


18. 


- 19. 


Matth, 1, 10—19, E 


gebar manaffen. Wann manaffes gebar amon: wann 
amon gebar jofias. Wann jolias gebar jechonias : 
vnd fein brüder in dem vbergang der babilonier. 
Vnd nach dem vbergang der babilonier jechoni- 

as gebar falathiel: wann falathiel gebar zorobabel 
Wann zorobabel gebar abiud: wann abiud gebar 
elyachim. Wann elyachim gebar azor: | wann azor 
gebar fadoch. Wann fadoch gebar achim: wann ach 
im gebar eliud: Wann elind gebar eleazar: wann elea 
zar gebar mathan. Wann mathan gebar jacob | wann 
jacob gebar joleph den man marien: von der do ilt 


. geborn jhefus: der do ift gefagt criftus. Dorumb al- 


le die gefehlecht von abraham vntz zů dauid. xiiij 
gelchlecht: vnd von dauid vntz zi dem vbergang 
der babilonier - xiiij gefehlecht: vnd von dem vber- 
gang der babilonier vntz zů criftus. xij gelchlecht. 
| Wann daz gefchlecht erilti waz alfult. Do maria die 
mutter jhefus was gemahelt jofeph: ee denn fy zi 
famen kamen fy wart funden habent im leib von dem 
heyligen geift. Wnd jofeph ir gemahel do er was 

+ 


MEP wann ach,] vnd ach. P. ach. aber Z—Oa. gebar ezechias] 


g. ezechiam Z—Oa, wann ez.) vnd ez. P—Sa, ez. aber K—Oa. 
56 Wann m.] vnd m. P, m. aber Z—Oa, wann a.) vnd a, P, 
a, aber Z—0a. 57 g. jofias] g. jofiam E—Oa. Wann jo.) vnd 
jo, P, jo. aber Z—Oa. jheconiam E— Oa. 60 wann fa.) vnd fa. 
P, fa, aber Z—Oa. zo. aber Z—Oa.  wannab.] ab. aber Z—Oa, 
1 Wann el] vnd el. Z—Sa, El aber K—Oa. wann azor] az. aber 


Z—Oa. 2 Wann fad.] vnd fad, ZASZcSaSe, Sad. aber KGSbOOn. 
wann ach.] ach. aber Z— 0a. 3 Wann el.] vnd el. ZASZcSaSe, El. 


aber KGSbO0n. wann eleaz.] e. aber Z—Oa. 4 Wann m.] 
vnd m. Z—Sa, M. aber K—Oa. wann jac.] jac. aber Z— On. 5 
marieu : ven M. do] fehlt K— Oa, 6 gelagt] genennet Z—Oa. 
Dorumb] Vnd Z—Oa. 7 die] fehlt K— Oa. vntz] bid Z—Oa, 
dauid] + waren Z—Oa. 8 bil Z—Oa. 10 biß Z—Oa. 
chriftum Z—Oa. 11 Wann] aber Z—Oa. alínft] allo Z—Oa. 
12 ihefu SZcSaK—Oa, vermähelt Z—Oa. denn] das Z—Oa. 
13 in dem ZcSa. 
+ 
3 gelagt ilt F. 14 Vnd] wan TF. 


wi 


11, 


Matth, 2, 211. 10 


den? Wann wir fahen feinen [tern in olten: vnd 

fein kumen in an zü betten. Wann do das gehort he 

rodes der kúnig er wart betrúbt: vnd alles jherufalem 

mit im. Vnd fament alle die furften der pfaflen 

vnd die [chreiber des volcks: vnd fragt von in wo 40 


. eriltus wer geborn. | Vnd [y fagten im. In bethle- 


hem iude. Wann alfo ift-gefchriben durch den wey- 

fagen. Vnd du bethlehem daz ertrich inda: du bift nit 

die mynft vnter den furften von iuda. Wann von 

dir get aus ein laiter der do berichtet mein volck jl- 45 


- rahel. Do rief herodes haimlich den weyfen vnd lernt 


fleiffiglich von in das zeyt des [terns der in waz der 

fchinen: | vnd fant fy zi bethlehem* lagent‘ Get vnd 

fragt fleyffiglich nach dem kinder vnd fo irs habt 

funden fo wider kundet mirs: das auch ich kum vnd 50 


. es anbette, Vnd do fy gehorten den kúnig ly gingen 


hin. Vnd fecht den [tern den [y lahen in often: der 

ging vor in: bis das er kam er ftúnd oben do daz kint 

was. Wann do die weylen gefahen den (tern: fy wur 

den erfreut mit gar micheler freude. Vnd gingen 5 
in das haus vnd funden daz kint mit maria feiner 


* 


36 haben gefehen Z—Oa. orient Z—Oa, 37 Wann] fehlt 
Z—Oa. erhórt Z—Oa, 39 die] fehlt K—Oa. brielter Z— Oa. 
41 wer] wurde Z—0a. 42 weyMagen] propheten Z—Oa, 43 das 
ertrich] fehlt K—Oa. du] fehlt K—Oa. 44 von iude] iuda 
Z—Oa. von dir] auß dir Z— Oa. 45 get aus] wirt auß gen 
Z—Oa. _ laiter] fürer P-Oa. berichtet] regieret Z—-Oa. 46 rief] 
vodertZ—Oa. den] dieZ—0Oa. weyfen] künig K—Oa. 47 das] 
die P—Oa. 48 fy] fehlt ZeSa. Gee vnd frag G. 50 mirs] 
mir M. 51 horten K—Oa. den] dem P. 52 der [tern Z—Oa, 
often] dem aufgang der funnen Z— Oa. 53 in] im P. kam] 
+ daz Z—Oa. 54 Wann] Vnd Z—Oa. weyfen] kúnig K—On. 
fahen Z—Oa. 55 groller freude P, grollen freuden Z—On. 


$ 


36 vnd] + wir TF. 38 wart] + hart TF. 42 iude] in 
iude TF. 43 ertrich] land TF. 47 von in] fehlt T, nachtr. ta. 
das] die TF, derfcheinen TF. 48 vnd] + er TF. 52 fahen] 
heten gelechen TF. 53 bis] vnez TF. 55 Vnd] + fi TF. 
56 marien TF. 


7. 21. 


== 


i 


nn 





feint dot die do fúchent die fele dez kindes. Er [tind 
auf vnd nam das kint vnd fein mútter: vnd kam in 

das lant ifrahel. Wann do er gehort das archelaus reich- 
fent in iude fur herodes fein vatter er vorcht fich dar 

zů gen: vnd er wart gemant im [chlaff vnd er fchied 

fich in die tail zů galilee. Vnd kam vnd entwelt in 

der [tat die do ift geheilfen nazareth: daz derfult wurd 
das gelagt ilt durch die weylfagen* wann er wirt 
gerüffen nazareus. da] 


Ann in den tagen johannes der tauffer kam: 
V V predigen in die walt ze iude vnd | fagent* 
macht büß. Wann das reich der himel na 
hent* | wann dirr ilt: von dem gelchriben ift durch yla- 
ias den weyllagen fagent. Ein ftyme des rüffenden 
in der wilt: berait den weg des herrn: macht recht 


. fein fteig. Wann er felb johannes hett ein gewand 


von dem har der kemelein; vnd ein fellin gurtel umb 
fein lancken. Wan fein elfen waren locuften vnd 
wildes honig. Do ging aus zi im jherufalem vnd 
alles iude* vnd alle die gegent vmb den jordan: | vnd 
wurden getaufft von im in dem jordan begechent 


. ir fúnde. Wann er fach manig der phanfeer vnd 


der verlaiter kumen zi feim tauffe: er [prach zů in 


25 Wann — gehort] Da er aber hort Z-Oa. — archelus MEP. 
reichlent] regyerte Z— On. 26 dar] dahin Z—Oa. 27 er] 
fehlt Z—Oa. er fchied] fehiede ZeSa. 28 zu] fehlt Z—Oa, 
wonet P—Oa, 30 wart MEP. 31 geheylfen Z—Sa, geheylfen 
werden K— Oa. nazarenus SSe. 32 Wann] vnd Z—Sa, aber 
K— Oa, 33 die] der K—Oa. ze] fehlt Z— Oa. fagent] 
[prach Z—Oa. 34 macht] wúrckend Z—Oa, 35 ylaiam E—Oa. 
39 Aber der felb K—Oa. 39 kemeltier Z—Oa, fellin] 
ellem P. 40 lenden Z— Oa. Wann] vnd Z—0a. locuften] 
hewfchricken Z-Oa. 43 bekennend Z—Oa. 44 Wann] vnd da Z- Oa, 
45 verlaiter] faduceyer Z—Oa. 


23 luchten TF. 25 hort TF. 27 fcheid TF, 30 er] er 
felb TF. 37 macht] vnd machent TF. 39 den haren TF, 
40 lancken] kancken T. 41 im] fehlt F, nachtr. fa. 43 jor- 
dan] + vnd TF, 45 [einer tauf TF. 








v. 16. 


17. 


És 


Matth. 3, 15—4, È. 


zü im. La nu. Wann allo gezimt vns zeerfullen daz 5 
recht. Do ließ er in. | Wann do jhefus wart getauft 

zehant [teig er auf von dem walfer. Vnd fecht die 

himel wurden im anf getan: vnd er fach den geylt 

gotz nyder [teigen als ein taub vnd kument auf in 





| Vnd fecht ein {tyme von den himeln fagent. Ditz ilt 10 
mein lieber fun: in dem ich mir entzamt geuiel iiij 


Ty O wart jhefus gefurt von dem geift in die 
wult: das er wurd verfúcht von dem teuf- 
fel: | vnd do er hett gefalt xl tag vnd xl nacht: 
dornach hungert in. Vnd der verfúcher genacht fich 15 
vnd fprach zů im. Biltu es der fun gotz: fo fag daz 


- dife ftain werden brot. | Er antwurt vnd fprach. Es 


ift gelchriben. Der menfch lebt nit allein des brotz: 

wann in allem dem wort daz do aus get von dem mund 

gotz. Do nam in der teuffel in die heyligen ftat: vnd v 
fchickt in auf die höhe des tempels: | vnd fprach zů 

im Ob dus bift der fun gotz: fo laß dich zeruck. Wann 

es ilt gefchriben: das er gebeut leinen engeln von dir. 

vnd fy entpfachent dich in die hende: daz du villeicht 


. deinen fuß icht fchadeft zi dem ftein. Vnd jhefus fprach 5 


anderwait zü im. Es ilt gefchriben. Nit verfüch 

deinen herrn gott. Aber nam in der teuffel auf ein 

en gar hochen berg: vnd zaiget im alle die reich der 
* 

5 Wann] Vnd P, daz recht] alle gerechtigkeyt Z—Oa. 6 
Wann] vnd P, fehlt Z— 0a. 8 im] fehlt ZcSa, 10 Vnd] fehlt 
L-8n. dem himel E—Oa. 11 entzamt] miteinander P, 
fehlt Z—Oa. 13 verüfchet Se. 16 es] denn A, fehlt K—On. 
fag) (prich K—Oa. 17 dife] die PA. 18 des brotz] in dem 
brot Z—Oa. 19 wann] aber Z— Oa. allem wort Z— 0a. 
21 fchickt] ftalt Z—Oa. 22 ob du bilt EP, BiltuZ—Oa. zeruck] 
hinab Z—Oa, 23 gebent] hat gebottenZ—Oa. 24 entpfachent 
dich) werden dich heben Z—Oa, den henden Z—Oa, du] + 
nit Sa. villeleht P, 25 icht] nit AOOa, belaydigelt an 
eim [.Z—Oa. 27 auf] gar auf E—Oa. einen] einem P. 28 gar] 
fehlt E—Oa. die] fehlt Z—Oa. 

= 


5 zeerfullen daz] ze fullen alles TF. 17 fprach] + zu im TP. 





pa 


Matth, 4, 195, 4. 16 


leut. Vnd zů hant lieffen fy die netz fy nachuolg- 


. ten im. Vnd er furging dann er [ach zwen ander 


brúder* jacob zebedei vnd johannes [einen brüder in 
dem fchiffe mit zebedeo irem vatter wider machent 
ire netz: vnd er rieff in. Vnd zehant lieflen fy die 
netz vnd den vatter: fy nachuolgten im. Vnd jhefus 
vmbging alles galile lernt in jren fynagogen: vnd 
predigt das ewangelium des reichs: vnd gelunt all 
vngeluntheit vnd allen fiechtum vnder dem volck. 


- Vnd fein mare ging aus in alles fyri: vnd fy brach 


ten im alle die do hetten daz vbel mit manigerlei fiech 


Ei 


tum vnd die do warn begriffen mit nóten* vnd die (320 


do hetten die teuffel* vnd die monfuchtigen vnd die 


. litfuchtigen vnd er gefunt fy: | vnd manig gefel- 


[ehafft nachuolgt im von galile’ vnd von decapoli * 
vnd von jerufalem vnd von iude- vnd von anderthalb 
des jordans. v 


| "Ann do jhefus lach die fcharen er ftaig an 
\ V den berg: vnd do er was gelelfen fein iung 
ern genachten fich zů im: | vnd er tet auf fein 


en munt vnd lert fy lagent. | Selig feint die armen 
mit dem geilt: wann das reich der himel ilt ir. | Se- 


E 

51 menfchen Z—Oa, . fy nach.] vnd nach. Z—Oa. nach- 
uolten K. 52 dann er] von dannen vnd Z—Oa, 53 jacobum 
Z—Oa. johannem E—-Oa. 55 rief in] vodert [y Z—Oa. 56 fy] 
vnd Z—Oa. 57 lernent ZSZcSa, lerend AK—Oa. 58 vnd] + 
machet Z—Oa. 59 vngefuntheit] blodigkeyt Z—Oa. allen] fehlt 
Z—Oa. vnder] in Z—Oa, vocke O, 60 märe] meynung 
E-Sa, gerühde KGSc, leumüt SbOOa fyria Z—On. 1 die 
do] do die PZ8ZcSa. nóten] peyn Z—Oa. vnd] + vnd Z. 
3 litfuchtigen] lamfuchtigen Z—Oa, gefunt] haylet Z-Oa. vnd 
vil febaren volgten im nach Z—Oa, capoli MEP. 5 anderthalb] 
den enden enhalb Z—Sa, den e. ienhalb K—Oa. 7 Wann] Vnd Z—Oa, 
er ftaig an den] da gieng er aut? einen Z—Oa. ftaig] gieng P. 
8 berg] hochen berg ZeSa. 11 mit] in AK—On. 


* 

51 netz] + vnd dz [chief TF, (dz schief später gestrichen T). 
54 machtent TF, 58ewangeli TF. — reichs] rechz T. 4 dekopoli 
TF. 7 fcharen] gefelfchaft TF. 


a 


Matth, 6, 23—30. 24 


dein aug wirt vngeng: all dein leib wirt vinfter. 
Dorumb ob das liecht das in dir ift feint vinfter‘ 

y. 24, wieuil werdent denn der felben vinfter? Niemant 40 
mag gedienen zweyn herrn. Wann eintweder er hab 
in haf den einen vnd hab lieb den andern: oder enthab 
den einen vnd verfchmech den andern. Gott vnd dem 

%. reichtum múgt ir nit gedienen. Dorumb fag ichs 
euch nit feyt forglam eweer fele was ir efft: nach 45 
euerm leib wo mit ir in valit. Ift denn nit die fele 
mer denn das effen: vnd der leib mer denn das gewand 
æ. Secht an die vogel des himels wann ly feen noch 

fchneiden nit‘ noch fament in den kalten: vnd ewer 

himlifcher vatter fürt [y. Seyt ir denn nit vil mer 3 

denn fy? Wann welcher euer mag gedencken zü zele- 

gen zi [einer gewechft ein eln? Vnd was feyt ir 

lorglam von dem gewand? Merckt die lilien des 

ackers in welcher weyle fy wachlen. Sy enarbeyten 

2%. nach fpinent nit. Wann ich fag euch: das nach fa à 
lomon in aller feiner wunniglich nit wart geualt 

#0, als eine von dilen, Wann ob daz hew des ackers daz 


us 


+ 


38 ang] leyb ZAZe. wirt vngeng — vinfter] ein [chalck fo 
wirt aller dein leib vol finftere Z—Oa, (finfternuß K— Oa). vngeng] 
vertzert P, 39 vinfter] vinlternuß K—Oa. 40 denn] fehlt Z—Oa, 
vinfternuß KGSe, vinfternuffen ShOOa, 41 dienen K-Oa. Wann) 
fehlt Z—On. einweder P, eyntweders Z—Oa. er hab] der hat 
Z—Oa. 42 in — 43 verfchmech] einen in haß vnd den andern 
(fehlt A) lieb oder er duldet einen vnd verfchmahet Z—Oa. 44 
dienen K—Oa. ich P—Oa., 45 ir] fy Z—Oa. äßt ZA, 
ißt S, el ZeSa, elle K—Oa. noch E—On. 46 vafft] anthúndt 
Z—Oa, 48 fehen M. 49 famlent A, famelt Ze, famelent Sa, 
fameln K—Oa. 52 einen (ein ZcSa) elenbogen Z—Oa, 53 forg- 
feltig K—Oa, 54 arbeyten Z—Oa. das nach] das Z—Oa. 
56 glori Z—Oa. nit] + ift ASK—Oa. bedecket worden 
Z—Oa. 57 ob] als Sb, fo OOa. 


= 


40 wiewil| + mer TF. 42 habt TF. 45 euch] + dz ir TF, 
46 leib] -+ vnd TF. 48 feen] enfeen nit TF. 49 enfneident 
TF. den] die TF. 50 fart) der fur TF, wmgedindert: der furt T, 
52 gewechlten TF. 54 wachfen] wafchften TF. enfpinnent TF. 


— 





ah 





13, 


14. 


Matth. 7, 5—16, 26 


den agen von dem augen deins brüders. Nichten welt 
geben das heilig den hunden* noch legt ewer mer- 
grielfel fur die fchwein: das fy es villeicht icht ver 
treten mit iren füllen: vnd fo fy werden bekert [y ver- 


. wulten euch. Eifcht vnd euch wirt gegeben: lücht 


vnd ir vindet: klopfet vnd euch wirt aufgetan. 


. Wann ein ieglicher der do eifcht der enpfecht: vnd 


der do fücht der vindet: vnd dem klopfenden wirt auf 


. getan. Oder welch man ift von euch ob im fein fun 


eifcht brot: gibt er im denn ein Steine? Oder ob er 
eifcht einen vilch: raicht er im denn ein [chlangen ? 


. Dorumb ob ir fo ir feit vbel ir derkennt git gaben 


zegeben ewern fúnen: wie vilmer ener vatter der in 


. himeln ift gibt gåt gabe den eifchenden im? Dor 


umb alle die ding die ir welt daz euch die leut tunt: 
die tit auch in zegleicherweiß. Wann ditz ift die ee 
vnd die weyffagen. Get ein durch das eng tor: wann 
weyt ift das tor vnd brait ift der weg der do furt zi 
dem verleufe: vnd vil feint die do ein gent durch in 
Wann eng ift das tor vnd fchmal ift der weg der do 
furt zü dem leben: vnd lútzel feint die in vindent. 
Mit fleiß hútet euch vor den vallchen weyffagen die 
zů euch kument in [cheffin gewande: wann inwen- 


dig feint fy grimig wolff, Von iren wúchern der 

19 von den P. 20 margariten Z— 0a. 21 icht] nicht 
AK—0a. 22 fy ver-] vnd ver- Z—Sa, ver- K- Oa. 23 Bittend 
Z—Oa. 25 bitt Z—Oa. der e.] der fehlt OOa. 26 wirt] 


wir M. 27 menfchZ—Oa. imjin AZcSaK—0a. 28 eifcht] Litt 
umb eyn Z—Ou. 29 eifcht] in bittumbZ—Oa, 30 fo ir feit vbel 
ir] wi wol ir böß leit Z— Oa (boßheyt Al. derkennt] kent SbOOa, 
32 dem ZZe, eifchenden im] die in bittend Z—Oa. 33 men- 
[chen Z—Ou. 34 Vnd P. das gefetz K—Oa. 37 der ver- 
damnuß Z—Oa. 38 Wann) Wie Z—Oa. 39 lützel] wenig P. 
42 grimig] zuckend Z— 0a, frúchten Z— On. 


* 


21 fy es] fis TF, 26 do] fehlt TF. 29 im eifcht TF, 
30 fo] [wie dz TF. sl in] + den TF, 32 der gibt TF. 35 
weillagung TF. 39 ir die TF, 40 Mit Neiß hütet euch] hut 


TF, + euch td. 42 griphig TF. 





5# 


Matih. 11, 21—80. 42 


villeicht fy hetten gemacht büß in herin vnd in alch- 
en. Idoch fag ichs euch: vergiblicher wirt tyri vnd 
fydon an dem tag zů dem vrteil denn euch. Vnd du 
capharnaum' derhöchftu dich denn vntz an den him 
el? Du fteiglt ab vntz an die helle. Wann ob in fo 
domis wern gethan die kreffte die do feint gethan in 


. dir: villeicht fy wern bliben vntz an difen tag. Idoch 


fag ichs dir: daz vergiblicher wirt dem lande der fo 
domer an dem tag zü dem vrteil denn dir, In dem 
zeyt jhefus antwurt vnd fprache. O herr vatter des 
himels vnd der erde ich begich dir’ das du halt ver- 
borgen dile ding vor den weylen vnd vor den witzi 


. gen: vnd halt fy deroffent den lützeln. Alfo vatter 
. wann: alfult was es geuellich vor dir. Alle ding 


feint mir geantwurt von meinem vatter. Vnd 

keiner derkennt den fun nur der vatter: noch den vat 
ber wer derkennt in nur der fun: vnd dem es der fun 
wil deroffen. Kumt alle zi mir ir do arbeit vnd [eyt 
geladen : vnd ich widermache euch. Nemt auf euch 
mein ioch: vnd lernt von mir wann ich bin fenfft 
vnd demútigs hertzen: vnd ir vindet rie ewern fel 


. en. Wann mein ioch ilt fenft: vnd mein burde ift 


leichte. Das xij Capittel. 

+ 

14 gemamacht $, herin] + kleydern Z— Oa. 15 tyro Z—Oa, 

16 fydoni Z—On, tag des gerichts Z—ÖOn. 17 wirdelt du 
denn erhöht K—Oa. vntz] biß Sb—Oa. 18 fteig MEP, biß 
Sb—-0a. fodonis E, zodomis P, fydonis Z—Se, fydone OOa. 
20 wern] fehlt Z—Oa. big Sb—Oa. 21 ich euch Z—Oa. 
fydonier Se. 22 tag des reichs Z—Sa, t d. gerichts K—Oa. 
24 vergich Z— On. 25 dem weyfen vnd vor dem witzigen Oa. vitzi- 
gen M. 26 du halt K— On. kinden P, kleynen Z—Oa. 27 allo 
Z—Oa, es] fehlt ZcSa. 28 gegeben Z—Oa. meinem] -+ 
himelifchem ZeSa. 29 nur] nun ZAZcSa, denn K—Oa. den] 
der Sa. 30 nur] nun ZAZcSa, 31 offen Z—Oa. do arbeit] 
arbeyter Z- Oa. 32 erkücke euch K—Oa. 34 demutigs] die- 
mútig im OOa. 35 ilt (zweites)] fehlt OOa, 

* 


14 herim TF, 18 fteigs F. vnez di h. TF. 18 fydom 
T, fodom F. 20 vlilicht F. difen] + heutigen TF. 21 ver- 
gibelich TF. 22 In der zeit T, 30 in] nit T. 


lo 


ER 


Ls 


13, 


14. 


15. 


16, 


17. 
15, 


13. 


21. 


Matth. 12, 11-23. 44 


er fprach zi in. Welch man ilt von euch der do hat 
ein fchaff? Vnd ob es vellt in die grüb des faml!- 


- tags: helt ers denn nit vnd erhebez? Wie vilmer der 
menfch ift beffer denn das [chaff. Allult es gezimpt m 
wol des famfftags zetün. Do fprach er zů dem menfch 
en. Streck dein hant. Vnd er [trackt fy: vnd fy wart [sesi 
im gefchickt in gefuntheit als auch die ander. Wann 


die pharifeer giengen aus: [y machten rat wider in: 

jn welcherweys fy in verluren. Wann jhefus welt 

es er fchied fich dann: vnd manig nachuolgten im: 4 
vnd er gefundet fy alle. Vnd er gebot in’ das [y in 

nit machten offen: | das derfullt wurd daz gefait ilt 

durch ylaias den weyffagen (agent. Sich mein kint 

das ich hab derwelte: mein lieber in dem entzamt wol 

geuiel meiner fele. Ich letze mein geilt auf in: vnd 10 
er derkundet den leuten das vrteile. Er kriegt nit 

noch enrufft: noch keiner hört fein [tym in den gal 


. fen, Daz geuackelt ror zerbricht er nit‘ vnd den riech 


enden flachs verlefcht er nit: vntz daz er auz gewirft 
das vrteil zü der vberwindung: | vnd die leut ver- 15 


. fehent [ich an fein namen. Do wart im bracht ein 


man [tumm vnd blint habent den teuffel: vnd er ge- 

funt in alfo daz er redt vnd gefach. Vnd alle die ge 

felfchafft wunderten fich: vnd fprachen. Ift dirr denn 
* 


58 fabbaths K— On. 59 erhebez] hebt es auff Z — Oa. 60 Allo 
gezimpt auch wol zethún an dem fabath Z—Oa. 2 im — geluntheit] 
widergegeben der g. ZASK—Oa, wider geben derg.ZcSa. 4jn — Wann] 
wie fy in umbbrächten. vnd Z—Oa. 5 er] vnd Z—Oa, fich] 
+ vonZ--Oa. — vilZ—0a. 6 machet fy all gefunt Z—Oa. — 8 yfai- 
am E—Oa. 9 entzamt] mir ZAS, ich mir ZeSa, fehlt K—Oa. 11 ver- 
kúnt Z— Oa. 12 enrufft] einrüfft P, wirt fchreyen K— Oa. 13 ge- 
uackelt] gefchlagen Z—Oa. wirt er nit zerbrechen K—Oa. 14 
flafchs O. erlefchet PZS—Oa, erlöft A. biß Sb—-Oa. wirft 
Z— 0a. 15 verfchent P. hoffnung haben in feinem namen 
Z—Oa. 17 macht in gefunt daz Z— Oa. 18 all fcharen Z—QOa. 
19 der P, difer Z— Oa. 

* 

58 ein fchafe TF, 60 Alfuft — 61 zetún] wan alluft gezimt 
es joch wol zu tun des fameztags TF. 8 Secht TF. 13 vnd 
daz gelwackelt ror TF, 14 verlefch TF. 18 er] nachtr. T. 


= 


Matth. 135, 1-12, 48 


W N dem tag jhelus ging aus von dem haus 
I er [aß bey dem mere: | vnd manig gefelfchaft m 
#- famten fich zú im: alfo das er aufftaig in 

ein fchifflein vnd falle: vnd alle die gefelfchaft ftùn- 


. den bey dem geftat: | vnd er redt manige ding zü in 


in gleichfam fagent. Secht er ging aus der do [ehet 


. zeleen feinen famen. Vnd do er feet etlich die vielen 5 


bey dem weg: vnd die vogel kamen vnd affen fy. 


. Wann die andern vieln in daz ftainig do fy nit het 


ten vil erde: vnd zehant wurden [y geborn wann fy 
hetten nit die tieff der erden. Wann do der funn wart 
geborn [y derhitzten: wann fy hetten nit die wurtzeln 40 


. vnd dorten. Wann die andern vieln vnder die dór 


s. ner: vnd die dorn wüchfen vnd derlteckten fy. Wann 


. 10, 


die andern vieln in die güten erden: vnd gaben wüch 
er’ den ein C valt’ den ein lx valt* den ein xxx valt. 
Der orn habe zehören der hör. | Vnd die iunger ge- 5 
nachten fich fy fprachen zů im. Worumb redeltu mit 


. in in gleichfam ? Er antwurt vnd [prach zi in. 


Wann euch ilt geben zeerkennen die taugen des reichs 


. der himel: wann in ilt ly nit gegeben. Wann der do 


+ 

30 er] vnd Z—Oa. manig gefelfchaft| vil fcharen Z—Oa. 

32 die] fehlt K—Oa, gelelfchaft] (char Z—Oa. manige] vil 
Z—Oa. 34 gleichnuß Z—Oa, (-en A). er] der Z—$a, ging 
aus] ilt auß gangen K—Oa, erft auß g. Z—Sa. 35 zefeen| fehlt 
ZeSa. feinen] eynen Sb. die] fehlt K— On. 37 Wann] 
aber Z—0a. 89 Wann — 40 derhitzten] Vnd als die funn aufgieng 
da erhitzten fy Z—Oa. 40 wurtzel ZeSa. 41 Wann] Vnd Z—Oa. 
42 wülchen P. derfterckten M. Wann] Aber Z—On. 43 wu- 
cher — 44 xxx vält] die frücht. Der ein fam gab hundertfeltig frücht, 
der ander (+ ein Z—Sa) fechtzigfeltig frúcht. Vnd der drit (4 ein 
Z—Sa) dreylligfeltig frücht Z—Oa.  4önalhneten K-Oa. 46 fy] fie. 


wd KGSbSe, vnd OOa, fprachen] + er G. 47 gleichnuß 
Z—Oa. 48 taugen] heymlichkeit Z—Oa. 49 wann] aber Z— On. 
Wann] Vnd P. do] fehlt OOn. 











31 fament TF, 33 rett ezo in manig dink TF. 36 ezzen 
TF. 39 die funn F. 40 geborn] fehlt T, nachtr. ta. 41 vnd 
die] vnder F, + die nachtr. fa. 42 derfteckten] ftieckent T 
nachgetr, ta, fa. 45 hort TF. 46 redelt du TF. 48 zeke 


Matth. 15, 24—353. 60 


bin nit geľant* nuer zi den [chaffen des haus jfrahels 
v.2. die do verdurben. Vnd fy kam‘ vnd anbett in (agent 

%. O herr hilff mir. | Er antwurt vnd fprach. Es ilt 45 
nit git zenemen daz brot der fúne: vnd zegeben den 

a. hunden. | Vnd fy [prach. O herr ia, Wann ioch die 
welffel effent von den brofmen die do vallent von dem 

28. tifch ir hern. Do antwurt jhelus’ er fprach zů ir. 
O weip michel ift dein glaube: dir gefchehe als du 50 
wild. Vnd ir tochter wart gefunt zů der (tant, 

2. Vnd do jhefus vber ging dann’ er kam bey dem mere 

30. galile: er fteig auf an den berg er [aß do. Vnd manig 
gelelfchaffte genachten fich zi ime’ habent mit in 
ftumen* blinden‘ lamen’ krancken vnd manig ander: 55 
vnd wurffen fy zi leinen füllen: vnd er gefunt (y. 

3. Allo das die gelellchafft wunderten fecht die (tum 
en redent' die lamen gend‘ die blinden gefehent: vnd 

#2. michelichten gott der jfrahel. Wann jhelus entzamt 


rieff (einen inngern er [prache. Mich derbarmt der 60 
[chare: wann fy vollendent ietzunt mit mir drey 
tag. vnd habent nit das fy elfen. Vnd ich wil ly (324 b] 


nit laffen valften: daz fy icht gebreften an dem weg 
83. | vnd fein iunger fprachen zi im. Dorumb wo von 
+ 

43 den] dem P. 47 Wann ioch] jedoch Z—Oa. 48 hunt- 
lein K-Oa. 49 Do ihefus antwurt P. er] vnd Z—Oa. 50 groß 
P— 0a. 52 vber ging] gieng von Z—QOa. bey] zů Z—Oa. 
53 an] fehlt P. an einen berg vnd fui Z—Oa. vil [charen-Z—Oa 
54 nahenten K— Oa. im vnd hetten bey in ftummen lamen blinden 
krancken vnd vil Z—Oa. 56 er machet fy gelunt Z—Oa. 57 gë- 


felfchafft] (char Z—Se, feharen OOa. fecht] da fy fahen Z—0On. 

59 michelichten] größten P, machten groß Z—Ona, der] von 

Z—Oa. Wann] Vnd Z—Oa. entzamt rieff'] miteinander rift 

P, rúfit Z—Oa. 60 er] vnd Z—Oa. der] die Z—Oa. 61 voll- 

endent] beharrend Z—GSc—Oa, beharreten auch Sb. mit] bey 

Z—Oa. 1 daz nit Sa. fy] fehlt ZSZcSa. 2 [y nit vergangen 
Z—Oa. an] an an P, in 00a. 
k 

48 welfer TF, 49 tifchen F. 51 wilte TF, 52 mere] 

+ ze TF. 53 er laß] vnd sazz TF. 55 plint TF. andern 

TF. 57 das] + lich TF. ftumenden TF. 58 plintden TF, 


61 fchare] gefelíchatt TF. 


a 



































v. 17. 


= 3 5 


© = 


- Vnd die iungern teten alz in ihefus hett geordent: 
. vnd fy beraiten das oftern. Wann do der abent wart 
. gemacht‘ er rüet mit fein *xij* iungern. Vnd do 


Matth. 26, 10—26. 


keit do er in in antwurt. Wann an dem erften tag 
der derb die iunger genachten lich zi ihefus fagent 
Wo wiltu daz wir dir bereiten zeeffen das oltern? 
Vnd ihefus fprach geet in die [tatt zi eim: vnd 
fprecht zi im. Der meilter fpricht: mein zeyt ilt na- 
hen: bey dir mach ich daz oftern mit meinen iungern. 


fy affen er fprach. Gewerlich fag ichs eúch: daz euwer 
einer ift mich zeverraten. Vnd fy wurden hart be- 
trübt. Sy begunden fúnderlich zefagen. Denn o herr 
bin ichs? | Er antwurt vnd fprach. Der mit mir 
legt die hant in die fchúffeln der verrat mich. Wann 
ernftlich der fun des menfchen geet als es ilt gelchri- 
ben von im: wann we dem menfchen* durch den der 
fun der maid wirt geantwurt. Güt wer im’ daz der 
menfch nit wer geborn. Wann iudas der in verriet 
der antwurt er fprach. Denn mailter bin ichs? Er 
fprach zi im. Du halt es gefagt | Wann do [y nachts 
allen‘ ihefus nam daz brot vnd gelegent es‘ vnd brachs: 
+ 

3 do] das Z—Oa. in in] in SZeSa. Wann] Vnd Z—On. 
4 derb] derben brot Z—Sa, vngelewrten brot K—On. nahneten 
K—Oa. jhefu E—Oa. 5 dir] fehlt ASc. die oftern Z—Oa. 
6 geet] + auch Se. 7 zeyt] + die Sb. ift] + gar SbOOa. 
8 will ich (+ auch Se) bereyten das ofterlam Z—Oa. 10 ofterlam. 
Vnd do Z—Oa. 11 gemacht] fehlt Z—On. 12 alfen da fprach 
er. Werlich fag ich Z—Oa, 13 wirt mich verraten Z—Oa. wur 
den] + gar Z—Oa. 14 Denn o] fehlt Z—Oa. 16 legt] ein- 
duncket Z- On. fülfeln M. Aber Z—On. 17 ernftlich) 


gewiflich P, fehlt Z—On. es] fehlt Z—Oa. 18 aber Z—Oa. 
19 fun des menfchen wirt dargeben Z—Oa, (dargegeben Sb). 20 Wann] 
Vnd Z—Oa, 21 der] fehlt K—Oa. er] vnd Z—Oa, Denn] 


fehlt Z—Oa. 22 Vnd do fy gen nacht Z—Oa, 


+ 


5 wilt du daz wir dirr TF, 11 er] + ihefus der TF, gestrichen T. 
15 ichs] + nit TF, gestrichen T. vnd] + er TF. 16 verret TF. 
Wann] vnd TF. 18 we nachtr. T. 20 verrit TF. 21 er] 
vnd TF, 22 zenacht TF. 23 gelegentz TF. 




















. Was gedenckt ir dife ding in euerm hertzen? | Wann 


das fy alfult gedachten vnter in: er fprach zů in. 


was ilt leichter zelagen zú dem litfüchtigen dein fün 
de werdent dir vergeben: oder zelagen [tee auff hebe 





10. auf dein bett vnd gee? Wann das ir willt das der 
fun der meyd hat gewalt zeuergeben die fünde auf der 

il, erde: er [prach zů dem litfachtigen. Ich fag dir [tee 
auf: vnd heb auf dein bett: vnd gee in dein haus. 

12. Vnd zehant [tind er auf: er hüb auf das bett vnd 
gieng vor allen leuten alfo das fy fich all wunderten 
vnd erten gott fagent: wann allo gefachen wir nie 

18. Vnd anderwaid gieng er aus zů dem mere: vnd al 10 

14. le die gelellchafft kam zú im: vnd er lert fy. Vnd 
do er fürgieng er lach leui alphei fitzen an dem zol: 
vnd er fprach zi im. Nachuolg mir. Er ftänd auf 

15. vnd nachuolgt im. Vnd es wart gethan do er rü 
et in feim haus: manig offen finder vnd fúnderin 1 
die rüten entzampt mit ihefus vnd mit fein iung- 

16. ern. Wann ir warn vil die im nachuolgten. | Vnd 
do die fehreiber vnd die pharifeer gelachen daz er affe 
mit den offen fúndern vnd mit den fánderin: fy fprach 
en zů fein iungern. Worumb iffet vnd trincket ewer 2% 

* 
60 alfo Z—Oa. vnter] in Z— 0a. 61 ewern K— Oa. 1 den 
Se. lamfüchtigenZ—Sa, gihtbruchigen K—Oa, (-chtigen G). 2 auff] 
+ vnd 8. 3 Wann] Vnd P, Aber Z—Oa, 4 fun des menfchen 
Z—Oa, 5 den Se, lamfüchtigen Z—Sa, gihtbrüchigen K—Oa. 
(-chtigen G). 8 gieng] + ab Z—0Oa. verwunderten Oa, 
9 wann alfo] def gleychs ZS—O, des gelichen AOa. 10 ander- 
waid] aber A. 11 die gefelfchafft] die [char Z—Sa, [char K—Oa. 
kamen OOa, 12 leui] + den fun Z—Oa. 14 es gefchach 
Z—Oa. 16 die — entzampt] ruten K—Oa. entzampt] mit- 
einander P. jhefu E—Oa. 18 fahen K—Oa. 19 offen- 
funder G. fünderin] offnen fúnderin A. 
k 
3 auf] fehlt TF. 6 vnd heb] heb TF, 7 pett vor allen 
vnd gieng alfo TF. 9 alfo gefachen] ein fulhz gefach TF. 11 
kamen TF, 13 mir] + vnd TF, 15 fünderin] funder TF. 
17 im] in TF, 19 fünderin] fundern TF. 20 iffet eur maifter 
vnd trinkt mit TF. 
E di 




















=p 


u 


m 
ann in dem *xv" iare des tip 
gebottes tyberi des keyfers* do puncio ple 
bericht inde: wann herodes was ein fürlt des 

vierden teils galilee: wann philip fein brúder em ta 

fürft des vierden teils zů iturre vnd der gegend tracho 
nicidis: vnd lifania ein fürft des vierden teils zi abi- 
line" | vnter den fúrften der pfaffen annas vnd caiphas: 
wann daz wort des herren wart gemacht vber iohannes - 

den fun zacharias in der wülte. Er kam in alle die ge 

gent des iordans vnd predigt den tauff der búb in  ă—  ž 

vergibung ir fúnden: | als es ift gefchriben in dem 

büch der [práche ylaias des weylfagen. Ein ftymme 

des rüffenden in der wilt bereit den weg des herren: 

vnd macht recht fein [teig. Ain ieglich tal wirt der -y 

füllt: vnd ein ieglich berg vnd büchel wirt gedemú- 

tigt. Vnd die krancken ding werdent in die rich- u 

tung vnd die [charpffen in die eben weg: | vnd alles 

fleyfch das ficht die behaltfam vnfers gotz. Dorumb  ž 
er fprach zü der gelelfchaftt die do aufgiengen das — = 
fy wurden getaufft von im. Gelchlecht der vippern: oe 

wer zeigt euch zeentpfliehen vor dem kinftigen zorn N 

36 Aber Z—Oa, 37 gebottes] keylertumbs Z—Oa. poncin 

pilatus Z—Oa. 38 iudeam Z—Oa. wann] vnd Z—( 3 

lea E—-Sa. wann] vnd Z—Oa, igs On. 

fehlt Z—On. trachonitidis EP, hrs q 

E-Sa. zù) fehlt Z—Oa. 42 prieltern lis Z. 

vnd caipha Z—Oa. ^ 43 wann] fehlt Z I 

44 zucharie Z—Oa., et | Oa 

es] er P. 47 Ifnie Z- m 

bofen Z—Oa. 53 fi tot wi irt fehe 

54 [prach er zů den fe 









Lucas 3, 1—7. 























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19 ) ur 
225 Lucas 6, 29—87. 


& Vnd der dich fchlecht an das wang’ beut auch im v. 2, 
das ander: vnd von dem der dir abnympt das ge- 
wand‘ Nichten wöllt im ioch weren den rock. | Eim 30. 
ieglichen der dir eifch dem gib: vnd der do abnympt 
die ding die dein feint nicht wider vorders. Vnd 31. 
30 als ir wólt das eúch die leút thünd: vnd alfo that 
ir in zegleicherweyfe. Vnd ob ir die lieb habt die 82. 
eúch lieb habent: was genaden ift es eich? Wann 
auch die finder habent lieb die fie lieb habent. Vnd 33. 


ob ir wol thút den die eúch wol thünd: waz gena- 
& den ift euch. Vnd ernftlich das thünd auch die fún- 

der. Vnd ob ir gebt das lehen den von den irs euch 34. 

verfecht zeentpfachen: waz genaden ift es eich? Wann 

ioch die fúnder leichent den fúndern: das fy entpfach 

en geleiche ding. Idoch habt lieb eúwer feind: vnd 35. 
# thüt wol vnd gebet das lechen’ von den ir etch nichtz 

verfecht zeentpfachen: vnd ewer lon der wirt mich- 

el: vnd ir wert fún des höchlten: wann erfelb ift gút 


tig vber die vndanckpern vnd vber die vbeln. Dor 36. 
umb feyt barmhertzig: als auch euer vatter ilt barm 
5 hertzig. Nichten vrteilt: vnd ir wert nit geurteilt. 37. 
* 
27 nicht AK—Oa. enwollft A. ioch] ia Z—O, fehlt Oa. 
Ein yegklicher der A. 28 eyfcht P, bit Z-—Oa. 29 vorder die 
K—Oa. 30 vnd] fehlt OOa. 31 lieb liebent die A. 33 fie] 
fich MEP. 35 ift] + es G. ernftlich] gewiflich P, fehlt 
K—Oa. die fün der S. 36 das leben EP. ir euch K—Oa. 
38 auch Z—Oa. leichtent Sa. 40 thút] + in Sa. das] 
fehlt OOa. leben Sa. von dem E—Oa. nit A. 41 der] 
fehlt K—Oa. groß P, vil Z—Oa. 42 er felber G. 44 auch] 
fehlt Se. 45 hertzig] hertz M. Nicht Z—Oa. 
25 im auch TF. 26 vnd der von dir nimt TF. 27 auch 
TF. rock wan gib eim ieglichen der von dir eifchdent vnd TF. 
28 nimt TF. 29 dein] fehlt TF, nachgetr. te, fe. nichten TF. 
33 ioch TF. 34 wol tunde TF. 35 ift] -+ es TF. Vnd] 
fehit TF. diez TF. 37 zenphanchen TF. 38 leichent] 
Wuchernt mit TF. 40 nichtz] ichtz TF. 41 eurs lons wirt 
vil TF. 43 Dorumb] wan TF. 45 nichten welt vrteilen daz 


“uch ir icht wert gevrteilt Nichten welt vertamment daz ir icht wert 
Wertampt TF. 


Kurrelmeyer, Bibel. 15 


oh. 


41. 


42. 


Lens 6, SEH 298 
Nit verdampt: vnd ir wert nit verdampt. Ver- 
gebt: vid eúch wirt vergeben. Gebt vnd etich wirt 
gegeben. Bin git maß vid em volles’ vnd ein auf 
gehauttes vnd ein vberfliffigs gebent fy ewerm bú 
fem. Wann mit dem felben maß mit dem ir melt: 
wirt eúch wider gemeffen. Wann er fagt auch in 
ein veleichfam. Mag der blind den blinden gefúren 
Fallent fv baid denn nit in die grüben? | Der iung 
er fev nit vber den mailter: wann ein jeglicher [ev 
durnechtig: ob er wirt als fein maifter. Was fich 
ftu den agen in dem augen deins briders: vnd merckft 
nit den tram der do ift in deim augen? Oder in welch 
ernevs magftu gelagen demem brúder: bruder‘ la 
ich zeúch aus den agen von deim augen: du fell fchtt 
nit den tram der do ilt in deim angen. Trugner zú 
dem erften wirff auz den tram von deim augen: vnd 
denn fichitu das du aus fúrlt den agen von dem au- 
sen deins brüders. Es dt nit ein git baume der do 
gibt bolen wúcher: noch der bob baum macht gíúten 
wücher. Wann ein ieglich baum wirt derkant von 
feim wucher. Wann fv fament nit die feigen von 
den dornen: noch enlefent die weintruben von dem 

+ 

46 Vergib P. 48 mehen A. volle vnd ein auttyehauffte 
vnd ein Vberfliffiee gebent fv m ewer fehots Z—Oa. SU mit der 
(2) A. ol] Wannj vnd Z -On. fagt vn ouch A. a2 ge- 
leiehnuß. Mag nit der Z— Ou. turen AOOa. 3 denn] fehlt G. 
Df ley] ift Z—Ua. iegkheher wirt volkumen Z—QOa. >> fein] 
ein Z —Ña. 56 augen] ang Z—Oa. 7, 6U traum Se. 37 
deim augen] den angen ME. den augen P, deinem ang Z—Oa 
29 auge E -- Oa. 60 auge Z—Oua. GL auge E—Oa. 1 dann 
Si. von don M— sb, auge OOa, 3 bringet hole trucht 
L4—Oa. wringt gute frucht Z--Oa. 4 Wannj Dann Z—Oa. 
erkant aul feiner frucht Z— On. 5 fameln K—Oa. 6 lefent Z- Oa 

* 

49 vberfluffies wirt euch (auch F) gegeben in euren TF. Al felt 
in „uch TF. 52 Mag] — den TF, gefuren den plinten TF. 
53 den nit baid in die grub TF. 58 machtu TF. 59 fichts 
T. ficht F. 60 zum TF. 2 Es] wan es TF. 3 machtet 
boolen TF. t Wann - - 5 wücher] vachtr. F. » fie lefent nit 
von den dorn di veizen noch fi enlelen di weinber TF. 


y! 


bufch Der güt menfch von dem gúten fchatz feins 
hertzen fürbringt er das git: vnd der böß menfch 
von dem böfen fchatz feins hertzen fürbringt er daz 
bob. Wann von der begnúglam des hertzen redt der 
mund. Wann waz rúfft ir mir herr herr: vnd thút 
nit die ding die ich eúch fag? Ein ieglicher der do 
kumt zi mir‘ vnd hört meine wort‘ vnd thút fy: ich 
zeig eüch wem er wirt geleich. Er ift geleich dem 
menfchen der do bawet fein haus der do grebt in die 
höche: vnd [letzt die gruntfeften auff einen [tein 
Wann do die vberundung wart gemacht der floß 

was zefchaden dem haus: vnd mocht es nit bewegen 
Wann es was nit zebewegen wann es was gegrunt 
feftent auf ein ftein. Wann der es hört vnd es nit 
enthůt der ift gleich dem menfchen der do baut fein 
haus auf die erde on gruntfelte: an daz do ift zeuer- 
wüften der floß vnd es vellt zehant‘ vnd der vall 

des haus wart gemacht michel. 


* 


10 der vberflüßigkait /—Oa. 


aber hort Z—Ou. vnd nit ZcSaSbOOa. 91 thút Z—Oa. 


(was 5) groß Z—On. 24 wart] wirt MEP. 
* 


7 bufeh] + der dom TF. 


an dem daz wazzer ift zeteilt vnd es TF. 24 gemachtet TF. 


Lucas 6, 15—49. 


11 hayffet ir mich Z—Oa. 
13 fy} + vnnd Sb. 14 Er ift geleich] fehlt P. 16 fetzt] + 
in ME, im P. 17 vnd do gewälfer kam. vnd fiel ein der flub 
in das hawl do mocht er das nit bewegen wann es (er S) was ge- 
gruntueftent Z—Oa. der] des M, dez E, dem P. 20 Der es 
ift] 
thüt Oa. 22 an] on MEP. an — 24 michel] darein gefallen 
ift der Auß. vnd ift von ftundan gefallen. vnd der val des hauß ward 


10 begnugde TF. 11 ir] fehlt 
F, nachtr. fe. 12 fag] + wan TF. 13 Ein] fehlt F. vnd fi tut 
TF. fein]einTF. 16 gruntfeft TF. 17 vberundung] vberfluzzickeit 
TF; vbervndung ta. gemacht daz wazzer zeteilt an dem hauze 
nd es mochtz nit TF; + d' flozz ta (= daz wazzer). 19 nit — 
es was] fehlt TF. 20 es nit] nichten TF. 21 enthút] tut 
TF. der fein (feine F) hauze paut vf TF. 22 gruntfefte vnd 


47. 


49. 


- 


231 Lucas 7, 24—30. 


iohannes zů der gelellfchafft. Was giengt ir aus 

in die wülte zefechen? Ein rore zewerden bewegt von 
dem winde? Wann was giengt ir aus zelechen. 

Ein menfchen geuaflt mit lindem gewande? Secht 

die do feint in dem teuren gewand vnd in den wol- 
luften: in den heufern der kúnig feint fy. Wann waz 
giengt ir auz zefechen? Ein weylfagen? Ernftlich 

ich fag euch: *vnter den geborn der weib ioch merr 
denn ein prophete. | Dirr ift von dem gelchriben ift. Sich 
ich fende meinen engel vor deim antlútz: der do fúr- 
berait deinen weg vor dir. Wann ich fag euch: vn- 


_ ter den geborn der weib ilt kein merer weylfag iohan 


nes dem tauffer. Wann der do ift mynner in dem 
reich gotz der ift mer denn er. Vnd alles volck hort 
es’ wann die offen fünder die gerechthafftigten gott: 
fy wurden getaufft mit dem tauff iohannis. Wann die 
pharileer vnd die gelerten der ee‘ die verfclmechten 
den rate gotz in in [elber: fy wurden mt getaufft von 
+ | 

24 iohanne zu der fechar Z—Oa. Was feyt ir aufgangen (auff- 
sangen Sc, aufigegangen Oa) in K-—Oa. 25 zewerden] der do 
wirt Z—Sa, fehlt K—Oa. 26 Wann] Oder Z—Oa. 27 ange- 
leget mit linden kleydern Z— Ou. lidem MEP. 28 den P—Oa. 
gewanden Z—0Ou. 29 -luften die (+ do ZeSa) find in den heufern 
der kúnig. Aber Z—Oa. 30 Ernftlich)| Gewiflich P. fehlt K— Oa. 
31 fag ich S, ich fah G. *euch. Ir habt gefehen merer dann einen 
propheten Z—Oa. den] dem P. 32 Dirr] Der P—On. 33 deim] 
dem EP, deinem Z—Oa. 35 den funen Z—0a. weyber ZcSa. 
keiner A. weyffag dann iohannes der tauffer Z—Oa. 36 dein 
tauffer M. Wann] Vnd Z—Oa. im reich ZSKGSbOOa. 37 
grolfer Z—Oa. dann Se. 38 wann] vud Z—Oa. fünder 
rechtuertigten K--Oa. fy] vnd Z—Oa. 39 dem] fehlt M. 
Aber Z— Qa. 40 die (zweites)] fehlt K—On. 41 fy] vnd Z—Oa. 

x 

26 gieng F. 27 gevazzt T, gewazzt F. Secht — 28 wolluften] 
vnd in den wolluften fi fint TF. 29 feint fy. Wann] oder TF. 
30 Ernftlich] Wan TF. 31 *vnter — weib] er ift TF. 32 pro- 
phete] weiffag TF. 33 furberait] berait TF. 34 euch kein 
merer weiffag ift vnder den geborn der weibe den iohannes der t. 
TF. 36 Mt] + der TF. 37 ift] fehlt TF, nachtr. ta, fb. 
38 wann] vnd TF. gott] + vnd TF. 39 dem] der TF. 
iohannes TF. 41 felben TF. 


to 


= 


Lucas 7, 49—R, 7. ‘ 234 


begunden zefagen vnter in. Wer ilt dirr der ioch ver 
gibt die finde? Wann er fprach zi dem weib. Gee 

in fride. Wann dein gelaube hat dich gemacht be- 
haalten. | (827) 


nd es wart gethan von defhin’ vnd erfelbe 

macht den wege durch die Itette vnd durch 

die caftellen er predigt vnd derkunt daz reich 
gotz’ vnd die *xij* die mit im waren’ | vnd etliche 
weil)” die do warn gefunt von den vbeln geiften vnd 
von den fiechtumen: maria die do ut geheillen mag- 
dalen’ von der do warn aufgeworffen 'vij’ teuffel- 
' vnd iohanna daz weip chule des fchaffners herodis 
vnd l[ufanna vnd andere manige die im ambechten 
von irem git. Wann do fich manige gelellfchafft 
hette gefamet vnd genachenten fich zú im von den 
ltetten: er redt durch die geleichfam. Er gieng auz 
der do feet zefeen feinen famen. Vnd do er feet der ein 
viel bey dem weg‘ vnd wart vertretten: vnd die vo- 
vel des himels allen in. Vnd der ander viel auff 
einen ftein’ er wart geborn vnd dorte: wann er hett 
nit die feuchte. Vnd der ander viel vnter die dorn: 

* 

25 dirr] der P. 26 wann] vud Z—On. 27 in] -+ dem 
K—Oa. dich haylwertig gemacht Z—Oa. 29 Und es gefchach 
darnach. Das er gieng durch Z— Ona. 31 er] vnd Z—Oa. 32 die 
mit im waren] mit im Z—Ou. 33 welund gemacht von den bofen 
goylten Z-—On. 34 do hayft magdalena Z—Oa. 36 thufe M. 
fchaffers K— 0O, fehatiner Oa. 37 ander vil die im dienten von 
irer habe. Do aber (ader Se) vil [char zu amen kamen. vnd genachten 
Z—Oua. dienten P. 39 fich} (y P. 40 eeleychnuf Z— Oa. 
45 auf] + ein M. 44 telen. vnd als er autfgieng do dorret er 
Z—Qa. 


* 

25 joch] da auch TF. 26 er] ihefus TF. Gee in fride. 
Wann] fehlt TF. 27 gelaube] trewe TF. 28 -halten ge in 
trid TF. 29 vnd erfelbej Thefus TF. 31 kaftel TF. 32 die 
mit im waren] mit in TF. 33 vbeln geiften] vnreinen TF; 
unterstrichen Y. vbeln geiften ta. 34 fiechtumen] 4- vnder den waz TF. 
59 uzgegangen TF. 36 hervdes TF. 37 manız ander TF. 39 hette 
— fich | het genachent TF. 4) (prach TF. +5 die feuchte] feucht T. 


5 


31. 


32, 


Lucas 8, 28—35. 238 


der fun gotz des héchften waz mir vnd dir? Ich bit 
dich: das du mich nit queleft. Wann er gebott dem 


vnremen geilt: das er aufgieng von dem menfchen 
Wann er hett in begriffen vil zeytz: vnd ward ge- 
bunden mit ketten vnd behüt mit fúfeylen: er zer- 
raib die bande vnd wart betwungen vom teuffel in 
die wúfte. ' Wann ihefus der fragt in fagent. Waz 
ift dir der nam? Vnd er fprach. Ein fchare. Wann 
manig teuffel feint eingangen in in. Vnd fy baten 
in: das er in nit gebót daz fy giengen in das abgrun 
de. Wann do was ein herde maniger [chweine wal- 
dent an dem berge: vnd fy baten in das er fy ließ ein- 
geen in fy. Vnd er geltats in. | Dorumb die teuffel 
giengen aus von dem menfchen: vnd giengen in die 
Ichwein: die herde gieng hin mit geche vnd vber- 
fturtzt in den fee: vnd deríteckt. Vnd do daz gefachen 
die fy waidenten das do was gethan fy flochen: vnd 
derkunttens in der [tat vnd in den dörffern. Wann 
[v giengen aus zegelechen das do was gethan: vnd 
kamen zů ihefus* vnd funden den menfchen fitzen zů 

* 

43 du fun Z—Oua. was ilt mir Z—Oa. 44 peinigelt P—Oa. 
Wann] vid Z—Oa. 46 zeyt P--Ou. 48 wart gebt Z—0Ou. 
von dem Se. 49 Wann] vnd Z—On. der; fehlt K—Oa. 50 ift 
dein nam. er fprach Z—Oa. SL waren eingegangen Z—Qa (in- 
gangen A). 52 in den (dem G) abgrund. vnd es was do ein herd 
vil fchweyn Z—Ou. 57 fehwein + vud Z--Oa. 58 fahen 
K —0a. 59 das do] do das EP, das Z—Ze. 60 verkuntens 
7. -Oa. Wann fy] vnd die menfchen Z—Oa. 61 zefechen 
E—0Ona. was vefchehen ZS--Oa, gefchehen waz A. 1 ihefum 
ZS--0Oa. ihefu A. 

* 

43 waz] + ift TF. 4t dich] fehlt TF. 46 het in be- 
ereif vil zeit TE. 47 behnt enezamt di fuzz mit eifenhalten vnd 
fo er zerbrach di bant vod di keten er wirt gelaget von dem TF. 
49 Welhe- ift dein (den F) nam TF. »1 feint] warn TF. 
52 in nit gebot! in icht gelute T, nieht gebute F. gicng F. dt er 
in geftat in zegen TF. 35 geltat in in zegen in fi TF. 57 die] 
nd di TF. hin fnellicheh oder mit geche in den TF, oe der- 
ftickt do diez TF. oY weident TF. 60 der] die TF. die 


dortter TF. 61 zefechen TF. 1 vnd] -- I TF. 


N 


¡340 


Ss 


10 


239 


Lucas €, 35—42. 


fein fülfen von dem die teuffel warn aufgegangen 
geuafft: vnd gefundes hertzen: vnd fy vorchten fich 
Wann auch die die do hetten gefechen: in welcher- 
weys er was gemacht gefunt von der fchar die der 
kuntens in. Vnd alle die menig der gegent der ge- 
rafener die baten in’ das er fchied von in: wann fy 
warn behabt mit micheler vorcht Wann erfelb ftaig 
auff ın ein [chiffe er kert wider. Vnd der man von 
dem do warn aufgegangen die teuffel: der bat in daz 
er wer mit im. Wann ihelus der ließ in fagent. | Ker 
wider in dein haus: vnd derkunde wie manige ding 
dir gott hat gethan. Er gieng hin vnd prediget 
durch alle die ftat: wie manige ding im gott hett 
gethan. Wann es wart gethan do ¡hefus was wider 
gekert: die gefell{chafft enpfienz in Wann all warn 
fv fein baittent. Vnd [echt ein man kam des nam 
was layrus vnd erfelb was ein fúrlt der fynagoge: 
er viel zů den fülfen ihefus* vnd bat in das er ein- 
gieng in [ein haus: | wann im was ein einige toch- 
ter vilnach ' xij’ ierig’ vnd dife [tarb. Vnd es ge- 

* 

3 Lekleydet vnd gefundes gemüts Z—Oa. fich] fy Sa. 4 
Wann] fehlt Z—Oa. » was worden gefund Z—ShOOa, gefund waz 
worden Sc. verkuntens Z—Ou. 6 die] fehlt K- Onu. S warn 
begriffen mit groffer forcht. vnd er gieng auf Z—Oa grolfer P. 
9 er] vand Z—QOa. 10 der] fehlt OOa. 11 wer mit im] wer 
bey im Z—Sa, bey im KGSb, bey im belyb Sc, belyb bey im OOu. 
Aber Z— Oa. der] fehlt K—Oa. 13 hett E, hab Oa. 15 
Wann] vnd Z-Oa. was wider kummen Z—O, wider was kommen 
Ou. dus volek P, die fchar Z—Oa. 17 harrend K— Oa. 18 er 
felbs P, der felb Z—Oa. 19 Ihefn Z—Oa. 21 -ter bey zwelf 
laren Z—Oa. wilnach MEP. 

* 

3 geuafft] gekalaidet TF. gefunden gemut TF; durch rasur: 
gefundez gemutz T. 4 ¡och TF. do] fehlt TF. 5 von] 
wan TF; von. durch rasur, T. 6 in] fehlt TF. 7 er] + fich 
TF. von] vom T. 10 dem di teufel warn aus gegangen TEF. 
11 der] fehlt TF. kert T. 12 vil TF. 15 hin predigent durch 
alle di ftete wie vil ding im ihefus het TF. 16 kert TF. wan fi 
warn fein alle beittent TF. 19 vnd bat] bitent TF. 21 vil 


nachen TF. 


Y. 


30. 


40. 


dl. 


te 
. 


Lucas 10, 36—11, 2. 254 


. der nechít* dem der do viel vnter die dieb? Vnd er 


fprach. Der do tet die derbarmd an im. Vnd ihefus 
fprach zü im. Gee vnd thü: du zegleicherweys. | Wann 
es wart gethan do fy giengen: vnd erfelb gieng in 

ein caltell: vnd ein weip bey namen martha die en- 
pfing in in ir haus: | vnd dirr was ein [chwefter bey 
namen maria. Die do ioch faffe zå den fülfen des 
herren fy hort fein wort: | wann martha die flaiß fich 
vmb die emfligen ambechtung. Sy ftúnd auff vnd 
[prach. © herr: ift dir nit rûch daz mich mein fchwef 
ter left allein ambechten. Dorumb lag ir das [y mir 
helffe. | Der herre antwurt ir vnd [prach. Martha 
martha du bift forgfam: vnd betrübt vnıb manige 


» ding. | Ernftlich ein ding ift notturftig. Maria hat 


derwelt den beften teil: der nit wirt abgenomen von ir 


s wart gethan do er bettet xf 
Es einer [tat: vnd do er hett aufgehort einer 


von fein inngern Sprach zi im. O herr lere 
vns betten: als auch iohannes lert fein junger. Vnd 
er fprach zú in. So ir bet fo fprecht: Vatter gehei- 


* 

50 die barmherezigkait Z—On. 51 vnd du thd Sc. Wann] 
Vnd Z—On., 22 giengen do (fehlt OOa) gieng er ein in ein Z—O2 
33 mit namen Z—Ona. 94 dirr] die MEP, der Z—- On. mit na- 
men Z—Oa. o> die auch Z—On. 56 herren vnd hort da: 


wort des herren. Aber martha die (felt K—Oa) wurckte fleißlich bev 
dem dienft. Sy ftünd vnd Z—Oa. tlaiß] fleißlich P. 57 dienft P. 
58 O) fehle Z—Oa. nit lorg Z—Oa. 59 left] + mich ZSZcSa. 
dienen P—Ou. fag] + ich Sa. 1 Ernftlich] Gewiflich P. 
aber K—Ou. 3 er was an eyner [tat betend vnd het Z-On. 
>» O) fehlt Z-—Oa. 6 vns] vnd Ze. lernet Se. 
* 

9 den nechlten TE; wngedndert: der n. T. dem) den F. 
ol thu) ;-aneh TF. 92 gieng] ihefus gienge mit in TF. 33 vad, 
+ Fecht TF. 54 was] fellt TF: waz ta, het fb. 55 auch TF. 
oe anif] fehlt TF. 58 rüch] fore TF. 60 antwurt vnd fprach 
zu ir TF. 61 vnd] + wirft TE. 1 hat] + ir TF. 2 der] 
+ da TF. 3 Es, Und es TF. do ihefus waz betent TF. 
4 aufgehort] 4- zu beten TF. T Vatter] f- vnfer du da hift in 
den himeln TF. 

















339 


Johannes 1, 45—2, 3. 


funden ihefum den fun iofephs von nazareth: den moy- 
Ses fchraib in der ee vnd die weyffagen. Vnd natha 
nael [prach zü im. Von nazareth mag etwas gü- 

25 tes fein. Philip fprach zi im. Kum vnd fich. | Ihe 
fus fach nathanael kumen zů im: vnd [prach von 

im. Secht der gewer ilrahelit: in dem do nit ift trie- 
keit. | Nathanael fprach zi im. Wo von kenft du 
mich? Ihefus antwurt vnd [prach zü im. E dir 

% philip rieff do du werd vnter dem feigbaum do [ach 
ich dich. Nathanael antwurt vnd [prach zü im. 

Rabi: du bift der fun gotz: du bilt ein künig if- 

rahel. | Ihefus antwurt: er [prach zi im. Ich fage 

dir das ich dich fach vnter dem feigbaum glaubeft 

8 du das: du gefichft mer denn dife. Vnd er [prach 

zü im. Gewerlich gewerliche fag ichs eüch: ir ge- 
fecht den himel offen: vnd die engel gotz auflteigen 

vnd abfteigen auf den fun der meide. 27 


nd an dem dritten tag brautlaufft wurden 
| | gemacht in chana galilee: vnd die måtter 
ihefus was do. Wann ihefus was geladen 


zi der brautlaufft vnd fein iungern. Vnd do do weins 


* 


23 in dem gefatz G. 25 Philippus Z—Oa. 26 fathanael M. 


faget Z—Oa. von] vor MEP. 27 der ift ein rechter ifrahelit 
2— Oa. ift ein falfch Z—Oa. 30 philippus rúfft da du wareft 
Z—Oa. 30, 34 feygenbaum E—Oa. 33 er] vnd Z—Oa. 35 fihft 
K—Oa. dann SaOa. er] fehlt Sc. 36 Wärlich warlich 
2—0Oa. ich E—0Oa. eúch] fehlt Sb. ir werdet fechen 
Z—Oa. 38 fun des menfchen Z— Oa. 39 hochzeyt wurden P, 
wurden hochzeit Z—Oa. 40 müter ihefu Z—Oa. 41 Wann] 


wnd Z—Oa. 42 hochzeyt P—Oa. do do] do Z—Oa. wein Sa. 
, 

22 Ihefus TF. nazareth] + galilee TF, unterstrichen T. den] 
von dem TF. 23 nathanaiel TF. 24 nazareth] + es F. 
25 fein] + vnd TF. fich] fichs wan TF. 26 nathaniel TF, 
vnd] + er TF. 28 derkennft TF. 29 E] + den TF. 30 
rief] + noch F; noch | Noch T, das erste gestrichen. 33 er] vnd 
TF. 34 glaubeft du das] vnd du gelaubít es TF, 35 nach 
merer dink den TF. 


22 * 


47. 





. 16. 


17. 


19. 


Johannes 3, 15—26. 344 


das er hab das ewig leben. Wann alfuft hett gott 
lieb die werlt das er geb [ein eingeborn fun: das ein 
jeglicher der an in glaubt nichten verderbe: wann daz 
er hab das ewig leben. Wann gott fant fein fun in 
die werlt nich das er vrteil die werlt: wann daz die 


. werlt wurd behalten durch in. Der do gelaubt an in 


der wirt nit geurteilt. Wann der do nichten glaubt 
ietzunt ift er geurteilt: wann er gelaubt nit an den 
namen des eingeborn fun gotz. Wann ditz ift das 
vrteil: wann das liecht kam in die werlt: vnd die 

leút hetten mer liep die vinlter denn das liecht. Wann 
ire werck die warn vbel. Wann ein ieglicher der do 
thút das vbel der haft das liecht: vnd kumpt nicht 

zů dem liecht: das fein werck nit werden geftrafft. 


. Wann der do thüt die warheit der kumpt zü dem liecht 


das fein werck werden deroffent: wann in gott feint 
fy gethan. Nach difen dingen ihefus kam in daz land 
zeiude vnd fein iungern: vnd entwelt do mit in 

vnd taufft. Wann iohannes was tauffent in enon 

hey falem: wann do waren manige waller‘ vnd fy 


. kamen vnd wurden getauft. Wann iohannes was 


dennoch nit gelegt in den karcker. Dorum) frag wart 
gemacht von den iungern iohannis mit den juden 
* 

6 alfo Z —Oa. 8 glaub G. an] in Z—Oa. nicht ver- 
derbe. aber Z-—Oa. 10 vrtaylt E—Oa. aber Z—Oa. 12 
Aber der da (fehlt ShOOa) nicht Z—Oa. 13 in den Z—GScOa, in 
dem SbO. 14 funs K—Oa. Wann] vnd Z—Oa. 15 wann] 
das Z---Oa. 16 menfchen Z—Ou. vinfternuß Sa. dann 
00a. 17 die] fehlt K--Oa. bol. Dann Z—Oa. 19 werd 
ZeSa. 20 Aber Z—Oa, 21 werden geoffenbart Z—Oa. 23 
indea Z—Oa. vnl wonte da bey in Z—Oa. entwelten MEP. 
24 Wann’ Vud A. 25 falim Z—On. vil Z—Oa. 27 den- 
nocht ShScQ. dannocht Oa. gelet MEP. Darumb ward em 
frag von Z—Oa. 28 johannes EP. 

* 

6 hett] hat TF. 7 lieb] —- gehat TF. gebe TF. 8 nit 
TF. Wann gott] got der TF. 10 vrtailt T. 12 nit TF. 
15 vrtailt TF. 17 werk warn TF. 19 nit] icht TF. 21 
deroffen TF. 22 kam vnd fein junger in daz lant zu iude TF. 
27 fragt warn T. 25 iohannes TF. 


347 Iohannes 4, 10—21. 


zů ir. Weltelt du den gib gotz: vnd wer der ift der 

zů dir [pricht gib mir zetrincken: villeicht hetteftu ge 

eifchen von im: vnd er hett dir gegeben lebentiges 

walfler *Biftu denn mer denn vnfer vatter iacob der vns 

15 gab den brunnen: vnd erfelb tranck von im‘ vnd 
feine fún* vnd fein vich? Ihefus antwurt: vnd 
fprach zů ir. Ein ieglicher der do trinckt von difem 
walfer den dürft aber. Wann der do trinckt von dem 
waller daz ich im gib* den dürft nit ewiglich: wann 

X das walfer das ich im gib: das wirt im ein brunne 
des fpringenden waffers in daz ewig leben. Das weip 
fprach zi im. O herr gib mir ditz waffer das mich 
nichten dürft noch daz ich her kum zefchöpffen. Ihe 
fus fprach zü ir. Gee rúff deinem mann: vnd kum 

5 her. | Das weip antwurt vnd fprach. Ich hab nicht 

manns. Ihefus [prach zů ir. Wol haltu gefact 

wann ich hab nit manns. Wann *v* mann haftu 

gehabt: vnd den du nu halt der ift nit dein man. 

Vnd ditz haftu war. gefait. | Das weip fprach zi im 

O 0 herr: ich fich daz du bift ein weyffag. | Vnfer vet- 

ter die anbetten an dilem berge: vnd ir [precht das 

therufalem ift die ftat do es gezimpte anzebetten. Ihefus 


* 

11 die gab E-Oa. 12 begert P, geayfcht Z—Oa. er | 
Fehit S. gegeben] + ein Z—Oa. lebendig Sa. 14 * waffer] 
—- Vnd die frow fagt zi im. Herr. haftu doch nüntz in dem du fchepf- 
feft vnnd der brunn ift tieff. Darumb waher haftu daz lebentig waffer 
A, Das weyb [prach zu im. Herr du haft nichtz dareyn du fchopffeft. 
wnd der brunn ift tief. darumb von wannen halt du daz lebendig 


"waffer K—Oa. 14 Biftu] Gibftu MEP. dann (2) SaOa. 
18 Aber Z—Oa. 22 O] fehlt Z—Oa. ditz] das G, difer Sb, 
difes OOa. walfers Sa. 23 nicht Z—Oa. 24 voder deinen 
Z—Oa. 25, 27 hab keinen man Z—Oa. 27 wann] fehlt OOa, 
30 O] fehlt Z—Oa. 31 die] fehlt K—Oa. anbetten difen P. 

+ 
11 wefeftu den TF. wer da ilt TF. 12 heteft du TF. 


14 *waffer] + daz weip [prach zu im O herr der brunn der ift tief 
vnd du haft nit do mit du fchepheft Dorumb wo von haft du leben- 
tigz wazzer TF. 15 difen brunn TF. 20 wirt] + in TF. 
21 fpreingenden TF. 23 ich] + mer TF. 24 Gee] + vnd TF. 
26, 27 haft du TF. 29 Vnd] Wan F. haft du TF. 


18. 


14. 


16. 


17. 


18. 


19. 


w 


Iohannes 4, 21—34. 348 


fprach zů ir. Weip gelaub mir: wann die [tunde 
kumpt daz ir noch an difem berge’ noch in iherufalem an- 


bett den vatter. Ir anbet das ir nichten wift: wir r. 2 
anbetten das wir wilfen: wann behaltfam ift von 
den iuden. Wann die ftund kumpt vnd ift nu: daz 2 


die gewern anbetter anbettent den vatter im geifte 
vnd in der warheit. Wann auch der vatter fächt fô 


lich: die in anbetten. Gott ift der geift: vnd die in a 
anbetten in dem geifte vnd in der warheit gezimpt 
in an zebetten. Das weip fprach zů im. | Ich waiß daz $ 
meffias kumpt: der do ift gefait criftus dorumb fo 
er kumpt: er derkuut vns alle ding. Ihefus [prach s 


$s 


zů ir. Ich binß: der do redt mit dir. | Vnd zehant ka 
men fein iungern: vnd wunderten fich das er redt 

mit dem weibe. Idoch keiner [prach: waz füchftu oder 
was redtftu mit ir. Dorumb das weip ließ ir vaß 3 
vnd gieng in die ftat: vnd fprach zú den leúten. " 
Kumpt vnd [echt den man der mir hat gefait alle 

ding die ich hab gethan. Denn erfelb ift criftus ? 

Sy giengen anß von der ftat: vnd kamen zů im. 

| Vnter des fein iungern baten fagent. Maifter iffe 

' Wann er [prach zů in Ich hah effen zeeffen des ir nit. 
enwillt. Dorumb die iunger [prachen zů einander 

Denn hat im iemant bracht zeffen? | Thefus fprach 


+ 

35 nicht Z—On. 36 wiften A. wann das hayl ¡ft auf den 
iuden. Aber Z—Oa. 38 waren Z— Oa. anbeten werden den 
K—On. 39 fulichs MEP. 40 vnd] -+ den K—Oa. 42 in 
an] man MEP, an Z—Oa. 43 ift genennet Z—SaG—O, ift gennet 
K, ift genannt Oa. 44 verkundt Z—Oa. 45 der ich red Z—Oa. 
47 füchftu] vorfeht du ZASKSLOOA, vorfehftu ZeSa, vorfcheft du Sh, 
fracft du G. 48 iren krug Z—Oa. 49 menfchen Z—Oa. 51 
Ift er denn (dann SaOa) nit criftus Z—Oa. er felbs P. 53 die 
wevl baten in fein iungern fagend K—Oa. 54 Wann] fehlt Z—Oa. 
hab ein [peys zù effen die ir nit wifft Z—Oa. 56 hat im dann 
yemant Z—Oa. 


ern 


* 

35) nit enwizzt wan wir TF. 38 im] im dem TF, durch rasur 
in dem T. 40 ift der] der ift ein TF. 42 Das] vnd daz TF. 
47 fprach] -!- zu im TF. 48 ir] da ire TF. 51 crift TF. 
93 baten] di baten in TF. 59 zù, — in mein ez T, (gestrichen). 











v . 


36. 


40. 


41. 


43. 


Iohannes 7, 35—43. 366 


das wir in nit múgen vinden. Ift er denn geen in 

die verzetunge der heiden’ vnd zelernen die heiden ? 
Welchs ift das wort daz er [prach‘ ir fücht mich vnd 
vindet mich nit: vnd do ich bin do múgt ir nit kum 
men? Wann an dem iungften tag des micheln mef 
tags ihefus der [tind: vnd rieff fagent. Ob etlichen 
dürft: der kum zú mir vnd trinck. Der an mich ge- 
laubt als die [chrifft fpricht: flöß lebentiges walfer 


. flicffent von feinem bauch. Wann ditz fait er vom 


geift: den die in warn zeentpfachen die do glaubten 
an in. Wann der geift was dennoch nit gegeben: 
wann ihefus was dennoch nit gewunniglicht* | dor- 
umb manig von der gefell{chafft do fy hetten gehort 
dife fein wort fy fprachen. Dirr ift ein gewer weyf 
fag. | Wann die andern [prachen. Dirr ift criftus. 
Wann etlich fprachen. Kumpt denn criftus von ga- 
lilee? Spricht denn nit die [chrifft: daz crift kumpt 
von dem famen dauids* von dem caltell bethleem von 
daun dauid waz? Dorumb mifhellung wart gemacht 


= 


7 Wirt er denn (dann Sa) geen zů erftreuwen die hayden vnd 
leren (zeleren K— Oa) die hayden. wer (wolches ZcSa) ift die rede die 
(das wort das ZcSa) er fprach Z—Oa. 11 Vnd an dem leczten tag 
des groffen fefts da [tind ihefus vnd fchry fagent Z—Oa. >- grolfen 


P. 12 rüft P. etlich K—Sc. 14 gefchrifft E—Oa die 
Hus des lebentigen waffers Z—Oa., 15 bach Sb. aber Z—Oa, 
16 den fy warn zentpfachen Z Zc, den fy warn empfahen Sa, den 
wurden entpfachen K-—Qa. gelaubent Z—Sa. 17 was] + im 
MEP. 17, 18 dennoeht PSSbScQ, dannocht Oa. 18 geeret P, 
glorifiezieret Z - Oa. 19 vil Z- Oa. von dem volck P, von 
der fehar Z ~- Oa. 20 fy] fehlt OOa. Der E—Oa. ift war- 
lieh ein Z—On. 21 Wann] fehlt Z -On. Der P, Difer Z—Oa. 
22 Aber Z -Oa. dann SaQa. von] in 8. gulilea E - Oa. 
23 velchrifft Z -- Oa. criftus E---Oa. 24 von (erstes)] au Z—Oa. 
dauid Z Ou. 25 wart] was Sa. gemacht] fehlt Z—Oa. 
* 

7 in] fein TE. zegen TF. 8 zu leren TF. heiden] 
= vnd TF. 10 mich] mein TF, ir nit] + hin TF. 13 
trinkt F. 15 er von dem TF, 23 criftus TF. 24 dauids] 


4- vud TF. ealtelln betbelhem TE. 


tz 


UR 


367 Aia ~ eff A 


vnder der gefellfchaft wnb m Warr eka we in e. te 
die wolten in vachen: wann kemer ket De hart an 
in. Dorumb die anbechter dre kamen 13 den bilchwten a 
vnd zi den pharifeern: vnd fr Íprachen zù in. Wer 
© umb fart ir im nit her? die ambechter antwurten. AS 
Nie kein man hat geredt alío: als wrr man. Die a. 
pharifeer antwurten in. Denn feyt auch ir verlait 
Glaubt denn auch etlicher von den fúrften: oder von IN 
den pharifeern an in? Wann die gefellfchafft die a 
% nicht derkant die ee: die ift vertlácht. Nicodemus ML 
der nachtes was kumen zü im: der was einer von 
in der fprach zi in. Denn vnfer ee vrteilt fv den menich al. 
en: nur fy hör zúm erften von im vnd derkenn waz 
dings er thút? Sy antwurten vnd fprachen zů im 3. 


© Denn bift auch du ein galileer? Derfüch die fehritft 
vnd fich: das der weyflag nit aufltet von galilee. 
Vnd [y kerten wider ein ieglicher in fein hans. TT 


ann ihefus gieng an den berg der ölbaum: l. 

| vnd frú kam er in den tempel vnd alles volck 2. 

; kam zů im: vnd fitzent lert er fy. Wann die 3, 
£chreiber vnd die pharifeer züfürten ein weip begrif 


* 


26 dem volcke P, der [char Z—Oa. 27 die (erstes)] fehlt K -- Ou. 
aber Z—Oa. 28 diener P— Oa. die] fehlt K— Onu. 29 fy] 
die Z— Oa. 30 diener P—Oa. 31 menfch (2) Z --Oa. dirr] 
der PA, difer ZS—Oa. 32 Seyt ir dann auch Z—On. verfürer 
L—Le. 33 dann SaQa. 34 Aber Z—Oa. die fchar P- Oa, 
35. die ift] ift K—Oa. 36 der (erstes)] des MEP, der des Z-Oa. 
im] + vnd Z—ZcK—Oa. 37 in. vrtaylet dann vnfer gefatz den 
Z- Oa. ee] + die EP. 39 thi Z—Ou. 40 Biftu dann 
(denn Zc) auch ein galileyfcher Z - Oa. gefehrifft Z Oa. 41 
galilea E—Oa. 43 Und ihefus Z--Oau. den oberg Z- Oa. 
45 Aber Z—Oa. 46 die] fehlt OOa. zúfúrten] ; im Z -Oa, 


$ 


26 der] + der T. 2 die kamen] kamen TF. 31 dirr 
man] + redt TF. 32 verlait] + oder TF. 33 auch] frhlt TF. 
34 den] fehlt TF. 35 ift] fint TF. $6 zu, | ihefus aér TF. 
gestrichen T. 40 derfucht TF. 42 ein etiicher TF. 44 er] 
-4 aber TF. 46 zufarten| di cufusten im TF. 


nd 


Qt 


10 


| 


871 Iohannes 8, 32-43. 


vnd die warheit die freyet euch. Die iuden antwur 
ten im. Wir fein famen abrahams vnd dienten nie 
keim. Inwelcherweys fprichftu ir wert frey? | Ihe 
fus antwurt in. Gewerlich gewerlich fag ichs euch 
daz ein iechlicher der do thüt die finde der ift ein knecht 
der fünden: | wann der knecht beleibt nit in dem haus 
ewiglich : wann der fun beleibt ewiglich. Dorumb 
ob euch der fun freyet: ir wert gewerlich frey. Ich 
waiß das ir feyt fün abrahams: wann ir [ücht mich 
zedötten: wann mein wort verfecht nit in euch. Das 
ich fach bey meinem vatter das rede ich: vnd das ir 
facht bey ewern vettern das thüt ir. Sy antwurten 
vnd fprachen zi im. Abraham ift vnfer vatter. 
Ihefus fprach zů in. Ob ir feyt fan abrahams: fo 
thüt das werck abrahams. Wann nu fúcht ir mich 
zedötten einen man ich do hab geredt die warheit zú 
euch: die ich hort von gott. Ditz det nit abraham. 
' Ir thút die werck ewers vatters. Dorumb fy fprach 
en zü im. Wir fein nit geborn von der gemain vn- 
keufch. Wir haben gott zi eim vatter. | Dorumb ihefus 
fprach zú in. Ob gott wer ewer vatter. Ernftlich 
ir hett mich lieb Wann ich gieng aub von gott vnd 
kam. Wann ich kam nit von mir felber: wann er 
fant mich. Worumb derkennt ir nicht mein rede? 

* 

50 die freyet] derfrewet ME, erfreüet P—Sa, wirt euch freyen 
K—Oa. 51 fein der famen abrahe Z—Oa. 53 Warlich war- 
lich Z—Oa. ich EZ—Oa. 55 aber Z—Oa. 56 wann] 
funder Z—Oa. 57 freüwet P. 58 die fun abrahe Z—Oa. aber 
K—Oa. 60 meinen G. 61 euwerm vatter Z—Oa. 2 Seyt 
ir die fun abrahe Z—Oa. 3 abrahe Z— Oa. 4 einen] fehli ZAS. 
menfchen der ich euch gefaget hab die warheit Z—Oa. 6 fprachen 


fy Z—Qa. 9 Gewiflich P, fürwar K—Oa. 11 Wann] vnd OOa. 
wann] aber Z—Oa, 


æ 


50 warheit macht euch frey TF. antwurt T. 51 fein} + 
der TF. 52 keim] -+ dorum TF. 55 fund TF. 58 wann] 
fehlt TF. 60 vnd das] + ich T, gestrichen. 61 eurm vatter 


TF.  antwurt T. 2 feyt] + di TF. 3 das] di TF. 11 Wann] 
nachgetragen F. lelb TF. 
24 * 


41. 


30 


Iohannes R, 43—63. 372 


Wann ir mügt nit gehórn mein wort. | Ir feyt von 
dem vatter dem teuffel: vnd wölt thün die begerung 
ewers vatters. Er was ein manfchleg fint dem an 
geng: vnd ftánd nit in der warheit: wann die war 
heit ift nit in im. Vnd fo er redt die lug» von feim 
eigen redt ers: wann er ift ein lugner vnd fein vat 
ter. Wann ich fag euch die warheit: ir gelaubt mir 
nit. Welcher von euch berefpt mich von der fúnde. 
Ob ich euch fage die warheit: worumb glaubt ir 

mir nit. | Der von gott ift: die wort gotz hört er. Dor 
umb hört ir nit: wann ir feit nit von gott. Dorumb 
die inden antwurten: vnd [prachen zů im. Sagen 

wir denn nit wol’ das du bilt ein [amaritan* vnd 
haft den tentfel. | Ihefus antwurt. Vnd fprach zů 

in ich hab nit den teuffel: wann ich ere meinen vat 
ter’ vnd ir vnert mich. Wann ich füch nit mein 
wunniglich. Er ift der do fücht vnd vrteilt. | Gewer 
lich gewerlich fag ichs euch: der do behüt mein wort 
der bekort nit den dott ewiglich. Dorumb die iuden 
fprachen zú im. Nu derkennen wir: das du haft den 
teuftel. Abraham ift dott vnd die weyflagen feint 
dott: vnd du fprichft ob etlicher behút mein wort der 
bekort nit den dott ewivlich. Biftu denn mer denn 
vnfer vatter abraham der do ift dott. Vnd die weyf 


x 


14 begir Z—0. begird Oa. 15 manfchlachter von anfang 
4 —On. 17 lug auß eygem willen redt Z—Oa. 13 ers] er die 
K—Oa. 19 Aber Z—Oa. warheit vnd ir Z—Qa. 20 Welcher 
auß euch wirt mich ftratfen Z—Oa, ftrafit P. 21 die] von 
der P. 22, 23 von] auß Z—On. 23 ir (erstes)] ira Zc, ir es Sa 
25 dann OOa. wol Das du bift eyn||wol daz du bift ein Sa 
29 glori P -Ou. Es ilt S. Warlich wärlich Z— Oa. 30 ich 
P Oa. 31 der] fehlt OOa. bekert nit M, bekort nit E, be- 
kort nit P, wirt nit verfúchen Z— Oa. ewigklichen ZS—Sc. $ 
bekor nit P., wirt nit verfüchen Z--Oa. Biftu dann SaOa. meer 
dann 00a. 

* Cy 

14 dem] der T, umgeändert dew, ta. 15 vater T, nuchgetragen 
fc. minfleck TF, 16 geftund TF, 17 Vnd) fehlt TE. 
IS fein] ir TF. 25 famaritaner TF. 


10. 


11. 


12. 
. fprach. Ich enwaiß. | Sy züfürten in zi den pharife- 
14. 


Iohannes 9, 4—11. 374 


die nacht kumpt: fo mag keiner wircken. Die weil 
ich bin in der werlt: fo bin ich ein liechte der werlt. 
Do er ditz het gefeit er fpritzt an die erd* vnd macht 
horb von der fpaicheln: vnd fielb auff fein augen: 

| vnd fprach zů im. Gee zů natatorie filoe: daz wil fa 
cen gelunt vnd wafche dich dorumb er gieng hin vnd 
wúfche fich: vnd kam gefechent. Dorumb die nach 
bauren vnd die in vor hetten gefechen daz er was ein 
betler die fprachen. Ift dirr nit der do fab vnd_ bet- 
telt. Die einen die fprachen wann er ift es: wann 
die andern fprachen in keinerweys: wann er ift fein 
geleich. Wann erfelb fprach: wann ich bins. | Dor- 
umb (y fprachen zů im. In welcherweys feint dir 
aufeethan die augen. ' Er antwurt. Der man der 

do ilt geheiffen ihefus der macht horb vnd fielb mein 
augen: vnd [prach zú mir Gee zenatatorie fyloe: vnd 
wafche dich. Vnd ich gieng hin: vnd wúlch* vnd 
gefich. | Dorumb fy fprachen zi im. Wo ift er? Er 


ern der do was gewefen blint. Wann es waz fambf 
tag do ihefus hett gemacht daz horb: vnd hett im auf 


* 


1 geredt da (fehlt OOa) [purezt er an Z—Oa. 2 horb] kath P, 
kot Z—Oa. von] auß Z -Oa. falbet das kot auff Z—Oa. 
3 Gee vnd wafch dich in natatoria 4—0On. wil fagen] ift als vil 
als Ou. 4 vnd wafche dich] fellt 7—Oa. 7 der P, difer Z—Oa. 
8 die] fellt K—Oa. wann er] er OOa. Aber die Z—Oa 
9 aber Z—Oa. 10 Vnd er fprach ich Z—Oa. er felbs P. 
13 horb] kat P, cin kot Z-0Oa. falbet Z—Oa. 14 Gee in 
natatoria Z—Oa ı-rio ZeSa). 15 wüfch mich Z—Oa. vnd] + 
ich K— Oa. 16 Dorumb] fehlt Z—OQa. 17 Ich waiß fein nit. 
fy fürten Z—Oa. 19 das kath P, das kot Z—Qa. 


* 


60 kumt in der niemant mag gewirken TF. 1 gefeit] + dife 
dink TF, fpurezt TF. 2 der] de T, den F. fielb] + daz 
horb TF. 3 zu (rweites)| fehlt TF, nachgetragen te. natator TF. 
T beteller TF. 9 fprachen] fehlt TF. 10 gelicher TF. 12 die] 
dein TF. antwurt] -- vnd fprach TF. 13 hor T. 14 czu 
nichatorie TF. 15 wufeh] -:- mich TF, 16 er] dirr vnd TF. 
17 pharifcer den der TF, 19 hor TF, -b nachgetragen corr. T. 


3. 


Iohannes 9, 22—32. 376 


begech zefein criftus das er würd auß der [ynagogen 
Dorumb fprachen fein geberer‘ wann er hat das al 
ter fragt in felber. Dorumb fy rieffen anderwaid dem 
menfchen der do waß gewelen blint: vnd [prachen 

zů im. Gib wunniglich gott. Wir wiffen das dirr 
man ift ein fúnder. | Dorumb er fprach. Ob er ilt ein 
finder ich enwaiß: wann eins waif ich: das ich waz 
blint: vnd nu gefich ich. Dorumb fy fprachen zú im 
Was det er dir? In welcherweys det er dir auf die 
augen ? | Er antwurt in. Ich fait es euch ietzunt: 
vnd ir hort es. Was wölt irs aber hören? Denn 
wolt ir auch werden fein iungern. Dorumb fy flüch 
ten im: vnd fprachen. Du bift fein iunger: wann 


. wir fein die iunger moyfes. Wir wiffen das gott 


redt mit moyfes: wann difen wiffen wir nit von 

wann er ift. Der man antwurt vnd [prach zů in. 
Wann in difem iff es wunderlich daz ir nichten wilt 
von wann er ift: vnd er mir auf det meine augen. 
Wann wir willen daz gott nichten derhört die fün 

der: wann ob etlicher ift der diener gotz vnd thüt fein 
willen: difen derhört er. Wann es ilt nit gehort von 
der werlt: das iemand aufftet die augen des blinden 


* 


42 verinche das er wäre criftus. der felb folte fein auf ir gemayn- 
fame Z—On. criftum EP. 43 vatter vnd mater Z—Oa. 44 
rüffen P, rufften Z—Oa. anderwaid] aber A. 46 wunniglich] 
ere P, die ere Z -Oa. der man E—Qa. 47 Da fprach er Z—Oa. 
48 finder waif ich nit aber eins Z—Oa. 49 Dorumb] fehit Z—Oa 
BO wie tet er Z—Oa. deine augen OOa. 51 Ich hab es euch 
vetzund gefagt vnd ir (fehlt Z—Sa) habt es gehört Z— Oa. 2 ir 
Z— Oa. Denn] fehlt Z— Oa. 53 ir] + denn Z—Oa. Dor- 
umb: fehlt Z- Oa. 54 biß ZASK—Ou. ein junger ZcSa. Wann: 
fehlt OOa. 55 moyli Z— Oa. 56 moyfe. aber Z—On. 57 
menfeh Z—Oa. 58 Wann] fehlte 7—On. nicht Z— Oa. 60 
nicht E -Ou. 61 aber Z—Oa. ift] fehlt S. 1 erhört 00a 


42 würd] -]- geworften TF. 43 guperter T. 47 Dorumb) 
vud TE, 48 wai] wz T. Al fuicz es TE. 53 auch ir TF. 
werden] -¡- gemacht TE, (gestrichen Y. 56 enwizzen TF. 51 
ift] --- vnd TF. 60 nit TF. 


A 


377 Tohannes 9, 33—10, 2. 


geborn. Wer dirr nit von gotte: er mócht kein ding v. 38. 
thûn. | Sy antwurten: vnd fprachen zů im. Du bift 34. 
> aller geboren in fúnden: vnd lereft vns. Vnd fy 
wurffen in aus. Wann do ihefus gehorte das fy in 85. 
hetten aulgeworffen: vnd do er in hette funden er 
fprach zü im. Gelaubftu an den fun gotz? | Er ant- 96. 
wurt vnd fprach. O herr wer ift er das ich gelaube 
10 an in? | Vnd ihefus [prach zi im. Vnd du haft in 37. 
gefehen: vnd der mit dir redte er felbs ift. Vnd er 88. 
[prach. O herre ich glaubs. Vnd er viel nider vnd 
bet in an. | Vnd ihefus fprach zú im. In vrteyl kam 39. 
ich in dife werlt: das die do nichten fehen fehent: vnd 
lì die do fehent werden gemacht blint. Vnd etlich von 40. 
den pharifeern die do warn mit im die hortens: vnd 
fprachen zů im. Denn fein auch wir blint. | Ihefus 41. 


fprach zů in. Ob ir wert blint ir het nit fand. Wann 
nu [prechet ir das wir gefehen: dorumb ewer finde 


20 die beleybt. Das ‘x’ capitel. 
Ewerlich gewerlich fage ichs euch: der nit 1. 
eingeet durch die túre in das [chaffhaus der 


{chaff wann der do ander[wo aufflteigt: der 
ift ein diebe vnd ein [chacher. Wann der do eingeet 2. 


* 


3 der P, difer Z—Oa. 5 aller) ganczer Sb, gantz OOa. 6 auñ. 


vnd ihefus hort Z—Oa. 9, 12 O] fehlt Z—Oa. 11 redt der 
ift es Z—Oa. 12 gelaub Z—Oa. 13 In] + das Z—Oa, 14 
nit Z—Oa. fehent] gefehen Z—Oa. 17 im. feyn wir denn 
(dann ZcSaQa) auch blind Z—Oa. 18 Waret ir blind Z—Oa. aber 
2—0Oa. 19 das] dann K—Oa. 20 die] fehlt AK—Oa. be- 
leyben Oa. 21 Werlich warlich Z—Oa. ich E—Oa. 22 den 
fFchafítal Z—Oa. 23 aber er geet anderft (anderfwo K—Oa) auff. 


GerZ—Oa. auff fteig EP. diebevndein]fehltP. 24 Aber Z—Oa. 


* 


3 nit] fehlt T. 3 mocht nit getun kain ding TF. 4 ant- 


wurten] + im TF. 5 in] + den TF. vnd] + du TF. 6 fy 
in] fi TF. 11 rett der ift es TF. 13 anpett in TF. 14 
fehent] daz fi gefechent TF. 15 fehent] gefechent di TF. 
16 den] fehlt F. pharifeer TF. 22 [chaffha || hauf T. 23 do] 


fehlt TF. 


~) 
. 


10. 


11. 


ave 


378 


Iohannes 10, 2—12. 


durch die tür‘ der ift ein hirt der fchaff. Difem tat 
auff der torwerter: vnd die {chaff horent fein ftymm. 
Vnd er rüfft die eygen [chaff mit namen: vnd fúrt 

fy aus. Vnd fo er hat aus gelaffen die eygen [chaff 
er get vor in: vnd die fchaff nachuolgent im: wann 
fy wiffent fein ftvmm. Wann fy nachuolgent nit dem 
frembden* wann fy fliechent von ime: fy erkanten 

nit die ftvmm der frembden. Dife geleichfame fprach 
ihefus zü in. Wann fy erkanten nit was er hett ge- 
fagt zů in. | Dorumb ihefus fprach zů in. Gewer- 
lich gewerlich fas ich euch: wann ich bin ein tür der 
fchaff. Alle die do komen daz warn dieb vnd fchach- 
er: wann die [chaff horten ir nit. Wann ich bin ein 
tür der (chaff. Der durch mich einget der wirt behal- 
ten: vnd einget er vnd aulgeet: vnd weyd vindet er 
Der diep kam nit: newer das er [tel vnd erfchlüge 
vnd verlür. Ich kam das fy haben das leben: vnd fy 
habent es begnúgliche. | Ich bin ein gåt hirte. Der 
gút hirt gibet fein fele vmb fein [chaff. Wann der 
mietling der do nit ift ein hirt des die {chaff nit feint 
eygen’ fo er fichet den wolff koment vnd er left die 
fchaff vnd fleucht: vnd der wolff zuckt* vnd zerftreut 


a 

27 vodert Z-- Oa. 20 Wann fy] vud Z—0Oa. nit den 
PZcOOu. 31 aber Z—Oa. im. wann fy haben nit erkennet 
die Z—Oa. erkunten MEP. 32 gleychnufS Z—Oa. 33 ihe- 
fus] fehlt P. Wann] vnd Z--On. 34 Wärlich warlich Z—Oa. 
35 ichs P. 36 kumen die fern dieb Z—Oa. 37 aber Z—Oa. 
ir) fy Z—Oa. Wann] fehlt Z—Oa. 39 vnd wirt ein vnd auß 
geen. vnd wirt vinden die wayde Z—Oa. 40 Der fchacher P. 
kan nicht dann allayn das er Z—-Oa. 41 verliere Z—Oa, 42 
begnuglichen Z— Va. guter ¿—On. 43 Aber Z—Oa. 44 tag- 


loner P, loner Z -Oa. der hirt Z—Oa. 45 ein wolff P. vad; 
fehlt Z— Oa. 
% 
26 torwertel TF. 27 rúfft] -- den TE, (unterstrichen T). fchaffen 
TF. 31 fremdem TF. ime] + wan TE, 33 was er] daz er fi TF. 
34 zu] von TF, fprach] + aber TF. 35 ichz TF. 36 fchaff] 


+ vnd TF. 37 Wann] fehlt TE. 39 aufgeet] + er TF. 
40 erfehlúge] derfllach TF. 44 mietling] + vnd TF. in 


cin] feld! Tift der nachyetragen corr. ein) /ehlt Y. hirt] + vnd TF. 


379 Iohannes 10, 


die (chaff. Wann der mietling fleucht wann er ift 

ein mietling: vnd es gehort nit zú im von den fchaf 

fen. Ich bin ein güt hirt: vnd erkenne die meinen 
50 vnd die meinen die erkennent mich. Als mich der 
vatter erkant* vnd ich erkenne den vatter: vnd fetz 
mein [el vmb mein fchaff. Vnd ich hab ander [chaff 
die do nit feint von dilem [chafhaus: vnd diß gezimt 
mir herzefüren vnd [y hörn mein [tymm: vnd es wirt 
ein fchaffhaus vnd ein hirt. Dorumb der vatter hat 
mich lieb: wann ich fetz mein fele: vnd aber nyme 
ich fy. Keiner nimpt fy von mir: wann ich fetze [y 
von mir felber. Ich hab gewalt fy zefetzen: vnd hab 
gewalt fy aber zenemen. Ditz gebot entphieng ich von 
meinem vatter. Dorumb miffhellunge ward ge- 
amachet vnder den iuden* vmb dife wort. Wann 
3 manig von in fprachen. Er hat den teufel er vnfint 

Was hört ir in? | Wann die andern [prachen. Di- 

fe wort feint nit des der do hat den teufel. Mag denn 

der teufel auffgetün die augen der blinden? Wann 


Yi 


v 


ter. Ihefus gieng in den tempel in der vorlauben [a 
lomons. Dorumb die iuden vmbgabent in: vnd 
[prachen zů ime. Vntz wenn nimpftu vnfer fele? 
Ob dus bift criftus: fage es vns offenlich. | Ihefus 
antwurt in’ ich red zů euch: vnd ir gelaubt fein nit 


x 


13—256. 


hochzeyt warn gemacht in iherufalem: wann es was win 


47 Aber Z—Oa. 47, 48 tagloner P, loner Z—Oa. 49 gúter 
Z—Oa. 50 die niemen E. die (zweites)] fehlt K—Oa. 53 vnd] 
fehlt OOa. die müß ich herzú furen Z—Oa. 57 aber Z—Oa. 
39 abzenemen MEP, widerumb zenemen Z—Oa. 60 darumb ward 
ein zwitracht Z—Oa. l auf in Z—Oa. teufel vnd ift vnbe- 
fynnt Z—Oa. 2 Aber Z—Oa. 3 dann SaQa. 4 Vnd es 
warden kirweych in iherufalem vnd es Z—Oa. 6 falomonis. Die 


‘Z— Oa. 8 enthebeft vnfer Z— Oa. 9 Biftu eriftus Z—Oa. 


50 meinen derkennent TF. 51 fetz] ich fecze TF. 96 


du EP. 


wann] 


vnd TF. fele] + vm fi TF, (gestrichen T). 57 fy"] + vnd 
TF. 60 ward] + aber TF. 61 den] fehlt TF, nachgetragen 
ta fa. 1 er] vnd TF. 5 warn] wurden TF. wann] vnd TF. 


6 in den} im TF. 9 dus] dicz F. 


. 18. 


14. 


15. 


18. 


19. 


21. 


ÉS 


g 


EN 


Iohannes 11, 60—12, 2. 386 


gezimpt das ein menfch [terb vmb das volck: vnd 


. alles volck nichten verderbe. Wann ditz fait er nit 


von im [elbft: wann do er was bifchoff des iars er 
weylfagt: das ihefus criftus wer zefterben vmb das 


. volck. Vnd nit allein vmb das volck: wann das er 


fament die fún gotz in ein die do warn zerftrewt. Dor 
umb von dem tag gedachten [y das fy in derfchlú- 


. gen. Dorumb ihefus gienge ietzunt nit offenlich 


bey den iuden: wann er gieng in die gegent bey der 
wúlte in die ftat die do ift geheifen effrem: vnd ent- 


. welt do mit fein iungern. Wann das oftern der iu 


den was nachen* vnd manig von der gegent [tigen 
auf zü iherufalem vor den oftern: das [y geheiligten fich fel 


. ber. Dorumb fy füchten ihefum: fy ftünden im tem- 


pel vnd retten zü einander. Was went ir das dirr 


. nit kumpt zi dem mefftag? Wann die bifchoff vnd 


die pharifeer hetten geben ein gebot: ob iemant der- 
kannt wo er were daz er zaigt: das fy in vingen. zij 


ann vor 'vj’ tagen zeoltern ihefus kam zů 
\ V bethania do lazarus was dott: den ihefus 
derftúnd. Wann fy machten im do ein abent 


R 


23 nicht Z— Oa. Aber das faget Z—Oa. 24 felb EZ—Oa, 
felbs P. 25 wer [terben Z -Sa, würd fterben K—Oa. 26 wann] 
aber wann ZS—Se, aber AQOa. 27 famet Zc, famelt Sa—Oa 
in ein] zúlamen Z—Oa. do) fehlt M. 28 fy (erstes)] fehlt Sc. 
todten Z—Oa. 30 Aber Z—Oa. 31 wont P—Oa. $2 die 
oltern der iuden nachet vnd vil Z—Oa. 33 giengen auff Z—0Oa 
34 vor] von S. hayligten Oa. 35 vnd [tünden Z-Oa. ind. 
36 maint ir Oa. der P, difer Z—On. 37 dem feft Z—Oa 
39 daz er] -1- in Z—Oa. 40 Wann] Und Z—Oa. der oftern 
2—0a. 42 erkúcket AZcSa, erwecket K--On. vnd fy Z—0a. 
in da G. 

* 

23 nichten] nit TF. nit] -/- nit F. 24 felb TF. 25 
ihefus] Jehlt VE, nachgetragen ta. 26 Vnd] wan TF. 29 ihefas} 
Jq- der TF. 23 nachent TF. 35 ihefus TF. 38 gegeben 
TF. ob] + in TF. 4) kam] + in T. 


£4 


aa 


389 Iohaunes 12, 21—29. 


nachten fich zi philipp der do waz von bethfaida ga 
llee: vnd baten in fagent. O herr: wir wolten [echen 
25 thefus. | Philipp kam: vnd fait es andreas. Ander 
waid philipp vnd andreas fagten es ihefus. Wann 
ihefus antwurt in fagent. Die ftund kumpt das der 
fan der maide wirt gelautert. Gewerlich gewerlich 
fag ichs euch: ob das waitzenkorn vellt an die erde 


» ob es nichten derftirbt: es beleibt eine. Wann ob es 


ftirbt: es bringt vil wúchers. Der fein fel liebhat: 
der verleuft fy. Vnd der fein fele hafft in dirr werlt 
der behüt fy in das ewig leben. Der mir ambecht: der 
machuolgt mir. Vnd wo ich bin: do wirt auch mein 
ambechter. Der mir ambecht: mein vatter der in den 
himeln ift der eret in. Wann nu ift betrúbt mein 
fele. Vnd was fag ich? Vatter mach mich behal 
ten von dirr ftund. Wann dorumb kam ich zů dirr 
ftund. | Vatter lauter deinen namen. Dorumb ein 
{tymme kam vom himel fagent. Vnd ich hab ge- 
lautert: vnd aber lauter ich. Dorumb die gefellfchafft 
die do {tind vnd es hort die [prach zefein gemacht don 
ner. Wann die andern fprachen. Der engel hat ge- 


* 


23 philippo Z—Oa. 24 OJ fehlt Z—Oa. 25 jhefum E—Oa. 
Philippus Z—Oa. andree. weyter philippus Z—Oa. 26 jhefum 
EP, ihefu Z—Oa. vnd Z—Oa. 28 fun des menfchen wirt clari- 
ficziert. Wärlich warlich fag ich euch. nur allayn das wayczenkorn 
valle in die erden vnd fterbe es beleybt aynig. Stirbt es (er Sc) aber 
es bringt vil fruchtZ—0a. heleibt M. 32 verleurt G. dirr] der P, 
difer Z— Oa. 33 dienet P—Oa. 34 nachuolge ZSZcK—O. 
35 diener P—Oa, + fein Z—Oa. dient P—Oa. dem himel OOa. 
38 von der P, auß difer Z—Oa. zú der P, in dife Z—Oa. 39 
ercläre Z—Oa. 40 von A—SaGOOa. hab gekläret (erkleret 
K—Oa) vnd widerumb will ich erklären. darumb die [char Z—Oa. 
42 ftünden P. die fprach] fprach K—Oa, fehlt ZAS. es wär 
ein donrfchlag (dornfchlag ASSa) gefchehen. Aber die Z—Oa. 

# 
23 philippen TF. 25 Philipp] + der TF. _ 26 fagtens TF. 
erde] + vnd TF. 30 nit TF. 35 ambecht] + vnd TF. 
37 fagt TF. macht T. 40 von F. 42 horten di fprachen 
TF genacht F. 


Y! 


-] 
. 


10. 


a 
Iohannes 13, 1—10. 392 


ann vor dem melftag der oftern: ihelus welt 
\ V das fem ftund kam das er vbergieng von 
dirr werlt zú dem valter: do er hett liebge- 

habt die feinen die do warn in der werlt: vntz an daz 
ende hett er [y lieb. Vnd do das abentelfen wart ge- 
macht do fich der teuffel ietzunt hett gelegt in das 
hertz iudas fymon von {charioth das er in verriet: 
` wann ihefus der welt das im der vatter hett gegeb 
en alle ding in [ein hende vnd das er aulgienge von 
gott vnd gieng zi gott: | er [tind auff von dem abent- 
effen vnd legt von im fein gewand: vnd do er hett 
enpfangen ein dúch er fúrbegúrt fich. Dornach ließ 
er waller in ein becken: vnd begund zetwagen die fúb 
der iungern: vnd zetrücken mit dem düch mit dem 
er was fúrbegúrt. Dorumb er kam zů fymon pet- 
ter. Vnd petter fprach zů im. O herr twechltu mir 
die füß. | Ihelus antwurt: vnd [prach zů im. Das 
ich thü das wailtu nu nit: wann dornach wirftu es 
wilfen. Petter fprach zi im. O herr du twechft mir 
nit die füß ewiglich. Ihelus antwurt im. Ob ich 


. dich nichten walche: du haft nit teil mit mir. Sy- 


mon petter fprach zů im. O herr: nit allein die füß: 
wann auch hend vnd haubt. Vnd ihefus fprach zú 


x 

29 Wann — mefítag] Uor dem feft Z—Oa. 30 ftund was 
kummen das er lolt geen Z—Ou. 31 der P, difer Z— Oa. 32 hiß 
SbSe. 39 iude 4—Oa. fymons ZZcKSbSc, fymonis ASSaGO0a. 
von! fehlt Z—Oa. fearioth AZcSaSb—Oa, 36 wann] vnd Z—Oa 
ihefus weft K-— Oa. 37 hand E—Oa. er was außgangen 
ZASK—Oa, er was auligegangen ZeSa. 38 affentaffen Zc. 40 ge- 
nomen Z—0Oa. fürgurt Z- Oa. 43 furgegurt. vnd kam Z—Oa 
petro EP, petrum Z--Oa. 44 petrus E—Oa. O] fehlt Z—Oa. 
46 aber Z- On. 47 Petrus Z—Oa. O] fehlt Z—Oa. 48 
ewenklich A. Thefus] 4- der Sa, Wafch ich dich dann nit 
fo wirftu keinen teyl bey mir haben Z—Oa. 50 petrus E-Oa 
OU] fehlt Z—Oa. ol funder Z- Oa, 


* 


29 der] dez T, auf rasur. 33 do] fehlt TF. 33 gott vad] 
fehlt F, nachgetragen fe. 41 peckelin TF. czu wafchen TF. 
44 twechít du PF. 46 waizt du TF. —49nichten] nit TF. 51 ioch TF. 


397 Iohannes 14, 12—22. 


laubt die werck die ich thü die tút auch er: vnd mer 


» ding thät er denn dife. Wann ich gee zů dem vat- 


p 


ter: | vnd was dings ir eifcht dem vatter in meim 
namen das thún ich: das der vatter werd gewunnig- 
licht im fun. Vnd was ir eifcht mich in meim na 
men daz thi ich Ob ir mich liebhabt: fo behút mein 


35 gebot. Vnd ich bit den vatter vnd er gibt euch ein 


0 


yy 


andern tröfter daz er beleib mit euch ewiglich | der geift 
der warheit: den die werlt nit mag enpfachen: wann 

fy ficht in nit noch enwaiß in. Wann ir habt in der 
kannt: wann er beleibt bey euch: vnd wirt in euch. 

Ich laß euch nit waifen: ich gee vnd kum zú euch. 
Noch ein lützel bin ich mit euch: vnd die werlt ficht 
mich ietzunt nit. Wann ir fecht mich: wann ich 

lebe vnd ir wert leben. An dem tag fo derkennt ir 

das ich bin in meinem vatter: vnd ir in mir: vnd 

ich in euch. Der do hat meine gebot vnd fy behút: der 
ift der mich liebhat. Wann der mich liebhat: der wirt 
liebgehabt von meinem vatter. Vnd ich hab in lieb 
vnd offenbar mich im felber. Iudas [prach zü im 

nit der von fcharioth. O herr waz dings ift zethún 


+ 


20 dann SaOa. zu den Sa. 21 begert dem P, bittet den 
Z— Oa. 22 der] fehlt M. glorificzieret in dem Z— Oa. 23 
begert mich P, mich bittet Z— Oa. 26 bey euch Z -Oa. ewenk- 
lich A, ewigklichen ScOa. 28 noch wayß (weyßt AZc—Oa) in. 
Aber ir (fehlt S) werdet in erkennen Z—Oa. 29 er] ir S. 30 ich 
wird euch nit laffen waifen Z—Oa, waifen] wiffen EP. 31 
lutzel] wenig P, klaine zeyt Z—Oa. bin ich mit euch] fehlt 
ZASK—Oa. 32 yetz OOa. Aber Z—Oa. 33 lebe] -+ lebe S. 
39 von] fehlt Z—Oa. fcarioth PASbOOa, fcariotch Sc. 0] 
fehlt Z— Os. ift gefchehen Z—Oa. 


* 


19 er] fehlt TF, nachgetragen fa. merer TF, 20 dink den 
dife di tut er TF. 22 das (zweites)] fehlt F, nachtr. fa. 23 Vnd] 
fehlt TF. mich] fehlt TF. 24 liebthabt T, durch rasur liebh. 
25 vatter] + vm euch TF. 26 der] den TF. 30 wailen] 
nachgetragen F. 31 ein lützel] luczel zeitz TF. euch] + mit 
euch T, gestrichen, (zeitz bin ich mit euch, unterstrichen T). vnd] 
wan TF, vnd ta. 38 ım mich TF. 


. 13. 


lo. 
16. 
17. 


18. 
19. 


21. 


Iohannes 14, 22—31. 398 


das du dich felber vns bift zü deroffen: vnd nit der 


. werlte? | Ihefus antwurt vnd {prach zi im. Der 


mich liebbat der behút meine wort: vnd mein vat- 
ter der hat in lieb‘ vnd wir kumen zů un: vnd mach 
en ein wonung bey im. Der mich nit liebhat: der 
behüt nit meine wort. Vnd das wort das ir habt 
gehort ift nit mein: wann des vatters der mich fant 


» Dife ding hab ich geredt zü euch: beleibent bei euch 


Wann der tröfter der heilig geift den euch der vatter 
fendet in meim namen der lert eich alle ding: vnd 
redt euch alle ding welche ding ich euch fag. Fride 
laß ich euch: meinen frid gib ich euch. Nit als in 
die werlt gibt’ wann ich gib in euch. Ewer hertz 


% werd nit betrübt: noch enfúrcht fich. Ir hort daz ich 


euch fait: ich gee vnd kum zü euch. Ob ir mich lieb 
hett’ ernftlich ir freuwet euch wann ich gee zi dem 


. vatter: wann der vatter ift mer den ich. Vnd nu 


fait ichs euch ee denn es gefchicht: fo es wirt gethan 
das irs gelaubt. letzund rede ich nit vil mit euch 
Wann der fürlt dirr werlt kumpt: vnd hat kein ding 


. an mir. Wann das die werlt derkenn das ich lieb- 


hab den vatter: vnd als mir der vatter gab das gebot 


als thé ich. Stet auff wir geen hin. xi 
2 
40 bift zi] bilt P, wirdeft K—Oa. offenbaren Z—Oa. 42 der 
helt Z— Qa. 43 der] fehlt K-— Oa. 46 gehort] geredt Sa 
aber Z—Oa. 48 dem euch P. 49 wirt fenden Z—Oa. der] 
fehlt K—Ou. 50 redt| -+ zu E—Oa. euch wird fagen. Den 
frid Z -On. 52 wann ich gib] gibe ich OOa, 53 werd] — 
anch Se. fúrcht Z— On. Habt ir gehört Z—Oa. 55 eralt- 
lich] gewiflich P, fehlt K—Oa. ir] ich ZcSa. 56 dann Sala. 
>57 hab ichs euch gelaget Z—Oa. dann Sa. 58 ir K-—O2 
vil mer anit Oa. 59 dirr] der P, difer Z— Oa. 60 Aber Z—0a. 
6l vatte gab M. 1 alfo K—Oa. wir fullen hin geen Z—Oa 
x 
43 der] fehlt TF. machen} mochten TF. 44 wonnung TF. 
im] fehlt TR, nachgetragen te. 50 rette TF. [welhe TF. 52 
wann] fehlt TF. 24 euch] + vnd TF. 55 euch] fehl: TF, 
nachgetragen ta. 97 ich TF. 58 ir TF. 1 ich] fehlt TF, 


nachgetragen te; ichz fa, 


ts 


ği 


403 Iohannes 16, 16—23. 


lützel vnd ir fecht mich nicht’ vnd aber ein lútzel 
vnd ir gefecht mich: wann ich gee zů dem vat- 
ter | dorumb etlich von feinen iungern [prachen zů ein 
ander was ift das das er vns fayt ein lútzel vnd ir 
fecht mich nit’ vnd aber ein lützel vnd ir fecht mich 
wann ich gee zů dem vatter? Dorumb fy fprachen 
Was ift das das er vns fait ein lútzel? Wir wil- 
fen nit was er redt. Wann ihefus derkant das fy in 
wolten fragen: er fprach zů in. Von difem fûcht 
ir vnder euch daz ich fait ein lútzel vnd ir fecht mich 
nit: vnd aber ein lützel vnd ir fecht mich. Gewerlich 
gewerlich fage ichs euch: das ir wert wainen vnd 
wainen: wann die werlt frewet fich. Wann ir wert 
betrúbt: wann ewer trurigkeit wirt gekert in freu 
de | fo daz weip gebirt fy hat trurigkeit: wann ir ftund 
ift kumen. Wann fo fy hat geborn das kint ietzunt 
gedenckt fy nit der bedruckung vmb die freude: das 
ein menfch ift geborn in der werlt Dorumb vnd ir 
ernftlich nu wert ir haben traurigkeit. Wann aber 
gefiche ich euch vnd ewer hertz frewet fich: vnd ewer 
freude nympt niemant von euch. Vnd an dem tag 
euch. Ein klayn zeyt vnd yeczund werdet ir mich nit fehen vnd wi- 
derumb eyn klayn zeyt werdet ir mich fehen Z—Oa. 
30 — 40 lútzel] wenig (stets) P. 33 Ein klaine zeyt vnd fo 
werdet ir mich nit fehen vnd widerumb ein klaine zeyt vnd denn wer- 


det ir mich fehen Z—Oa. 36 ein klain zeyt Z-—On. 37 Wann] 
fehlt 2--On. 38 fücht] fraget Z—GScOOa, frageten Sb. 39 fait] 


fragt Sc. 39, 40 ein klayne zeyt Z— Oa. 40 ir werdet mich 
fehen. Wärlich wärlich fag ich euch ir werdet klagen vnd waynen. 
aber die Z—Oa. 42 Wann] aber Z—Oa. 43 aber Z—Oa. 
in] + ein Z—Sc. 45 Wann] fehlt OOa. fy] + aber OOa. 
47 der] die Z—Oa. ir] fehlt K— On. 48 ernftlich] gewiflich 
P, fehlt K—Oa. nn] nur ZAS. Wann — 49 euch] Ich wird 


euch widerumb fehen Z— Oa. 


* 
30 nicht] + nit nachtr. fe. 31 fecht TF. 31 ein] dein T, 
d getilgt. 33 vnd] fehlt TF. 36 lútzel] -+ vnd TF. 42 werlt] 
+ di TF. 43 freude] freunde wan TF. 47 der] + di TF. 
49 geficht TF. fich] fehlt TF. 50 freude] frew T. nimt 
nachgetragen F. 
26 * 


v. 17. 


18. 


19. 


21. 


ve 4 


Tohannes 16, 23—33. 404 


bit ir mich keins dings. Gewerlich gewerlich fage 
ichs ench: was dings ir eifcht dem vatter in meim 
namen das gibt er euch. Vntz nu habt ir nit ge- 
eifcht kein ding in meim namen. Eifcht vnd ir en 


> pfacht: das ewer freude fey vol. Dife ding hab ich 


geredt zů euch in gleichlam. Die ftund kumpt: fo 
ich ietzunt nit rede zi euch in gleichfam: wann ich 


5. derkünd euch offenlich von meinem vatter. An dem 


tag eifcht ir in meim namen. Vnd ich fag euch nit 


27. wann ich bit den vatter vor euch. Wann erfelb der 


vatter hat euch lieb wann ir habt mich liebgehabt: 


. vnd ir gelaubtz das ich aulgienge von gott. Ich 


gieng auß von dem vatter vnd kam in die werlt: 


. aber laß ich die werlt: vnd gee zü dem vatter. Sein 


iungern [prachen zů im. Sich nu redtftu offenlich: 


. vnd failt vns kein geleichfam. Nu wiflen wir daz 


du wailt alle ding vnd dir ilt nit durfft daz dich ie- 
mant frag In difem glauben wir: daz du aufgienglt 


. von gott. | Ihelus antwurt in. Nu gelaubt ir? 
œ. Necht die ftund kumpt: vnd kumpt ietzunt das ir 


wert zerltrewt ein ieglicher in [ein eigen: vnd ir laft 
mich ain. Vnd ich bin nit ain: wann der vatter ift 
mit mir. Dile ding hab ich geredt zi euch: das ir 


* 

51 Warlich warlich Z—Oa. 52 ich E—On. iefcht ME, 
begert P, bittet Z—Oa. den Z—Oa. 53 Vntz nu] vntz nor 
ZAS, bib nun SbSe, vntz her OQa. gebetten ein ding Z—Oa 
bi Bittet Z-- Oa. 55 fey] werd Sa. 56 gleychnuß Z—Oa. fo] 
das Z—Oa. 27 gleychnuís. aber ich wurd es euch offenlich ver- 
kunden Z- Oa. 58 verkünd P. 39 tag fullet ir bitten in Z—Oa 
ir] er MEP. 60 wann] daz Z- On. 1 vnd habt gelnubet 
7- On. 4 redit EP. 5 guleychnuß Z— On. 6 nit dürftig 


K On. 7 frag] fehlt S. aufgienft ME, bilt außgangen Z—Qa. 
S in] fehlt ZeSa. 9 vnd kumpt) vnd ift O0a, 10 feim EPZASE 


Sc. 11 ainig (2) E Oa. 12 bey mir Z—On. 
* 
22 dem] den F. 53 euch] auch TF, euch corr. T, durch raar. 
of gleichfam] + wan TF, l gelaubt es TF. 2 werlt] + 


vado nu TF, 5 geleichfam] -+ vnd TF. + glaubt TF. 


Iohannes 16, 38—17, 9. 


len fride in mir. Ir wert haben bedruckung 
werlt: wann verlecht euch an mich: wann ich 
>erwunden die werlt. xutj 


in den himel vnd [prach. Vatter die [tund 

kumpt: lauter deinen fun’ das dich dein [un 
- Als du im gebt den gewalt alles fleifches: 
Ales das du im gebt er gibt in das ewig leben’ 
an ditz ift das ewig leben: das fy dich allein der- 
en einen geweren gott: vnd ihelum criftum den 
ianteft. Ich hab dich gelautert auff der erde: ich 
volbracht das werck: das du mir gebt das ichs 

Vnd nu vatter lauter mich bey dir felber: mit 

clarheit die ich hett bey dir ee denn die werlt waz 
hab geoffenbart deinen namen den leuten: die du 
gebt von der werlt. Sy warn dein vnd du gebt 
s: vnd fy behüten deine wort: | vnd nu derkanten 
das alle die ding die du mir gebt feint von dir. 
id die wort die du mir gebt feint von dir: vnd die 
t die du mir gebt die gab ich in: vnd fy enpfing 
fy vnd derkanten gewerlich das ich aulgieng von 
vnd glaubten das du mich fanteft. Ich bit vmb 


* 


> ife ding redt ihelus: er húb auff die augen 


13 Ir] In M. 14 wann — an mich] Aber getrauwent ZAS, 
' getr. mir ZcSa, Aber ir folt getrawen K-—Oa. 16 er] vnd 
da. 17 in dem P. 18, 19 erklare Z—Oa. 19, 20 im] 
bOOa. 19 haft geben Z-Sc, haft gegebenn OOu. 20 haft 
ner in gebe daz Z—Oa. 22 waren Z—Oa. 23 erklärt 
, clarifizirt K-—Oa. 24 gabft Z—Oa. 25 erklare Z—Oa. 
00a. 26 hett) fellt O. dann SaQa. 27 menfchen 
lu mir haft geben Z—Oa. 28 vnd du haft mir fy (fy mir Sa) 
n Z—Oa. 30 alle ding Z—Oa. haft geben Z—Oa. 31 
(erstes)] wann Z—Oa. mir halt geben die (fehlt OOa) haben 
mpfangen vnd haben warlich erkennet das ich bin außgangen von 
md haben gelaubet daz du mich haft gefendet Z—Oa. 32 ich im P. 


* 


13 mir + wan TF. 20 du] nachgetragen T. im] nu TF. 
enn) + das TF. : 30 feint — 31 gebt] fehlt TF. 


v. 10. 


12, 


13. 


Johannes 17, 9—22. 306 


fy. Nit vmb die werlt: wann vmb die die du mir 
gebt: wann fy feint dein. Vnd alle meine ding feint 
dein: vnd die dein feint mein: vnd ich bin gelautert 


. in in. Vnd ietzunt bin ich nit in der werlt: vnd 


dife feint in der werlt: vnd ich kum zü dir. Heiliger 
vatter: behüt fy in deinem namen die du mir gebt: 
das [y feint ein als auch wir. Do ich was mit in: 
ich behút fy in deim namen. Die du mir gebt die be 
hüt ich: vnd keiner von in verdarb nur der fun des 
verleufes: daz die fchriftt würde derfúllt. Wann nn 
kum ich zi dir: vnd dife ding rede ich in der werlt 
das fy haben meine freude derfüllet in in [elber. 


- Ich gab in dem wort: vnd die werlt hett fy in hab: 


wann fy feint nit von der werlt als auch ich nicht 


. bm von der werlt. Ich bit nit das du fy nemeft von 
der werlt: wann das du fy belnitelt vor dem vbel. Sy 


feint nit von der werlt: als auch ich mt bin yon der 


. werlt. | Geheilig fy in der warheit. Dein wort daz ilt 
. die warheit. Als du mich fanteft in die werlt: vnd 
. ich fant fy in die werlt. Vnd vmb fy geheilig ich 


mich felber: das auch fy feint heilig in der warheit. 


. Wann ich bit nit allen vmb fy: wann auch vmb 
. die die vmb ir wort feint zeglauben an mich: | daz Ly 


all fein ain als du vatter in mir vnd ich in dir‘ das 
auch fy fein ain in vns: vnd das die werlt glanb daz 
du mich fanteft. Vnd die lauter die du mir gebt 
* 
35 aber Z- Oa. 36 haft geben Z—Qa. 37 ercläret Z- 03. 
38 nit] mit T. 40 mir halt geben Z-On. 41 cins Z—0a. 
bei in Z-—0a. 4? wrabelt Z—0a. 43 fun der verdamnuß Z—0a 
44 gefchrifft Z— Ou. aber Z- Oa, 46 in inn M, in im E—Sa 
felb S. 48 nicht] fehlt Se. 49 uennelt MEZSZcK—0a. 5% 
aber Z—Qa. 22 daz] fehlt K—Oa. 54 hailige OOa, 56 
funder auch vmb die die da gelaubig werden durch ir wort an mich 
Z- Oa. 59 ains 4— Oa. 60 clarheit Z—Ou. : gabeft Z—Oa. 
* 
>> fy] -+ vnd TF. 44 verleuftes TF. 49 nit) fehlt F. 
uchgetragen te. 0 vbeln TF. 56 fy] dife TE. 58 als 
-- 59 ain| fehlt T, nachgetragen ta, + in vns, letzterer zusatz spater 
qutilgt. l 


6. 


Iohannes 1b, 4--15, 408 


ren künftig auff in: er fúrgieng vnd fprach zú in 


. Wen [ücht ir? | Sy antwurten. Ihelus von naza- 


reth. Thefus Sprach zů in. Ich bins. Wann auch iu- 
das der in verriet [tünde mit in. Dorumb do ihelus 
hett gelait ich bins: fy giengen hinter fich’ vnd vie 
len nider an die erde. Dorumb ihefus fragt ly aber 
Wen fücht ir? Wann fv fprachen. Thefus von na- 


. zareth. | Ihefus antwurt. Ich fait es euch: das ichs 
- bin. Dorumb ob ir mich fücht: fo lat dile geen. | Daz 


das wort werde derfüllt das ich [prach: wann die du 


. mir gebt ich verlofe keinen von in. Dorumb fymon 


petter hett ein waffen er zoch es auß: vnd fchlúg den 

knecht des fürften der pfaffen: vnd hieb im ab fein 

zefems or. Wann der nam des knechts was malchus 
Dorumb ihefus fprach zû pettern. Lab dein watfen 

in die [chaid. Den kelch den mir der vatter gab: wil- 

tu nit das ich in trinck? Dorumb die gefellfchafft 

vnd daz gerichte vnd die ambechter der iuden die ving 

en ihefus: vad bunden in | vnd fürten in zim erften 

zů annas. Wann er was der fchwecher cayphas: der 


- do was ein bifchof des iars. Wann cayphas was der 


den inden hett gegeben den rat: wann euch gezimpt 


> den einen man zelterben vmb daz volck. Wann fymon 


* 

22 auff in: er] uber in. der Z—Sa, vber in K—On. 23 ihefum 
E—On. 25 hei in Z—Oa, 27 an] autf E— Oa. 28 Wann] 
fehlt Z-Oa. thefum E—On. 29 Ich hab euchs (cuch K—Oa) 
gelaget Z—Oa. das] da ZS, fehlt K—Oa, 30 bins K-Oa. 
31 ich] er K— Onu. 32 mir halt geben der hab ich keinen verloren 
auß in Z—Ou. 33 petrus H—Oa. [chwert Z—Ou. den] 
dem PZ. 34 prieltern P, priefter Z—Oa, [chlüg Z—Oa. 3 
gerecht E--Oa. Wann] vnd Z—Oa. 36 Dorumb] Vnd Z—Oa 
petro E--Oa, fehwert Z- Oa. 37 vater hat geben Z—Oa. 
38 trincke. vnd die fehare Z—On. 39 diener P—Oa. 40 ihefun 
E—Oa. 41 annam Z—Oa. chayphe ZA, cheyphe S, cayphe 
Lu--Ou. 43 gehen: OOa. 44 das ein menfch fterbe Z—Oa 
Aber Z—Oa. 

* 

23 ihefum TI. 25 verriet] + der TF. 28 ihefum TF. 

32 verleuf TF, 34 hiew TF. 35 zelwen TF. 40 czu- 


turten TF. 42 ein] fehlt TF. 44 daz ein man TF, fterb F. 


ep? 


Iohannes 18, 22—31. 410 


ambechter der gab ihefus einen backenfchlack fagent 
Alfult antwurltu dem bifchoff? | Ihefus antwurt 


im. Ob ich vbel hab geredt: lo gibe gezeug von dem 
vbeln. Wann ob wol: worumb [chlechftu mich ? 

24. Vnd annas fant in gebunden zů cayphas dem bifch- 

2%. off: | wann petter was ltend: vnd wermt fich. Dor- 
umb fy {prachen zi im. Biftu denn nit von fein 

%. iungern? Er laugent vnd fprach. Ich enbin. | Ein 
er von den knechten des bifchofts: der nefe des dem pet- 
ter hett abgehawen das or der fprach. Sach ich dich 

27. denn nit mit im in dem garten. Aber laugent pet 

23. ter: vnd zehant lang der han. Dorumb fy züfürten 
ihelus zů cavphas in das dinckhaus. Wann es was 
frú. Vnd fy felh giengen nit in das dinckhaus das 
fy icht werden enzeubert: wann das fy effen das of- 

ey. tern. Dorumb pilatus mieng auf zů in vnd fprach 
Was belagung traget ir wider difen menfchen ? 

30. Sy antwurten: vnd {prachen zů im. Ob dirr nicht 
wer ein vbelteter: wir hetten dir in nit geantwurt 

31. | Dorumb pylatus fprach zů m. Nempt ir in: vnd 
vrteilt in nach ewer ee. Dorumb die iuden fprachen 

e 
4 diener P—Oa. der] fehlt PK—Oa. jhefum E-—Sc, jefu 
OOu. 5 Alfo Z—Oa. 6 jn Sb. hab vbel K—Oa. ge- 
zeugknuß ZASK— Oa, zeigknuß ZeSa. 7 Hab ich aber wol geredt 
warumb Z—Oa. 8 caypham ZS—On, cayphan A. bifhoff M. 
Y wann] vnd Z--Oau. petrus E—Oa. Dorumb) vnd Z—Oa. 
10 Biftus MEP. dann Sada. auß Z—Oa. 11 Ich bin ır 
kayner, vnd einer Z—Oa. 12 der nefe] ein freund Z—Oa. pe 
trus E— Oa. 13 der] fehlt K--Oa. 14 bey im Z—Oa. pe 
trus E—Oa. 15 kract Z--Oa. „üfürenten Oa. 16 jhefum 
E--On. caypham in das rechthauß. vnd es was trù. Aber (y giengen 
nit ein in das rechthauß das fy nit würden vermayliget (vermaßget 
A). aber das Z—- Ou. 1s würden EP. olterlam Z— Ou. pat) 
verfagung Z--Sa, verklagung K—Qa. bringet ir Z—-Oa. 21 zü 
im: fehlt OOa. Wär difer nit ein Z—Oa. der P. 24 Do- 
rumb] fehlt Z- -Oa. , 
> antwrteftn TF. 6 vieln F. dem] den F. 7 vbel T. 

9 ftenden TF. nefe] rief TF. 16 zü] von TF. 17 fielb F. 
IS wurden TF, 22 vbeltuer TF. in dir T, 23 irj feMi F. 


24 vrteil T. 


v, 40. 


bo 


Tohannes 18. 59—19, 9. 412 


das ich euch ein laß zü den oltern. Dorumb wölt ir 

ich laß euch den kúnig der iuden? Sy rieffen ander 

waid all fagent nicht difen: wann barabam. Wann 
barabas was ein dieb. xix 


o begraiff pilatus ihefum: vnd geilelt in. 
) Vnd die ritter vielten em krone von dor- 

nen vnd fatztens auff fem haubt: vnd vm 
gaben in mit purpurin gewand. Vnd kamen zů im 
vnd [prachen. Gott grüß dich künig der inden. Vnd 
gaben im backenichlech. Dorumb pilatus gieng ab 
er auß: vnd fprach zů in. Secht ich füre in auf zů 
euch: das ir derkennt das ich kein [ach vinde an im 
Dorumb ihelus gieng auß er trüg ein dórnin kron 
vnd em purpurin gewand. Vnd er fprach zů in. 


. Secht der menfch. | Dorumb do in hetten gelechen die 


bifchoff vnd die ambechter: fy rieffen fagent. Kreutz 
ig in: kreutzig in. Pylatus fprach zi in. Nempt 

ir in: vnd kreutzigt in. Wann ich vind kein fach 

an im. | Sy antwurten im. Wir haben ein ee: vnd 
nach vnler ee fol er [terben: wann er macht fich ze 
fem den fun gotz. Dorumb do pilatus hett gehort ditz 
wort: er vorcht fich mer. Vnd er gieng aber in daz 
dinckhaus: vnd fprach zi ihefus. Von wann biftu 


* 

48 fehryen Z - Ona. anderwaid] aber A. 49 difen. aber 
L—On. harraban Z --Oa. 50 was] der was Su. [chacher 
P--Oa. a2 achten E--Oa. 34 purpurem Z—ZcK—Oa, par- 
pur Sa. 55 BiB vegriffet K—Oa, + du 2— On. 56 Dorumb] 
Vnd Z—0a. 97 aub (erstes)] fehlt X. 59 Dorumb] Vnd Z—0Oa 
60 purpur Z--On. vnd fprach zu in (fehlt Sb) pylatus Z—Oa 
61 Dorumb] Vnd Z—Oa. 1 diener P— Oa. da (fehlt OOa) 
fehryen fy fagendt Z—Oa. 4 ein geletz K—Ou. ö vnfer ee] 
difer A, dem geletz K---Oa. hat fich gemacht K—Oa. das er 
feye der fun gotz. Vnd da Z—Oa. 6 het hort Sa. 7 vnd gieng 
Z—Oa, 8 rechthauß Z—-Oa. Jhefum EPZS—Oa, iefu A. 


* 
48 anderwaid all] all anderwaid TF. 51 ihefus TF. ge- 
caifelet FE, gefaifelet T. 54 mit] -+ einem TF. 57 zü euch] 
fehlt TF. 61 den menfchen TF. 


419 Johannes 20, 17—26. 


erm vatter: zú meim gott vnd zú ewerm gott. Ma 
ria magdalena kam fy derkunt den iungern wann 
ich hab gefechen den herren: vnd er hat mir gefait 
dife ding. Dorumb do es was [pat an eim der fambf 
tag vnd die túrn warn befchloffen do die iungern 
warn gefament vmb die vorcht der iuden: ihefus 
kam vnd ftúnd in mitzt der iungern: vnd [prach zů 
in. Frid fey mit euch | Vnd do er ditz hett gefait: 
er zaiget in die hende vnd die feyten. Dorumb die 
lungern warn derfrewet: do [y gefachen den herrn. 
| Dorumb ihefus fprach aber zů in. Frid fey mit euch. 
Als mich der vatter fant: vnd ich [ende euch. | Do 
er ditz hett gefait er in etempt fy all: vnd fprach zů 
in. Enpfacht den heiligen geift. | Den ır die fünd ver 
gebt den werden fy vergeben: vnd den ir fy behabt den 
feint fy behabt. Wann thomas einer von den * xij* 
der do ilt gefait ein zwiefeler der was nit mit in do 
ihefus kam. Dorumb die andern iungern [prachen 
zü im. Wir haben gefechen den herren. Wann er 
fprach zü in. Nur ich fich in feinen henden den ftich 
der nagel’ vnd leg mein hant in [eine feyten: vnd le 
ge mein vinger an die [tat der ftich der negel: ich ge 
laub fem nit. Vnd nach *vimj* tagen die iungern 

* 


16 kam vnd verkündet Z—Oa. 18 einP. eim der fambftag] 


dem tag der da ainer was der wochen Z—Oa. 20 gefamet Zc, 
gefamelt Sa—Oa. des iuden A. 21 mitt P—Oa. 22 Frid 
der fey Z—Zc, Der frid fey Sa. 24 warn] wurden Oa. fahen 
K—Oa. 25 Dorumb] Vnd OOa. Der frid Z—Oa. 26 hat 
gefendet Z—Oa. 27 in — all] plies in ein Z—Oa. 29 dem 
werden P. behalt Sa—Oa. 30 behaben Zc, behalten Sa. Aber 
Z—Oa. von] auß ZASK—Oa. 31 genant K—Oa. zweifeler 
E—Oa. der was] was K—Oa. 33 Wann] fehlt Z—Oa. 34 


fehe Z—Oa. 36 negel. fo will ichs (ich K—Oa) nit gelauben Z—Oa. 


* 


16 kam] + vnd TF. 18 eim] ainem tag TF. 29, 30 be- 
habt] enthabt TF. 31 zweifler F, zweikker T. 34 den] di TF. 
35 mein — 36 negel] meinen vinger in di [tat der negel vnd (+ 
mein fa, + lazz meine te) hant in [ein leiten TF. 37 nach] 


darnach noch TF. 
27 * 


. 18. 


19. 


21. 


ts 


ty 


Ioiannes 20, 26—21, 2. 420 


warn aber inwendig: vnd thomas mit in. Ihefus 
kam in befchloffen türen: vnd ftind in mitzt vnd 
[prach zů in. Frid fey mit euch | Dornach fprach er 
zů thomas. Bring her deinen vinger vnd [ich mein 
hende: vnd bring her dein hant vnd lege fy in mein 
feiten: vnd nichten wöllt fein vngeleubig wann ge 


. trewe. ' Thomas antwurt vnd fprach zh im Mein 


herr: vnd mein gott. Vnd ihelus fprach zů im. 
Thomas das du mich halt gefechen des haftu ge- 
laubt: felig feint die die do nichten fachen vnd ge- 
laubten. Vnd ernftlich manige andere zaichen det 
ihefus in der hefcheud feiner ungern: die do nicht 


31. feint gelchriben in difem bûch Wann dife ding feint 


gefchriben das ir glaubt das ihefus criftus ift der fun 
gotz: vnd das ir gelenbigen habt das leben in fein- 
em namen. XX) 


ach difen dingen deroffent fich aber thefus 
| \ feinen iungern bey dem mere tyberiadis. 
Wann er deroffent fich alfo | Symon petter 
vnd thomas der do ift gelait ein zwelueler vud na- 


thanael der do was von chana «alilee: vnd die fún 


cebede: vnd ander *1)* von fein iungern die warn ent 
+ 


4) Der frid Z-—Oa. 41 thomam Sa. Gib her OOa. 42 gih 


her O0a. 43 nicht Z—nu. vann M, aber Z—On. ge- 
laubig 2—0On. 46 Thoma ScOOa. darumb das du Z—0a 
des] fehlt Z—Oa. 47 nit gelehen haben vnd haben gelaubet Z—0a 
48 ernftlich] gewiflich P. fehlt K—0u. vil Z—Oa. 49 dem 
angelicht Z—On. >) Wann] fehlt 4--On. 52 gelaubigen] ge- 
lanbigend K—Se, fo ir habt erlaubt OOu. öt erzaiget Z—0a 
fich ab G, 56 vnd erzayget fich (fehlt OOa) alfo Z—Oa, + dem 
K—Se, wann 00a. petrus E— Qa. 57 genennet der zwerfeler 
Z —-Oa. 59 cebedei E, zebedei P—Oa. von] auf Z—Oa. die] 
fellt K-- Oa. warn bey einander Z—Oa. 
* 


AS aber] fehlt T. mit in] waz mit in vnd TF. 41 dein TF. 
42: vnd) fehlt TF. 44 zů] czu || czu FÒ. 47 fechen TE. glauben F. 
51 ihefus eriftus] ihefu TF. 55 mere] + czu TF. 56 er 
deroffent | der crotfent TF. a7 ein] fehlt TF. 59 zebedei TF. 
die] + da TF. 


423 


Iohannes 21, 19—25, 


im. Nachuolg mir. | Petter vmbkert fich er fach 
den iunger nachuolgen den ihefus liebhett: der an 
dem abenteffen hette gerúet auff feiner brufte vnd 

> fprach: o herre o herre wer ift der der dich verräte. 
Dorumb do difen hett gefechen petter: er [prach zů 
ihefus. O herr: was dings ift difem. | Ihefus fprach 
zů im. Wann alfuft wil ich in zebeleiben : bib das 
ich kum. Was zů dir? Vnd nachuolg du mir? 

5 Dorumb ditz wort gieng auf vnder die brüder: das 
der iunger nit enfturbe. Vnd ihefus [prach nicht 
zu im er enftirbt nit: wann alfuft wil ich in zebe- 
leiben biB das ich kum: was zů dir. Ditz ift der 
iunger der do gab gezeuge von difen dingen: vnd 

© [chreib dife ding. Vnd wir wiffen das fein ge- 
zeug ift gewere. Wann auch manig andere ding 

id) feint die ihefus det: die do nicht feint gefchriben in 
difem büch : ob die ding wern gefchriben durch all 
ich wen nit das die werlt möcht begreiffen die büch- 
er die do waren zelchreiben. 

5 Hie endet fant Johannes ewangelift 
Ind hebt an die vorrede über die 
Epifteln pauii sd den Römern. 


+ 


47 Petrus E-Oa. er] vnd Z—Oa. 50 o herre o herre] 
Herre Z—Oa. wirt verraten Z—Qa. 51 hetten P. petrus 
E—Oa. 52 ihefum E—Sa. ihefu K—Oa. O — difem] Herr. 
der aber was wirt er thin Z—Oa. 53 im. Alfo will ich das er 


beleybe vntz (biß Sb—Oa) das Z-Oa. 54 Was] + gehört es OOa. 
Vnd] fehlt Z—Oa. 56 ftúrbe Z—Oa. 57 zů in GSbOOa. Aber 
alfo will ich das er beleybe vntz (biß ShSc) das Z—Oa. 58 was] + 


gehört es OOa. 59 gezeugknuß Z—Oa. 60 gezeugknuß war 
ift. Es feyen aber noch vil andre Z—Oa. 1 feint — det] die ihe- 
fus gethan (thon OOa) hatt Z—Oa. do] fehlt ZeSa00a. 2 ding] 
fehlt OOa. 4 wären gefchriben OOa. 


+ 
50 o herre] nur einmal T. 53 bift T. 54 Vnd nachuolg du] 
du nachuolg T. 56 fturb T. 57 ftirbt T. 1 die do — 2 buch] 
tom corr. unterstrichen T. 2 wern] we || weren T. 3 bucher] 
bucht T, -t getilgt. 4 zefchreiben] + Amen T. 


Anmerkungen. 


Die im apparat benutzten siglen sind im vorwort angeführt. es 
ist also nur noch einiger einzelheiten zu erwähnen. Ein strich zwischen 
zwei siglen bedeutet, dass siimtliche in der übersicht dazwischen stehende 
uusgaben die betreffende lesart aufweisen. Bei einer solchen lesart 
bezieht sich ein in klammern stehendes (fehlt) nur auf das vorher- 
gehende wort, falls nicht das gegenteil bemerkt ist. Ein senkrechter 
strich in den varianten kennzeichnet den schluss einer zeile, ein doppel- 
strich den schluss einer kolumne bezw. seite des betreffenden textes. 
Im texte dagegen bezeichnet ein senkrechter strich den versanfang, 
falls auf die betreffende zeile mehrere imajuskeln entfallen, oder falls 
der vers mit einer minuskel anfängt. Die varianten und anmerkungen 
sind nach blatt, kolumne und zeile des Mentel’schen druckes angege- 
ben, wobei die für die rubrik freigelassenen zeilen mitgezühlt wurden. 
In füllen wo sich in M eine grössere lücke oder umgekehrt ein plus 
vorfindet, wird durch sternchen auf die betreffende lesart der anderen 
ausgaben und handschriften hingewiesen. 


318d 1 Die sämtlichen vorreden fehlen bei TF, wie schon in der be 
schreibung der handschriften bemerkt wurde, es schien je 
doch überflüssig, dies jedesmal bei der angabe der varianten 
zu widerholen. Die hss. BNgWr sind nur bei den vorreden 
verglichen, da der in denselben enthaltene biblische text aus 
einem anderen übersetzungszweige stammt. Der hier gebotene 
text der von Hieronvinus herrührenden vorreden ist bei den 
evangehen durch allerhand hineingefügte glossen erweitert, 
die sich, wenigstens in solchem umfange, in keiner mir be- 
kannten lateinischen ausgabe oder hs. vorfinden. Anstatt der 
vier anfangszeilen unseres textes z. b. bieten die lateinischen 
texte nur Mattheus er iudea, 
Sisd 50 Die kursiv gedruckten schlussschriften sind hier nach dem 
. Wernigeröder exemplar widergegeben; die verschiedenen esem- 
plare stimmen hier natürlich nicht überein, da diese rubriken. 
wie auch die initialen und kapitelzahlen, erst nachträgtich 
von den rubrikatoren eingetragen wurden. 


Anmerkungen, 


15 Die lesart nemen bei Z ist wohl durch versehen entstanden, 
indem der umarbeiter in seiner vulgata ducere statt tradu- 
cere las. 

14 Da AZc sonst keine berührung zeigen, ist das úberstentlich = 
supersubstantialem wohl auf die tatsache zurückzuführen, dass 
die beiden drucker das Vater Unser in dieser gestalt kannten. 

L Anstatt tag hat das Rosenthal'sche exemplar von Mentel atg: 
eine der wenigen stellen, welche verschiedenheiten unter den 
exemplaren aufweisen. 

13 Das fünftausent in Sc ist kein druckfehler, da in der über- 
schrift dieses kapitels, sowie im texte und in der überschrift 
zu Marcus 8 dieselbe änderung vorkommt. 

t Das mhd. tougenlich war schon veraltet, als der drucker, oder 
der schreiber dessen vorlage, dasselbe hier, wie auch an an- 
deren stellen, durch tugentlich ersetzte. 

| Die lesart der hss., pelcset, anstatt pflantset (= Z- Oa) wäre 
wohl vorzuziehen gewesen. Das wort kommt auch 303 a c 
vor, in der gleichfalls aus dem zweiten zweige stammenden 
übersetzung von Makkabier. 

25 er, anstatt /y, ist kein druckfehler, sondern versehen des 
übersetzers, der nicht merkte, dass debet sich auf abominatio- 
nem bezieht: abominationem stantem ubi non debet. 

18 Hier wird inuoluit durch band widergegeben, ähnlich 337 b 7 
gebunden = inuolutum; sonst wird inuoluere gewöhnlich durch 
winden übersetzt, wie auch hier in den hss. steht: das b an- 
statt w ist also auf den bair.-östr. bezw. schlesischen dialekt 
irgend einer früheren hs. zurückzuführen. 

17 gehören: der übersetzer las audire anstatt adire; der korrek- 
tor ta, welcher durch zu gen ersetzt, muss also hier eine vul- 
gata benutzt haben. 


Berichtigungen. 


1 Im Apparat lies EPZSZcSa. 
59 Im Apparat ist vor der lesart den] die Zeilenzahl 59 zu er- 
gänzen. 


Anhang I. 


Die gedruckten kapitelüberschriften u. s. w. bei Koburger u. fl. 


[Dieselben stehen an der entsprechenden stelle im texte, konnten aber 
im apparat nicht gut untergebracht werden]. 


Hie hebet an die vorred vber Matheum. 

Ein andere vorred vber Matheum den zwelfboten wnd 
ewangeliften 

Ein ende haben die vorrede Vnd hebet an das ewangeli 
fant Mathei des ewangeliften vnd zwelfboten. 

Das erft Capitel. Ift von cer gepurten der zwenunduiert- 
zig altueter. von vnderfchyd irer gepurte. Vnd von der gepurt 
chrifti. auf Maria. vnd wie der engel dem iofeph erfchyne. 
do er Mariam verlaffen wolt. 

Das . IT. Capitel. wie die kúnig. mit gabe kamen. vnnd 
von erfcheynung des fterns. Wnd wie iofeph durch den engel 
vermanet. mit dem kind. vnd feiner muter in egipten flohe. 
Wie die kleynen kindlein getottet wurden Vnd wie Ihefus 
wider auß egipto wein Nazareth zohe. 

Das . 111. Capitel. wie lohannes in der wülte prediget. 
vnd von feiner klevdung vud [peyß. Vnd wie er dafelbft tauffet. 
Vnd wie chriltus von im wetaufft ward. Vnd wy vber ine der 
geyft gottes in geltalt einer taube erfchine vnd ein ftymm 
gehört ward. fagende. Ditz ift mein lieber fun. in dem ich 
mir gefallen hab. 

Das . MIL. Capitel. wie chriftus von dem geyft in die 
wülte gefürt. vnd alda von dem tewfel verfucht ward. Vnd 
wie er darnach in capharnaum kam. vnd fieng an zuleren vnd zu 

* 


1 Hie] Nun OOa. 4 fancti OOa. ð der xx Sc. 22 zu- 
lernen Sc. 





Qu 


1% 


Anhang 11. 440 


dem paradife | nach dem vnd er gemachte adam vnd even von 
feyme rippen. er fugte fi czu |! adazn vnd adam fprach diz ge- 
pein ilt nv von meinem gepein vnd diz fleifch ift nv von | mei- 
me fleifch di v heilikheit ift di falibuge dez oles. alz es ift 
gelelen in marcus | Si gyngen aus vnd falbten di fiechen 
mit ' dem ole vnd fi wurden gefvnt Di vj ift di! avflegunge 
der hende alz es ift beczeugt | im ewangelio Di luczeln fint 


(p. 621 im gebracht dz er in auflegte di hende | vnd pette vnd ein 


luczel do nach denne legte | er in vf di hende vnd gefegte fi 
vnd als | es ift gelefen in der poten buch Do di poten | ge- 
horten. dz di von famaria hetten ent:phangen dz wort gotez. 
fi fanten czu in peiter vnd johanf | Do fi waren kvmmen fi | 
petten vm fi dz fi entphiengen den heiligen geift vnd denne 
legten fi di hende ! vf fi vnd fi entphiengen den heiligen 
geift | Di vij ilt di ordenunge dez prilterz am | ptes vnd der 
dyaken. alz paulus fchri | bet czu tyto fagende vm di genad 
dz ı dingz fo liz ich dich czu crethe dz du belrichteft di ding 
di da gepreften vnd fchikelt ! prifter durch di [tete alz ich dir 
han ge.ordent vnd czu thymotheo Di prifter di | da wol vor- 
fint di werden gehabt wirdig czwiueldiger eren vnd | aller- 
meilt di da arbaiten in dem worte vnd | in der lere dez her- 
ren vnd daz wir di vii | heilikheit fo entphan daz wir von : 
gote nimmer gelcheiden werden Daz | verleige vns der vater 
wnd der fon | vnd der heilige geift Amen. 


E 


BIBLIOTHEK 


DES 
LITTERARISCHEN VEREINS 
IN STUTTGART. 


CCXXXV. 


TUBINGEN. 
GEDRUCKT AUF KOSTEN DES LITTERARISCHEN VEREINS. 


1904. 


Dr. G. v. Below, p 
Professor Dr. G. Bil 
Dr. Bolte, professor in Berlin. 
Oberstudienrat Dr. Hartmann in Stuttgart. 
Director Dr. W. Heyd in Stuttgart. 

Dr. Martin, professor an der universität Straßburg. 





‘i F 


Dr. G. Meyer von Knonau, professor an der universität Zürich. 
Dr. H. Paul, professor an der universität München. 

Dr. Sievers, professor an der universität Leipzig. 

Dr. Steinmeyer, professor an der universität Erlangen. 

Dr. Strauch, professor an der universität Halle. 

Dr. Tobler, professor an der universität Berlin. 


DAS 


UCH SIDRA CH. 


\ACH DER KOPENHAGENER MITTELNIEDERDEUTSCHEN 
HANDSCHRIFT V. J. 1479 


HERAUSGEGEBEN 


VON 


H. JELLINGHAUS. 


DRUCKT FÜR DEN LITTERARISCHEN VEREIN IN STUTTGART 
TÚBINGEN 1904. 


ALLE RECHTE VORBEHALTEN. 





VI 
nen uns die nummern fr. 24395 (A) und fr. 1160 (B) die 


geeignetsten, um uns das original zu vergegenwärtigen. Sie 
sind aus dem ende des 13. oder dem anfange des 14. jahr- 
hunderts. P. Paris hat die nummer 762 sorgfültig beschrieben, 
welche vom jahre 1340 ist (P. Paris, les manuscrits francais 
t. VI p. 24—31). M. Ward hat von den handschriften des 
Britischen Museums eine sehr genaue nachricht gegeben. Nach 
der zalıl der fragen, die in den handschriften und drucken 
behandelt werden. entfernen die einen sich sehr von den an- 
dern. Der plan des werkes ist ungeführ immer derselbe. Die 
vor- und schlussreden unterscheiden sich nur durch die va- 
rianten, welche die abschreiber und ersten drucker in die na- 
men eingeführt haben. Aubert oder Albert, ghibellinischer 
prälat, zuerst bischof von Brescia, dann lateinischer patriarch 
von Antiochia (1226— 1246) ist eine (für die entstehung des 
buches) beachtenswerte persönlichkeit. Er wohnte dem ersten 
concil von Lvon bei im jahre 1245 und spielte zu verschiedenen 
malen eine tätige rolle in den grossen kämpfen zwischen dem 
kaiserreich und dem pabsttume. Wir sind geneigt zu glauben, 
dass der erwähnte frater Roger von Palermo und der geist- 
liche (clerc) Johannes Petri von Lyon auch wirkliche 
persönlichkeiten waren. Da gewisse anzeichen zu erlauben 
vermuten, dass das buch in Lyon verfasst wurde, so würden 
wir gerne zulassen, dass dieser Jean Pierre de Lyon viel mehr 
anrechte hat als Sidrach, der enkel Japhets, als der verfasser 
des ganzen buches betrachtet zu werden. Der satz „ainsi 
sont translatés de lui plusieurs bons livres en autrui nom” 
und die worte. welche folgen, haben einen linkischen zuschnitt. 
welcher vermuten lässt, dass eine geheime vorenthaltung darin 
liegst. Vielleicht ist das buch wirklich im j. 1243 verfasst *'. 
In jedem falle ist sehr wahrscheinlich, dass das werk aus der 
philosophischen und wissenschaftlichen bewegung hervorge- 
ganzen ist, deren mittelpuukt Friedrich U. war und an 
welcher der patriarch Albert anteil gehabt haben kann. Die 


* 


Yi Wie der altfranzösische text hat: En Van nostre seigneur Jesu 
Cheist 1000 et 260 et 43 fust fait li prologues et li argument de cet 
livre a Toulete par plusienrs mestres clers, 


vm 


Um 1190 hatte Heinrich der Löwe m Braunschweig 
seine kapläne zur kompilation des Lucidarius, eines lehr- 
buches von gott und der welt, angeregt. Es ist nicht un- 
wahrschemlich, dass auf dieses beispiel hm Friedrich II. in 
ähnlicher weise klerikern seiner umgebung den anstoss zur 
abfassung des Sidrach gegeben hat. Wenigstens finden sich 
in den späteren texten des Lucidarius eine anzahl fragen, die 
im Sidrach wiederkehren. Vgl. Schorbach über den Lucidarius. 
Strassburg 1894 s. 4 f. u. 142 f. 

Die frühesten altfranzösischen und italienischen hand- 
schriften des Sidrach stammen aus der zeit um 1300, wo der 
geschniack an büchern wissenschaftlichen inhalts in vulgärer 
sprache erwachte. 

Nach Frocheur s. 79 f. ist indessen die eine ha. der 
Burgundischen bibliothek im zweiten drittel des 13. jahrhun- 
derts geschrieben und nach Gröber, Romanische philologie 
s. 904 wird 1268 in Nordfrankreich auf die „[ontaine de tote 
science“ angespielt. 

Eine italienische hs. aus dem 14. jahrh. ist von A. Bartoli 
im jahre 1868 herausgegeben (Bologna XXVIT u. 567 s. 87). 

Merkwürdig ist, dass von oberdeutschen texten desselben 
bis jetzt gar nichts bekannt wurde. Hat man die handschriften 
nach dem aufkommen des humanismus, der reformation und 
der jesuiten sämtlich abgetan? 

In niederländischer sprache sind 7 handschriften des Si- 
drach nachgewiesen, welche sich in Königsberg, Hamburg. 
Stuttgart, Brüssel, Delft, London und Oxford befinden. Vgl 
Mone, übersicht der niederl. volksliteratur 352 f., Graesse. 
alle. literaturgeschichte IT, abt. 2, 708, Zeitschrift f. d. alter- 
tum 13, 528, Germania 31, 342, De Taal- en Letterbude Ill 
(1872) 65 --70. 

Dort gibt M. De Vries auf s. 65—70 die poetische vor- 
rede“und den schluss der Hamburger handschrift. Ueber die 
französischen handschriften auf der burgundischen bibliothek 
in Brüssel gab PF. Frocheur einen bericht im Messager des 
sciences: historiques de Belgique 1842 s. 79—86. 


Ausserdem sind vier drucke bekannt: Leiden 1495, De- 


IX 


venter 1496, Antwerpen 1540 und 1564. Vgl. über die ersten 
drei Petit, bibliogr. der middeln. Taal- en Letterkunde. no. 445. 
Die” letzte führt den titel: 

Hier beghint een schone Historie van den wysen Philo- 
sooph Sydrack, die op eertryck was duysent iaer vor Gods 
gheboorte. Ende heft beschreven vier hundert ende twintich 
questien, dye seer vreemt ende ghenoechlyck zijn om te lesen, 
dye de coninck Boctus dye Philosooph Sydrack vraechde. 
Gheprint Th antwerpen in de Cammerstrate vp mp. Jan Koe- 
lants. Anno 1564. 4°. 106 S. Am schluss: Ende is gheui- 
siteert by eenen gheleerden man by der K. M. daer toe ghe- 
committeert Ende is by den Hove toegelaten te moghen 
printen Ghegheuen tot Bruessel den twaelfften dach van Ja- 
nuario Anno 1500 ende tweenvyftich. Onderteekent M. P. 
de Lens. 


Auf niederländischer handschriftlicher vorlage beruhen die 
beiden mittelniederdeutschen handschriften des Sidrach. 

Sie sind beschrieben von K. Borchling in den nach- 
richten der k. gesellschaft der wissenschaften zu Göttingen. 
Philologisch-historische klasse. 1900 (beiheft). Göttingen 1900. 
8°. S. 103. 

I) Arnamagnaeanische sammlung. 807. 4° der königlichen 
universitätsbibliothek zu Kopenhagen v. j. 1479. Sie enthält 
nur den Sidrach. Unten auf bl. 1 rechts hat eine hand des 
16. jahrh. bemerkt: „Andreß Söffren scripsit“. Professor 
H. Möller in Kopenhagen hatte die güte, nachforschungen 
nach diesem vermutlichen schreiber der handschrift anzustellen, 
die negativ ausfielen. Auch herr oberbibliothekar dr. Birket- 
Smith und andere kopenhagener gelehrte kennen keinen An- 
dres Söffren (Severin). 

II) Hs. der grossen königlichen bibliothek zu Kopenhagen. 
Neue königliche sammlung f. 285. IV bll. + 550 bez. + 65 
leere S. S, Pap. 16. jh. 2. hälfte Gleichz. schweinsleder- 
band. — Bl. I* Joannes Eysij Hamb. Anno 1612. Bibl. 
Suhm (S).. 

1) S. 1—123. Bruchstück des Sydrak. Am anfange fehlt 


a O pr A A 


A e u 


td 8 





XI 


Die sprache des älteren ndd. textes trägt zahlreiche spuren 
des mittelniederländischen, während der jüngere nur hie und 
da durch ein wort niederländischer bildung seine abkunft von 
einer niederländischen vorlage verrät. 

Die 10. frage der älteren hs. lautet in dem jüngeren texte: 
Makede godt den minschen mit der handtt? 

Sydrach andtwordet aldus: 

Alleine mit einem hete makede godt den menschen, worbi 
wie mögenn vorsthann dat ein wunderlich dinck de minsche 
is, wente vmb schelenisse des duvels makede godt den min- 
schen van vnwerden dingenn darumb datt he des schande 
hefft, datt so vnwerde dingh schall klemmen in de glorien 
dar he vth gefallenn is vormiddelst sine hofart, vnde he set- 
tede namen der veer partien der Weldt Consoam Corboam 
Gamaf Trokiel Gamesis darumb dat viff tungenn vorfullen de 
veer Partien vann (bl. 37] Erdtrike noch heft de minsche ge- 
likenisse in der wise na vnsem Herenn, wente also als vnser 
Here is bauenn alle ding in dem Hemmele also hefft he ge- 
maket den minschen bauen allent dat dar is in der erdenn 
vnde darumb dat he wusste, datt der minsche fallen scholde, 
so makede he andere gelickformige dinge der he tho dhonde 
hebben scholde vnde ok makede he emetenn vnd flegenn vnde 
andere wörmekenn vmb de hofartt des minschen tho bitenn 
darumb datt he sich bedencken scholde, datt he van vnwer- 
der Materien gemaket is, dat he nicht kan weddersthan den 
so kleinen dingen. 

De Empten, Spinnen arbeiden in ehrem wercke vnd ge- 
ven vns Exempell dat wie ock so don schollenn so datt wie 
vorstahen in dissem datt Godt se gemaket hefft tho vnser 
behoff datt is uns eine grothe frouwde, wente de blomen 
hebben schonheidt, de krüder hebben arstedie vnde frucht 
van der erdenn de föden uns. De Windt, de Sünne, de Mane 
hebben ere wercke bedüdenisse in allen dingen de gudt sin 
vnde alle worden se gemakett vmb dat Lof godes vnde tho 
siner benediedenn ehre. 

Frage 23. De Konig fraget aldus: 

De Seele, de althomahle is Geistt vnd hett noch Lich- 








: namb noch Lede vnd men mach 
who_mag se foelen de- Frowde vam 
Sydrak andtwordet aldus: Mer 
vnde ein behende dingh, datt mer 
sehenn vnde se mag nicht ster 
De Seele hefft grothe fro 
in der Hellen vnde isset dat : 
gudt gedann so schall se ge 
der gnade in der Hemmelsch: 
kwadt gedann middelst dem lich: 
de endtfangen de droffenisse d 
se geworpen werdtt. 


[Bl.1] Dit is dat register over des wysen astronymus 


bock gheheyten Syderack. Dar ghi moghen inne vinden vele 
wonders unde mennygerhande vraghe. Nu beghynnet de eerste 
vraghe aldus: 


1. 


2. 
3. 
4. 


O) 


13. 


14. 


. Wat dinghes makede god erstwerff? B. 5 A. 4 S. 
. Wo drade worden de enghele ghemaket? B. 6 A. 5 
. Wor aff denen de engelen in deme hemmele? 


. Off de engelen weten alle dink? B. 8 A. 7 
. Wat formen hebben de engelen? B. 9 A. 

10. 
11. 
12. 


Was god alle tyt unde schal alle tyt vort also blyven ?, 
Bartoli 1, Antwerpen 1564 1, Suhms Handschrift 1. 
Mach god werden ghesien? Bart. 2, Antw. 18, S. 2. 
Is god in allen steden overall? B. 3 A. 2 $, 3, 

Alle de dink, de god ghemaket heft, volen se ok? B. 4 
A. 38. 4. 


5. 
S. 6. 
B. 7 
A. 6 8.7. 
S. 8. 

8 $. 9. 
Makede got den mynschen myd der hant? B. 10 A. 9 S. 10. 
Wor was Adam ghemaket? B. 11 A. 10 $. 11. 
Do Adam gheworpen wart uth dem paradyse, wor gink 
he do? B. 22 A. 11 S. 12. 
Dede Adam ok enyghe ander sunde, dan dat he braeck 
dat ghebot synes scheppers? B. 13 A. 12 S. 13. 


Wat dink nam Adam van gode unde wo schal he eme 


dat wedder gheven? B. 14 A. 13 S. 14. 


. Worumme en bleff he nicht all verloren? B. 15 A. 14 8.15. 
. Worumme schal god nicht senden eynen mynschen edder 


eynen engel vor eme to stervende? B. 16 A. 15 S. 16. 


. Worumme wil he gheboren werden van eyner joncfrou- 


wen na dem male, dat he van eme sulven wolde ghe- 


boren werden? B. 17 A. 16 S. 17. 


Sidrach. 1 






































38 


bedede synen namen, de de hadde gheschapen hemmelryk unde 
ertryk unde beghunde de vort to vraghen den wysen philo- 
sophus Sydrack de vraghe unde de capitele, de hyr na vol- 
ghen in dessen boke, ghelyk also men nuw hyr vort horen schal, 
wo konningh Boctus vraghede unde wo eme de wyse Sydrak 
alle des wys makede. 























126 


datsyn wyff sot is? Sydrack secht: CLVI De evne er 
schal dem anderen gheyn dink vorwyten. Isset dat du eme vor- 
wytest de sotheit synes wyves, by aventuren dyn wyff is sotter, 
all en westu des nicht. Ok hevestu gheleghen by synen wove. 
lichte he mach noch wedder by dyn wyff komen. Vorwytesta 
ok eme synen armoet, de mach so drade to dy_komen, also 
to eme. Wente nemant en weit nicht, wat eme bescheen mach 

(157) De konnigh vraget: Schalmen eer unde loff 
doen allen luden? Sydrak secht: CLVIT Jaa, de dat 
doen kan. Men nemant, de in ertryke is, kan dat doen, dat 
eme eyn ewelyk dancke. Men eyn islyk schal dat doen m . 
syner macht, upp dat he sulven dat meiste beholde. Mes 
schal dem anderen leve doen myd schoner sprake unde myd _ 
chelate, myd troste unde myd guden rade. Unde so werstu 
van den luden ghepryset unde gheert unde werst gheholden 
vort van den luden. 

(158) De konnigh vraghet: Schal eyn mynsche 
vorgheten den ghenen, deeme gud unde hore 
scheit shedaen heft? Sydrak secht: CLVIU New 
nummernecer, all isset dat de denst ghans kleyn is, nochtant 
schalmen des nummer vorgheten. Wente we myd gude und 
myd leve deit van den synen, de denet my ghenoch. Went 
ik byn des darumme plichtich eme to helpende unde [BL Y 
syner nunmermecr to vorgheten. 

(159) De konnigh vraget: Mach eyn mynsche srk 
entholden van unkuscheit, also he see vil 
doen? Sydrack secht: CLIX Jaa. Wanner dat he wile 
heft see to docnde, so schal he dencken upp synen schipper. 
de ene ghaschapen hevet na synen bylde unde dat he ale 
eddelen eyn dink nicht besmitten mach. Men he schal sè 
reynliken holden umme de leve des ghenen, de ene gleschaps 
heft. unde schal vort dencken, dat he sterven schal unde dë 
syne sele dan entfanghen schal alsullick loen in ghener wert 
also he vordenct heft. Giheve ok eyn konnigh syne kleré 
eynen guden man. he scholde see holden in eren unde in rer 
licheit unde he scholde sere mede gheert werden mank de 
luden, wanner dat he de kleyder an hadde. So scholde 7 
to rechte reyne wesen unde noch meer suverliken holden më 























200 


datmen jeghen gode deit unde dat de lude vort darumme 
scholen vorloren werden. 

(349) De konnigh vraghet: Worumme sien de jur 
shen klarer dan de olden? Sydrack secht: CCCXLIX 
Eyn kint van eynen jaer heft so klaer eyn gesichte: wanner 
dat dat de vernoft hadde, dat scholde des daghes de sternen 
sien unde wanner dat see tho eren jaren komen, so vormynre 
en dat ghesichte. [Bl. 144] Unde van X jaren wente to XX 
jaren so is dat in eynen ponte unde van XXX jaren wente to 
XL jaren so blift dat in eynen stade unde vormynret syk 
nicht. De jonghen hebben ere breghen groyende unde versch 
unde de olden hebben droghe breghen. Darumme so en sien 
de olden also klar nicht, also de jonghen. Unde alle groen- 
heit maket gud licht. 

(350) De konnigh vraghet: Welk is de schoneste 
vogel? Sydrack secht: CCCL Dat is de hane. Wente he 
heft in syk vele gudes, des andere vogel nicht en hebben. 

Dat eerste is, dat he ghekronet is. Dat ander, dat he 
sporen heft. 

Dat derde. dat eme god to bekennende heft ghegeven de 
stonden des daghes unde des nachtes. Unde he is meer ghy- 
rich upp syn wyff dan enich man. Unde he is milde. Wente 
he scherret dat korn unde gift dat synen wyven. De hane 
maket ok stryt unde vechtent myd den anderen hanen umme 
de meysterschopp unde we den anderen vorwynnet, dem doeu 
de anderen ere. 

(351) De komigh vraghet: Welk is de schoenste 
beeste. de men vynt? Sydrack antwordet unde secht: 
CCCL Dat is dat pert, wente myd dem perde helt men de 
lant unde alle de werlt herschoppet myd dem perde unde dar 
mede vynt men ere unde lande. Darumme schalmen dat pet 
prysen unde left hebben. 

(352) De konnigh vraget: Welk is de eddelste 
vouhel, de de vlucht? Sydrach secht: CCCLII Dat» 
de ymme?. De jaghet unde arbeydet dat vordeil des mynschen 
unde et van allen blomen unde dryncket dar uth de soticheit 
vormiddelst den willen godes unde maket den honich, 4° 
mede men den mynschen ghesont maket van wedaghen. Unde men 


202 


Unde dar schal eyn olve born upp sprenghen uth der erden. 
Unde dar schal dan vrede syn over alle de werlt. Unde de 
heesten scholen spreken. De voghele unde de vissche scholen 
syk vrouwen. Unde de duvelen scholen syk bedroven. Unde 
over achte daghe na syner ghebort schal he besneden werden. 
to eyner openbaringe, dat he ware god unde ware mynsche is. 

(358) De koningh vraghet: De sternen unde de 
teykenen, de danscholen scheen, wat bedu 
den de? Sydrak secht: CCCLVIIT De sternen beduden de 
mynscheit des waren propheten. Darumme mach se wol sun- 
derlinghes clar syn. De rvnck umme de sonne bedudet syne 
sote wotheit. De varwe van den roden purpuren bedudet syne 
passve unde pyne. De borne des olves bedudet syne barm- 
herticheit. De pawes! de bedudet den waren vrede. de ghe- 
boren schal werden upp dem ertryke. dat he sulven schal syn. 
De beesten, de dar spreken scholen, heduden dat unghelovighe 
volk, dat syk bekeren schal to dem waren propheten. De 
duvele scholen syk bedroven, darumme dat he de ghene is 
de de helle to breken schal. De beesten, de voghele unde de 
vische scholen vroude hebben. darumme dat ere schipper de 
mynscheit an syk ghenomen heft. 

(359) De koningh vraghet: Also godes sone schal 
sheboren werden. schal he ok meer weten dan 
eyn ander kint? Sydrack antwort unde secht: CCCLA 
Jaa. In der stonde also he gheboren schal werden, so schal 
he weten alle dink ghelvk gode. Wente in eme schal wesen 
alle wisheit. de ye upp erden is ghewesen unde ok noch ko- 
men schal. Unde he schal moghen doen alle dink. Unde he 
schal holden alle de nature des mynschen sunder sunde. 

(360) De konnigh vraget: Schal de godes sone 
oksyneynschone kint? Sydrak secht: CCCLX He 
schal syn evn ghar schone kint, wanner he sprekende wet 
myd synen jungheren uppe dem berghe Tabor. Dar schal 
syn antlaet schynen also de sonne unde syne kleyder scholen 
wit schynen also de snee unde he schal syn eyn hoch persone. 

(361) De koningh vraghet: Schal de godes souf 
enich hus hebben upp ertryke? Sydrack secht: 
CCCLXT He schal hebben eyn hus upp ertryke dat schal hesten 


212 


gheloven in god van hemmelryke. Do entboet eme komigh 
Garab wedder, he wolde doen allent wat he wolde. Unde do 
keerde syk konnigh Garab tho gode unde to brack alle syne 
affgode, de he hadde. Unde eer konnigh Buctus starf, so 
bekeerde he alle syn land unde vele anderer lande unde vele 
provincien myd dem rade synes wysen meisters Sydracks. 

Hyr nemet dit boek synen ende, des wysen philosophi unde 
astronomus meisters Syderacks, de dar vele gheleert heft in 
der werlt. Nuw bidden wy ghemeynliken gode dem sehepper 
van hemmelryke, dat he uns gheve syne gnade, dat wy mo- 
ghen vorstaen des wysen philosophus Sydrack bock, dat dar 
leret unde wyset to der ere des lichames unde to notticheit 
der selen”. Amen. 

God sy ghelovet van hemelryke 

Unde syn ere ewichlyke, 

Dat he my also langhe sparde 

Unde my mynen syn bewarde, 

Dat ik dit bock uth screff 

Unde myn syn doch stede bleff 

To Copenhaven in der stat, 

Dar mennich werdet sat 

Beyde van speyse unde van drank. 

God de hebbe ewichliken dank! 

Nuw bidde wy den hemmelschen god, 

Dat he uns gnedich sy sunder spot 

Unde gheve uns syn ewyghe ryk 

Des bidde wy alle ghelyk. 

Vullenbracht unde ghescreven 

Upp sunte Magnus dach? sunder sneven 

Na godes ghebort 

Dusent vierhundert also vort 

In dem LXXIX jaer. 

God unse lyff unde sele bewaer 

Nuw unde to alre tyt 

Und make uns van allen sunden vry unde quyt! 

Amen segghet alle to samen 

In godes namen Amen. 











zeugen der apokalypse (gesetz und evangelium) werden zuerst im evan- 
gelium Nikodemi cap. 25 auf Henoch und Elias gedeutet. Vgl. Grimm, 
d. mythologie. Simrock, Lucidarius 436: Die reichen bringt er durch 
grosses gut an sich. Die armen gewinnt er mit drohungen und un- 
gerechtem urteil. In den italienischen und französischen texten, die 
Bartoli benutzte, stehen vor dieser frage 6 capitel, bei Bartoli 526—31, 
welche von Muhamed, Karl dem grossen und den kreuzzügen handeln. 
Der Antwerpener druck v. j. 1564 hat dahinter ein capitel 396, wel- 
ches beginnt: Sidrack antwort: Hi sal zijn een leelic geschapen arm 
man een herder ende een hoeder van kamelen. Ende sal mitten duyvel 
wercken ende en sal int begintsel niet meer dan 40 mannen van mach- 
ten hebben. En met rade des duivels sal hi belieghen ende veel volcs 
verleiden. Cap. 397 heisst es: Sie sullen een tijd houden daer nae 
salder een conincrijck zyn in Vrancrijk daer goede lieden sallen zijn en 
ghelovende in Gode. Ende dar na sal der een Coninck zijn dye Karel 
heeten sal die dat volc die quade Sarasinen destruere sal. 

373, 2. Evang. Matth. 24, 22. 

376, 1. Der ursprüngliche text deutet das tal allegorisch Bar- 
toli s. 518: In una valle. La valle significa questo mondo; et lo 
monte di questa valle e lo cielo. , 

380, 1. Auch der anfang dieser frage findet sich im dänischen 
Lucidarius s. 60 f. 

387, 1. Diese frage findet sich nicht bei Bartoli und ist wohl 
später hinzugefügt. 

Schluss 1. Der bau des turmes knüpft wohl an die stelle im 
Hirten des Hermas an (Hennecke, neutestam. Apokr. s. 235). Das 
auftreten Sidrachs erinnert an das auftreten des apostels vor dem kö- 
nige Gundafor in den Thomasakten (Hennecke s. 481). 

2. Dieser abschnitt auch in einer italienischen und in der alt- 
französischen hs. des Sidrach Cod. Riccardiano no. 2758. Vgl. den 
bericht über die Hamburger nl. hs. in De Taal- en Letterbode III, 
65 ff., wo s. 69 auch das vorbild zu den schlussreimen unser hs. ab- 
gedruckt ist. 

3. Der 19. august. 


Sidrach. 15 


Zur Sprache des Sidrach. 


In dem texte, welchen der diinische schreiber aus dem Nieder | 
liindischen übertragen hat, dürfen wir im ganzen die niederdeutsche | 
sprache wieder suchen, wie sie im 14. jahrhundert in den Kopenha : 
gener kreisen, die mittelniederdeutsch verstanden oder doch in Nord ` 
albingien gebräuchlich war. i 

Freilich verrät der übersetzer in einer reihe von punkten ein 
leichte unsicherheit in der handhabung des niederdeutschen, E 
bildet den plural wyffs (weiber) s. 19, der gewiss nie existiert hat 
Er schreibt mans (männer) neben mannen, eyn sones de du 
vels s. 47. Den plural von sone (sohn) bildet er vier mal in der 
form sones, soens s. 18, 19, 26 u. frage 12, 151. Er hielt wahr 
scheinlich einen endstrich des e seiner vorlage für ein s und da e 
die niederdeutsche form söns bereits im gewöhnlichen verkehr ge 
hört hatte, so konnte ihm „dat meiste part sones“ und „ghewan he 
sones unde dochtere* in die feder fliessen. Auch die form he leet 
(er lässt) s. 72 u. 6. ist ganz stumpf statt des richtigen he let ge 
setzt. Ja er macht sogar aus diesem ee ein ie: he verliet (er ver 
lässt), weil er im übrigen statt des mnd. ê häufig das mnl. und jè 
tische ie verwendete. Er verwechselt sitten mit setten: ‚dl 
ordele sitten“ 379. Statt dringet schreibt er drinket in & 
erde 30. Er schreibt wusch (wuchs), gewassen (gewaschen) 4 
u. 2 ghevenkenisse s. 32 Von dem seltenen strang (stat) 
bildet er einen plural stranken 104. Statt dat en schreibt e 
dan en, statt da by: dat by, statt wo dat: wot dat, sit 
annemen: annamen. Statt unte dem (bis zu dem): unde lo 
den s. 20. 

Diesen kleinen versehen schliessen sich hochdeutsche & 
miniscenzen an, wie ritter 44 neben riddere s. 21, beholteniis® 
s. Y yhestaltenisse s 33, vorstantenisse 185: a Zit 
vorstetest nach dem ie des hochdeutschen verstiessest gebildet 

An einigen stellen zeigt sich einfluss des Dänische: 
Varen (währen). 190, vaken (wachen) 108, vyn t (wind) 101. Ver 
doppelung des auslautenden konsonanten, um die länge dea vorhergeber- 


229 


83, de dink 40, ere kint 83, syne wort s. 24, die wohl hoch- 
deutschen ursprungs sind. 

Das m des dativ sing. der st. adjektive ist sehr oft zu gunsten 
des n vermieden. Van eren willen 86, van guden herten 88, 
van synen bosen herten 9. 

Auch das r der femininendung fällt ab: Na ere macht 83, in 
are moder licham 342. Dagegen die st. genetive: vul quades 
willen 86, quades dodes s. 31 eynes anders raet 316, 
gudes hoghen 81. 

Dem nördlichen Niederdeutsch gehören an die zahlenformen: 
soste, soven, sovende 13, sowie swommen 48, vinsteren 
(fenster), schipper (schöpfer) 4 u. ö. 

Den niederdeutschen laut von á drückt der schreiber bisweilen 
durch o aus: hor (haar) 23, 150, 182, 263, molet (malt) 276, mogh e 
(verwante) 183, woraftich s. 34, vorwor 177, 188, 267. 

Nach e und o setzt er in der regel einfachen konsonanten. Je- 
doch schreibt er regelmässig hemmel, auch konnigh, honnigh, 
nedder, wedder (wetter), entleddighen. 


Glossar. 


Die zahlen beziehen sich auf die fragen, bei wörtern der einleitung 
und des schlusses muf die seiten. 


adere £ 1) rippe einer panze 
315. Bei Bartoli: il grano. 
2) arena. y 70. 

affgrunde n. abgrund s. 32; 
104, 185. 

afflanghen, erlangen bl. 

uffecheydinghe f. abechei- 
dung 21. 

aldusedan, solch s. 30; 57, 

allent, alles s. 35 u 0, 

almechticheit f 
19, 258. 

almysse f. 1) almosen, 90, 266, 
545. 2) Barmherzigkeit, im ge- 
gensatz zu sünde 48, 

ampt n. handwerk 203; am- 
bacht, amt 7, handwerk 252. 

anich, frei von? 105. 

annamen, annehmen s. 2; 93. 

anschundinghe f. anreizung 59. 

antworden, überantworten 21. 

anverdinghe f. angriff 84, 

anwyser m. ratgeber s. 20. 

arch, n. arg 21, 96. 

arghen, beschädigen 112. 

arke f. kasten, aa 130, 287. 

astronomye f. astrologie s. 20; 
23, 26 f., 46, 112. 

aventure f. mühe, zufall, aben- 
teuer; by aventure(n) = franz. 
i l'aventure 20, 156, 209, 326. 


almacht 


basunen, posaunen, mnl. bo- 
sinen 75 (s. 82), 370. 
begheren, begehren 60, 184. 
begrypen, ermahnen 85, 
behende, fein, listig 16, 251. 
behendigheitf klugheit 





30 


5. 36; 319, 372. 
bekennen, erkennen 60. 
bekoren, versuchen 11, 265, 
bekummeren, belasten 30, 
beleyden, beweisen 198. 
beloven, vertrauen 95, 
beorlogen, bekri a H 
bequem, passend 231. 
beren, hervorbringen 382. 
berichten 1) lehren e, 20; & 
21, 47. 2) rechtsprechen 268. 
berndinghe f brand 110. 
berorynghe f. bewegung 111. 
beroren, beunruhigen 65, 
beruwen, bereuen 9. 
berve, tüchtig 51, 261. 
bervichey t. tüchtigkeit 85. 
besmitten, besudeln 159, 363. 
bespotten, verspotten 315. 
be(e)ste, bieste f. tier s. 29 u. 5. 
bestedighen, setzen 45. 
besturen, ordnen 46. 
betyghen, zeihen 114. 
bevlecken, beflecken 225. 
bevruchten, fürchten s. 36. 
bewaren laten, gewähren 
lassen 199. 
bewegere, m. der beweger 84. 
beweynen, beweinen 12, 182. 
bewyroken, beweihrauchen s. 30. 
byna, beinahe s. 31; 372. 
blase f. die blase (vesica) 305. 
blasinghe f. der hauch 74. 
blek, bleich 145, 173. 
blyde, fröhlich 255. 
blicken, strahlen 122. 
blyncken, blinken, mnd. blen- 
ken 368. 





| 
| 





231 


em, m. blitz s. 30; 181. 

2, f. die weibliche regel 228. 
n, heben 142. 

men, brüllen 110. 
hen n. gehirn 191, 198, 
349. 

inghe f. nutzniessung 82. 
eringhe f. dimmerung 


, m. nebel 120. 
1, Sinken 144. 
‚on doren, wagen 313. 
;e f. diebstal 181. 
slicheit f. tüchtigkeit 76. 
¡hafticheit f. dienst- 
zkeit 85, 327. 
7ige f. sündflut 248. 
r1eit f. dicke 119. 
ıteren, disputieren s. 30; 
‚20. 

m. zielpunkt 144. 
e, straff 60. 
ftich, töricht 88. 
e, wütend 69. 

lyven, sterben s. 31; 11. 
k, gänzlich 13. 
ndıcheit f. wut 09. 
ıt f. andrang, gewalt 84, 


ker m. trinker 276. 
1heit f. trockenheit 111. 
2 1) m. tropfen 182; 2) f. 
1e, wassersucht, gicht 112. 
ich, betrübt 99, 

f. tiefe 132. 

>r, n. das dunkel 64. 

s, m. der tor 87, 183. 
lyk, töricht 183, 196. 


rottesgesetz s. 19, 23. 

:ke, m. bundesbruch 13. 
m. igel 204. 

am, einig, einzig 60. 

'inmal 114. 

k, schrecklich 6. 

hen, heischen s. 29. 

:llik, jeder 139. 

e f. ameise 10, 67, 183. 

in, ermangeln, fehlen 306. 

xerst, m. antichrist 139. 

‚nghen, empfangen 22, 
Ö. 


anghen = entfenghen 


rmen, erbarmen 49, 276. 


entfenghen, anzünden 76, 110, 
202. 

entgheven syk, von sich weg- 
tun 87. 

entholden, aufrecht halten 9, 
31, 68, 183. 


entkleydinghe f. entklei- 
dung 59. 
ent-, untmaken, entformen, 


vernichten 64, 181. 
entreken, wegnehmen 14. 
entsachten, erleichtern s. 4; 

276. 
entschinen, erscheinen s. 37. 
entsetten, 1)sich entsetzen 87, 

2) retten, erhalten 308. 
entswellen, abschwellen 305. 
erden vat n. irdenes gefäss 

s. 33, 35; 91. 
erre, wild 60. 

eer, praep. vor 247. 
ertse, ärzte 144. 
ertsche engele, m. erzengel 

eer, praep., vor 37. 
ewech, weg 104. 
ewicheit, ewigkeit 108. 
exempeler m. exemplar s. 22. 


| fenynych, giftig 354. 


formynghe, statt entfarminghe, 
erbarmen 129. Bartoli s. 177, 
la misericordia. 

fundament n. 116. 


gave 221; verlesen für eewe? 

ghat n. loch 9, 308. 

ghaten, lochen 75 s. 81. 

geck, wahnsinnig, albern, geck 
270, 301. 

geckheit f. narrheit 13, 262. 

ghelaet n. ansehen 157, 184. 

ghelyke n. bild 28, 39, 54. 

gelykerwys, in gleicher weise 
s. 23. 

ghelockerye f. leichtsinnige 
handlung 263. 

gheloven 1) glauben s. 33 
2) geloben, aussprechen s. 84; 
232. 

gheneratie f. generation 22. 

ghenochte f. vergnügen, böse 
lust 101, 173, 196. 

gheringe, schnell 20. 

gherucht n, hülferuf 375. 

geschickelicheit f. 85. 

ghesete n. gesäss 75 (s. 81). 


232 


chesette, n. gesetz 77. 
shesinne f. u.n. familie 191, 299. 
ghetruwe, mutig 329, 368, 
treu 230, 62. 
ghewalden, gewalt haben 32. 
glorie f. herrlichkeit 22, 147. 
gremes, grimmig 82. 
gr(e)yselik, grauenhaft 82, 276. 
groyen, wachsen 349. 
gudertere, gutartig, von gu- 
ten sitten s. 32; 329. 
gutlicheit f. anmut 85. 


hastigh, hastichlik, hast- 
lik, eilig 20, 175. 

hastich, hastelik. 
s. 23. 

hechte, n. heft 75 s. 82. 

herden, beharren 7. 

herschopp? 276 =horschop, 
hurerei, welches sonst nicht nach. 
gewiesen? Oder mnl.hoorsch- 
heit, wüstheit. bosheit ? 

hertsenen? 65, 80 f., 84, 108. 
Statt diinisch hern-senen, 
gehirnnerven? Bartoli s. 154 f.: 
cervello. 

hoden, hoden 217. 

hoghe, m. freude 75, 81, 84. 

hogelich, hochlik, munter 
60, 82. 

hochvart f. stolz s. 10, 28. 

hoen, m. schimpf 105. 

honichsem, m. honigseim 61. 

hopene, m. hoffnung 334. 

horn, n. ende, ecke s. 36. 

hoveslik, fein, gebildet 321. 

humeren, humores, feuch- 
tigkeiten, (die vier) stimmungen 
199, 212, 232. 

husbacken, als bezeichnung 
guten brodes 315. 

husbonde, m. hausherr, dä- 
nisch husbond 26. 


zornig 


ichteswelk, mancher 70. 

inkoment, n. eingang s. 24. 

vser(en), n. eisen 102, 276, 

jaa — jaa, je—desto, mnd. io 25. 

jungelink, m. dreissigjähriger 
mann 244, 


kan, kanne, schoppen? 114. 

canser, krebs 116. N]. kanker. 

karbunkele, -bundeke, m. 
der edelstein 132. 


kastyen. tadeln 86. 

katyff, bube s 35. 

keer, m. drehung 62, 197. 

kyff, m. zank 817. 

klerk, m. niedriger geistlicher 
x, 22; 201. 

cloven, spalten s. 35. 

knagen, nagen 269. 

kokilie f. muschel 132. 

complexie f. naturell 32, %. 
60. 65, 154, 173, 196. 

constancye f. festland, erd- 
teil 133. 

corrumperen. huren 22. 

krane, m. kranich 230, 260. 

krank, zerbrechlich 59, 162. 

kreyeren, rufen e. 26; 75. 

krysen, kreischen 276. 

erunghen, krimmen 13, Vgl 
nin]. crenghen, umdrehen. 

k u l l (e), m. hode 217, 247,837, Si. 
Vgl. Oudemans, Mnl. woor- 
denboek III, 574. 

kume, kaum 227. 


lasure, lasurfarben 141, 

leckerye f. lockeres leben 240. 

] ef f talli ch, liebenswürdig 292, 

29. 

lende f. lende 79. 

lenk, langer 139. 

letmat(e), m. gliedmass 276. 

loffsyringhe f. lobrierong 
147. 

lovede, n. gelübde 370. 

lovere, lauh 182. 


majestact f. 378, 381. 
manere f. art 9 u. ð. 
mank, zwischen 72. 
manslacht, totschlag 13, 3l: 
medecyne f. heilmittel 1% 
meynheit f. gemeinde, mer 
schenmenge 192, 
meynsamheit f. gemeinschat 
59. 
merer, grösser 7, 275. 
myn, geringer 101. , 
mynrebroder, Minorit +. 2: 
47. 
misstaltlyk, miasgestaltet 42. 
moghe, moch. maghe, ver 
wante 183, 257, 259. 
moghelik, mühsam 107. 
moyen, betrüben 18. 
moyenisse f. pein 309. 


233 


oghen(t)heit f. macht s. 30; 
1, 17, 116, 250. 
‚ortdadich, mordtätig 53. 
‚otinghe f. begegnung 124. 


alen, nahen 81. 

avolgher, m. s. 32. 
edderwert, niederwärts 322. 
eyer, ni. der näher 218. 

eyn, nen, kein 23 u. ð. 

ere f. 1) niere 80. 2) Nerf 65 
(italienisch bei Bartoli s. 112 
le collere nere!). 

ıytschopp, gier? 240. 

ıochtant, dennoch s. 30; 30, 
72, 95. 

1r0ttroft f. notdurft 98, 188. 

¡ummermeer, nimmermehr 
S. 29. . 

ıummer gud, kraut „Nimmer- 
gut“ 317. 


'ghenupslaent n. augenauf- 
schlag 26. 
irdenerynghe f. ordnung 262. 
‚sen, schöpfen 125. 
‚verlyden, übergehen 136. 
‚versetten, übersetzen s. 21. 
‚ver vrouwe f. Oberweib, aus- 
gezeichnete frau 83. 
verspil, n. ehebruch 281. 


padde f., kröte 323. 

pauluun, n. zelt s. 29; 75. 

pawes = mnl, paes, französ. 
paix, friede 358. Vgl. Bartoli 
s. 396. 

verso ne 360. Im ital. texte dalta 
persona, von hohem wuchse. 

»ol, m. landsee, seichtes gewiis- 
ser 120, pfuhl 363. 

‘rime, sw, m. der erste (alt- 
franz.) 283. 

ırincipatus, regierung 7. 

“"rofyt, m. nutzen 20 u. ö. 

‚rofıtlık, nützlich 44, 88 u. 3. 

»ropheteren, prophezeien 62. 

yrovincie f. provinz s. 212, 

yuder, gestossenes gewürz 75 
s. 83. 

yur(e) = rein, 303. 

»uren, reinigen 80. 

purheit, reinheit 198. 


quaet, böse s. 30 u. Ö. 


qualik, schlecht s. 34; 42, 48, 
254 (von kleidung). 
queck, n. vieh s. 29, 


racken, von unflat reinigen 309. 

ratvragen, disputieren 320. 
Bartoli: demando ragione. 

rede, grund 64. 

redelicheit f. vernünftigkeit 
s. 19; 85, 106. 

rechticheit f. gerechtigkeit 
26, 185. 

rechtverdicheit, gerechtig- 
keit 49. 

reysen, reizen 2%. 

rete, plural, spalte, täler 128. 
Bartoli s. 177 rocche, felsen, 
welches roches der übersetzer 
aus dem französischen nicht ver- 
standen zu haben scheint. 

reverencie f. ehrfurcht 386. 

rinck, m. kreis, den eine ver- 
sammlung bildet, s. 22. 

ryntvleisch 132, 214. 

ryseken, kleines reis 297. 

roken, sich kümmern 114, 341. 

rolik, ruhig 74. 

roren 1) sich bewegen s. 7. 
2) betreffen 7. 

rotte f. ratte 69. 

rouwe (ruwe) f. 1) ruhe 44, 
106, 185 u. 6. 2) mnd. ruwe, 
schmerz s. 28; 108, 266, 308. 


sacrenen, weihen 362. 

sad, saet, n. samen 60. 

salicheit f. lust s. 24. 

sangwyn, blutrot 145. 

schamferen, unehren 84. 

scharren, scherren, schar- 
ren 132, 350. 

schasseren, verjagen s. 29, 
330. 

schelnisse, schelinge f. 
fehler s. 10; 116. 

schem, m. schatten 117. 

schemelheit f. schamhaftig- 
keit 11. 

schermest, n. schermesser 75. 

scheten dreck 213. 

schickenisse f. gestalt 60. 

schipper, schepper m. 
schöpfer s. 36 u. 6. 

scroder, m. schneider 218. 

sedder, seit 67, 339. 

seck, trocken 111. 


sellynne f. gefiirtin 83, 171. 

serighen, verletzen 97. 

serpent, schlange 129. 

syde, niedrig 104. 

syn, m. verstand 303. 

synnich, verständig 316. 

syr-, tzirheit f. zierde 92, 385. 

smaheit f. schmach 13. 

smeyken, schmeicheln s. 31. 

smytte f. schmutzfleck 85. 

ssnide 12 = snode, schlecht ? 

sneven, straucheln s. 212. 

sod, m. brunnen 125. 

sodimicum, sodomie 181. 

som(me)lyk, sommigh, ei- 
nig 81, 140, 265. 

sot, schwachsinnig, als substantiv 
der narr 156, 203, 231, 260. 

sotheit, soticheit f. narr- 
heit 110, 156. 

span. n, hölzernes gefiss 125. 

gpittal, n. aussatz s, 2; 66, 112. 

spittels, aussätzig 66. 

steden, zulassen s. 20, 

steynen vat. m. steingefiss 
s. 97. 

steynklippe f. 59. 

strank, strenghe, stark 56, 
104. 

strede, m. schritt 75. 

substancie f. substanz s. 30, 
34; 1.9. 

subtyl(De, fein 16, 107, 2. 46 
u. Ö. 

subtvlicheit f. feinheit 140, 
221 

suchten, seufzen 304. 

sunde(rik) sunderigh, be- 
sonders 87; 293. 

swardrachtich, trächtig 78. 

swark, wolke 4. 

swarnisse f, beschwerde 9. 

swygher, m.schweiger 205, 260, 


themen, ziemen 92, 

temperen, mischen 60, 148, 

tyen, zeihen 177. 

to, zugegen 114. 

tortyse f. fackel 39. 

tow, m. das tau 75 s. 82. 

trachtinge f. das trachten. 

tracteren, handhaben 362, nınl. 
tracteren van, handeln von. 

tresel, m. schatz s. 21: 15. 

tuchtlyk, gesittet 312. 


34 


umme lank, ringsum 59, 75. 

unbevlecket 225. 

underdrucken, unterdrücken 
47 


underwinden, erfassen, über 
nehmen 114. 
unghent, n. salbe 112, 32 
ungetruwicheit f. untreue 
237. . 
unosel, unschuldig 353. 
unnosel yk, unbedacht 316. 
untellik, unzáhlig 150. 
unvorliket, ungeschlichtet l5. 


vaghe-, veghevur, n fege 
feuer 178, 243, 275, 279. 
vastheit f. festigkeit 111. 
vers ch, frisch 349, 
vetheit f. fettigkeit 111. 
vingherlyn, fingerring 
vlammen, flammen 1], 111. 
vleghende vur, fliegende 
feuer 145, . 
voghelcrat, m. vogelgeschre 
344 


vorboden, bestellen s. 23. 

vorbolghen, stolz, erzürnt 2.9. 

vordelghen, vertilgen 46. 

vordomen, verurteilen 35, 2. 

vordrachticheit f. gedold 
40, 64. 

vordupen, untertauchen 8l. 

vorerren, erzürnen s. 36. 

vorgheven, vergiften 130. 

vorkoveren, ersatz gewinnen 
55. 

vormiddelst, wegen 6 u. ù. 

vornoften, vernünftig mə- 
chen 80. 

vorquaden, schlecht werden 
105. 

vorretnisse f. verräterei 63. 

vorsichticheit f. die vor 
sehung s. 19. 

vorsynnen, erkennen s. 4. 

vorschonen, verschönern 222. 

vorslynden, verschlingen 380. 

vorspillen, vergeuden s. 2. 

vorstand, verstehend, verstän- 
dig 302. 

vorsubtylen, verfeinern 215, 
252. 

vorsuffen, die besinnung ver- 
lieren s. 211. 

vorsuth, siedet 212, 


235 


‘en, verzichten auf s. 34, 
177, 380. 

ren, entsetzen s. 23. 
2rschen, erfrischen s. 28. 
alkoren, bewilligen s. 19, 


erden, vergehen 31. 

y t, vorwurf s. 26: 83. 
yten, vorwerfen, hohn 
shen 156. 

oden, wútend werden 69. 
ik vgl. anm. 183, 1. 

r, vreter,'m. fresser 77, 


o rden, genehmigen 11, 
echtich, 


ıbar 338. 
+, beinahe s. 30. 


vollkrüftig, 


vurdrake, feuerdrache 70. 

wade, dänisch vaede, feuch- 
tigkeit s. 24. 

warmheit f. wärme 32. 

wat, denn. Verschrieben für 
wente ? 305. 

weickheit f. weichheit 289. 

werkinghe f. wirksamkeit 67. 

werlyk, weltlich 26, 98, 225. 

wérliken, wahrlich 23. 

werle?, fir (ye) werlde, je- 
mals 364 (Mitt. von C. Walther). 

wetenheit f. wissenschaft s. 20. 

wynnynghe f. gewinn 310. 

wyten, vorwerfen 325. 

woe-, (wol)-danicheit f. ei- 
genschaft 9, 33. 

wreken, rächen s. 24; 43. 

wroghinghe. anklage 22. 


> 


236 


Personennamen- und Sachregister, 


Abel 12, 388. 

abgötterei 54. 

ackerbauer 19. 

Adam, seine sünde und erlösung, 
10 ff., 18, 21, 87, 40, 62, 

— erschaffung 283, 221. 

— lebenslänge 18, 244, 

— sein erstes wort 386. 

— sein tod 18. 

adel 5l. 

adler 51. 

atte 350. 

Alexander 75. 

alter 262. 

amazonen 75, 

angesicht 373. 

Antiochia s. 22, 

apfel des paradieses 264. 

apostel 39, 46. 

arbeit 89, 106, 183. 

—, weibliche 309. 

— um der kinder willen 183. 

arme 56, 89, 91, 99 f. 177, 314, 
326. 

Armenien 288. 

asche als zaubermittel 69. 

astrologie 348. 

auferstehungsleib 383, 385. 

auge 200. 

ausschlag 66. 

aussatz 66, 112. 


Babal, Babilonia 54, 373. 

bär 350. 

barmherzigkeit 289, 291. 

baum, vergleich mit dem herzen 
232. 

— im paradiese 282. 

baumgarten, vergleich 39, 59. 

beichte 209. 

bekenntnis 261. 





berge 128. 


bevölkerung der erde 364 

biene 352, | 

blut 24, 29, 31, 148, 202. 297. 

Boctus s 20 u. 6 

böse, ihre kennzeichen 59. 

— ihre weisheit 296. 

brücken, gleichma von xwa 
br. 59. 


Unldea a 20, d 

Christus, geburt m, vorzeichen 
357 £.; 17. 

— wesen 16. 

— weisheit 359, 

— schönheit 360. 

— höllenfart 237. 

Consoaum-Corboam-Cor 
thiel, erdteile 10, 

Copenhaven s. 212. 

Cordres = Todrus s. 22. 

cyclopen 75. 





D an 373. 

dankbarkeit 158. 

Dimittere = Demetrius s. 21. 

ding, das sicherste u. unsicherste 
41 f., 69. 

— das schlechteste 63, 69. 

— das dunkelste 184. 

dinge, ewig? 4, 67. 

— ihre benennung 352. 

Dominikaner 47. 

donner 122. 

dreifaltigkeit s. 20, 33, 37; 

ebenbild gottes 28. 


ebräisch 163. 
Ebron 11, 12; 285. 


ehe 85 ff, 109, 171, 229 ff., 823. 


ehebruch 193, 174, 299 f., 323. 


ehre 98. 

ehrerweisung 99, 110, 157, 
166, 170. 

eid 9. 

einfältige im jenseits 35. 

eisen, gleichnis von 2 eisen 121. 

elemente 9, 32, 55, 68, 306. 

eltern und kinder 256. 

empfängnis 60, 66 
mmomeuss. 21.. 

engel, ihre erschaffung, formen 
und dienst 6 ff, 17, 115, 137, 
152, 206, 211 f., 931 £. 271€, 236. 

Enoch 240, 373. 

epilepsie 199. 

erbs finde 285. 

erde, reise um die e. 134; 333. 

erdkunde 133. 

E va s. 29 f., 32; 11, 388. 

excremente 215. 


fuckel 50. 

falschheit 184, 

familie 178, 208. 

farbe der kleider 331. 

— der tiere 78. 

— der haut 76, 210. 

fegefeuer 21, 178, 275. 

feıgheit 65. 

feinde 311, 313. 

feindesliebe 58, 176, 207. 

feuer 30, 159, 224. 

feueranbeter 75. 

firmament 113, 116 f, 
147, 187 £. 

fischteich, gleichnis 25. 

fleiss 225. 

fleisch 211, 347. 

folter 267. 

frauen gleichen baumreisern 297. 

freude 160, 255, 257, 290, 297. 

— der seligen 385. 

freunde 45, 88, 259, 298 f., 312. 

fronleichnam 362 f. 

frúchte 68. 


135, 


alrap, monat 283, 

araab s. 23 ff., 211. 
gebet 38, 336, 368. 
gebote 40. 
geburt 6l. 
geburten, ihre zahl 150. 
gedanken 198. 
gegenfússler 117, 186. 


gehirn 349, 
geistlichkeit 46 f. 
gelehrte 195. 
genesung 100. 
gerechte, ihr aussehen 53. 
gericht, jüngstes 8371—82. 
geschlec tsleben 161, 202, 
210, 227, 242, 305, 307, 322, 
337 f., 342. 
gespenster 
279. 
gesundheit 44. 
gesunder ort 192. 
gewitter 122. 
glaube zur zeit Christi 38. 
gläubiger 321 
glied, das schönste 200. 
— das sorglichste 222. 
goldl 
gottei censchaften 1—3. 
— erhaltung der welt 73. 
— barmherzigkeit 150, 182. 
— gnade 367. 
— milde 167. 
— zorn 367. 
— unergründlichkeit 164. 
— anbetung 165. 
— anblick seiner werke 258. 
gottlose 341. 
Griechen 372. 
grimm 81. 
rússen 170. 
umaf, erdteil 10. 


sind teufelstrug 


haar 263. 


hagel 121, 132. 

handwerke 218, 

harfenspiel 346. 

hastigkeit 175. 

hauptsúnden 13. 

heiden im jenseits 35. 

heimat 109, 155, 315, 318. 

Helyas 240, 373. 

heere, kämpfende 162. 

herrschait 49. 

herren und ihr recht 268, 329 f. 

herz 84, 332. 

himmel 141 ff. 365, 368. 

hitze 254. 

hoffnung 334. 

hölle 21, 37, 257, 274—9, 365. 

— ihre strafen 276, 345. 

— freude der seligen an ihren 
strafen 43. 

hóllenfart der seelen 137. 

hunde 75, 102, 204, 213, 355. 





238 


hunger 212. 


Indien s, 25 f.; 112. 
inseln 75. 

irrsinn 108, 270, 
Yapanien s. 21. 
Jacupetret s 22, 
jagdvögel 356. 
Japhet s. 20, 26. 
Jesus, dllwissenheit 359. 
— verklärung 360. 
Jerusalem 370 #. 
Johannes Er. 238. 
Jordan s. 21. 
Josaphat, thal 376. 
jugend 262. 

— ewige 368, 
junge u. alte 110. 
jungfräulichkeit 225 f. 


kahlheit 238 f. 

Kain 12, 388. 

kälte 254. 

kauflente 193, 

kinder 302, 309, 338, 

— ihre seelen 220, 239, 245. 

— von bösen 256, 

— durch erbsünde defekt geboren 
285. 

— des nachts geborene 75. 

kirche 39, 46, 361. 

kleinheit 253. 

klima 192, 

knecht, entlassener 25, 

knochen, mittel gegen ver- 
schluckten 214. 

könig 193, 329 f. 

kraft 319. 

krankheit 44. 

krautnimmergut 317. 

kräuter 10, 124, 208. 

Krakabar s. 26 f. 

krebs, zeichen 132. 

kreuzesbaum 18g. 

kreuzeszeichen 378. 

krieg 162, 189. 330, 340. 

krüppel 269. 

kühnheit 69. 

künste 107, 201, 218, 


lamm 353. 

länder der erde 133. 
landesherren 329 f. 
launen 199. 
lebenslänge 70 f. 
lehrer, geistliche 197, 201. 


e 


leib, We y 29—32, 247. 


er seligen 385, 
Leibesatreatun 267. 
leitstern 188. 
liebe des nächsten 178, 
liebearanseh 87, 96, 
löwe, ist 368, 
lucifer 6 
Lyxeus = Lyon a. 22 


Madyan s. 20, 

Maria 387. 

meere 146, 
meermenschen 75, 
melancholie 82, 137, 
mensch, pura 5 


— ebenbild 27 f. 
— stinden weg 
_ lebenslinge 7 


= verschiedmnrtigkelt 75, 38 
bis 57. 


menstruation 298, 
Mercurius 144, 235. 
mitternachtsonne 117, 
mondfinsternis 189, 
mörder 181. 

Moses s, 19; 27. 
Muhamed 372, Á 
mühlenstein 208. 
munddiebstahl 48 
musëlmannen 46, 


Naaman s. 21. 
nächstenliebe 40, 165. 
nase 221. 

natur 74 ff, 131 f., 222 ff., 186 El 
neid 68. 

neuvermählte 109. 

Noe s. 19 f., 23, 26 ff.; 62. 


ochse 353, 
offenheit 105. 
ölbLorn 308. 

osten, gebet nach 336. 


papst 47. 

Palermo s. 22. 

paradies 21, 131, 247, 240, 24 
perlen 132. 

Persien s. 23. 

pferd 351. 
philosophie-salbe 112. 
planeten 9, 72, 111, 144, 234 | 
praeexistenz der dinge 17 
priester 363. 





9 


ui 


»fropfen der bäume 163. 
»rophet, der wahre 387 u. 36. 
— der falsche 47, 373. 

— des alten bundes 72. 

»ur pur 358. 

»ygmaen 75. 


yuellen 127. 


-aschheit 255. 

-echt 93, 194, 267 ft. 

regen 12, 111, 120. 

reiche und reichtum 56 f. 
89, 91, 98 ff., 168, 177, 195, 314, 
326. 

reinheit der seele 138, 198. 

reinlichkeit 96, 138. 

richteramt 49, 269. 

riesen 54. 

ritter 44. 

Rogygher (Roger) s. 22. 


Sabach =. 21. 

Salomo 49. 

salbe gegen aussatz 112. 

salzwasser 126. 

Sam s. 26. 

Samaria s 21. 

Samesis, erdteil 10. 

sand 49 f. 

Sarazenisch s. 21 f. 

Sattorien s. 23. 

schlaf 191, 328. 

schlangen 11, 70, 130. 

schluchzen 304. 

schnelligkeit 319. 

schöpfung 4 f, 115 f, 282 f. 

schwangerschaft 60, 228, 
342. 

schwarzkunst = schreib- 
kunst 107. 

schweigsamkeit 260. 

see 146, 205. 

seele 21 ff., 31f, 41 f., 35, 137, 
238, 246 fi, 278, 307. 

ihr königreich 45. 

ihre leichtigkeit 238. 

und leib 185, 247 f. 

gute und böse 43. 

der ungebornen 12, 51. 

der kinder 239, 245. 

— der tiere 74. 

— der verstorbenen 21, 
345, 348, 385. 

sehschirfe der kinder 349. 

selbstlob 301. 

selbstopferung 75. 


278 f., 


39 


Seth s. 211. 

Sybrecht s. 22. 

Sydrack s. 20. 

sindflut 129 f., 243, 286 ff. 

sitten, böse 93. 

sodomie 181. 

sonne 30, 62, 178, 

sonnenfinsternis 139. 

sonnenstrahl, an welchem 
die seele aufklimmt 114. 

sorge 324 f. 

speise 80, 168, 300. 

sperber 230. 

spiel 293. 

stände 193. 

steine 208. 

sterblichkeit 366. 

sterne 69, 139 ff., 151, 187 f. 

sternschnuppen 140. 

Stravon 112 s. 107. 

stummbeit 163, 265, 270. 

sünde 35, 236. 295, 384. 

sündenfall 55, 113. 

sündenvergebung 281. 

Schwarzes meer 132, 146. 

Syrien s. 21. 


Tabor 360. 
tag und nacht 186, 
tapferkeit 64. 
taubheit 163, 265. 
tausendjähriges reich 47. 
temperamente 65. 
teufel 207, 274, 339, 354. 
tiere 69 f., 74, 350 ff. 
— zahl 153 f. 
— farbe 78. 
-— darf man essen 291. 
tierschutz 291. 
tiersprache 344. 
tierkreis 144, 235. 
tod 19 f, 25 f., 29, 32, 36, 104, 
109, 202, 307, 334. 
todesstrafe 179. 
tocratıs = krokodil 83. 
Tollen, Toledo s 21 f. 
tollwut 69. 
totentrauer 335. 
transsubstantiation 362. 
triunme 280. 
treue 62, 64, 310. 
Thunis s. 21. 


umgang, seine formen 92. 
— mit bösen 97, 261. 








BIBLIOTHEK 


DES 
ITTERARISCHEN VEREINS 
IN STUTTGART. 


CCXX XVI. 


TÜBINGEN. 
STEN DES LITTER 


1905. 


ofessor Dr. G. Böhmer in L 
Ng A” weh 
Dr. Bolte, professor in Berlin. | 
Oberstudienrat Dr. Hartmann in Stuttgart. 
Director Dr. W. Heyd in Stuttgart. 


Dr. Martin, professor an der universität Straßburg. 


“a zi } - 1 , 





io. WM m Le 
pa wn 


an 
e 





Dr. G. Meyer von Knonau, professor an der universität Zürich. 
Dr. H. Paul, professor an der universität München. 

Dr. Sievers, professor an der universität Leipzig. 

Dr. Steinmeyer, professor an der universität Erlangen. 

Dr. Strauch, professor an der universität Halle. 


Dr. Tobler, professor an der universität Berlin. 





GEORG WICKRAMS 


WERKE. 


SECHSTER BAND 


(TOBIAS. KNABENSPIEGEL) 


HERAUSGEGEBEN 
VON 


JOHANNES BOLTE, 


GEDRUCKT FÜR DEN LITTERARISCHEN VEREIN IN STUTTGART 
pi 





DRUCK VON H. LAUPP JR IN TÜBINGEN. 





VI Vorwort. 


serliche rat junker Friedrich von Hattstatt hilfreich, dem schon 
1535 und 1537 Gregorius Wickram, ein vetter von unsres 
Wickram vater, zwei büchlein gewidmet hatte!): an ihn richtete 
daher der dichter amı 2. juli 1550 die zueignung seines schau- 
spiels, das indes erst im folgenden jahre zu Strassburg bei 
Jacob Frölich im druck erschien ?). 

Wickrams quelle, das griechische buch Tobit, das in der 
Septuaginta-übersetzung des alten testaments unter den apo- 


- a 


kryphen steht, ist ein im 2. oder 1. vorchristlichen jahrhunden , 


mit entschiedenem geschick komponierter familienroman, der 
den in der heidenwelt zerstreuten juden zeigen soll. dass gott 
die frommen nie zu schanden werden lässt. Der unter den 
Assyrierkönig Enemessar nach Ninive deportierte Israelit Tobit. 
ein sohn Tobiels und vater des Tobias, der als musterbild 
strengster gesetzlichkeit und werktätiger nächstenliebe geschil- 
dert wird, trägt mit geduld verfolgung, erblindung und armut. 
und empfängt dafür reichen lohn durch wunderbare heilung. 
glückliche heimkehr seines reich vermählten sohnes und ein 
langes gesegnetes alter. Seine leiden erscheinen zwar nicht 
wie die Hiobs als unmittelbare angriffe des teufels, aber doch 
spielt der dämon Asmodaios *) eine wichtige rolle in der hand- 
x 


festen und gestrengen als beide obrigkeiten diser löblichen statt Tù- 
bingen je und allweg, wann wir comoedias gehalten, wo múglich bester 
form und weiß die personen der comoedi mit kleider unnd kleinotern 
gezierct unnd geschmuckt'. 

1) Oben bd. 4, s. XXXII, anm. 7. 

2) Diese klaren chronologischen verhältnisse verwirrt A. Wick (To 
bias in der dramatischen literatur Deutschlands. Diss. Heidelberg 15% 
x. 21 und 155), indem er zwei Colmarer aufführungen i. j. 1550 und 151 
ansetzt. Sonst gewährt diese arbeit, für die ich meine notizen m 
verfügung gestellt hatte, einen willkommenen überblick über die To 
biasdramen, ist aber in den einzelheiten oft unzuverlässig und leidel 
an druckfehlern. 

3) Als geist der wollust erscheint Aschmedai (‘der begehrende’. ats 
dem persischen Aeshına. Kohut. Über die jüdische angelologie un 
diimonologie 1866 a. 72) im Talmud (Gittin 68, 1); er wird in der ji: 
dischen sage (Griinbaum, Zs. der d. morgenl. ges. 31, 216. 222. Borne 
mann, Zs. t.d. histor. theol. 14, 3, 24 f. 1844) zum widersacher Salomos, 
in der slavischen zu Kitovras (= xévtavece. Salman und Morolf ed. 
Vogt 1880 s. XLVII. Wesselofsky , Archiv f. slav. philol. 6, 394 556 








1. Tobias (inhalt). XXI 


Wörtlich herübergenommen ist Wickramsches gut auch 
die deutsche übersetzung von Schonäus’ Tobaeus, die Bart- 
d von Gadenstedt (geb. vor 1570, gest. 1633) 1605 

eine Wernigeróder schulaufführung verfasste *). Die über- 
Itigung des teufels Asmodáus durch den engel Raphael wird 
r in akt 4, scene 4 entsprechend Wickrams versen 3486 bis 
37 folgendermassen dargestellt: 


b] Asmodaeus. 


Oho, hie hab ich meine kett, 
Mit der ich viel erwürgen thet. 
Es ist itzt zeit, mus aber dran, 
Mich versuchen an Sara mann, 
Den man ihr heut gegeben hat. 
Er muß d[a]ran, ich laß nicht ab, 
Mit diesem jungen lawr mus ringen 
Und grewlich in umbs leben bringen. 
Die braut wil ich zur witwen machen, 
10 Das ihr vergehen sol das lachen. 
Ich mus hinan, itzt soll es gehn, 
Die kammer seh ich offen stehn. — 
Pfui teuffel, was schmeckt hie so starck! 
In der helln ist kein rauch so arg. 
15 Pfui dich, du starcker junger geck ! 
Ich gleub, du bratst? ein teuffelsdreck. 
a] Welcher dir dis gelehret hat, 
Den teuftel ohne zweiffl zu raht 
Genommen hat. Soll helffen nicht, 
20 Mit diesem schwerdt ich dich erstich. 


Qu 


Raphael in engels gestalt. 
Gefangen gib dich, hellscher hundt! 
Du hast kein macht zu dieser stundt. 
Du must mit, solst in straff und plag 
Bleiben bif an den júngsten tag. 


* 


logsprecher; ‘Prologus recitiert volgets argument’ heisst also: Der 
logsprecher spricht das folgende argument. Ebenso missversteht 
>k Hannas ablehnung des dankes s. 332: ‘Ihr handt ein schlechtin [!] 
hin ghan’ [d. h. mich]. 

1) Gedruckt Magdeburg 1605 (Weimar. Wolfenbüttel). Vgl. Jacobs, 
des Harzvereins 1, 84. 6, 375. Scherer, Sitzgsber. der Wiener aka- 
ie 90, 185 —193 (1878). Wick, Tobias s. 45—48. 

2) bratest, steht im drucke. 




















a = Ay 
on 


1 Braut DES nap ialog 
+ Bar 


» = ir 2 E ‘ ES AS i 


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hosel Ovids) Aras y des Ll Bae akani g zu 
und 1556 mit einer anspielung auf Brants ds Narrenschifi e 
er wolle wohl einen Teutschherren abgeben, da er so pone 
latein in seinem leben studiert habe °). Hätte ihn hier etwa 
der gelehrte Colmarer schultheiss Hieronymus Boner oder seines 
vaters vetter Gregorius Wickram beraten, so würde der arme 
x 


1) Vgl. das bd. 2, s. XX über die veranlassung der schrift ‘Vom 
ungeratenen sohn’ gesagte. — Über die reiche produktion Wickrams 
in diesem jahre vgl. Scherer, Die anfänge des deutschen prosaromans 
1877 s. 39 f. 42. 

2) Vgl. bd. 5, s. LXXII!, wozu ich nachtrage, dass die namen Cario 
und Lucrio aus Petronius herstammen. 3) Vgl. bd. 2, s. XXI. 

4) Vgl. bd. 7, s. 3,22. Auch bei dieser umgestaltung der alten 
verdeutschung Albrechts von Halberstadt muss er einen gelehrten rat- 
geber gehabt haben. 

5) Vgl. bd. 3, s. 154, 16 und XXX, wo ich Brants Narrenschiff 1, 28 
nachzutragen bitte: ‘Des tütschen orden bin ich fro, Denn ich gar wenig 
kan latin” Murner, Vom lutherischen narren 1522 bl. J2a: ‘unsere 
vettern ... des tütschen orden.” 








2. Knabenspiegel (druck; lesarten.) LXIX 


primi Scena prima. Vatter. Son — 981 feind — 983 genühen] 1. ge- 
rachen? — 988 Ongehorsam vatter — 1038 im sein — 1048 zún den 
— 1132 do] du — 1190 nun] l. nur? 

2. akt: 1238 gselochafft — 1260 werest — 1264 das — 1272 laste- 
ren — 1275 wider — 1295 beflissen — 1298 feindt — 1305 Neim — 
1334 steht in A hinter 1335 — 1346 der halben — 1362 Lottar búben 
— 1365 lies nimpst? — 1399 bleiben — 1407 zeh — 1429 mússens sie 
— 1452 Ehe — 1463 dein — 1474 1. Odr graufft sein? — 1483 Dann 
— 1503 gúts — 1531 andrem — 1533 1. Und dem du rechenschaft must 
geben? — 1536 umbhein] ? — 1576 lertst — 1584 einer — 1587 Drumb 
— 1591 weder — 1630 gwiß — 1668 steht in A hinter 1669 — 1682 
Darumb — 1705 betten — 1713 thäts — 1726 het] l. hit? — 1732 feer 
— 1788 zů] z — 1836 den — 1840 het — 1852 mein — 1857 mein — 
1862 freünd — 1877 Ehe — 1902 herrn — 1926 Ehe — 1941 glück — 
1966 gsitt — 1975 mússend — 1976 weren — 1986 ehrlichem — 2002 
Ehe — 2019 lauffens — 2023 gschehen — 2046 trawren — 2050 be- 
trübtem — 2070 gesellschafft — 2076 zúgestossen — 2080 gwert — 
2089 gthan — 2097 frundt — 2098 Weiß — 2099 sein — 2112 hoff- 
meister — 2119 gsandt — 2125 einer — 2135 glaub. 

3. akt: 2143 dem — 2151 gesellschafft — 2158 geselschafft — 
2166 belonung — 2169 Schweig schweig — 2194 der maß — 2220 bhút 
— 2223 hab] I. hand? — 2248 lauffend] 1. lauf du ? — 2322 abtreiben] 
l. abreiben ? — 2351 hatzlein — 2379 gewan — 2402 Was — 2405 
passs (ebenso 2407. 2413. 2416. 2418. 2419. 2422) — 2408 wett] 1. welch ? 
— 2409 Den beden mir]? — 2425 Dem halt]? — 2435 thút — 2443 
were — vor 2450 Schneider Knecht — 2457 kein — 2458 zsamen 
— 2511 lau en — 2534 thün — 2535 darauon — 2544 gepreisen — 2548 
wider. 

4. akt: 2569 sol — 2574 weinter — 2611 fründ] frid — 2614 
zenckiscch — 2635 gwiß — 2655 dahein — 2659 gericht — 2671 bringen 
— 2673 kein — 2685 Darumb — 2688 gstolen — 2711 gebt — 2727 
gstolen — 2752 gstolen — 2754 gestolen — 2764 Zwischen himmel — 
2766 meinigklich — 2776 muß — 2794 solichs — 2799 ich] 1. üch? — 
2816 meinen — 2853 herren — 2862 demselben — 2099 gebott. 

5. akt: 2924 won] on — 2971 Heissen — 3005 bein — 3015 Es — 
3020 Lteian — 3026 der] die — 3028 nutz — 3035 nit — 3060 So die 
eins — 3065 meiner — 3072 zeren — 3080 Meim gsellen — 3082 Ver- 
wundet — 3093 nehe — 3133 wentzig — 3138 hnin — 3146 geschicht. 

Beschluss: 3185 ligt — 3212 gmút. 

















= 
A 


Jezabel und der schulmeister (bl. R3 


3. Die bühneneinrichtung zur zeit Wickrams. LXXXI 





Dr. Johann begrüsst seine eltern (bl. Gg2a). 








Nachtrige. XCVII 


Dedekind (Der christliche ritter 1590, widmung), Melchior Neukirch 
(Stephanus 1592 bl. A3a), Heinrich Eckstorm (Mauritius 1593 bl. A3a) 
und Ludwig Hollonius (Somnium vitae humanae 1605 bl. Hla) vorge- 
tragen. 


s. XVIII®: Zwei kamele erscheinen auch in dem lebenden bilde 
von Jakobs flucht aus Labans hause, das am 18. april 1515 zu Brügge 
vor dem jungen Karl V. dargestellt wurde (Remy Dupuys, La triomphante 
et solennelle entrée de Charles-Quint en sa ville de Bruges, neudruck 
Brügge 1850, tafel zu s. 46). Von einem kamel und einem dromedar, 
die 1536 bei der aufführung der ‘Actes des apötres’ im römischen am- 
phitheater zu Bourges zu sehen waren, heisst es ausdrücklich, dass 
sie mechanische kunstwerke waren (Petit de Jullevlle, Les mystères 
2, 132). 


s. XXVII*: Eine gereimte paraphrase von Tobias unterweisung 
an seinen sohn nebst einer angehängten klage über die sittlichen zu- 
stände seiner zeit hat Jörg Brentel von Elbogen verfasst: In disem 
Spruch wirdt kurtz verhört, Was der Tobi sein Sun hab glert. Tobie, 
am vierten. J. B. Augspurg, M. Kriegstein 1546. 4 bl. 4° (Berlin Yh 2101 
und Ms. germ. oct. 267; über eine Weimarer hs. vgl. Matthias, ZfdPhil. 
20, 156). 


s. XXVII: Weitere aufführungen von Tobiasdramen sind: 

1558 München, durch den schulmeister M. Balticus (Trautmann, 
Mitt. der ges. f. deutsche erziehungs- u. schulgeschichte 1, 62). 

1583 Innsbruck, durch den jesuiten Matth. Triecius (Nagl-Zeid- 
ler, Deutsch-österreichische literaturgeschichte 1, 582. 1899); vielleicht 
zusammenhängend mit der oben s. XXV erwähnten Wiener hs. 

1590 München, schulkomödie (Trautmann, Mitt. 1, 65). 

1620 Zittau, B. Crusius drama durch den schulmeister A. Preilius 
(gedruckter lateinischer prolog, 4 bl. 4°, in der Zittauer ratsbibliothek). 

zwischen 1646 und 1661 Gera, durch den schulmeister J.S. Mitter- 
nacht, ‘Von des jungen Tobias hochzeit’ (Mitternacht, Der unglück- 
selige soldat 1662 bl. )( 4a). 

1674 Brünn, durch jesuitenschüler ‘Des jüngeren Tobias glückliche 
hochzeit’ (Dittrich, Geschichte des gymnasiums in Brünn 1878 s. 17). 


8 XXVIII: Von Kirmesers tschechischem Tobias (Olmútz, 
Friedrich Milichthaler 1581. 5'/ bogen 8°) befindet sich ein exemplar 
ohne titelblatt. wie mir herr professor dr. C. Zibrt freundlichst mit- 
teilt, in der königlichen museumsbibliothek zu Prag. Das personen- 
verzeichnis lautet: Tobiaš stary otec, Hanna matka, Tobiáš mlady 
syn, Achior, Nabath mčštáné mista Ninive, Azariaš angel, Raguel otec, 
Hanna matka, Sara dcera, Daniel služebník, Agar devka služebná, Sy- 
meon, Gedeon mčstáné mésta Rages, Asmodeus, Tartareus čerti. 

Wickram VI. g 





Inhalt. 


Inhalt. 


Vorwort: 1. Tobias (inhalt, drucke, lesarten) . 
2. Knabenspiegel (inhalt, druck, lesarten) . 
3. Die biihneneinrichtung zur zeit Wickrams 
Nachtrage 


Tobias (1551) . 
Thomas Schmids zusätze (Heidelberg 1578) 


Zusátze der Sanct Galler bearbeitung (1580) . 
Zusátze Johann Yetzelers (Schafhausen 1605) 


Der jungen knaben spiegel (1554) 


XCIX 


Seite 


LIX 


. LXX 
. XCVI 


176 
194 


237 


Ein Schön Vnd 
Nutzlichs Biblischs Spil / 


von dem Heyligen vnd Gottsférchtigen To- 
bia. Allen frummen Gottsseligen Christen 
Jung vnd Alten gantz fruchtbarlich zü lesen. 5 
New gespilt / Von einer Ersamen Burger- 
schafft / in der löblichen Reichsstatt Col- 
mar den vij. vnd viij. Aprilis. Ge- 
dicht durch Jörgen Wickram 
Burger zü Colmar. 10 


Holzschnitt: Der alte Tobias 
im sessel, nach seinen augen fassend ; 
über ihm die schwalben im nest. 
Vor ihm stehen seine frau und 


sein sohn. 





Wickram VI. 1 


Tobias, widmung. 5 


die gantz history durchauß zü der forcht [A3b] gottes manung 
thüt, die lieb des nehesten fürdert, wie und was gstalt man 
gastung halten sol, die jungen, wes sie sich gegen den eltern 
halten soln, freündtlich underweiset, wie man sich in ehelichen 
stand begeben und leben soll, zür gedult gar tröstlich ermanet, 5 
und stercket, und auff die letzst, was unser entliche hoffnung 
in disem ellenden jamerthal sein solle. 

Sollichs habe ich als ein einfaltiger dichter auß sonder- 
licher neygung, so ich zi ewer veste hab, ewer veste züeygen 
und züschreiben wöllen; bitt hiemit, ewer veste wölle solche ı0 
mein ringe gab und schlechte schenck in gnaden annemen. 
So dann gott gnad gibt, will ich mich in einem mehrern und 
grössern gegen ewer veste befleissen. Befiehl hyemit ewer 
veste in den schirm gotts des allmechtigen; der wöll ewer 
veste sanipt deren ehegemahel und kindern in langweriger ge- 15 
suntheyt erhalten. 

Datum in der löblichen reichsstatt Colmar den 2. tag julü 
anno 1550. 

Ewer veste allzeyt underthenigster 
Jörg Wickran, . 20 
dichter und burger zú Colmar. 


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Masse 
Hoffmeyster Hilcka 
Cantzler Abel 
Kemmerling 
Marschalck Raguel 
3 trucksessen Hanna, Raguelis weib 
Schenck Sara, Raguelis tochter 
Credentzer 4 knechte Raguelis 
Koch Jesabel ; 
Narr Bersabea | magos Rages 
Herolt des kiinigs Abraham 
14 trabanten des künigs Samuel | freunde Raguelis und 
2 trabanten Simri Saphira deren frauen 
2 trabanten Sisarach Thamar | 
Bettler 2 nachbawren Raguelis 
Nimroth, ein heyd 2 nachbewrin Raguelis 
Der ander heyd 

Gabel 
Tobias der alt Gabels weib 
Hanna, Tobie haußfraw Gabels knecht 
Tobias der jung Gabels magdt. 





“A 


Tobias, vorspiel. 


Erster Tag. 
Vorspiel. 


[A 4a] Der tetiffel. 

Hört, ich kumm auß der hell ein bott 
Von Lucifer, so mich gsandt hott 
Herauff zi euch auf helle tieff. 
Er hatt euch gsendet disen brieff 

5 Und bitt euch, das ir solcher gstalt 
Wölt handlen. Drauff hört sein inhalt! 

(Der teüffel lißt den brieff.) 

Ich Lucifer, ein küng der hellen, 
Auch deren, so darnach thündt stellen, 
Mein gräß und willig dienst dabei 

10 Sei kundt eim yeden, wer der sei, 
So allweg vollstreckt mein begeren 
Und thüt mich meiner bitt geweren. 
Wissen, das mir ist worden kundt 
Von einem spil, so man yetzundt 

15 Zü Colmar spilen will geystlich! 
Daran hab klein gefallen ich, 
Hets gern ghindert vor ettlich tagen ; 
So hand sich andre gschefft zútragen, 
Das ich zú euch nicht kommen mag. 

20 Send doch mein diener disen tag, 
Das er euch ewer ghorsamkeyt 
All erman, das ir seind bereyt, 
Keiner under euch schweige still, 
Auff dem platz treiben unzucht vil. 

25 Mein gsandter bott, wie im gebürt, 
Euch trewlich darzi-helffen würdt. 


g Georg Wickram; 


[A4b] Thünd, allsam seyt ir tobendt, tosen 
Und stellend euch, als werdt ir rosen, 
Damit die umbstender die sprüch 

% Nicht hören! Solchs begere ich 

Noch heüt allweg und alle stund. 

Von mir Lucifer, dem hellschen hund, 

Gegebn in dem fiinfftzigsten jar 

Am einunddreissigstn marci zwar 

In unserm hellschen schloß und hauß, 

Da leüchts hellsch fewr züm fenster auß. 

(spricht weiter:) 

Nun habt ir all den brieff vernommen, 

Dem wöllend all fleissig nachkommen. 

Dann ich würd auff ein örtlin stan 

Und die all fleissig zeychnen an, 

Die treiben so ein üppigs wesen; 

So kan ichs meinem meyster lesen. 

Der herolt. 

Zi lob der höchsten trinitet 

Und ir göttlichen majestet, 

Auch allen selign in dem herren 

Und unser magistrat zü ehren, 

Einer löblichen burgerschafft, 

Ehrnwerden frawen tugendthafft, 

Auch züchtigen junckfrawen reyn, 

50 Erbaren knaben in gemeyn 
Hand wir uns z dienst fretindtlich verpflicht 
Zü spilen ein biblische gschicht. 
Mit gottes hilff die handlen wend 
Den anfang, mittel und das end. 

[A5a] Darauff solt ir all mercken wol; 
Dann diß spil stecket tugendt vol, 

AM tugendt, zucht wiirdt hie geprisen, 
Hie mag auch werden underwisen 
Ein yedes mensch, so hat verstand. 

60 Drumb bitt ich, das ir achtung hand, 
Was hie einander nach gebiert | 
Gespilet und gehandlet würdt. 


x 


= 


= 


— 
En 





Tobias, vorspiel. 


Das wöllend fassen, bhalten wol: 
Zierst die jugendt mercken sol, 

65 Wie die soll vatter, miter ehren, 
Ghorsam sein ihrn gebotten, leren. 
Du haußvatter leer auch hiebei, 

Wie du solt halten gasterei, 
Was gest man darzü laden soll; 

70 Nicht die sind rosen taub und toll 
Und sitzen biß umb mitternacht, 
Hand weder zucht noch ehren acht 
Und thünd nur iren Bacchum ehren. 
Hie mag man von Tobia hören, 

75 Als er sein son thüt schicken auß, 
Was gest er bringen soll zü hauß, 
Nemlich die sind gottsförchtig, frumb. 
Ir werd auch sehn in einer summ, 
Wie barmhertzig Tobias gwesen, 

80 Als er die todten auff thet lesen; 
Wo sie dauß auff der strassen lagen, 
Thet er sye zür begrebnuß tragen. 
Als in anplotz ein leiden gschwindt, 
Das er an seinem gsicht ward blindt, 

& Blib er gantz dultig in seim leiden, 

[A5b] Ungdult und zorn thet er vermeiden, 
Wie ir das werden sehen wol. 
Weiters die jugendt lernen sol, 

Wes sie sich fort soll fleissen meh, 

% So sie erst greiffen zü der eh. 

Du schwiger und du schwäger hör, 
Wie du deim kindt solt geben leer, 
So du im gibst ein mann odr weib, 
Damit frid und lieb bei in bleib! 

% Merck auch, wann dich groß angst bestoht, 

So rüff gott an in deiner not, 
Traw im, er würdt dich lassen nicht, 
Der dem Tobia gab sein gsicht! 
Zületst merckend auch an dem end, 

100 Wie Tobias sein testament 


10 Georg Wickram, 


Beschleüßt! Drumb bhalten seine leer! 
Es würdt euch rewen nymmermehr. 
Dann wie ich vormals binn gehört, 

So würdt hie gar vil tugendt glert. 

15 Damit ihr abr anfang und end 

Dest baß verston, das argument 

Würdt man euch yetz erzelen vor. 
Drumb hört den argumentator! 


1. akt, argument. 
Argumentator. 
Es was ein mann mit namm Tobias, 
10 Auf dem stamm Naphtali er was 
Auß einer statt gelegen da 
Inn dem obren Galilea 
An der strassen gegen Aser 
Zür lincken handt gegen dem môr. 
[A6a]Der zeit er auch gefangen war 
Vom Syrier-ktinig Salmanassar. 
Wiewol und er gefangen was 
An der frembd, hit er sich doch, das 
Er von gott nymmer ab thet fallen. 
1% Sein hab und git theilt er mit allen 
Seinen mitgfangnen brüdern gleich, 
Auch mit verwandten arm und reich. 
Wiewol er was der jüngst an jaren 
Auß dem stamm Naphthali geboren, 
12 Hielt er sich doch nicht kindisch gar, 
Da andre lieffen hin und har 
Den gülden kälbern opfferand, 
Welch gmacht Jeroboam (verstand), 
Der ettwann küng in Israel was, 
130 Hat er gäntzlich vermitten das, 
Sich ghalten zim tempel des herren, 
Thet gott zü Jerusalem ehren 
Und bett den gott Israel an. 
Er gab auch als ein grechter man 
135 Sein ersten zehenden trewlich, 


a‘ 





Tobias, 1. akt, argument. 


Im dritten jar er auch gwißlich 
Den wittwen, weysen, frembdlingen 
Thet reychen iren zehenden. 

Solchs als von jugendt auff er hielt, 


140 Nach dem gesatz des herren wielt. 


145 


Bald er zü seinen jaren kam, 

Nam er ein weib auß seinem stam, 
Welche mit nammen Hanna hieß. 
Ein kindlin in gott werden ließ, 
Welchs kindt er auch Tobias nannt. 


[A6b] Alsbald der knab kam zů verstand, 


150 


160 


165 


170 


Zog er in auff gotts wort und tugendt, 
Lert in gottsforcht in seiner jugendt, 
So das er mit die stind allsamm. 

Als er nun und sein gantzer stamm 
Mit seinem weib und son so zart 
Gefangen weggefüret ward 

In Ninive, die mechtig statt, 

Und alles volck yetz gessen hat 

Von spey& und dem opffer der heyden, 
Ward er diß als mit ernst vermeiden, 
Das er sich nye verunreinet, 

Den herren auch von hertzen thet 
Fórchten. Da gab im gott vil gnadt 
Beim künig, die sunst kein jud hat, 
Die da mit im waren gefangen. 

Also er ist herummergangen, 

Kam er in Meden in ein statt, 

Zehen pfundt silber bei im hat, 

So im der künig hat verehrt, 

Bei Gabel, seinem freünd, einkert, 

Der auch auß seinem stammen war 
Frumb, grecht, lebt doch in armüt gar. 
Das silber lieh er im alssam, 

Nichts dann ein handtschrifft von im nam. 
Demnach lang, als der künig starb, 
Sein son nach im das reich erwarb, 
Welcher den juden seer feind was 


11 


12 


175 


Georg Wickram. 


Und gar ein grosser judenhaß, 
Da gieng Tobias täglich rumb 
Zi den Israeliten frumb, 


[A7a] Theylt sein güt mit in, tróst sie all, 


1% 


205 


Die hungrigen speißt er zümal, 

Den nackenden er kleyder gab, 

Die erschlagnen trüg er zü grab. 

In dem der küng erschlagen ward 
Umb seinr gottslestrung willen hart, 
So das er auß Judea floh. 

Als er nun wider ins landt zoh, 
Wardt er erst grimm, übt grosse nodt, 
Schlüg vil Israeliten z todt. 

Dern thet Tobias vil begraben, 

Wo er die leichnam mocht gehaben. 
Da die red für den künig kam, 
Nam er im sein güt alles sam 

Und hies Tobiam schlagen z todt. 
Da enthielt er sich in der nodt 

Gar nach bei fünffundviertzig tagen; 
Zületst der künig ward erschlagen 
Von sein eygnen sönen ellend. 

Da kam Tobias [widr] behendt 

Zi hauß in all sein hab und git, 
Theilt das auf mit willigem mút. 
Hiemit seind still und nemendt acht 
Und merckend, wie das spiel anfacht! 


l. akt, 1. scene. 
(Tobias der alt, Aser, Achior, Nabath, Juda, Mosse.) 
Aser, ein jud. 
O lieber freündt Tobias, hör, 
Frölichen würd ich nymmermehr. 
Die ursach will ich sagen dir: 
Newlich hat man verkündet mir, 
Wie der künig Sennaherib, 
Welchn gott auf Judea vertrib 


[A7b] Und macht in flúchtig gantz und gar 





210 


Tobias, 1. akt, 1. scene. 


Umb sein gottslesterung (nimb war), 
Der ist wider kommen zú land, 
lebt erst gar grossen mordt und schand 
Mit allen juden in gemeyn, 
Kein außgenommen groß und klein, 
Betilcht, das man die zü todt schlag 
Auff den strassen bei nacht und tag. 
Dieweil und ich dich yetz hie findt 
Und bei dir meine güten fretind, 
So bitt ich, schawt umb hilff und ratht, 
Damit fürkummen werdt die noth. 

Tobias der alt. 
Ach gott, das laß erbarmen dich, 
Mit dein genaden uns ansich 
Und errett uns in solcher quel 
O herr, dein [arm] volck Israel, 
Welchs dich schwerlich erzürnet hat! 
Ach herr, vergib in solch mißthat, 
Erlöß sie auß den schweren banden 
Und behüt sie vor schmach und schanden, 
Damit sie ehren deinen namen, 
Und bring sie widerumb züsammen 
Ins land, so du in geben hast! 
O herr, dis bitten wir dich fast. 

Achior. 

O lieber vetter Tobias, 
Las uns allein rathen fürbas, 
Wie wir doch grieffen an die sach, 
Damit wir solchem ungemach 


Sa] Móchten begegnen an dem end, 


240 


Damit wir nit so gantz ellend 
Von den heyden werden ertodt! 

Nabath. 
Ach gott, hilff uns in solcher nodt 
Und gib uns gnad, weißheyt, verstandt, 
Damit wir solcher schmach und schandt 
Mögen entgahn und schnell fürkommen ! 
Gib, das dein zorn von uns werd gnommen, 


13 


Tobias, 1. akt, 2. scene. 15 T 


Von inen es auch wenig leret, 
Das zů der tugendt sich thů eygen, 
20 Allein in lastern sich erzeygen; 
Gottsforcht erloschen ist so gar, 
Davon uns solche straff kompt har. 
Darumb so kert euch zů dem herren! 
Er würdt uns durch sein gnad erhôren. 
25 Kompt all rein mit mir in das hauß! 
Ich hab etwas zů richten aub, 
Das will ich euch yetz legen für. 
Aser. 
Gang hin! So wend wir folgen dir 
Und all gmeynlich anrüffen gott, 
[Bla] Den grösten herren Sabaoth, 
Das er sey mit seinr hilff bereyt 
Und wend von uns semliches leyt. [ab.] 


l. akt, 2. scene. 
(Sennaherib künig, hoffmeyster, cantzler, kemmerling, marschalck, 
trabanten, herolt.) 
Des künigs hoffmeyster. 
Großmechtigster küng, gnedigr herr, 
Auß grund meins hertzens ich beger 
25 Dem kting etwas zů legen für, 
So man erst hat geöffnet mir. 
Sennaherib, künig. 
Sag an, hoffmeyster! Wir wends hören, 
Die new zeitung vernemen geren. 
Hoffmeyster. 
Es ist ein sach, die billich sol 
800. Mein herr künig bedencken wol, 
Trifft an Tobiam, den jüdgnossen. 
Der will sich keynes wegs nit massen, 
Handlet fast wider künigs gbott; 
Denn man im hoch verbotten hatt, 
80% Das er nit mehr soll umbhergohn, 
Wie er denn vormals was gewohn 
Bey ewers herren vatters leben, 





gi 
pá 
or 


[B 5b] 


525 





Doch will ichs a hare Tacks richten anf 
Und heymlich tragen in mein hauB. 
Wenn es dann wird gantz stiller zeit, 
All welt in besten schlaff jetz leit, 
Will ichs begraben gantz heimlich, 
Das nyemandt soll ergreiffen mich. 


Aser. 
Ach gott, ich sorgen deiner fast, 
Du werdst dich bringen in ein last. 
Der kiing ist ein grosser tyran, 
Wie du sichst, ein blütdürstig man, 
Der gott noch die welt forchten that. 


Tobias dor alt. 


Gott aber kan des künigs mät 
Umbwenden, so es ist sein will. 
Darumb thüst du der sorg zü vil. 


“. 


540 


Tobias, 1. akt, 5.—7. scene. 


l. akt, 6. scene. 


(Sennaherib mit seinem hof, herolt mit den trabanten.) 


Herolt des künigs. 
Trabant, nimb hin mein gaul behend 
Und stell in wider an das end, 
Do du in vormals hast genommen ! 
Der dritt trabant. 
Ewrem befelch will ich nachkommen. 
Herolt zúm künig. 
Herr kiing, ich hab den ewern bscheyt 
Verkundt der gantzen júdenheyt. 
Sennaherib, der künig. 
So ziehendt hin in ewer rhú, 
Biß morgen kumpt wider herzú, 
Ob mir heint was verfallen thet, 
Das ich euch morgen bey mir het! 
Wenn sechs trabanten sind bey mir, 
Hab ich gnúg. Drumb gend schlaffen ir! 
Hoffmeyster. 5 
Wir faren hin. Der gott Baal 
Wöll etich bewaren sunder qual. [ab.] 


l. akt, 7. scene. 
(Die trabanten, dann Aser und Tobias.) 
Der sibendt trabant. 
Mein lieber gsell, die warheyt sag! 
Wie hat der künig dir den tag 
Gefallen mit seinem mandat, 
Wie der herolt außgrüffet hat? 


Der acht trabant. 
Wie mir? Gantz auß der massen wol. 


6a] Wenn ich die warheyt sagen sol, 


So hab ich mit mir selb beschlossen, 
Der erst jud, so mir auff der strossen 
Begegnen wirdt, der müß für d schmitt; ` 

Denn ich laß ihn bey leben nit. | 





Tobias, 1. akt, 7.—9. scene. 


l. akt, 8, scene. 
(Tobias der alt, Tobias der jung.) 
Tobias der alt. 

58 Mein son, komb doch ein klein mit mir! 
Ich hort ein mortgschrey vor der thür, 
Jetzund so ist es wider still. 

Ach gang mit mir, es ist mein will. 
Ich sorg, es sey ein mort vergangen, 

585 Oder ist unser freünd gefangen 

Aser, so newlich bey uns was. 
Tobias der jung. 

Sich hie, mein vatter, was ist das! 

Hie ligt der frumb Aser, ist todt. 
Tobias der alt. 

O mort, mort diser schweren noth! 

59 Als er mich newlich warnen thet, 

Mit mir vom gbott des künigs redt, 

Meynt er nit, das ich ihn solt haben 

Hinacht in diser nacht begraben. 
[B7a] Schnell und baldt, lieber sone mein, 

5% Hilff mir mit im ins hauß herein! 

Bif das es wirdt umb mitternacht, 
Wend wir im bald ein grab han gmacht. 


l. akt, 9. scene. 
(Die trabanten.) 
Der sibendt trabant. 
Was hilffts, das wir lang auff der strassen 
Gehn! Wir wend d juden faren lassen 
600 Und wend darfúr gehn zú dem wein, 
Ein stund, zwo gúter dingen sein. 
Dann bald es wird nach mitternacht, 
Müssend wir wider auff die wacht. 
Der acht trabant. 
Wend ir das thün, so machets gschwind, 
605 Damit das ich ein trüncklin find! 
Die zeen und zung mir trucken sind. 


26 Georg Wickram, 


Der zehendt trabant. 
Du sagst auff mein eyd recht darvon. 
Ich gib ein gsellen, will mitgohn, 
Helffen trincken ein mäßlin, zwey, 

610 Biß schier wirdt umb das hanengschrey. 
So wend wir denn auff unsern bscheyd 
Warten. 

Der neündt trabant. 
Wir wend auch mit euch beyd, 
Auch mit zechen biß umb mittnacht 
Und trincken, das die bine kracht. 
615 Es müß uns etwan das geloch 
Ein reicher jud bezalen noch. 
Hoch leichtsinnig, boch über boch! 
Der sibendt trabant. 
Schaffst du [gleich] nicht, so irrst du doch. 


1. akt, 10. scene. 
(Salvator und Raphael im himmel.) 
[B 7b] Der Salvator. 
Raphael, schwing du dein gefider 

620 Und flieg bald zů der erden nider 
In Ninive, die mechtig statt! 

Daselbs ein mann sein wohnung hat 
Mit namn Tobias der gerecht, 
Derselb ist von jüdischem gschlecht, 

625 Mein willen thüt er spat und frú. 

Far hin, schaw im ein kleyn weil zü, 

Seins lebens nem du eben war, 

Und so du des bericht bist gar, 

So bring das alles rauff für mich! 
Der Raphael im himmel. 

60 O höchster gott, gantz fleissigklich 
Will ich die sach außrichten gschwind, 
Schawen, wo ıch Tobiam find, 

Seins lebens nemen gantz bericht, 
Darnach erzelen die geschicht. 


rr 





685 


Tobias, 1. akt, 10.—11. scene. 


l. akt, 11. scene. 


(Tobias der alt, Tobias der jung; nachher die trabanten.) 


Tobias der jung. 
Vatter, es ist yetzundt gar still 
In aller statt. Wer es dein will, 
So wolt ich all breytschafft zúm grab 
Gantz still und heymlich tragen nab, 
Das grab auffwerffen seuberlich. 
Tobias der alt. 
Mein son, gang hin! So will auch ich 
Mit dir hin auff den leichhoff gohn; 
Denn ich mag dich alleyn nit lohn. 
Mir wend das grab bald haben gmacht; 
Es ist nit weit von mitternacht; 


B8a]Doch hoff ich, eh die gar verschleich, 


Wöllend wir fertig sein gentzlich. 
Tobias der jung. 
Der himmel ist von sternen grell, 
So scheint der mon on massen hell. 
(beim grab.) 
Vatter, biß rüwig in den sachen! 
Ich will das grab alleyn wol machen. 
Es ıst bald bschehen, sichst du wol, 
Mein sterck dein alter sparen sol. 
Tobias der alt. 
Wenn du mit dem grab bist bereyt, 
So wend wir gohn mitnander bevd 
Und tragen her die todte leich. 
Er wird mir vil zü schwer, sorg ich, 
Alleyn so weyt hieher zü tragen. 
Tobias der jung. 
Aser der frumb wer billich z klagen 
Von seinen freünden in gemeyn, 
Wer mit der heyden gwalt alleyn : 
Nun weyßt seinr freünden keyner nicht 
Denn du und ich von der geschicht. 
Das grab wer jets gemachet schon; 


27 


700 


705 


710 


Tobias, 1. akt, 11.—12. scene. 99 


(zů seinen gesellen :) 
Sind rúwig, machend nichts darauB! 
Denn ich weyß schon des juden hauß. 
Ir zwen bhend hineingloffen sindt, 
Schlügen die thür zú nach in gschwindt. 
Alln zeig hands beim grab ligen lohn, 
So eylends lieffen sye darvon. 
Das wend wir alles nemen mit, 
Der wirt uns kalten wein drumb gibt. 
Morn sols der künig wol erfaren, 
Er würdt an ihn keyn straff nicht sparen. [ab.] 


1. akt, 12. scene. 
(Tobias der alt, Tobias der jung; dann Isaschar, Jael.) 
Tobias der alt. 
Mein son, weren wir nicht entwichen, 
So hetten sye uns bed erschlichen. 
Ich bin warlich erschrocken hart; 
Denn sie sindt auß des künigs gwart, 
Das hab ich bei dem monschein gsehen. 
Ach, wer doch semlichs nicht geschehen, 
Das uns ins hauß hand sehen gohn! 
Sonst wern wir nit verrahten schon. 
Tobias der jung. 
Mein vatter, hab ein gúten mút! 
Ich hoff, gott werdt uns han in hút. 
Tobias der alt. 


5 Mein son, wenn wir morn frú auffstohn, 


Wend wir zú unserm vettern gohn, 
Heymlich da bleiben etlich tag. 
Dieweil bricht etwan auf die sag 

Von uns, so sind wir gwarnet doch. — 


C1b] Isaschar, Jael, wissendt auch, 


Sey, wer da wöll, so nach uns fragt, 
Von uns bey leib kein wort nicht sagt! 
Ä Jael, die magdt. : 
Das wóln wir thún, mein lieber herr, 
Ir gangend gleich nah od ie 


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Der acht trabant. 
Nein, mein herr kemmerling, gar neut, 
740 Denn das mir funden etlich leüt, 
Welliche hand umb mitternacht 
Eim erschlagnen ein grab gemacht, 
[C2a] Welcher was von jüdischem gschlecht. 
Kammerling. 
Ir gwarteknecht, ir thút im recht, 
74 Das irs dem künig tragent für. 
Er wirdt euch loben, glaubendt mir. 
Ich glaub, er sey gantz angethon. 
Verziecht, er wirdt baldt auBher gon. 


1. akt, 14. scene. 
(Tobias der alt, Hanna, Tobias der jung.) 
Tobias der alt. 
Komm her, mein weib und lieber son! 


rr 


150 


760 


765 


Tobias, 1. akt, 13.—15. scene. 


Wir wend hinnauff zäm Nabath gon, 
Bey ihm bleiben etliche zeit, 

Ob mir doch mögen spüren eyt, 

Das uns der küng wird fragen nach. 
So fliehen wir semliche schmach. 


l. akt, 15. scene. 
(Sennaherib, kemmerling, trabanten.) 
Kämmerling. 
Jetzt kompt der künig. Schweigt all still! 
Die gschicht ich ihm entdecken will. 
(zim künig:) 
Großmechtig küng, gnediger herr, 
Nach ewer majestat beger 
AuBgangen ist ein streng gebot, 
Welchs schon die juden hand für spot. _ 
Denn diser nacht ir etlich haben 
Ein erschlagnen juden vergraben. 
Sennaherib, der kiinig.) 
Ir trabanten, wenn ist dif bschehen ? 
Der netindt trabant. 
Heint umb mitnacht hand wir das gsehen, 
Do wir sind gangen auff der wacht, 
Hand auch gantz fleyssig des geacht. 


[C2b] Sobald sie horten unser red, 


770 


Do sind sye schnell entlauffen bed. 

Wir aber volgten ihnen nach, 

So das diser mit augen sach, 

In welches hauß sie sind geloffen, 

In dem [sie] sich handt bed verschloffen. 
Künig Sennaherib. 

Kantest du das hauß an dem tag 

Und die inwoner? Mir das sag! 
Der sibendt trabant. 


76 Ja, gnedigster herr, wissent, das 


Ein alter jüd, heyßt Tobias, 
Sampt seinem son wonet darinn. 
Die beyde sinds mit nammen gsm ' 


31 


Tobias, 1. akt, 16. scene. 


Der fünfft trabant. 
Im ist, wie d sagst. Drumb solt hingon 
Und dein gwer haussen lassen ston, 
Biß du erfarst, wer drinnen sey. 
810 Demnach so rúff uns auch herbey! 
Der sechst trabant. 
Hoscha, hoscha, wo steckend d letit? 
Will niemand hie in hören neüt? 
Tobias knecht. 
Wer hie? Wer rumplet an der thür? 
Ist doch am hauß keyn rigel für! 
815 Warumb gast nit herein ins hauß? 
33 b] Der sechst trabant. 
Heiß deinen herren kommen rauß 
Sampt seinem son und auch dem weib! 
Denn ich hie iren warten bleib. 
Tobias knecht. 
Sie seind nit inheyms, wey8 auch nett, 
820 Wohin sie all drey giengen heit. 
Die magdt im hauß magstu wol fragen, 
Ob sie dir darvon köndte sagen. 
Jael, die magdt Tobie. 
Was hat aber gethan die magdt? 
Der sechst trabant. 
Ich wolt, das du mir hettest gsagt, 
82 Wo dein herrschafft heüt hin thet gon? 
Jael, die magdt Tobie. 
Da weyß ich nicht ein wörtlin von. 
Du hast mich z bald gefragt darummen ; 
Weyß auch nicht, wenn sie widerkummen. 
Der sechst trabant. 
Da schlag der hellisch tetiffel in! 
880 Ich will gehn zů den gsellen mein. [ab.] 
Die magt Jael. 
O du mein lieber Isaschar, | 
Komm eylends gschwind, lauff mit mir dar 
In Nabaths hauß, darin wir finden 


Unser volck! Dem wend wir verkünden, : 
Wickram VI. 





i NA 
Der dritt trabant. 
Gond außher bald! Wo steckend ir? 
Die thür ist zú, der riegel für. 
Ich weyß nit zkommen in das hauß. 
Ander trabant. 
Gwiß sind sie hinden glauffen auß. 





855 Jetzundt werden wir wol beston, 


Wenn wir ungschafft vorn künig gon. 
Erst trabant. 

Die schuldt ist dein, und unser nit. 
Sechst trabant. 

Hey, warumb bist nit gangen mit? 

Nun hand ir mir befolhen vor, 


[C4b] Das ich solt machen keyn rumor. 


Der erst trabant. 
Einer alleyn gang hin geschwind, 
Dem künig er die sach verkünd, 








Tobias, 1. akt, 16.—17. scene. 


Das sye all seien glauffen nauß, 
Eh mir sind kommen zü dem hauß. 
85 Was weiters sollend handlen wir? 
Der ander trabant. 
Ich will hingohn. Verhüten ir 
Dieweil das hauß, das niemand drinn 
Noch drauß gang! Ich will bald hie sein. 


1. akt, 17. scene. 
(Isaschar, Jael, Tobias der alt, Hanna, Tobias der jung, Nabath.) 
Jael, die magdt Tobie. | 
Tobias, o mein lieber herr, 
870 Ich bring euch warlich böse meer. 
Des künigs gwardeknecht euch hat 
Gesücht, ernstlich er fragt und bat, 
Man solt im sagen, wo ir weren. 
Des sons thet er mit fleiß begeren, 
87 Darzú der frawen sonderlich. 
Tobias der alt. 
Hand ir denn nit vermeldet mich ? 
Der knecht Tobie. 
Nein, lieber herr, nit umb ein har. 
Denn wir zeygten ihn an verwar, 
Wir wißten ewer keynes nicht. 
Tobias der alt. 
830 Wie vil seinds gwesen? Mich bericht! 
Hand sie ihr waffen bey in ghan? 
Der knecht Tobie. 
Herr, nur ein knecht thet klopffen an, 
[C5a] Thet sich erstmals freundtlich gestellen 
Und ließ das gwer bey sein gesellen. 
885 Sobald er aber von uns hort, 
Das er euch nit fand an dem ort, 
Gieng er zü seinen gsellen bhend. 
Der stunden noch fünff an eim end 
Mit wer und harnisch angethon, 
89 Die all bald wurden zim haub gon. 


Bald ich das sah, bschloß ich das hauß, 
g* 


A si 
Ha 





u ‘7 ‘iil In LL acind 5 E a Fr 
%5 In des juden Tobie hauß, 


Kein mensch ist drinn, sye seind all nauß. 


Kemmerling. 
Ich will dem künig semlichs sagen. — 
[C5b] Gnedigster herr, ist nit zú bklagen ? 
Der schendlich jud ist gwarnet schon, 
910 So wider ewer gbott hat gthon, 
‚Der ist mit all seim gsind darvon. 


Sennaherib, künig. 
So schick mein gantze gwarde hin 
Und thü entlich befelhen in, 
Das sye auffbrechen bald das hauß, 
915 All sein hab und güt tragen rauß; 
Und was ist von gelt, silber, goldt, 
In mein schatzkammer tragen solt; 
Das ander bschließ man in dem hauß 
Auff weitern bscheyd. Gond, richtens auB! 





Tobias, 1. akt, 18.—19. scene. 


Kemmerling. 
220 Ir gwardeknecht, gond hin behend, 
Ersüchends hauß an allem end, 
All trög und kisten öffnen solt, 
Was ihr dann finden gelt und goldt, 
Biß auff weitern des künigs bscheyt! 
%5 Solchs lasst etich ernstlich sein geseyt! 
Der sibendt trabant. 
Die sach wend wir außrichten wol; 
Der kting nichts von uns klagen sol. 
Der acht trabant. 
Her, her, ir gsellen all mit mir! 
Zerschlagen wend wir schloß und thür 
% Und kisten fegen, wie mans nent. 
Der neündt trabant. 
Darzú weyß ich mich z schicken bhendt; 
Denn wo ich ye solch kunst hab triben, 
[C6a]Ist gwißlich wenig tiberbliben. 
Der sehendt trabant. 
Uns aber bleibt nichts zü dem molen. 
% Du weyst, was man uns hat befohlen, 
Das wir gelt, silber, kleyder gar 
Tragen ins küngs schatzkammer har. 


l. akt, 19. scene. 
(Simri mit 2 trabanten.) 
Simri, der älter son des ktinigs. 
Trabant, geh hin und machs nicht lang, 
Zü Sisarach, meim brüder, gang, 

%0 Zü meins vatters cantzler deßgleich, 
Bescheyd sie eylends her und bsich 
Nach meins brüders trabanten beyd! 
In diser stund sie her bescheyd! 

Denn mir leit etwas schwerlichs an, 

% So ich mit in zu reden han. | 

Der erst trabant Simri. 
Dem befelh komb ich eylends nach. — 
Wißt ich nur bald zü finden doch 


Georg Wickram, 


Meins herren brüder und weiter 

Des ktinigs bersten cantzler! 

Es müß zwar etwas seltzams sein, 

Das er so nötig schickt nach ilm. 

Ich hab ein vöglein hören singen, 

Will aber schweigen zü den dingen. 
Der künig hat ein búb geschrey ; 

Denn er treibt pratick mancherley, 

Sein eltern son will er vertreiben, 
Damit dem jüngern s land mög bleiben, 
Welchen hat von einr andern frawen. 
Drauff will mein herr vlicht umb rath schawen 


[06b] Beim cantzler. Der ist nit wol dran; 


970 


975 


Denn er ist ein auffrichtig man, 

Dem solche tiranney mißfalt, 

So der kiinig treibt solcher gstalt. 

Mein gschefft wil ich gehn richten nauß, 
Damit ich sye bald bring zü hauß. 


1. akt, 20. scene. 
(Trabanten des ktinigs.) 
Der erst trabant des künigs. 
Gehnd sittlich mit dem silbergschir 
Und sehend eüch gar eben für, 
Das keyner strauch, damit nichts brech! 
Darumb ein jeder für sich seh. 
Dreitzehendt trabant. 
Was darffs vil gficks! Sind wir denn kind! 
Ich glaub, wir allsampt alt gnüg sind. 
Ja solten wir schon eyer tragen, 
Wir woltens leifern sonder klagen. 
Zwölfft trabant. 
Ir beydt nempt unser partisanen 
Und thünt der an den schneiden schonen! 
Thünt sye nit fast züsammen wetzen, 
Damit ir die nit thún verletzen! 
Denn es ıst so vıl in dem hauß, 
Wir zwölff mögens kaum tragen rauß. 


fN 





Tobias, 1. akt, 20.—21. scene. 


Der elfft trabant. 


90 Sovil letit dórfft ich in mein hauß 


985 


Nit, die mir hülffen tragen auß. 

Denn wenn ich des morgens auffstandt, 
So leg ich an als mein gewandt, 

Nimb auch zü mir als silbergschir, 
Das trag ich mit mir für und für, 


7a] Deßgleichen alles mein par gelt. 


990 


1000 


1005 


Hab reichthumb halb rhú in der welt; 
Denn all mein sach dahin ist gricht, 
Das mir kein dieb würd stelen nicht. 


1. akt, 21. scene. 
(Trabant Simris, cantzler, Sisarach.) 
Der erst trabant Simri. 
Herr cantzler, hört meins herrn beger! 
Nach eüch hat er mich gschicket her. 
Ich bitt, ihr wolt eüch nicht lang saumen 
Und eylends zü ihm an hoff kommen. 
Cantzler. 
Ich weyß wol, was er will jetz mein. 
Zeich hin, ich will bald bey ihm sein. 
Der erst trabant Simri. 
Mein herr der hat mir auch befolhen, 
Ich soll ihm seinen brüder holen. 
Dort staht er und sein beyde knecht. — 
Gnediger herr, ich triffs gleich recht. 
Ir sollend kommen schnell zühand 
Zú eurem brúder, so mich gsandt 
Hat nach euch jetz zü diser stundt. 
Des küngs cantzler auch zü im kumbt, 
Befahl mir auch vor allen dingen. 
Ir solt ewre knecht mit euch bringen. 
Sisarach, der ander son des kúnigs. 
So kommend schnell und bald mit mir! 
Ich weiß wol, was ist gangen für, 
Wolt schier, es het ein ort das wesen. 
Wolan, wir wend vleicht wol genesen. 


1080 





Lügend, thünd memands inher Teen. 
Wer das gleich sey, weib oder mann, 
So solt ihrs uns vor sagen an. 
Ander knecht Sisarach. 
Herr cantzler, gond zúm herren mein! 
Wir wend dieweil thorhúter sein, 
Niemandt inlassen sonder bscheyd, 
Wie uns mein herr selbst hat geseit. 
Cantzler. 
Gnedigsten jungen herren mein, 
Der gott wóll ewer schirmer sein. 
Simri. 
Jupiter dich auch bhút dergstalt. 
Mein lieber cantzler, sag mir baldt, 


[C8a] Was ist doch yetz für new geschrey ? 


1035 


Die redt tragen sich mancherley; 
Von eim mein diener hab ich ghort, 








Tobias, 1. akt, 22. scene. 


Der künig stell nach grossem mort, 
Vermeyndt mich und mein brúder z tódten 
Oder uns das reich gantz abnóten. 

1040 Wißten wir des gründlichen bscheyt, 
So wolten wir uns bhúten beydt, 

Das uns begegnen múst keyn leydt. 
Cantaler. 

Es ist not, meine lieben herren. 

Er thút sich fast in zorn emperen 

105 Und nimpt im für erschrócklich sachen. 
In dem in etlich brúnstig machen, 

Die ihm das billich solten wehren. 
Er understeht euch aufizúkeren 
Auf dem reich, wie das nun mag sein, 
1050 Mit gifft oder durch todtespein. 
Das thüt im hertzen krencken mich, 
Will auch gantz trewlich warnen etich. 
Lúgt, wie ir findt der sachen rath! 
Sonst müst ir leiden beyd den todt; 

1055 Denns künigs gmüt in tyranney 
Verkert ist. Sehend ir dabey, 

Der juden schlacht er vil zü todt, 
Die ihm doch schaffen grossen rath 
Mit ihrer arbeyt, wie man sicht, 

1060 An die sie teglich werden gricht. 
Noch braucht er gehn in solchen haß, 
Hat erst newlich verbotten, das 

[C8b] Man sye’ soll ellend ligen lassen 
Gantz unbegraben auff der strassen. 

1065 Nun dencken, solt des weren lanck, 

Wir stirben all von dem gestanck. 
So sye ein juden thünt begraben, 
Ir leib, leben verwircket haben. 

Einer Tobias heyßt mit nam, 

1070 Derselb umb all sein gúter kam; 

Er empflog im mit weib uud kindt, 
Darzü mit all seim haußgesindt, 
Sonst werens all umbs leben k 


[Dia] Das er ale a wih ei ¡do | 








Soll stellen noch rhat darzü geben. 


Simri. 


10% Brüder, wenn dir mein ratlı gefiel, 


Ich wolt im anseglen ein kiel, 
In welchem er auß seinem reich 
Zür ‚hellen faren müßt geleich. 


Sisarach. 


Sag frölich an! Ich folg deim rath, 


1100 Und solt mir volgen drauß der todt. 


Simri. 
Wenn z nacht sein gwarde gaht von im, 
So wend wir sein geriist (vernim) 
Mit unsern knechten angethan 
Und zü im in sein zimmer ghan, 


1105 In auch von stund an schlagen z todt; 


Nichts soll in fristen vor der not. 


AP 


1110 


1115 


Tobias, 1. akt, 22. scene. 


Sisarach. 
Ich hilff darzú, solts nimmer grathen; 
Ich will im selbs ein kappen schroten. 
Seit er so unsinnig und rasen 
Ist worden und tobt über d massen 
Und wadt also im menschenblút, 
So duncket mich, es sey so gút, 
Wir richten in bey zeyten hin, 
Eh denn er bösers nem in sin. 
Cantaler. 
Die sach müßt ir [gar] heymlich treiben, 
Damit es thú verschwiegen bleiben. 
Denn solt der künig solchs erfaren, 


D1b]Ir möchtend euch gar kaum bewaren. 


1120 


1125 


1180 


1185 


Simri. 
Ir trabanten, nun kommend rein 
Vernempt die wort und willen mein! 
Lügt, das ir hinnacht an seind gthan, 
Sond doch keyn harnisch sehen lan, 
Sonder die wol mit ewren röcken 
Gand fleissig bergen und züdecken 
Und seind bie umb den abend spat, 
Wens künigs gwarde vom hoff ghat. 
Denckend und lond solchs bey euch bleiben! 
Denn solten ihr vil wort drauß treiben, 
So wird es kosten ewer leben. 
Auch solt ihr mir die trew hie geben, 
Das ir verschwiegen wöllend sein, 
Keim menschen sollichs machen schein. 
Der erst trabant. 

Verschwigen will ich sein so wol, 
Das niemands von mir hören soll. 
Des gib ich hie mit eygner hand, 
Gnediger herr, mein trew zů pfandt. 

Der ander trabant Simri. 
Mein trew gib ich auch gern darumb, 
Das semlichs von mir nit außkom. 
Lebt ich biß an den jüngsten tac. 


43 


1155 


1160 


1165 


7 L 





engere Js Y pull 
Ins küngs schatzkamer ligts verschlossen. | 
Du aber hast der flucht genossen. 

Sonst will ich dir ein birgen geben, 

Du werest kommen umb dein leben. 


Nabath. 

Ach gott, ich habs ihm langest gsagt 
Und über sein frevel geklagt. 
Wer will im thún? Es ist geschehen, 
Umb rath der sachen müß man sehen. 

Tobias der alt. 
Ich wißt mir keyn besseren raht, 
Denn wenn mich gott nem durch den todt, 
Und hoffe doch, er werdt mich noch 
Erlösen auß dem schweren joch; 
Denn sein güt weret ewiglich. 
O herr mein gott, erhör doch mich! 


Tobias, 1. akt, 23.—24. scene. 45 


1. akt, 24. scene. 
(Sisarach, Simri, trabanten.) 
[D 2b] Sisarach. 
Wenn ich hinein zim künig gang, 
So will ich zwar nit machen lang 
Und mich glat nit abtreiben lassen, 
1170 Disen tolchen gschwind in in stossen. 
| Simri. 
Das thú nur bald, mach wenig wort! 
So kompt man der sach auff ein ort, 
Darumb in nur tieff in ihn stich! 
Er dauert mich minder denn ein vich. 
Der viertzehendt trabant. 
11% Die stundt hat jetz geschlagen schon. 
Kompt her, wir wend züm imbiß gon! 


2. akt, argument. 


Argumentator. 
Hie merckend all, die zgegen sind, 
Wie gott sich rechen thüt so gschwind 
An denen, so stetz wider in 
1180 Thün streiten dur irn stoltzen sin! 
Als disem künig gschicht zü stund, 
Wirt hingricht durch ein tödtlich wund. 
Weil Tobias verborgen was 
Von forcht wegen des künigs haß, 
1185 Der im denn all sein git hat gnommen, 
Ist es dem künig dahin kommen, 
Als denn semlichs der text vermag. 
Nach der gschicht fünffundviertzig tag 
Do hand des ktinigs eigne sön 
119 Gantz jemerlich erschlagen in, 
Demnoch Tobiam gelassen frey, 
Im als sein güt geben dabey. 
[D3a] Darumb seind still und habend rhú 
Und sehend dem spiel weiter zü! 





Der ‘dich auß deinem ‘haul vertrib — 
Allein umb deine gitthat groB! 
1210 Denn mancher armer dein genoß; 
Dem du gabst das almüsen dein, 
Müß jetz in grossem mangel sein. 
Die gfangnen süchst du trewlich heym, 
Dein heyl und trost versagst du keym, 
1215 Die krancken, schwachen thetstu laben, 
Die erschlagnen trügstu zü bgraben. 
Sonst hat Sennaherib an dich 
Keyn ursach, (sag ich sicherlich) 
[D3b] Darumb er dir stalt nach deim leben. 
120 Wolan, gott im den lon wird geben. 


2. akt, 2. scene. 
(Simri, Sisarach, cantzler, fürsten, herolt.) 


1230 


1240 


1245 


)4a] 


Tobias, 2. akt, 1.—2. scene. 


Cantsler. 


Dieweil der kting noch was im leben, 
Ir wisset, mir müsten uns schmeigen, 


Dorfften nichts reden, müsten schweigen. 


Denn wenn er im ein sach fürnam, 
Wider uns all er im nachkam. 
Jetz aber thünd wir euch erkennen 
Für herren und euch also nennen, 
Dieweil ihr leben in dem reich. 
Diß sag ich vor uns allen gleich. 
Sisarach. 

Meim eltern brúder laß ichs reich, 
Der soll jetzundt regieren gleich. 
Drumb gebt im zepter und die kron, 
Setzt in auff den künglichen thron! 
Was er fürbaß gebieten wird, 
Das solt ihr all thün, wie gebürt. 

. Alle fürsten in gemeyn. 
Es lebt der künig alle tag, 
Die götter bhüten in vor klag! 
Glück zů dem künig und seim reich! 

Simri, der ander künig. 
Seid ihr zim küng hand gwólet mich, 
So heysst kommen den herolt gschwind, 
Das er dem Tobia verkünd, 
Welcher verborgen lag so lang 
Und dem mein vatter thet so bang; 
Ein frommer mann, trew und gerecht, 
Mein vatter in mit gwalt durchecht. 
Cantzler. 

Herolt, zúm newen künig kom! 
Ein befelch mústu rúffen umb 
In aller statt, betrifft ein mann, 


120 Sennaherib im nie güts gan. 


Der was hetit küng, jetz ists der son, 
Der will Tobiam haben nun. 

Herolt. 
Ist denn ein ander künig gwölt ? 


47 





in güter y j Y: erg ha 
diese a ihn ko herfür! 


[D4b]Er darff sich nicht sorgen vor mir, 


1275 


1280 


Darzü auch vor dem brüder mein; 
Sein feind, mein vatter, ist dahin. 
Gang hin und rüff in aller statt, 
Welcher den man verborgen hat, 
Das er ihn außlaß disen man! 
Denn ich ihn will gesichert han. 
Ktinigs herolt. 
Gnedigster küng, ich wils versehen, 
Es müß von stünden an geschehen. 


2. akt, 3. scene. 
(Herolt, Achior; dann Tobias der alt.) 
Herolt (schreit auß). 
Hört, hört, ihr juden in gemeyn! 
Es will der küng und herr allein, 
Welcher jetz tregt die künglich kron, 


ER 


1335 


1340 





2. akt, 4. scene. 


(Trabanten, Simri, cantzler.) 


Der erst trabant. 

Ir gsellen, hört, was ich will sagen ! 

Der künig ist zü todt erschlagen 

Von seinen sönen worden gar. 
Der ander trabant. 

Was bringst uns da für zeitung har? 

Das ist ein böser handel zwar. 

Vor schrecken beümbt sich auf mein har. 
Der äritt trabant. 

Wie ist doch das ymmer zügangen, 

Wer hat den lermen angefangen ? 

Bitt dich, du wöllst mich brichten schon. 
Der erst trabant. 

Simri tregt die küniglich kron. 

Von allen fürsten darzü gwölt. 


49”. 





2. akt, 5. scene. 
(Simri, Tobias der alt, herold, kemmerling.) 
Herolt des künigs. 
13% Hie ist der mann, o künig reich, 
Nach dem ihr hand geschicket mich. 
Tobias der alt, 
Dem künig müß glücklichen gohn 
In seinem küniglichen thron. 
Simri. 
[D7a] Tobias, merck auff mein bescheyd ! 
1395 Demnach mein vatter dir groß leyd 
Zü hat gefügt in seinem leben, 
Das als will ich dir widergeben. 
Zeüch frölich wider in dein hauB! 
Denn dich soll niemands jagen auß, 
1400 So lang ich trag die künglich kron. 
Ihr trabanten solt mich verstohn, 
Wie ir sein güter allesand 


Tobias, 2. akt, 7.—9. scene. 55 


1460 Der gútthat, so mir von euch heut 
Begegnen thút, vergiß ich neut. 


2. akt, 8. scene. 


Tobias der alt. 
Herr gott, grof sind dein wunderwerck, 
Darzú dein góttlich gwalt und sterck. 
Wer wolte dir doch widerston! 
1465 Was hast mir doch heüt gnadt gethon 
Bey dem künig an disem tag! 
[D8b] Dein gút ich nicht volloben mag. 


2. akt, 9. scene. 


(Die trucksessen kommen für den künig und bitten umb dienst; die- 
weil kompt Tobias weib, son, knecht und magd wider zů hauf.) 
Credentser. 

O herr, auß gwalt der götter schon 
Besitzest du künglichen thron. 

1470 Darumb kommend wir sammentlich, 
Bitten umb dienst demütigklich 
Denn unser yeder sonderheyt 
Mitt willen und fleyß ist bereyt, 

Sein alt ampt wider zü versehen. 

1475 Wie denn vormalen ist beschehen 
Bey alter pflicht und eyd, so wir 
Hand gthon, so wend hinfürter wir 
Uns in des ktínigs dienst nicht sparen 
Das soll ihr mayestat erfaren. 

Simri. 

1480 Darbey will ich euch bleiben lassen. 
Gehnd hin, versehends solcher massen, 
Wie denn vormalen ist beschehen, 

So wird euch billich lob verjehen. 
Credentzer. 
Des dancken wir dem kúnig gleich, 

14855 Wünschen im glück in seinem reich. 


56 Georg Wickram, 


2. akt, 10. scene. 
(Tobias der alt, Hanna, Tobias der jung, Isaschar, Jael) 
Tobias der jung. 
O du hertzliebster vatter fem, 
Wie groß was das verlangen mein! 
Ich sorgt, eh du vom kiinig kembst, 
Das du ein end deins leben nembst. 
[Ela] Hanna, Tobie haußfraw. 
1490 Ich hab auch gsorgt groß ungemach, 
Forcht, es wer ein anglegte sach, 
Die sie alleyn darumb erdechten, 
Damit sie dich umbs leben brechten. 
Jael, die magdt Tobie. 
Jetzundt ist all mein trawren auß, 
14% So ich bin in meins herren hauß 
Und im kein leydt nit ist geschehen, 
Darff sich auch frölich lassen sehen. 
Isaschar, knecht. 
Herr gott, ich lob auch deinen namen, 
Du hast uns wider gfürt züsamen. 
1500 In deinem schirm erhalt uns, gott, 
Und mach uns nit der heyden spott! 
Tobias der alt. 
Tobias, mein son, eilens gang, 
Richt auß, das ich hat willens lang! 
Lad mir zim nachtmal unser freünd; 
1505 Doch allein die gottförchtig seindt, 
Frumb und gerecht von unserm stammen. 
So kommend wir auffs fest zúsammen, 
Welchs denn jetzundt groß wirdt gehalten 
Bey allen menschen, jung und alten. 
Tobias der jung. 
1510 Mein allerliebster vatter, ich 
Will dein gbott enden fleissigklich, 
So du mir jetz befolhen hast, 
Und laden unsre freündt zü gast. 


PA 


Tobias, 2. akt, 10.—11. scene. 57 


Tobias der alt. 


[E1b]So gang hin, das dich gott geleit, 


1515 


1520 


1525 


1535 


[E2a] 
1540 


Und thü, wie ich dir hab geseit! 

Hanna, mein liebe gmahel, gang, 

Bereyt das mal und machs nicht lang, 

Richt zů, was du güts magst ankommen ! 
Hanna, Tobie weib. 

Ich hab ein git jungs lamb abgnommen 

Und hab auch sonst vil güts darzú. 

Darumb, mein haußwirt, biß mit rhú! 

An essen soll kein mangel sein, 

Kennen schon all dein freündt hierin. 

Tobias der alt. 
Das frewt mich in meim hertzen sehr, 
Das ich dich also willig hör. 


2. akt, 11. scene. 
(Tobias der jung, Achior, Lia, Nabath, Hilcka.) 

Tobias der jung. 
Achior, liebster vetter frumb, 
Mein vatter schickt mich zü dir rumb 
Und bitt dich und die haußfraw dein, 
Das ir heüt sein gast wöllend sein. 
Noch weiter hat er mir befohlen, 
Ich soll auch deinen brüder holen. 
Drumb, wann es zeit würt, kommend bald, 
Damit die kost nicht werde kalt! 

Achior. 

Es frewt mich in meim hertzen fast, 
Das ich soll sein deins vatters gast; 
Kein liebern freünd weyß ich dißmal. 
Wann ich die warheyt sagen sol, 
So liebt er mir vil meer (ich sag) 
Dann mein brüder auff disen tag. 

Lia, Achiors weib. 
Und ich hab in lieb in meim hertzen ; 
Gott wend von im als leyd und schmertzen 
Und mach in gsundt an seel und leib! 





150 Von mir! Dos Sek ak AA 
Das ich die bottschafft von dir hór. 
Hilcka. 
Mein hertz hupfft mir von freüden yetz, 
Und bin auch eins frölichen gmits, 


Das uns Tobias hat geladen. 
[E2b] Gott wend von im alls leyd und schaden! 


2. akt, 12. scene. 
(Nimroth, Abel.) 


Nimroth, ein heyd. 
Wor dich, du schnoder jüdscher hund! 
Denn du müßt sterben diser stundt. 
Du hast mir ein schalckheyt gethon, 
Die will ich dich geniessen lohn. 
1570 Thü nur die kappen von dem schopff, 
So kan ich treffen deinen kopff. 





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1585 


Tobias, 2. akt, 12.—13. scene. 


Abel, ein jud. 
O mort, wer hilfft mir in der not! 
Unverschuldt leid ich hie den todt. 
O herr mein gott, rech disen mort, 


¿ So mir begegnt an disem ort! 


O weh und ach, was zeühst mich noch ? 
Kein übels ich dir gtinne doch. 

Nimroht. 
Es hilfft dir nichts, du múst daran, 
Dann du magst hie kein fristung han, 
Keym juden ich nie gútes gan. 


2. akt, 13. scene. 
(Tobias der jung, Tobias der alt.) 

Tobias der jung. 

O, wie zittert im leib mein hertz! 

Vor grossem schrecken leid ich schmertz, 

So ich jetzunder hab gesehen, 

Das disser mordt hie ist geschehen. 
Tobias der alt. 

Mein son, wie sichstu so verblichen ? 

All dein farb ist dir gar entwichen. 
Tobias der jung. 

Vatter, des solt nit wunder han. 

Es leit ein israhelisch man 


[E3a] Drauß an der strassen, ist ermort. 


15% 


1595 


1600 


Ich kam gleich an dasselbig ort. 

Da ihn der heyd erschlagen hat. 
Tobias der alt. 

Wir wend ihn tragen von der stat 

Rein und verbergen in das hauß; 

Biß unser gest all konımen nauß, 

Wend wir ihn in die erd vergraben, 

Wie wir denn vormals offt thon haben. 

Sobald der tag geneyget sich, 

Wend ihn begraben du und ich. — 

Mein son, gang yetz, bereyt den tisch 

Und bring uns ein kůl wasser frisch! 


59 


Pains) So e euñere adebile sd schaffen ieh $0 4 
(zúr Lia.) 
Schwester, wie leben ir der zeit? 


1615 


1620 


1625 





Lia, Achiors weib. 
Mein liebe schwester. ich klag netit. 
Der herr sei globt in ewigkeyt. 
Hiloka. 
Schwester, wann ir weren bereyt, 
Wolten wir mit einander gon. 
Die männer warten unser schon 
In meinem hauß. Drumb machts nicht lang! 
Lia. 
Ich bin bereyt und mit euch gang. 
Achior. 
Die weiber seind schon auff der fart. 
Ich sorg, das man dort unser wart 
Und werd all ding zü schanden gar. 
Ich bitt euch drumb, gond dapffer har! 


~ 


Tobias, 2. akt, 14.—15. scene. 61 


2. akt, 15. scene. 
(Tobias der alt, Hanna, Tobias der jung, Achior, Lia, Nabath, Hilcka, 
Isaschar.) 
Tobias der alt. 
Ich müß gon, nach mein gesten schawen. 
Sye kommend schon sampt beden frawen. 
Sind mir gottwillkumm, lieben freünd! 
Achior. 
16% Ich frew mich, das ich euch gsund find, 
Dein son und auch die haußfraw dein. 
Nabath. 
Ich wünsch euch vil glück, vetter mein. 
` Lia. 
Mein lieber vetter, gott der herr 
All glück und heyl [stets] bei euch meer! 
[E4a] Hilcka. 
1685 Der gott, der uns all nehren thüt, 
Hab euch in seiner schirm und hät! 
(Zür Hanna.) 
Gott grüß dich, Hanna, liebs bäßlin ! 
Hanna, Tobie weib. 
Ach danck euch gott! Nun gond herein, 
Seind willkumm hunderttausendmol. 
140 Ich wills euch allen bieten wol. 
bia. 
Meine liebe Hanna, danck dir gott! 
Wir sind gantz willig deim gebott. 
Hanna, Tobie weib. 
Sitzt nider, ich will richten an. 
Die liebsten gest ich bei mir han. 
Tobias der alt. 
Nempt hie das wasser auff die händ! 
Isaschar. 
An dise zwehlen euch truckend! 


1645 


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3. akt, argument. 
Argumentator. 
Hie seind ermanet jung und alt, 


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Dis euch nicht Gherfall tec WE” o 
Welcher ist voller nodt und klag! 
Paulus zů den Ephesern spricht, 

1670 An dem fünfften klärlich vergicht : 
'Saufft euch nicht voll wein frü und spat, 
Drauf ein groß unordnung entstoht!’ 
Darumb so nemend acht mit fleiß, 

Das ir nicht das tranck und die speiß 

1675 Entehren als die gottes gaben, 

Drumb auff Tobiam achtung haben! 





3. akt, 1. scene. 
(Tobias der alt und seine gäste.) 
Tobias der alt. 


Setzt euch im nammen gott des herren! 

So wend wir im zů lob und ehren. 

Danck sagen umb sein speiß und tranck, 
1660 Das er uns hat ernert so lang. 


rm 


Tobias, 3. akt, 1. scene. 


(Tobias spricht vor; die andern all sprechen ihm nach.) 
O herr, der du bist gwaltig groß 
Im hymmel und auff erd der maß, 
So das dir nyemandt gleichen mag, 
[E5a] Du gibst uns narung alle tag. 

16855 An unser seel speiß uns, o herr, | 
Dein gbott und weg uns weiß und leer, 
Laß uns scheinen dein göttlichs wort 
Hie und auff erd an allem ort, 

Damit gepreiset werd dein namen! 
1690 Die das begeren, sprechen amen. 
(Zúm weib und son.) 
Mein liebste Hanna, richt yetz an! 
Mein gesten ich als gütes gan. 
Lieber son, hab acht, weil man ißt! 
Wann du dann sichst, das ettwas brist, 
169 So tracht, das es bald auff werd gleit! 
Tobias der jung. 
Mein vatter, ich will sein bereyt 
Alweg in deinem willen gar. 
Die müter bringt schon z essen har. 
Hanna, Tobie weib. 
Gott gsegne euch das tranck und essen, 

170 Wie ir allhie zü tisch seind gsessen ! 
Essend frölich, seind güter dingen! 

Ich will euch demnach bessers bringen. 
Nabath. 

Tobias, wie sichst so trawrig ? 

Ich hab dich angesehen dick, 

1705 Das du laßt manchen seüfftzen schwer. 

Zeygs uns an, das ist mein beger. 
Tobias der alt. 
Mein lieben freündt, kert euch nichts dran! 
Dann ich yetzundt nichts anderst kan 
[E5b] Frölicher sein zů diser zeit, 
1710 Dann mir ein schwere sach anleit. 
Achior. 
Ach sag uns : n? 














-- 


1810 


Tobias, 8. akt, 1.—8. scene. 


3. akt, 2. scene. 
(Tobias der alt, Tobias der jung.) 


(Tobias stetht uff, sagt zi seinem son.) 


Komm her, mein son! Dann du und ich 


Wöllnd gehn, ein klein gschefft richten auß, 


[E7b]Demnach bald wider kommen z hauB. 


1815 


1825 


1880 


(Spricht weiter im garten.) 

Du weyßst, den todten, so ich hab 
Heüt z mittag bhalten zü dem grab, 
Den wöllend wir gehn schnell begraben, 
Dieweil wir glegenheyt yetz haben. 

Tobias der jung. 
Vatter, ich bin hertzlich bereyt, 
Zü richten auß deinen bescheydt. 

Tobias der alt. 
Volg dapffer nach, ich gang dir vor, 
Doch das wır machen kein rumor, 
Damit wir nicht werden gespürt. 

Tobias der jung. 
Vatter, ich thü, was sich gebürt. 

[Tobias der alt.) 
Sich zú, yetz seind wir bei dem grab. 
Nun hilf mir mit dem steyn herab, 
So wend wir in begraben baldt. 
Gmach, gmach, das er uns nicht entfallt! 


3. akt, 3. scene. 
(Astaroth, Aßmodoth.) 
Astaroth. 
Wart, Aßmodoth! 
Wie lauffst so drot? 
Aßmodoth. 
Lauff, Astaroth! 
Sonst würdt mirs z spot. 
Es hat nicht beit 


Sunder allzeit. 
Astaroth. 
Hey, tha doch « 


5 * 


68 Georg Wickram, 


Sag mir die sach, 
[E8a] Wo wiltu nauß? 
Aßmodoth. 
Dort in jens hauß, 
Darinn mit bang 
Und grossem zwang 
Sechs starcker jüngling hab umbracht 

1840 Bei einer braut die erste nacht. 
Sobaldt sich einer leg zü ihr, 

So mist er gleich herhalten mir. 
Jetz ist der sibendt schon im hag, 
Wann ich in anders finden mag, 

18%5 Wie ich die andern hab gefunden, 
Soll er von mir werden gebunden 
Der maß, das er stirbt an der stundt; 
Von meiner ketten er nicht kumpt. 

Astaroth. 
Darffst hilff, so will ich mit dir gon, 
Aßmodoth. 
1850 Nein, ich weyf in allein zi bston. 
(Hiemit laufft er ins hauß, laßt ein groß geschrey, kompt bald ı 
seiner ketten wider. Spricht sein gsell zú im also.) 
Astaroth. 
Hat er den watz? 
Aßmodoth. 
Frey wie ein katz. 


3. akt, 4. scene. 
(Salvator, Raphael.) 
Raphael, der erst engel. 
O herr mein gott, ich komm yetzundt 
Von Tobia erst diser stundt. 
1855 Er ist ein mann gerecht und frumb; 
[ESb] Dann er sein leben in einr summ 
Hinbringt in deinem willen, her. 
Groß almüßen thüt geben er, 
Die schwachen krancken er erlabt; 
1860 Die todten juden er begrabt, 


a‘ 





Tobias, 3. akt, 5. scene. 71 


Deiner grossen gúthat mit namen. 

195 O gott, der du hast viertzig jar 
Gspeißt mit dem himmelbrot fürwar 
In der wüste gantz Israel 
Und sie behüt vor nodt und quel, 
Das auch ir kleider nicht zerrissen 

1980 Noch die schú an ir fússen schlissen, 
Gib uns auch heüt, o herr und gott, 
Was uns zü leib und seel ist not, 
Und wöllst uns auch nach disem leben 
Ein ewigs reich zü bsitzen geben. 

1985 Das bscher uns gott in gmeyn allsamen. 

[F2a] Nun sprechend all von hertzen amen! 
(spricht weiter.) 
Mein lieben fretind, ich bitt eüch all, 
Das ir für gút haben dißmal 
An dem, so euch ist fürgetragen. 
Achlor. 

140 Mein vetter, hie ist nicht zi klagen. 
Wir dancken dir auß hertzen grund, 
Begeren auch semlicher stund, 

In der mir wider gmeynlich gar 
So freündtlich zü dir kommen har. 
Nabath. 

195 Tobias, allerliebster freündt, 

Dein kost uns allen hast gegündt, 

Die wir mit lust genossen hand. 

Drumb dancken wir dir allesand 

Umb alles güts, so uns ist bschehen. 
Hiloka. 

1%0 Bei meiner trew müß ich verjehen, 
Das ich lang zeit nie lebt so wol. 
Hanna, gott danck dir z tausentmol. 

Lia. 
Mein liebe Hanna, gott das geb, 
Das ich solchs noch einmal erleb, 
1955 Das wir so fretindtlich zsammen kommen. 


Tobias, 3. akt, 6.—7. scene. 


[F3a]O gott, wöllst rechen solche schmach 
198 An uns, dem armen völckle dein! 
Der ander heyd. 
Wie, wolst erst so rachgirig sein? 
Hey, das dich Jupiter müß plagen! 
Von mir müst werden heüt erschlagen, 
Dich hilfft kein bitt. Yetz hast dein theil. 
1990 Der kappen trag ich manche feyl, 
So den juden an hals gehören. 
Nimroth. 
Du kanst in seuberlich abkeren. 
Nimm im den mantel und sein kapp! 
Es ist genüg in einem schnapp. 
19% So böß ists nicht, es gilt uns wein. 
Wolher, wir wend yetzund auff sein! [ab.] 
Mosse. 
O mordt der jemerlichen klag! 
Täglichen gschicht solcher todtschlag 
Under den juden arm und reich. 
2000 O herr, herr, thú erbarmen dich 
Ueber uns kinder Israel, 
Die wir leiden in not und quel! 
Hilff uns, o herr, wider in frid! 
Dann on dich mag gehelffen nit 
2005 Die gantze welt irer macht. 
O herr, auff unser sünd nicht acht, 
Verzeih uns durch dein göttlich macht! 


3. akt, 7. scene. 
(Tobias der jung, Tobias der alt.) 
Tobias der jung. 
Vatter, lüg, wie mir der kalt schweiß 
Außdringet, ist mir doch nicht heiß! 
[F3b] Dann ich will yetzundt gon hinauß, 

So ligt grad hinden an dem hauß 
Aber ein todt erschlagner mann. 
Ich aber nicht erkennen kan, 
Ob er ein jud ist oder heyd. 





Tobias, 4. akt, 5. scene. 


Hanna. 
Hie sicht man, was ist dein vertrawen 
Und warauff du stetz hast gebawen, 
Nemlich auff das almüßen dein. 
Schaw, wie das umbsonst ist dahin! 
Wolan, du hast vil lons erworben 


An den ztodt gschlagnen und gestorbnen. 


Sitz yetzund nider, y& darab 

Und leb wol auff eins todten grab! 

Das alles hat mich vor geandt; | 

Als wir dich trewlich gwarnet hand, 

Da sagtest uns ein tand daran. 

Drumb yetz den spott zúm schaden han! 
Tobias der alt (klagt gott.) 

O herr, du bist gerecht fürwar, ` 

Und dein thün ist grecht offenbar, 


[F8a] Auch eitel git und trew gewiß. 


2235 


Ach gott mein herr, mir gnádig bib, 
Nach meiner sünd mich, herr, nit richt! 
Ich bitt, wöllst auch gedencken nicht 
Meinr vätter oder meinr mißthaten. 
Dann als wir dein gbott übertraten, 
Seind wir dahin gegeben zwar 

Den feinden, uns zü brauben gar, 

Die uns gefangen halten, tödten 

Und dringen uns in solchen nöten ; 
Wir seind den feinden worden schon 
Zü schanden und zú spott und hon, 
Dahin du uns, herr, hast zerstrewt. 

O herr, es seind gantz schröcklich heüt 
Deine gericht, weil wir nicht hand 
Dein gbott gehalten allesand 

Und gantz ungrecht gwandert vor dir. 
Ach herr, nun biß genädig mir 

Und nimb mein geist im friden hin! 
Dann ich vil lieber todt will sein’ 
Dann leben also jämerlich. 

O herr mein gott, wóllst gweren mich, 


Wickram VI 


81 





2375 


Tobias, 5. akt, 1. scene. 


In der trübsal vergibstu gschwind 

Den, die dich anrúffen, ir sünd. 

Zú dir, herr, ker ich mein angsicht, 

Zú dir mein augen ich auffricht 

Und bitt dich, herr, du mich erlöß 
Auß diser schweren schmach so böß 
Oder nimb mich von hinnen gar! 

Du weyst doch, herr, gantz offenbar, 
Das ich kein mann nye begert hab 
Und mein seel gantz gezogen ab, 

Rein behalten vor bösem lust; 

Und wo ich böß, leicht gsellschafft wust, 
Die unzucht hab ich gflohen weit, 

Bei ir mich ghalten zkeiner zeit. 

Ein mann nie ich verwilliget 

Zú nemen, in deinr forcht ichs thet, 
Und nicht auß fürwitz keiner gstalt. 
Aber, herr, ich ein semlichs halt, 

Das ich ir vleicht nicht wert bin gsein, 
Oder sie warn nicht wirdig mein, 

Und hast mich wöllen solcher gstalten, 
Eim andern mann vleicht vorbehalten. 
Dann dein raht nicht in menschengwalt 
Staht; dann ich gwiß semliches halt, 


[G2b] Wer dir, herr, dienet, würdt erlößt 


Und in seiner anfechtung gtröst, 

Auch gantz erlößt auß seim trübsal, 
Findt nach der züchtgung gnad on zal. 
Dann du hast keinen lust fürwar 

An unserem verderben gar; 

Dann nach dem ongewitter grell 

Laßt du scheinen die sonn so hell 

Und nach dem weinen treher zwar, 
Überschütst uns mit fretiden gar. 

Deim namen, herr, sei ewiglich 


Ehr, lob du gott Israel reich. 


85 


Tobias, 5. akt, 2,—3. scene. 87 


So leg irn leichnam neben mich! 
All dein leben lang solt du gott 
220 Vor augen haben fri und spot 
Und hút dich, das man dich nicht findt, 
Das du bewilligst in kein ding, 
So dich ableit von gotts gebott ! 
Von deinen gútern geben sott 
43 Dein täglich steür und hilff den armen, 
Wend nicht von in, dich ir erbarmen! 
So würt dich gott herwiderumb 
Gnädig ansehen umb und umb. 
Wo du kanst, hilff den dürfftigen! 
4% Hastu vil, so gib reichlich den, 
Hastu wenig, so gib doch das 
Mit trewem hertzen sonder haß! 
Damit würst du dir in der not 
Ein lon samlen, so dir vorstot. 
[G3b] Almúsen löset von der sündt, 
Darzü auch von dem todt geschwindt 
Und lasst dich in keinr noth noch gfar, 
Almüsen ist ein trost fürwar 
Groß vor dem allerhöchsten gott. 
440 Noch weiters du dich hüten sott 
Und alles ehbruchs müssig stohn, 
Neben deim ehweib keine hon. 
Hoffart im hertzen klein noch groß 
In keinen weg nicht herschen loB! 
245 Denn sie ist warlich ein anfang 
Alles verderben sonder wanck. 
Wer dir arbeyt, gib schnell sein lohn, 
Onblont laß niemand von dir gohn! 
Was du gern hast, das man dir thit, 
2450 Tha andern auch on falschen mith! 
Den hungrigen dein brodt fürstreck, 
Mit deinen kleydern auch bedeck 
Den nackenden, von brodt und wein 
Solt geben das allmüsen dein 
2455 Alle zeit bey der frommen grab. 


Tobias, 5. akt, 3.—4.. scene. 


Tobias der jung. 
Mein vatter, ich will dich geweren 


[G4b] Und dein gebotten volgen geren. 


© 


251 


2515 


[G3a] Wenn ich schon gang und sich mich umb 


Doch wie ich das gelt z wegen bring,- 
Das wird mir sein ein seltzam ding. 
Er hat mein nie keyn kuntschafft ghan, 
So kenne ich auch nicht den mann. 
Was zeychens soll ich im doch bringen, 
Das er mir glaube diser dingen ? 
Auch ist mir, weyst du, in dem landt 
Der weg und strassen unbekant, 
Weyß nicht, wie ichs anschicken soll, 
Das ich die sach außrichte wol. 
Tobias der alt. 
Mein son, wie ich dir vor verkündt, 
Gabelus heyßet unser freündt. 
Den brieff schreib er mit eygner handt, 
Wie ich dir vormals thet bekandt; 
Sobald du im würst zeygen den, 
Wird er dir gwiß das gelt legen. 
Geh nur hin, lúg umb ein, der sey 
Ein trewer gsell und frumb darbey, 
So den weg wiß und mit dir wöll, 
Denselben umb ein lohn bestell, 
Damit das dir das geltlin werdt, 
Eh denn ich scheyd von diser erdt! 
Tobias der jung. 
Ich gang und schaw. Dich gott bewar, 
Biß ich komb wider zú dir har! 
Tobias der alt. 
Gott dich beleyt 
In ewigkeyt! 


5. akt, 4. scene. 
(Tobias der jung, Raphael.) 
Tobias der jung. 


5% Und gleich zü vil 


89 


Tobias, 5. akt, 4.—5. scene. 


5. akt, 5. scene. 
(Tobias der alt, Tobias der jung; dann Raphael, Hanna.) 
Tobias der jung. 
O lieber vatter, hör groß wunder! 
Ich glaub, gott wöll das schicken bsonder. 
Ein jüngling hab ich troffen an, 
Der alle weg in Meden kan, 
255 Sagt mir auch von Gabelo vil, 
Wie das er etwann bei der weil 
Zü herberg bei im sei gelegen. 
Tobias der alt. 
Das sein gott ymmer müße pflegen! 
Gang, mein son, bring in her zü mir, 
2560 So anders er will gehn mit dir! 
Tobias der jung. 
Mein jüngling, wann dichs nicht beschwert, 
Mein liebster vatter dein begert, 
Das du wöllst zú im heime gon. 
Raphael. 
Warumb wolt ich das underlon! 
2565 Dem alter bin ich sonst geneigt, 
Drumb sich mein dienst gen im erzeygt. 
(zúm vatter.) 
[G6a] Gott geb dir fretid, du alter mann! 
Tobias der alt. 
Ach gott, was freüd wolt ich doch han, 
Der ich am finstern sitz all tag, 
2570 Des himmels liecht nicht sehen mag! 
Raphael, der erst engel. 
Ach, hab gedult, glaub sicherlich, 
Gott würt gar bald erretten dich! 
Tobias der alt. 
Darumb wir dich berüffet haben, 
So wiß, ich wolt mein son, den knaben, 
2575 In Meden schicken gon Rages! 
Darumb so es dir wer gemeg, 
Das du mit ihm wöllst ziehen dar, 


Tobias, 5. akt, 5. scene. 


In freuden wend wir ziehen hin, 
%10 Auf dem weg gúter dingen sein. 
Tobias der jung. 
Mit mir will ich nicht tragen vil, 
Drumb bin ich grüstet, wenn man will. — 
Hertzliebster vatter, bhüt dich gott, 
Der wöll benemen dir dein nodt! 
2615 Biß frölich, bi& ich widerkomb! 
[G7a] Ich hoff, ich hab ein gleitsmann fromb. — 
Miter, gott wóll gesegnen dich, 
Thi dem vatter dieweil fretindtlich ! 
Er ist ein armer blinder mann. 
Hanna. 
220 Ach gott, was unglücks fellt mich an! 
Dein vatter sitzt da und ist blindt; 
Du zeüchst hinweg, mein einigs kindt, 
Und mag nicht wissen, wie dirs gang, 
Ob du kurtz außbleibst oder lang. 
22% Nun far hin, das dich gott geleyt ! 
Tobias der alt. 
Gott bewar dich in ewigkeyt! [Beide ab.] 
Hanna, Tobie weib, 
Ach lieber mann, wie mags doch kommen? 
Unsers alters trost hast uns gnommen, 
Schickst in hinweg. Gott wolt, das gelt 
2680 Wer nye kommen in dise welt, 
Darumb du in thúst schicken hin! 
Wir weren wol züfriden gsein, 
Wer uns gwesen an reichthumb wol, 
Wann er hie wer bliben dißmol. 
Tobias der alt. 
235 Ach Hanna, liebste haußfraw mein, 
Nicht weyn, nit wöllst bekümmert sein! 
Dann unser son (solt glauben gar) 
Zeücht frisch und gsund hin und auch har; 
Solchs deine augen sehen werden. 
2610 Ich glaub, das in auff diser erden 
Der gút engel des herren gleit 


2675 


Tobias, 5. akt, 5.—6. scene. 


Das heyßt mit seim nammen Tygris. 

So hat das ort kein nammen sub, 

Dann das mans nennt ang Tygers fluß ? 
Tobias der jung. 

Wann das nit sörglich z watten wer, 

So wer das meins hertzen beger, 

Das ich mein müden füß solt baden. 

Raphael. 

Das magstu wol thin sonder schaden. 

Dieweil will ich ein fewr auffzinden, 

Schawen, wo ich dürr holtz mög finden. — 
Tobias der jung. 

Das wasser ist wie ein christallen, 

Den sand sich ich am boden allen. 

LoB zů, wie braust es dort so sehr, 

Alls wann es wer ein wallend mér! — 

Mordt, mordt, mein herr, des grossen fisch! 

Hilff mir, das er mich nicht herwisch! 

Er wtirdt mich fressen an dem end. 

Raphael. 

Erwtisch in bei dem küffel bhend 

Und zeüch in zů dir an den pfort, ' 

Leg in auffs land am selben ort, 

Entweid in und bhalt die ding all, 

Das hertz, die leber unnd die gall! 


[G8b] Dann sie seind all seer köstlich gút, 


2695 


2700 


Wie ich dir sag. Drumb habs in hit, 

Zerhaw den fisch zü stücken gar 

Und bring mir dann ettliche har! 

Die will ich auff eim glütlin braten, 

So mögends uns zür speiß geraten. 
Tobias der jung. 

Schaw, wie schweißig ist diser fisch! 

Sein hertz ist im gesundt und frisch. 

Das theil wend wir yetz zúm nachtmol 

Breiten und braten auff eim kol, 

Das übrig wend wir saltzen ein; 

Es würt uns auff dem weg net sein. ' 


95 


2720 


2725 








Ich hab dir nit ein leydt gethan, 
So kompst und fahst ein hader an 
Und balgest, gleich ist mir nit lieb. 
Jesabel. 
Sagstus, so leügst du wie ein dieb. 


5. akt, 8. scene. 
(Raguel, Hanna.) 
Hanna, Raguelis. 
Wie sihst, mein lieber Raguel? 
Betrúbt ist dir dein gmút und seel. 
Wo denckst doch hin? Sag mirs durch gott! 
Du bringst dich mit deim sin in nodt. 
Raguel. 
Ach gott, solt mirs nit gon zú hertzen 
Und bringen unseglichen schmertzen, 
Das ich meinr lieben tochter kan 


Paa, S | 


2740 


Tobias, 5. akt, 7.—9. scene. 97 


So gar bekummen keinen mann, 
Der ir von gott bescheret sei 
Und ir mög ehlich wonen bei. 
Wiewol sie siben mann hatt gnommen, 
Seinds durch den teüffel all umbkommen, 
So das wir von ir keinen erben 
In unserm leben thún erwerben. 
Du sihst, bald einer zü ir kompt, 
Der schandtlich teüffel sich nicht saumpt, 
Erwürgt in gleich von stunden an. 
Das ist der unmåt, den ich han. 

Hanna Raguelis. 
Biß gtröst und setz es heim dem herren! 
Wer weyßt, er würdt uns noch bescheren 
Einen, so unser tochter würdt 


Hib]Erfrewen und die im gebürt. 


2745 


Raguel. 
Wolan, dieweils nit hilffet mich, 
So mäß von hertzen schlagen ich. 


5. akt, 9. scene. 
(Raphael, Tobias der jung.) 
Raphael. 
16 redlich, liebster brúder wert, 
Und greiffs an, wo dein hertz begert! 
Gott hat uns dise speiß selb geben, 
Die er all denen gibt, (merck eben) 
So in hertzlichen rüffen an; 
Gar nichts er in versagen kan. 
Des solln wir im auch danckbar sein 
Umb alle narung, brodt und wein. 
Tobias der jung. 
Ich hab gnüg gessen auff diß mol. 
Wann ich die warheyt sagen soll, 


5 So möcht ich yetz wol schlaffen gon ; 


Die augen wend mir nimm off ston. 
Ich danck dem allerhöchsten gott, 
Der uns die speißß bescheret hott. 


Wickram VI, 7 








27% Da werd ir erst.hören und sehen. 
Groß ding, so durch den gwalt gotts gschehen. 
Damit hab euch in seiner hüt 
Der ewig einig schöpffer güt, 

So himmel, erd regieren thút! 


Ende des ersten tags. 





Tobias, 5. akt, beschluss—6. akt, argument. .99 


Anfang des andern tags. 
Herolt. 


2780 Ir frommen christen, seind ermant! 


Da wirs gester gelassen handt, 

Wend wirs yetz wider fahen an, 

Dem text nach stracks hindurchhin gon. 
Da werdend ir vil schöner leren 


[H2b] Von Raphael dem engel hören, 


2790 


So er seim fretindt Tobia geit, 
Wie er sich halten soll allzeit. 
Dabei will ichs beleiben lon, 

Das argument sollendt verston. 


6. akt, argument. 
Argumentator. 

Hie nemmend war, ir christenleüt, 
Was sich begeben würdt der zeit, 
So Tobias yetz auff würt stohn, 
Thút fürbas mit seim gferten gon. 
Du jugent, merck mit fleiß, hab acht, 
Die leer des engels wol betracht ! 
Wann du thüst greiffen zü der eh, 
Wes du dich halten solt, versteh, 
Das in unzucht dich nicht begebest, 
Sonder gantz züchtig darinn lebest! 
Dein gmahel halt in hohen ehren, 
Wie uns Petrus trewlich thút leren 
Die erst epistel dritt capitel, 
Wie die Sara on alles mittel 
Den Abraham hat ghalten schon! 


100 Georg Wickram, 


2805 Genesis gibt auch zů verston 
Am andern, das auff diser erd 
Ein mann gäntzlich verlassen werd 
Den vatter und auch múter sein 
(Solchs hat geschafft der schöpffer dein) 
210 Und seim gemahel hangen an. 
Christus am neüntzehenden schon 
Matthei sagt den juden satt, 
Was gott züsamengfüget hat, 
Das solle der mensch scheyden nicht. 
[H3a] Am andern Johannes vergicht, 
Das Christus sampt der müter sein 
Zü Cana in Gallilea 
Seind gewesen auff der hochzeit da. 
Paulus am fünfften schreibt uns klar 
200 Zü den Ephesern (nemend war) 
Und saget also: ‘Ir männer, 
Habend lieb ewere weiber, 
Gleich wie Christus hat gliebt sein gmeyn" 
Drumb solt die eh bewaren reyn, 
2825 Damit die nicht werde geletzt 
(Dann gott hat dieselb ingesetzt) 
Und du nicht durch des teüffels gwalt 
Angriffen werdest solcher gstalt. 
Merck, hie würst du berichtet frey, 
2830 Welcher der teüffel gwaltig sei. 
Ich bitt, wöllt alles wesen lon. 
Seind still! Dann yetzund würt auffston 
Tobias mit dem gferten sein, 
Und werden weiter ziehn dahin. 


6. akt, 1. scene. 
(Raphael, Tobias der jung.) 
Raphael. 
2835 Brüder, stand auff! Es taget schon, 
So wöllend wir yetz weiter gon. 
Tobias der jang. 
Ey, wie ein gütes beth war das! 


wA 


Tobias, 6. akt, 1. scene. 101 


In einem jar schlieff ich nye baß. 
Ich will yetz vil baß mögen gon, 

230 Dann ich gester denn tag hab gthon. 

Drumb ist es dein gelegenheyt, 
Wer ich yetzundt zi gon bereyt. 
[H3b] Baphael. 
Für du den hund und trag dein pack! 
So will ich nemmen den brodtsack, 
25 So wend wir singen mit begir!): 
In gottes nammen ziehen wir, 
Das walt gott, der uns all erschúff. 
Das ist ein selger wunsch und rúff. 
Kyrieleyson. 
Tobias der jung. 

2850 Mein brüder, das dein gott müß walten, 
Ich mag mich lenger nit enthalten, 
Das ich dich frage umb die ding. 
Denn als ich gestert den fisch fieng, 
In auff das land warff und auffthet, 

285 Hast du so ernstlich mit mir gredt, 
Ich solt behalten die ding all, 
Nemlich hertz, leber und die gall. 
Das hab ich gthon, wie du hast gsagt, 
Und hette dich gern vil mal gfragt, 

2260 Warzü die ding doch nützlich weren. 

Raphael. 
Ich will volstrecken dein begeren, 
Dir dises alles machen kundt. 
Hertz und leber ıst ein außbundt; 
Wo mans auff glüend kolen legt, 

2865 Derselb rauch alles gspenst bewegt, 
Das es müß weichen gleich von dann, 


Es sey bey frawen oder mann, 
k 
1) Eine umformung des alten wallfahrts- und processionsliedes 
(Wackernagel, Das deutsche kirchenlied 2, 515 nr. 678 f. 3, 1229 nr. 1436 f. 
Báumker, Das kath. deutsche kirchenlied 1, 572 nr. 295. Erk-Böhme, 
Deutscher liederhort 3, 728 nr. 2019), das auch -unten- v. 4082 und 4215 
benutzt wird. 





2875 


28% 


Tobias der jung. 
Das will ich gwißlich bhalten wol. 
Wer weyßt, wo mich nutzet einmol! 
Nun sag mir noch eins, brüder mein, 
Wo wend wir hinnacht z herberg sein? 
Raphael. 
Es wonet hie ein mann gerecht 
Und fromm, der ist von deinem gschlecht, 
Derselb heyßt Raguel mit nammen. 
Sein gút ist dir beschert als sammen; 
Dann dich sein tochter nemmen würdt. 
Doch würb umb sie, wie sich gebiert 
Bei irem vatter! Von stund an 
Nimpt er dich an züm tochterman. 
Tobias der jung. 
Mein brüder, der wort müssig gang! 
Dann ich hab warlich ghört vor lang, 
Wie sie vermehelt ward züvor 
Sıben männeren, das ist war; 
Seind all todt. Auch sagt man davon, 
Der böse geyst hab semlichs thon, 
Je einen nach dem andren gtödt. 
Drumb förcht ich mir in solcher nödt, 
Mir möcht vleicht auch der maß gelingen; 
So würdt ich meine eltern bringen 


Var erassem levdt ins erdtrich hnin: 

















2975 
[H6a] 


2995 


Tobias, 6. akt, 2. scene. 


Und von dem du yetzunder sagst, 
Ist dises jünglings vatter gwib. 
Desselben du on zweiffel biß! — 
Raguel. 
Gesegnet seist, mein lieber son! 
Dann wie ichs hab vernommen nun, 
So bist ein son eins frommen mann, 
Geboren auf seim weib Hannan. 
Hanna. 
Mein vetter, bi uns wilckumm allen! 
Der herr schick es nach deinem gfallen. 
Sara. 
Mein vetter, das dich gott bewar! 
Tobias der jung. 
Gott versorg euch mitnander gar! 
Raguel. 
Gang, schlacht uns einen wider git, 
So wend wir han ein güten mit. 
Hanna und Sara, gond ir beid 
Und sehen, das das mal werd breyt! — 
Ach lieben fretind, nun sitzend nider 
Ir seind fürwar mid worden sider, 
Als ir den weiten weg sind gangen. 
Wie lang han ich gehabt verlangen, 
Damit ich von meim brúder mecht 
Einmal etwas erfaren recht! 
Nun bin ich gwert auff disen tag, 
Kein bessern botten haben mag 
Dann disen, meines brúders kind. 
Mich frewt on maf, das ir hie sind. 
Sara. 
Wann dirs liebt, vatter, sitz zú tisch! 
Dann all ding ist bereytet frisch, 
So wend wirs essen bringen hnein. 
Raguel. 
Setz dich zúm tisch, traut vetter mein! 


Tobias der jung. 
Ich if heut oder trincke nit, 


105 


Tobias, 6. akt, 2.—3. scene. 107 


Reych mir feder und dinten bald! 

Ich will verschreiben, welcher gstalt 

Diß ehgemächt soll bschlossen sein 
808 Zwischen dir und der tochter mein. 


6. akt, 3. scene. 
-(Simri, Sisarach und hofstaat.) 
Hoffmeyster des künigs. 
Ir tafeldiener, hört mein bscheyd, 
Eylens und gschwind die tisch bereyt! 
Ir trucksessen, tragt an das essen! 
Der künig ist zü tisch gesessen. 
340 Ir schencken, tragend auff den wein, 
Alle ding ordnen wol und fein, 
Damit küngliche mayestat 
Gar nicht von euch zü klagen hat! 
Credentzer. 
Hoffmeyster, wir wend uns nicht saumen, 
30% Unserm befehl yetz gleich nachkommen. 
Dem künig ich credentz mit fleiß, 
Damit im kein ungsunde speiß 
Fürkommen thú, darzú den tranck 
Credentz ich auch on allen wanck. — 
3050 Herr meyster koch, züforderst an 
Will ichs von euch credentzet han, 
Deßgleich von dem schencken den wein, 
Wie denn recht ist und solle sein. 
Sisarach. 
[H7b]Brüder, auß freündtlicher begir 
3055 Komb ich zü essen jetz mit dir. 
Simri, künig. 
Du thüst gar recht an disen dingen, 
Dein zükunfft thüt mir groß freüd bringen. 
Darumb so setz dich her zü mir! 
Zú reden hab ich vil mit dir. 
Der koch zim credentzer. 
3000 Die spei zúmal, 
A U. 


Tobias, 6. akt, 3.—4. scene. 109 


Ir mússend auß einander rucken, 
Damit so find ich auch ein — loch. 
Ich bin dort für die küchen tretten, 


30% Hab den koch umb ein supp — ansprochen, 
So thüt er meiner spotten dran. 
Wie ist er so ein untrew — mensch! 


Ich wolt, das in der teüffel nem, 
Das er vons künigs hoff wegkem. 


6. akt, 4. scene. 

(Raguel, Hanna, Sara, Tobias der jung, Raphael; nachher Jesabel.) 

Raphael. 

3100 Tobias, lúg, behalt gar eben 
Die trew leer, so ich dir hab geben! 
So mag dir nimmer misselingen. 

[H8b] Tobias der jung. 
Ich will dir folgen aller dingen, 
Das solt du gwißlich von mir sehen. 
Raphael. 
3105 So würdt dir nymmer leyt geschehen. 
Raguel (hat außgeschrieben, spricht :) 
Hanna, richt an in gottes nammen, 
Setzend euch nun züm tisch allsammen ! 
Sitz nider, lieber tochtermann ! 
Im hertzen ich dir gütes gan. 

3110 Sampt deinem freünd hab gúten mút! 
Nun land uns auch das höchste gät 
Bedencken und gott lob und preiß 
Sagen umb seine tranck und speiß. 

(Jetzundt betten sie.) 
Hymmlischer vattr in deinem reich, 
3115 Dein gút ist unaußsprechenlich. 
Dann du dein gedeien, dein schutz 
In wein und korn gibst uns zü nutz, 
Damit wir all werden ernehrt. 
Umb das güt, so du uns hast bschert, 
8120 Dancken wir 


[Und] 











Tobias, 7. akt, 1. scene. 


Raguel. 
So kommend her in gottes nammen ! 
Die braut und breütgam müssen zsammen; 
Die kammer ist schon zübereyt, 
In die sye sollen werden gleyt. 
Asaria, ich will versehen, 
Dir soll auch güter raht beschehen. 
Tobias der jung. 
Vatter und mütter, lond mir bringen 
Ein güte glút vor allen dingen! 
Darzi hab ich in meinem secklin 
Ein klein zúsammenbundens pecklin. 
Raguel. 
Das soll beschehen, lieber son, 
Die knecht mússend das eilens thún. — 
Gond hin, ir knecht, und bringend bhend! 
Du findst da innen an der wend 
Ein leder secklin, das bring mir! — 
Merck du, was ich befehle dir! 
Nymb einen newen haffen gút, 
Darein so mach ein helle glüt, 
Das sie nicht riech und schmacke wol, 
Darzú nimb gúten frischen kol! 
Der erst knecht. 
Herr, es soll gschwind und eilens gschehen, 


340 Das ir mein fleiß an mir sond sehen. — 
[J7a] Was will er erst mit der glit machen? 


3445 


Gwißlichen will er kúchlin bachen. 

Ich sorg, der jung sei kommen har 

Zü fra, das im auch widerfar, 

Wie es den andren ist beschehen. 

Heint umb mitnacht würt mans wol sehen, 

So uns der herr thüt rüffen nab, 

Das wir im solln machen ein grab. 
Der ander knecht. 

Herr, nemend hie den sack von mir! 

Wend ettwas weiters haben ir, 

So zeygens an! Ich brings euch har. 


119 


Tobias, 7. akt, 1.—2. scene. 


Dann wie es meinem freünd soll gon, 

Wolt ich in nöten bei im stohn. 
Raguel. 

So hab dich gott in seiner pfleg! 

Hanna Raguelis. 

Der richt auch sicher all dein weg! 

Raphael. 
24855 Und weiß auch euch den himmelsteg! 


7. akt, 2. scene. 
(Aßmodoth, Raphael, Tobias der jung, Sara.) 
Aßmodoth. 
Belial, lang mir her mein kett, 
[J8a] Damit ich manchen würgen thett! 
Ich müß yetzund aber daran. 
Sara hat aber einen man, 
34% Welchen mann ir heüt morgen gab. 
Ich m&B sehn, was ich z schaffen hab. 
Den jungen lauren will ich bringen 
Und in würgen vor allen dingen, 
Ich will die braut ein wittwen machen, 
4% Das iren müß vergen das lachen. 
Pfey teüffel, was schmackt hie so starck, 
In der helln ist kein gschmack so arck! 
Tobias der jung. 
Sara, das ich leg in das fewr, 
Laß dich nicht duncken ungeheür! 
8500 Mein brúder hat mir semlichs grathen, 
Ich soll diß hertz und leber braten, 
So müß von disem rauch und fewr 
Verschwinden alles ungehewr. 
Aßmodoth. 
Pfey dich, du junger starcker geck! 
3505 Ich glaub, du bratst ein teüffelsdreck. 
Der dich das lert und an hat gfangen, 
Ist gwiß mit dem teüffl in d schül gangen. 
Raphael. 
Gib dich gefangen, hellscher hund! 


Tobias, 7. akt, 3.—5. scene, 125 


Es doch daheymen hab ein gstalt. 
Seind still! Denn ich will kommen balt. 
(Spricht züvor.) 
Hanna, das grab ist schon gemacht. 
805 Schick balt ein magdt, heiß nemen acht, 
Wie es doch umb Tobiam standt, 
“ Damit und wir ein wissen handt, 
Ob er sey bey seim leben noch 
Oder wie d andern gstorben auch, 
8810 Damit wir in vor tag begraben! 
Hanna. 
Ach, es wer mir leyd umb den knaben. 
Bersabe, gang, schleich still und leiß 
Und lig und hab sehr gúten fleiß, 
Das du erfarst, wie die sach stand, 
815 Ob wir doch einen breütgam hand 
Oder ob wir haben ein leich! 
Bersabea, magd. 
Ich wils erfaren seuberlich, 
Hoff, es soll mir einmal gelingen, 
[K2b]Das ich mög gate bottschafft bringen. 
Hanna. 
%20 Ach, das dir gott geb die genadt, 
Das du brechst ein git bottenbrodt ! 
Bersabea. 
Gebts bottenbrodt vor allen dingen! 
Dann ich ein gút bottschafft thü bringen. 
Sie leben beyd, seind frisch und gsund 
623 Und schlaffen süß zů diser stundt. 
Gott erhalt sie in seiner hüt! 
Raguel. 
Gelobet seist du, herr, der güt! 
Du hast hingnommen unser quel. 
Wir dancken dir, gott Israel, 
8830 Dieweil nicht ist geschehen das, 
So unser gröstes sorgen was. 
Denn du dein groß barmhertzigkeyt 
An uns erzeygt jetzt, hingeleyt 


Tobias, 7. akt, 5.—6. scene. 127 


3685 Wie hat der herr so grosse freud. 
Jetz wend wir erst ein hochzeit haben; 
Ist weger dann todten begraben. 
Raguel. 
[K3b] Erst brauch, mein Hanna, güten fleiß, 
Das du überkompst gúte speiß! 
8670 Dann ich will all mein güten fretindt 
Laden, auch die mir günstig sind, 
Als mein lieben nachbawren all 
Und mit in frölich sein mit schall. 
Jetzund will ich selb zür braut gohn, 
375 Besehen, wann sie auff wend ston. 
(Za der braut und breütgam.) 
Ein güten tag, mein lieben kindt. 
Ich frew mich, das ich eüch frisch find. 


7. akt, 6. scene. 
(Tobias, Sara, Raguel, Raphael, nachbarn und nachbarinnen.) 


Tobias der jung. 
Vatter, ich sag dir lob und danck; 
Gott wöll dein leben fristen lang! 
3680 Der herr hat mich die nacht behút, 
Des danck ich seiner heylgen güt. 
Sara. 
Vatter, gott geb dir alles güt! 
Uns hat der herr ghabt in seinr hút 
Die nacht, des wir ım dann billich 
385 Dancken ymmer und ewiglich. 
Raphael. 
Ein selgen tag, lieber Tobias. 
Tobias der jung. 
Gott wöll dir wol, mein Asarias! 
Die ler und warnung, so du mir 
Hast geben, darumb danck ich dir. 
Baguel. 
36% Kommend, ir lieben nachbawrn mein. 
Thút noch heüt mit mir frólich sein! 





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2660 Den 


Tobias, 7. akt, 6.—7. scene. 129 


* Ich bitt, vernemend mich all beyd! 


“iso Mein tochter Sara ist versehen, 

* Mit eim jüngling ist das geschehen; 
Sie ist auch hinnacht beigelegen. 

* Als ich mich vormals hat verwegen, 

F- Den jüngling würd ich finden todt, 

sem) Umb mittnacht mein knechten gebot, 

m= Sie solten vor tag machen s grab. 

= Demnach ich ein magdt gschicket hab, 

a  Zúrfaren, wie es umb sie standt; 

a Die kompt mit freüden her gerannt 

#720 Und heyscht von mir das bottenbrodt, 
Sagt mir, der jüngling sei nit todt 

. Sonder lebt noch, sei frisch und gsundt. 

-  Drumb frewt euch mit mir diser stundt 
Und gond yetzund mit mir zü hauß! 

Samuel. 

sis Ist dann dein leyd und trawren aub ? 

a. Das frewt mich in meim hertzen fast; 
Danck gott, das er den schweren last 
Von dir dißmal hat gantz genommen. 

Raguel. 

Ich bitt, ir wóllend naher kommen 

‘go Und ewer weiber bringen mit, 

"So wend wir sein gantz frölich heút. 


J] Abraham. 
ze Gang hin, mein vetter! Dann wir wendt 
F Mit unsern weibern kommen bhendt ; 


Dann sie auch werden frölich sein 
97% Von wegn Sara, der tochter dein. [Raguel ab.] 
Samuel. 

Schaw, wie sich doch die sach zütreyt! 

Die weiber seind beinander beid, 

Sie wissend ettwann newe mehr, 

Sthon da beinander, schleiffen d scher. 

Abraham. 
Ir scherenschleiffern kommend bhend ! 
~ ig müssend yetzund an eim end 


Vemselben hat gott girist sein leben, 

Ist frisch und gsundt, seind all frólich. 
Thamar. 

Des frew ich in meim hertzen mich 

3760 Von wegen irer eltern beyd. 

Ach, wie hand sye so grosse fretid ! 
Saphira. 

Vor freiiden mag ich nicht mer ston. 

Ach lieber land uns zú in gon! 


7. akt, 8. scene. 
(Raguel und knechte, Hanna, Tobias, Sara, Raphael; d 
und Samuel mit Saphira und Thamar, nachbarn und ns 
Raguel. 
[K5b]Vernemend mich, ir beiden knecht, 
376 Schawt, das ir d sach versehen recht 
Mit allem, das ist euch befohlen, 
Und thúnd ein frisch külwasser holen! 
Abraham. 
Sara, ich wünsch dir glückes vil. 
Der ewig gott deins leyds dich will 
3770 Ergetzen, so du vor hast ghan. 
Samuel. 
Wolan, gott hat vleicht gsehen an, 





Tobias, 7. akt, 7.—8. scene. 131 


Tobias der jung. 
Gott bhüt dich allweg sonder klag! 
Raguel. 
Mein lieben fretind, darumb das ich 
Euch bschicket hab, vernemen mich! 
8760 Meinr liebsten tochter ich yetz han 
Den jüngling geben zü eim mann, 
Welchen mir gott hat gschicket har. 
Drumb will ich yetzund (nemmend war) 
Ein brieff und sicherung verschreiben, 
8785 Wie und wobei es steiff soll bleiben 
Jetzund und auch nach meinem todt, 
Damit und man nicht lang umbgoht. 
[K6a]So nimb den schreibzeüg, Abraham, 
Und schreib an dise ding allsam! 
(Raguel gibt den brieff an.) 
37% Zü wissen allermencklich sei, 
Ich Raguel bekenn mich frei 
Mit disem brieff, demnach und ich 
Mein tochter hab versorgt ehrlich, 
Tobia meinem eiden frumm, 
379 Das ich in soll in einer summ 
Den halben theil von meinem güt 
Zür ehstewr gebn mit freyem mút 
Am güt und vieh hin durch die banck. 
So sichs dann über kurtz odr lang 
3800 Begeb, das stirb mein weib und ich, 
So soll der ander theil desgleich 
Gantz fallen an die tochter mein. 
Zú urkundt und warhafftem schein 
So henck ich hie mein sigel dran, 
3805 Das nyemandt soll kein inred han. 
(Sagt weiter.) 
Ists gschriben, so gib mir in har! 
So will ich in versichern gar. 
(Sagt weiter.) - 
Nun richt uns an! Sitst wie 
Und danckend gott z# 


Tobias, 7. akt, 8. scene. 133 


Deim tochterman desselben gleich 
385 Und auch deinr tochter seüberlich. 
Hab gott in seiner hút all stund. 
Die erst nachbewrin. 
Mein hertz in alles gütes gundt; 
So ir sachen gond glücklich wol, 
Ist mein hertz aller freüden voll. 
Die ander nachbewrin. 
350 Es seind warlich so fromme leüt, 
In kan args widerfaren netit. 
Gott würt in gwiß in disem leben 
Vil frumb und ghorsam kinder geben. 
Hanna. 
Ach, seind doch frölich, lieben gest! 
8355 Wolt gott, ich hett das allerbest, 
So man mag finden in der welt, 
Mich solt hie dauren gar kein gelt; 
Dann ichs euch allen günn von hertzen. 
Mein red die hand mir für kein schertzen ! 
Abraham. 
3860 Was sagstu, Hanna? Ists nicht gnig? 
Wer mehr da, es wer ein unfüg. 
Wir hand gehabt ein gütes mal, 
In langem lebt ich nye so wol. 
Ich danck braut und breütgam mit nammen, 
3865 Von denen wir dif hand alls sammen. 
Wanns nur zeit wer, wolten wir gon; 
[K7b]Essens halb möcht ich wol auffstohn, 
Samuel. 
Ja warlich, wir seind lang gesessen, 
Hand yetzmal wol truncken und gessen. 
370 Drumb wolt ich rahten, das wir all 
Dem herren danckten jetz zúmal 
Umb seine reiche gútthat groß. 
Dann er uns je on underlaß 
Ernehren thút zü stund und tagen, 
3875 Drumb wir ihm billich danck drumb sagen. 





[K8a] Die ı uns aan wirt Lodi re v ich! 


3895 


3900 


Das bitten wir von hertzen dich. 
Gewer uns durch dein heylgen namen 
Der unsern bitt! Nun sprechend amen! 
Saphira. 
Ich sag etich beyden grofen danck. 
Gott ewer fretid bestete langck 
Mit braut und breütgam beyderseit ! 
Thamar. 
Gott wöll euch segnen dise zeit, 
In solchen ehren lassen leben 
Und wolgezogne kinder geben! 
Die erst nachbewrin. 
Nachbar, es ist gentzlich zü vil, 
Mitler zeit ichs verdienen will. 
Gott geb eüch vil glücks allen sammen! 
Die ander nachbewrin. 
Nun hand wir wol gelebt bey nammen. 





8910 


8915 


[K8b] 


3930 


Tobias, 7. akt, 8.—9. scene. 


Gott bhüt euch z hunderttausentmal, 
Der schaff, das euch gang gliicklich wol! 
Hanna. 
Ich danck etich, nachbarn, lieben fretindt, 
Das ihr heut zi mir kommen seind. 
Ich bitt etich, wöllend han für git; 
Der ewig gott hab etich in hit. 
Raguel. 
So wend wir jetz recht auch auffstehn, 
Mitnander nauß spatzieren gehn, 
Damit das uns vergang die zeit. 
Ich weyß jetz sonst zi handlen nit. [Die gúste ab.] 


7. akt, 9. scene. 
(Raguel, Hanna, Tobias, Raphael; dann knechte.) 
Raguel sagt weiter. 
Tobias, lieber tochterman, 
Ein grosse bitt ich an dich han, 
Du wöllest mir zü willen sein, 
Zwo wochen in der herberg mein 
Bleiben, eh du [hin]zeüchst von mir. 
Ich bitt dich, laß gefallen dir; 
Demnach will ich dir alles geben, 
Wie wirs dann hand verschriben eben; 
So zeüchstu zü deim vatter wider. 
Tobias der jung. 
Die zeit würt im lang werden sider, 
Wann ich so lang bleib auff der stroß. 
Er lebt schon yetz in sorgen groß. 
Raguel. 
Ach nein, er würd kein sorg nicht haben, 
Dieweil du disen frummen knaben 
Mit dir hast gnommen auff den weg. 
Tobias der jung. 
Asaria, das dein gott pfleg, 
Mein brüder, vernimb meine wort, 
Was ich dir sag an disem ort! 
Ich sag warlich, wann ich mich schon. 


135 


Tobias, 7. akt, 9. scene. 137 


Nemmend acht zinnen fleschen voll 
Mit wein, auch nemend so vil brodt, 

$775 So euch wird zi der reyB sein noth, 

Nempt auch fleysch gsotten und gebroten! 
Der ander knecht. 

Herr, wir wend uns auffs best berahten. 

Wir weren schelmen in der heut, 

Weil er sich so willig erbeut, 

8980 Das wir uns nicht versehen wol. — 
Gang du und full die fleschen vol 
Und gang mit fleiß zim rechten fab! 
Du weyst wol, welcher wein es was, _ 
Den wir zim nechsten truncken hand, 

885 Da herr und fraw nit war im land. 
Botz bettel, es ist güter wein. 

Der dritt knecht. 
Er wiirt yetz nymmer so starck sein; 
Dann wir raufften in spat und fro, 
Und ich fülts faß mit wasser zů. 

Der vierdt knecht. 

3% Es schadt im nicht, es macht in schon. 
Gand hin! Wend ir erst lang da ston 
Und erst ein zanck umb den wein han? 
Kanst nicht ein voll faß stechen an? 

Der erst knecht. 
Laß das ausrichten unsre gsellen! 

3% Wir wóllend gon zů den kamelen 
Und sie anzeümen und bedecken 
Und vier beschlagner trög drauff strecken. 

[L2a] Hanna. 

Es frewt mich in dem hertzen mein, 
Das dein gesell thüt willig sein 

4000 Und will für dich die sachen enden. 

Raphael. 

Ich will mein dienst nicht von im: wenden; 
Dieweil ich leb, soll er erfaren, 
Will ich kein trew & 





Er wiist x. oat en le wein, 
4020 So wiirt das brodt vom lufft erschórben. 
[L2b] Wie mögt irs also lon verderben’? 
Was hand ir hie in disen secken ? 
Der dritt knecht. 
Fisch und fleisch ist in beiden pecken, 
Gesotten, gbraten und gebachen. 
Die fraw thet mir es selb einmachen. 
Der erst knecht. 
Asaria, wir sind bereyt, 
All nodturfft auff die kamel gleyt. 
Drumb magstus wol nicht lenger sparen. 
Raphael. 
Allde. allde, wir wöllendt faren. 
Tobias, Raguel. 
4030 Der ewig gott wöll euch bewaren! 
Raphael. 
Nemend ir zwen die kamelthier! 








Tobias, 7. akt, 9.—10. scene. 139 


(singend.) 
In gottes nammen ziehen wir; 
Der wóll uns bhúten spat und frú, 
Das uns kein übels falle zü. 
4035 Kyrieleison. 


7. akt, 10. scene. 
(Raguel, Hanna, Tobias.) 
Tobias der jung. 
Vatter und schweher, yetz mag ich 
Bey dir hie bleiben rüwigklich. 
Dann ich mein gleytsmann hab gesandt 
Gen Rages in der Meder landt, 
400 Das er von Gabell fordern soll 
Ettlich gelt, so im auff einmol 
Mein frommer vatter glihen hett. 
Als er nun zoh in alle stett 
Züm gfangen juden in dem land, 
[L3a] Er seinen freünd Gabelum fand 
Gantz arm, da satzt er im das für. 
Raguel. 
Mein tochterman, das danck ich dir, 
Das du dein gschefft dermaß kanst scheiben, 
So das du bei mir hie magst bleiben 
4050 Und frölich sein mit meinen freünden. 
Wir wend gon schawen, wo wirs finden 
Hanna die müter und ir sagen, 
Das sie von newem zü thü schlagen. 
Zür hochzeit, als man billich soll, 
4055 Müß sie breiten ein gütes mol. 
(Zúr Hanna.) 
Hanna, richt uns ein gút mal zú 
Noch hinnacht und biß morgens frú, 
Damit uns auff unser hochzeit 
An notdurfft dinge manglen nit! 
Hanna. 
4060 Schweig, lieber haußwirt! Es soll sein, 
Dann es ist sonst der wille mein. — 


4050 


4055 


4090 





Ich sag dir, bistus diensts urdrützig, 


Wird dir dein lon auch nimmer scheútzig, 


Wie man denn táglich an dir spúrt. 
Yon deim lon dir nicht über wirt, 


Das d einmal möchst ein schüblin machen. 


Jesabel. 

Der teüffel lach zü solcher sachen, 
Das ich umb mein bitter arbeyt 
Nicht überkommen soll ein kleydt, 
Und brich die übrign kleyder gar. 

Bersabea, magdt. 
Wilt wissen, wo das kommet har? 
Du werckst gnüg, so lond man dir wol; 
Doch wenn ich d warheyt sagen soll, 
So thüstus gantz unwilligklich; 
Drumb mag keyn lon beschiessen dich, 
Denn gott semlichs nicht dulden kan. 





[L4a] 


4100 


4105 


4110 


4115 


4120 


Tobias, 7. akt, 11. scene. 8. akt, 1. scene. 


Jesabel. 
Du magsts warlich erraten han. 
Wenn ich ein gúten tage het 
In der hand, ich sie nicht auffthet, 
Das sie meim herren wird zú theyl. 
Bersaben. 
Drumb hastu so vil glück und heil. 
Schaw, wie du so zerrissen stehest, 
Feirtag, wercktag gleich kleydet gehest. 
Jesabel. 
Vil dings brent dich nicht, das du blost. 
Was irrt dichs? Thi für dich selb schawen! 
Ich hab genüg an einer frawen ; 
Und woltestu mich lang vexieren, 
Ich dörfft dir schier den balg voll schmieren. 


8. akt, 1. scene. 
(Raguel, Gabel.) 
Raphael. 
Gott grüß dich, lieber freundt Gabel, 
Der nem von dir all not und quel! 
Gabel. 
Danck dir gott, biß willkummen mir! 
Raphael. 
Der ewig gott wöll dancken dir. 
Merck, warumb ich her zi dir kom! 
Mich schickt zi dir ein jüngling fromb, 
Welchs vatter dir geliehen hat 
Vor zeiten hie in diser stadt 
Nemlich zehen pfundt silbergelt, 
So er dir fretindtlich dar gezelt, 
Wie du dann dich mit eygner handt 
Verschriben hast und das bekant. 
Tobias diser dein freünd was, 
Hatt ein son, heißt auch Tobias. 
Der ist jetzund beim Raguel; 
Dem hat gott auch erfrewt sein seel 
Sara halb, seiner tochter zart, - 


14] 


Der weg soll mir nicht sein zů weit, 
Ich will mit dir. Doch vor und ich 
4180 Hinweg zeih, will ich liffern dich. 


8. akt, 2. scene. 
(Raguel, Hanna, Tobias, Sara, Abraham, Samuel.) 
Raguel. 
Hanna, richt an! Sıtzt nider zsammen, 
Land uns gott preisen alle sammen! 
Herr, gsegne uns dein bscherte: speiß ! 
Deim nammen sei lob, ehr und preiß, 
415 Von ewigkeyt zů ewigkeyt 
Sei dir lob, ehr und danck geseit. 
Abraham, 
Das ist je wol kocht auff mein eydt; 
Gott bhüt die köchin vor hertzleydt. 
Samuel. 
Ich würd des güten lebens gwon 
4140 Und gar ungern lassen darvon. 
Raguel. 
Macht wenig wort, essend nur bald! 
Die kost soll nichts, wann sye würt kalt. 





8. akt, 3. Scene 


4150 


4105 


4160 


4165 


[L5b] Ich wolt mich erst recht haben gsetzt 
4170 Und mich meins hungers han ergetzt; 
So kompst du und bringst andre máhr. 


4175 


Tobias, 8. akt, 1.—3. scene. 


Und ist der groß Hannanias 

Genant; von mir sollt wissen das. 
Gabel. 

Ich hab in kannt vor langen jaren, 

Ein frumb redlich man auBerkoren. 

Des du dich billich frewen magst, 

Ist er dein vatter, wie du sagst. 
Raphael. 

Im ist, wie ich dir zeyget an. 
Gabel. 

Sich zů, in disem wetscher than 

Hab ich das gelt, gezalt zúsammen 


Zehen pfundt am gewicht mit nammen, 
Am halt gnúg schwer. Drumb mein handtschrifft 


Gib mir, so dise schuldt antrifft ! 

Und wann es dich dann duncket zeit, 

Zeüch ich mit dir den weg so weit. 
Raphael. 


Hie ist dein handtschrifft, nimm die hin; 


Dann ich deshalb vernüget bin. 


Rüst dich, so wend wir auff die fart; 


Tobias mit verlangen wart. — 

Ir knecht, gend hin und zeümend an 

Die kamel! So wend wir darvon. 
Der erst knecht. 

Es soll geschehen von stund an. — 

Wolauff, ir gsellen, wir wend dran. 
Der ander kneoht. 


Du hast gekröpfft, so sind wir lähr. 
Der dritt knecht. 
Nun will ich dannocht trincken vor; 


Dann mich sehr dürstet, sag ich zwor. 


Ich bring dir einen daubenzuck, 
Ein gúten kalten starcken schluck.. 


143 


Darumb schickt euch! ¡So wend wir dran. 
Gabels weib. 
Ir müssend nicht scheyden so bald. 
Ich hab noch einen rindtsfüß kalt, 
4185 Ein gúts gebratens auch darbey; 
Davon eß, wer da lustig sei. — 
Magd, gang, bring bald frisch brodt herein! 
Knecht, gang und laß ein kannt mit wein! 
So thünd sye einen trunck mit nander, 
419 Auff lehren bauch ist nicht güt wandern. 
Die magd. 
Hye hand ir brodt, mein liebe fraw. 
Wend ir sonst mehr, ich auch drumb schaw, 
Dorfft ir sonst nicht, so zeygend an! 
[L6a] Dann ich noch mehr zü schaffen han. 
Gabels weib. 
4% Nein, gang hin, liebe maget mein! 
Wo bleibt doch der knecht mit dem wein? 
Gabelas kneoht. 
Mein herr, gott gsegne euch den wein! 
Zürnt nicht! Ich bin sehr lang auf gsein; 
Der zapff ist klein und laufft gemach. 
Gabel. 
3900 Knecht, lig, versih du alle sach 


nm 





4210 


4215 


Tobias, 8. akt, 8.—4. scene. 


Gabel. 
Wolan, mein haußfraw, wir wend faren. 


Der ewig gott dich gsundt wöll sparen! 


Halt wol hauß, ist an dich mein bitt. 
Gabels weib. 
Mein mann, du darffst der sorgen nit. 
Gott geb euch glück auff ewrem weg! 
Raphael. 
Fraw, das dein gott von himmel pfleg ! 
Nun singen mit hertzenbegir: 
In gottes nammen faren wir. 
(Gesang.) 
In gottes nammen faren wir, 


[L6b] Seiner hilff [thun] begeren wir; 


4225 


So helff uns der ewige Gott, 
So uns speißt mit dem himmelbrodt. 
Kyrieleison. 
Der Israel das gantze heer 
Fürt trucken durch das rote mör 
Der helff uns jetzundt alle sampt 
Wider gesundt in unser land. 
Kyrieleison. 

Raphael. 
Lauff du voranhin, was du magst, 
Damit du meim Tobia sagst, 
Das ich und auch Gabelus komm ! 
Dir würdt gwißlich gelonet drumb. 


8. akt, 4. scene. 


145 


(Raguel, Hanna, Tobias, Sara, Gabelus, Raphael und knechte.) 


Der erst knecht. 
Eins lons bin ich gwiß, anders kein, 


4230 Dann das ich mach müd schenckl und bein. — 


Gott gsegen euch trincken und essen, 
Wie ir allda zü tisch seind gsessen ! 
Tobias, merck, was ich verkünd! 

Es kompt dein allerliebster fretindt, 


4285 Gabelus sampt .: 
Wickram VL 


10 





Der ewig gott ım hinmelreich 
Gesegnets euch allen geleich. 
Tobias der jung. 


[L7a] Zú tausentmal mir willkumm seind, 


4245 


4250 


4260 


Du mein brüder sampt meinem freünd. 
Raphael. 

Der wöll dich bschirmen allemol, 

Und deine hochzeit glück dir wol! 
Gabel. 

Der gott Israel segne dich. 

Dann du bist einmal sicherlich 

Eins frommen grechten mannes son, 

Welcher gott allzeit fércht und nun 

Und der den armen gneygt ist gar 

Und thút in auch vil gúts fürwar. 

Gesegnet sei dein weib und gschlecht, 

Gott wöll, das ir vil kinder secht, 


5 DeBgleichen ewre kindskinder 


Ins dritt und vierdt geschlecht und mehr! 
Gesegnet seie auch dein samen 

Von gott Israel und seim nammen, 

Der da herrscht und ewig regiert 

In seinem reich glorificiert. 

Das wünsch ich euch von hertzen gar. 


= 


[L7b] 


4270 


4275 


Tobias, 8. akt, 4.—5. scene. 147 


Von ewigkeyt zi ewigkeyt 
Sei im preiß, ehr und danck geseit. 


8. akt, 5. scene. 
(Tobias der alt, Hanna.) 
Tobias der alt. 
Wer ist hie bei mir in dem sal ? 
Hanna, Tobie weib. 
Ich und sonst nyemands überal. 
Tobias der alt. 
Ach gott, wie gehts meim lieben son? 
Was mag er doch so lang auß thin, 
Was mag in doch heben so lang? 
Es macht mir in meim hertzen bang. 
Villeicht ist Gabel nimm beim leben, 
Und will im das gelt nyemandts geben. 
Ach, das ich in nicht bhielt bei mir! 
Hanna, Tobie haußfraw. 
Ach gott, ich sagts zim ersten dir. 
Ach mein son, ach mein lieber son! 
Ach, warumb hand wir solchs gethon, 
Das wir dich so weit ließen wandren, 
Du unser trost, hand sonst kein andren, 
Ach du unser einige freüdt 
In unserm alter, aller beyd 
Einiger erb und einigs hertz! 
Was bringt uns das gelt grossen schmertz ! 
Wir hetten schatzes gnig gehabt 
Und bnigt an dem uns gott begabt, 
Und hetten dich gelassen hie. 
Ach, das das gelt ward gschaffen ye! 
Tobias der alt. 
Ach mein Hanna, laß trösten dich 
Und stell dich nicbt so jamerlich ! 
Unserm son gehts, ob gott will, wol 


[L8a] Und gwiß nicht anders, dann im sol. 
4205 Ein trewer gsell doch mit im geht, 


Darumb all sach . 
1)" 


(Raguel, Hanna, Tobias, Sara, Raphael und andre 
Raguel. 
Tobias, lieber tochterman, 
Ein große bitt ich an dich han, 
Du wöllst ein zeit lang bei uns bleiben. 
So will ich deinem vatter schreiben, 
4305 Wie du gsundt seist und dir wol gang. 
Tobias der jung. 
Ach nein, die zeit ist im sonst lang. 
Ich weyß, mein vatter allen tag, 
Auch mein müter in grosser klag 
All tag und stunden zalen zwar, 
4310 Seind meinethalb bekümmert gar. 
Raguel. 
Ich weyf, wann ich in schreiben thú, 
So werdens deinthalb sein zů rhü. 
Tobias der jung. 
O lieber schwäher, ich bitt dich, 
Du wöllst nicht lenger halten mich, 
4315 Bedencken meinen vatter alt, 
Welcher dort sitzt in gottes gwalt 
Und ist blindt, wie ich dir gsagt hab, 
Als ich mit ersten kam herab. 





Tobias, 8. akt, 5.—8. scene. 149 


Raguel. 
4355 Dieweil der handel steht also, 
Will ichs mit willen geben noh. 
Ich will im geben laut der schrifft 
Als mein halb gút, wie das sich trifft, 
An silber, goldt und auch geret, 
4380 Wie ich dann solchs bewilliget, 
An knechten, megdten desgeleich, 
Will allessampt selbs theilen euch 
In beisein ewer, meiner freündt. — 
Ir knecht, hebt auff den tisch geschwindt 
4335 Und loben gott den herren all, 
Das er uns speiset allemal! 
(Das Gratias.) 
Hymmlischer gott in ewigkeyt, 
Lob, ehr und danck sei dir geseyt, 
Das du uns hie in unserm leben 
4340 So reichlich speiß und tranck thüst geben, 
Auch anders, so uns leiblich noth 
Ist. Darumb wir, o herr und gott, 
Dir billich sollen danckbar sein. 
Nun kommend, allerliebsten mein, 
445 Damit ich nach meiner züsag 
[M1a]Mein tochterman außstewr on klag! 


8. akt, 7. scene. 
(Hanna.) 
Hanna, Tobie weib. 
Ach gott, mein lang warten und sitzen 
Mag mich in keynnen weg nit nützen. 
Von meinem son hör ich kein wort, 
4850 Wie lang ich wart an disem ort. 


8. akt, 8. scene. 
(Raguel, Hanna, Tobias, Sara, Raphael, Gabel, freunde, knechte und 
mägde.) 
Raguel. 
Nun gehnd hin eilends bald, ihr knecht, 


vna vor aes TEULEIS 11SL DEWATIL. 

4360 Nu bifg frölichen auff der fart, 

Und wenn du kombst zúm schwäher dein 
Und schwiger, sollt ihr ghorsam sein, 

In ehren halt sie spat und frú! 

Dein mann von hertzen lieb darzü, 

485 Dein gsind regier gantz fleissiglich, 

In zucht und erbarkeyt zeuh dich, 

Damit du seiest weib noch mann 

Nicht ergerlich! Ach denck daran ! 
Sara. 

O du hertzliebster vatter mein, 

4370 Deiner ler will ich ingdenck sein; 
Dieweil mir gott mein leben lengt, 
Mein hertz und gmüt der wort gedenckt. 

[M1b] Hanna. 
Das nimb, mein tochter, hie von mir! 
Denn ich habs lang behalten dir. 

475 Von meinetwegen das behalt, 

Deins vatters ler bhalt solchergstalt! 
So dir denn gott ein frucht beschert, 
In gottesforcht die werd gelert. 

Du weyst, wie wir dich hand erzogen ; 

4880 Thú also, so wirst nicht betrogen 


Tih ts er Ze midi asl awl a als nureen wb ana 





Tobias, 8. akt, 8. scene. 151 


Raphael. 
Das vieh bringend sie schon daher. 
Darumb es an der zeit jetz wer, 
Das wir uns mächten auff den weg. 

4390 Zeüht man schnell, wird das vieh bald treg. 

Tobias der jung. 
Mein lieber schwäher, schwiger beydt, 
Der ewig gott bhüt euch vor leydt! 
Ich bitt, ir wölln uns urlaub geben. 
Das eüch gott lang wöll lassen leben! 
Raguel. 

489% Mein son, der heylg engel des herren 
Sey jetzundt bey dir nach und ferren 
Auff deinem fürgenumnen weg, 

[M2a]Das du gsund ziehst all straß und steg, 
Und bring dich gsundt ins heymat dein, 

4400 Damit du findest sonder pein 
Dein beiden eltern in irm hauß, 

Wie du bist von in zogen auß! 
Tobias der jung. 
Das wöll der herr der herrligkeit, 
Der bhüt euch auch vor allem leyd ! 
Raguel. 

4405 Nun gleit dich gott, o tochter mein! 

Ich bitt, meinr ler wólst ingdenck sein. 
Sara. 

Hertzlieber vatter, dich bewar 

Der gott, dem dient der engel schar. 
Hanna. 

O tochter, gott bhüt dich vor schmertzen! 

4410 Dein hinfart geht mir nach zü hertzen. 
Ach gott, möcht nummen wissen ich, 
Das ich noch einmal sehe dich, 

So wer es mir nicht so schwerlich. 
Sara. 
Ach mútter, laß dein heisses trehen ! 

415 Will gott, solt du mich noch offt sehen. 
Gott bewar dich zü aller stundt 














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- - . . a~ 


uw Gott gsejme euch, herr und auch faw. 
Raguel. 





Ey lieber, fleissig zúm vieh schaw, 
Damit sein werd gepflegen wol! 
Der ander knecht. 
Herr und fraw, gott bhüt euch zúmol. 
Raguel. 
Nun farendt frólich auff den weg, 
4485 Das ewer gott von himmel pfleg! 
Raphael. 
Frolichen singend mir all nach! 
(Singt.) 
Da Israel auß Egvpten zoch 
Und da das hauß Jacob dannen floch 
Von disem frembden volcke etc. ?) 


* 
1) Vgl. den 114. psalm. 


AA 


Tobias, 8, akt, 8.—9. scene. 9. akt, 1. scene. 


8. akt, 9. scene. 
(Astaroth, Aßmodoth, der jung teufel.) 
Astaroth. 


4440 Ach ABmodoth, ich müß dir sagen 
[M3a]Und gar ein grossen jamer klagen. 


Nun hör zü, der jung Tobias, 
Welcher schuldig deinr gfencknis was, 
Das dich der engel hieher band, 
Der zeucht von Meden auß dem land 
Mit unaußsprechenlichem git. 
Sein weib er mit im füren thüt, 
Der engel zeuht auch noch mit im, 
So dich hieher band (mich vernimb). 
Aßmodoth. 
Ich wolt, ich wer ledig der band. 
Und het Tobias zehen landt, 
Ich wolt mich nimmer an in reiben, 
Noch in understohn zü vertriben. 
Denn ich müß seinthalb gfangen sein, 
Komb nymmer zü den gsellen mein. 
Astaroth. 
So bleib hie stehn! Was darff man dein 
Es ist dir eben recht geschehen. 
Warumb hast du nit für dich gsehen ? 
Wir wend hinfaren zü der hellen 
Zü unsern andern mitgesellen. 
Der jung teüffel. 
Da mistu bleiben, grosser tropff. 
Du wüster dicker mollenkopff, 
Ich hab dir offt entlauffen müssen. 
Das mústu an der ketten büssen, 
Magst deiner boßheit nicht genießen. 


9. akt, 1. scene. 
(Tobias, Sara, Raphael, knechte.) 
Raphael. 
Tobias, brúder, junger man, 


153 





Sara, zart liebste haußfraw mein, 

4485 Du hast ein ledrins schechtelin, 

Darinnen ist ein büchslin kleyn 

Von bley gemachet, als ich meyn, 

In dem die fischgall ist behalten. 

Gib mirs, das dein gott müsse walten! 
Sara. 


4% Es ist beschlossen in der kist, 
So auff das kamel bunden ist. 
Den schlüssel hab ich hie bey mir. 
[M4a]Ich will die kist auffschliessen dir. 
Tobias der jung. 
Lieb Sara, laß dir nicht sein gach, 

4% Zeüch mit dem vieh und gsind hernach 
Langsam, damit dir kein gefar 
Zúhanden gang! Dich gott bewar! 
Ich und mein brüder ziehend hin. 





Tobias, 9. akt, 1.—3. scene. 


Sara. 
Gott wöll ewer geleytsman sein. 


9. akt, 2. scene. 
(Hanna.) 
Hanna. 
4500 Nun sitz ich hie manigen tag, 
Von meim son nichts erfaren mag. 
Ach du mein allerliebster son, 
Ach gott, ach gott, wie gehts dir nun! 
Nun will ich nicht vom berg herab, 
4505 BiB das ich in gesehen hab 
Oder das ich bottschafft vernimb, 
Was leyds doch sei begegnet im. 


9. akt, 3. scene. 
(Tobias der jung, Raphael.) 
Tobias der jung. 
Das sei gott globt an disem tag, 
Die gegen ich schon sehen mag, 
4510 In der wont vatter, mater mein. 
Nun mag ich nymmer trawrig sein. 
Raphael. 
Tobia, solt mich recht verstohn ! 
Sobald du würst zim vatter gohn, 
So rüff, bett an den herren reich, 
4515 Demnach füg erst zúm vatter dich, 
Küß in und frewe dich mit im! 
Demnach du die fischgallen nymb, 
[M4b] Welche du hast im büchslin dein, 
Damit bestreich die augen sein! 
42 Zühand werden im seine angen 
Geöffnet werden sonder lawgen, 
Würt demnach gäntzlich wider sehn. 
Tobias der jung. 
Ewiger gott, möcht semlichs bscher 


Er kompt sampt dem geleytsman sein. 
Tobias der alt. 
Komb eylens gschwind, mein Isaschar, 
Und für mich armen blinden dar, 
4530 Do ich find meinen lieben son! 
Isaschar. 
O lieber herr, ich wolts gern thin, 
Wann ich möcht wissen, wo er wer. 
Tobias der alt. 
Er zeücht die straß von Meden her. 
Isaschar. 
Kompt her, mein herr! Ich sih in schon. 
458 Dann er kompt dort gegen uns gon, 
Die müter thüt in yetz umbfangen. 
Hanna, Tobie weib. 
Biß wilckumm, son! Wie ist dirs gangen ? 
Ach, wie hast uns so lang gelassen! 
Tobias der jung. 
Mater, es hat sich gschickt dermaßen. 
[M5a] Vatter, du solt gegrüßet sein 
Von Tobia, dem sone dein. 
Tobias der alt. 
O son, mein son, biß wilckumm mir! 


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Tobias, 9. akt, 4. scene. 157 


Tobias der alt. 
Das dir gott ymmer dancken wöll! 

4550 Mein son hast gsundt bracht wider mir, 

Das kann ich nicht gnüg dancken dir. 
Raphael. 

Danckend dem allerhöchsten gott, 

Der die ding also gschaffen hott 

Durch sein milte barmhertzigkeyt, 

4555 Die allen denen ist bereyt, 

So im hertzlichen thün vertrawen, 

In hoffnung vest auff in thin bawen! — 

Tobias, was ich redt mit dir, 

Das richt yetz auß und traw auch mir, 

460 Wie ich dir hab gebn zü verstehn, 
Also wiirdt es gwiBlichen gehn. 
Setzend euch nider alle gar 
Und nemend gottes wunder war! 

Tobias der jang. 

Nun setz dich, lieber vatter mein, 
[M5b]Und richt mir auff das angsicht dein, 
Dein augen solt entdecken muir. 

Durch gottes gwalt so hilff ich dir. 
Leids mit gedult, dich wol auffricht! 
Ich hoff, du werdst bald dein gesicht 

4570 Bekommen. Dann das stuck, so ich 

Darzi brauch, ist gantz sehr köstlich. 
Tobias der alt. 

Das hab ich schon ein halbe stund 

Von dir, mein son, glitten yetzund, 

Befind auch schon zü diesem mol, 

4575 Das mir dein artzney hilffet wol. 
Schaw, wie mir yetzund fellt der star 
Gäntzlichen von mein augen gar, 

Als wann es recht fischschüpen weren ! 
O gott, du hast als mein begeren 

4580 Erfüllt; dann ich sieh widerumb 

Mein liebsten son und preiß dich drumb. 





4600 Sie bringt groß güt, vieh, megd und knecht 
Und ist auß deim stammen und gschlecht, 
Raguels tochter dir bekannt; 

Sie ist mit nammen Sara gnannt, 

Dein son hat sie zúm weib genommen. 

4605 Sie würt dir gwiß heüt zü hauß kommen. 

Tobias der alt. 

Ist dıß die Sara, welche vor, 

Wie ıch hort, siben mann verlor, 

Die der teuffel erwürgt soll hon? 

Mein son, wie kamest du darvon ? 
Tobias der jung. 

4610 Laß kommen Nabath, unsern freünd, 

Und Achior, ichs euch verkünd. 
Tobias der alt. 

Isaschar, gang, hol sie geschwind, 

Bitt, das sie nur nit lang auf seind! 





Tobias, 9. akt, 4.—6. scene. 


9. akt, 5. scene. 


(Die vorigen, bettler.) 
Bettler. 
Tobias, gott laß dich lang leben! 


#15 Hast mir einmal diß röcklin geben. 


Dein sach, gott hab lob, steht yetz baß, 


[M6b]Dann sie damals geschaffen was. 


(Spricht weiter.) 

Ey danck dir gott der reichen schenck! 
All mein tag ich an dich gedenck. 
Der ewig gott wölle dir lonen 
Mit der ewig himmlischen kronen. 
Was thüstu doch den armen güts 
Und bist auch gar eins sanfften múts, 
Als ich mein tag nie sah deins gleich! 
Gott wöll dich ewig machen reich. 

(So er vom hauß kompt.) 
Ach, wie seind diß so schone pfenning, 
Ein michel teil und nit gar wening! 
O, ich weyB mir ein güten wein; 
Die pfenning müssn vertruncken sein. 
Was solten sie mir in der täschen! 
Mir thüt vil baß das gurglen wäschen. 


9. akt, 6. scene. 
(Isaschar, Achior, Nabath.) 
Isaschar. 
Dort sih ich sie beinander ston. — 
Ir beyd solt eilens mit mir gon; 
Meins herren son ist kommen zhauß, 
So sicht mein herr gantz überauß. 
Achior. 
Sag, wie das ymmer ist geschehen, 
Das dein herr widerumb ward sehen ? 
Isaschar. 


Ich weyß es nicht. Drumb: mógt ir gehn, 


Er würdt euchs ral 


159 





MA] 


ACEA 


ACRIOT. 


Wilckum, Tobias, lieber freundt! 
Groß freyd hab ich, das ich eüch find 
Solicher gstalt, wie jetz thút gschehen 
Und dein vatter mag wider sehen. 
Nabath. 
Sind willkum, lieben freündt all beyd! 
Hin ist jetz all mein schmertz und leyd, 
Dieweil mein vetter wider sicht. 
Grösser freyd möcht ich haben nicht. 
Tobias der alt. 
Nun sag, mein son, das bitte ich, 
Durch was hastu bewaret dich, 
Das dir vom teüffel nichts ist gschehen 
Und dein vatter mag wider sehen ? 
Isaschar. 
Freüd über freüd! Vernempt mein wort, 
Tobias weib die kommet dort 
Sampt irem vieh und haußgesind. 
Des frewend euch, mein lieben freündt! 
Hanna. 
Eil baldt und lauff, zeyg in den stall, 
Das sie das vieh drin füren all! 
Tobias der alt. 


DIN ‘Nees rentter lessee hkarnlins AIALA | 


Tobias, 9. akt, 7. scene. 161 


Dieweil ich meynt, ir weren blind, 
Und ich euch sehend und gsund find! 
Mein vatter grüsset euch fründtlich, 
Mein liebste müter desgeleich. 

Hanna. 

4670 Ich sich meins liebsten sones weib, 
Jetz ist hie alls mein leydtvertreib. 
Biß willkomm, tochter, freündtlich mir! 
Vil freude sol begegnen dir. 

Sara. 
Ich danck eüch, liebste müter zart. 

457% Der weg was mir sehr schwer und hart, 
Biß das ich zü euch kommen bin. 
Jetzund ist als mein trawren hin, 

Mich frewt gar sehr zü diser stund 
Des vatters gsicht und ewer gsund. 
Achior. 

4680 Des glücks wir uns billich erfrewen, 

So euch begegnet allen zweien. | 

Wünsch euch hiemit vil glück und heyl. 

Nabath. 
Ich wünsch euch glück ein grosses theyl, 
So vil ich immer wünschen mag. 
Sara. 
Gott bewar euch vor aller klag, 
Mein außerwölten lieben freünd. 
Hanna. 
Sara, sitz nider, liebes kindt, 
[M8a]Zäm tisch! Nun sitzend alle zsammen 
Und rüffend an des herren nammen! 
Tobias der alt. 
4% Herr gott, dein namen preisen wir 
Und dancken auch von hertzen dir, 
Das du uns also durch dein güt 
Und durch dein vetterlich gemüt 
Hast zsammengtragen disen tag 
46% Und hingenommen unser klag. 
Gib uns, o herr, das wir die speiß 
Wickram VL 11 


4685 


Ww 





` 


[M8b]ich folgt 


4121) 


412) 


4739 










Zeth ihn. a See 
| a 





aa dl 5 
a i 


im, schleyfft in auff den sandt, 
Entweyt in bald. Sagt mein gesell, 
Das ich davon behalten söll 

Das hertz, die leber und die gall; 
Denn sie zür artzney dienten all, 

Als durch die gallen köstlich güt 

Mein vatter wider sehen thüt; 

Mit hertz, leber thet ich vertreiben, 
Das der teüffel kind nymmer bleiben. 
Als ich mein hausfraw Sara nanı, 

Der bös geyst für die kammer kam, 
Macht ich ein rauch damit auff kol, 
Da müst der teüffel weichen zmol. 

So hat mich auch mein gsell vertretten, 
Als ich in darumb hab gebetten, 
Bracht er vom Gabel mir das gelt, 

Hat im sein handtschriftt zúgestelt, 
Mich wider gsundt zú hauß gefúrt. 








4735 


4740 


Nila] 


4745 


4750 


4760 


Tobias, 9. akt, 7.—8. scene. 


Kein unfall hat mich nye berúrt; 

Ich glaub, gott hab in zü mir gtragen. 
Tobias der alt. 

Wie magst im gnüg danck darumb sagen 

Für solchs güt, so er dir hat gthon? 

Mein son, wir wend ein kleins naußgon; 

Dann ich het was heimliches will 

Mit dir yetz reden in der still. 


9. akt, 8 scene. 
(Tobias der alt, Tobias der jung; nachher Raphael.) 
Tobias der alt. 
Sag, son, das dich gott lang laß leben, 
Was wend wir disem jüngling geben, 
Der dich so trewlich hat gefürt ? 
Sein trew und frumbkeyt man wol spürt. 
Tobias der jung. 
Ach vatter, wie wend wir vergelten 
Sein trew, wie ich jetzundt will melden, 
So er mir hat bewisen gar? 
Gesundt fürt er mich her und dar, 
Das gelt beinı Gabel fordren thet, 
Mir umb diß weib geholffen het, 
Des teüffels gspenst hat er zerstört, 
Mein schwiger, schwehers freiid gemehrt, 
Mein leben auch errett gentzlich, 
Als der groß fisch wolt fressen mich, 
Dir wider gholffen umb dein gsicht. 


5 Uns hat er vil güts zügericht, 


Wir könnend ims vergelten nicht. 

Jedoch, mein vatter, ich dich bitt, 

Das du im wöllest bieten an 

Den halben theyl, so ich bracht han 

Von aller meiner güt und hab. 

Ich meyn, er sol sich gnügen drab. 
Tobias der alt. 

Ich will in außher heyssen gehn, 


Wend wirs im geben zü verstehn, 
11* 


163 





BY ten LALA ny | ww ADA anda sa assay 2.22 2.400 w 


[N1b] Bracht kleynot, gelt, deßgleich auch vich: 


475 


4780 


4785 


4790 


Und nim ftir git, bittenn wir dich. 
Raphael. 

Dem gott von himmel danckend beyd, 

Sein lob verktindend weit und breyt, 

Das er etich die gnad erzeygt hat! 

Der künig und der fürsten rath 

Soll man heymlich halten und still; 

Gott aber söllches haben will, 

Das man sein gútthat, seine werck 

Soll herrlich preisen. Drauff hie merck! 

Das gbett mit fasten, allmüsen 

Ist besser denn vil schatz samlen 

Von edlem gsteyn, silber noch gold. 

Darumb ihr das wol mercken solt, 

Allmüsen löset von dem todt, 

Tilckt auch die sünd in aller noth, 

Haltet die menschen bey dem leben; 

Aber die gottlosen (merck eben) 

Bringen umbs leben selber sich. 

Nun aber will die warheyt ich 

Jetz gentzlich machen offenbar, 

Den heymlichen befelh ftirwar. 


Ale dn wavntact an hertrlirh sehr 


Tobias, 9. akt, 8. scene. 


Ich dein gebett getragen hab 


[N2a]Hinauff als für den höchsten gott. 


4810 


4815 


Dieweil dich nun der herr lieb hot, 

Da müßt es also mit dir gohn; 

Denn on anfechtung mochst nit bstohn, 

Auff das du würdest recht bewert. 

Nun hat mich gott gesandt auff erd, 

Das ich dich von dem leyd erlößt, 

Damit du wider werdest gtröst. 

Den bösen geyst ich auch vertreib, 

Der wont umb Sara, dein sons weib. 

Merck, ich bin Raphael fürwar 

Und einer auß der engel schar 

Der siben, welche vor gott stohn. 
Tobias der alt. 

Ach gott, wie soll es gehn uns beden, 

Soll hie mit uns ein engel reden! 

Raphael. 

Seind [nur] getróst und fórcht euch nit! 

Stond auff und mercken mich hiemit, 

Was ich euch sag, und glaubens satt! 

Der herr diß also gschaffen hatt. 

Dem sagen lob und danckt im schon, 

Das ich so lang bei euch thet gon! 

Ir hand gemeynt, ich eß mit euch 

Und trinck eim andern menschen gleich; 

Ich brauch aber gantz unsichtbar 


Ein speiß, welcher kein mensch nimpt war. 


Nun ist es zeit, ich müß mich scheyden, 
Wider faren zü dem mit freüden, 
Dem gott, so mich zů euch gsandt hat. 


[N2b]Den preist, verkündt sein wunderthat! [ab.] 


4835 


Tobias der jung. 
Lieber engel, wa bist hin kommen, 
Warumb hast uns nit mit dir gnommen ? 
Mein vatter, du solt wissen das, 
Dieweil der engel bey mir was, 
Ist mir mein hertz in freyden 


165 





Raphael bend der LA des, 
Vor gott stoht er in seinem thron, 
Der siben englen einer ist, 
So vor gott stohn zú aller frist. 
Achior. 
4855 O herr, [wie] groß sind deine wunder, 
Das du uns thüst die gnad besunder 
[N3a] Und schickest uns den engel dein. 
Erschrocken ist das hertze mein, 
Sobald ich immer solche wort 
48580 Von dir, mein freündt, jetz hab gehort. 
Nabath. 
In meinem leib ridert mein gblút, 
So ich bedenck des herren gút, 
Das er sein heylgen engel werd 
Zú uns soll schicken auff die erdt. 
4565 O herr, dir sey in deinem reich 
Lob, ehr immer und ewiglich. 





Tobias, 9. akt, 8.—9. scene. 


Sare. 
O gott in deinem höchsten thron, 
Wie hastu mir so güts gethon, 
Hast mich errett in meiner noth! 
Drumb danck ich dir, herr, frü und spot, 
Mein hertz wend sich nimmer von dir. 
Bitt, herr, wölst die gnad geben mir. 
Hanna. 
Erst bekenn ich mein grosse schuld, 
Darbey mein grosse ungedult, 
So ich mit meinem haußwirt trüg, 
Als ich in nicht kundt schelten gnüg, 
Da er so vil vertrawet gott. 
O herr, vergib mir die mißthat! 
Denn ich sieh, du bist deren fretindt, 
So trewlich auff dich hoffen seindt. 
Tobias der alt. 
O herr ein grosser starcker gott du bist, 
Dein reich gantz ewig weren ist. 


[N3b]Du züchtigest und tröstest wider, 


4885 


4900 


Du stiirtzest in die hell darnider, 

Du kanst auch wider außher ziehen, 
Deiner hand niemands kan empfliehen. 
Ir kinder Israel, lobt den herren, 

Vor den heyden in preisen, ehren! 
Denn darumb hat er euch zerstrewt 
Under die heyden also weit, 

Welche den herren kennen nicht, 

Das er in erzelt sein geschicht 

Und wunder, das sye sehen frei, 

Das sonst kein ander gott mehr sei. 
Er hatt uns züchtigt umb die sünd, 
Und durch sein güt hilfft er uns gschwind. 
Seht, was er an uns hat gethon! 

Mit forcht und zittern lobt in schon 
Und preisend seine werck so güt 
Des, der ewig regieren thüt! 

Ich will in preisen æ 


167 


Tobias, 9. akt, 9. scene. 10. akt, argument. 169 


Die wünschen, das dein sach wol steht. 
Mein seel lobet den herren git; 

4910 Jerusalem er auffrichten thüt 

[N4b] Und sie von allem trübsal lösen, 

Von allen üblen und dem bösen. 
Wol mir, so die von meinem gschlecht 
Werden sehen, so es steht recht 

495 Umb Jerusalem der statt pforten. 
Schmaragd, saphir an allen orten 
Und edelgstein an der statt mauren 
Wird versetzt werden sonder dawren, 
Mit weissem edlen marmelsteyn 

4950 Werden gpflastert dein gassen gmeyn. 
In allen gassen mit begirdt 
Man Halleluja singen wirdt: 
Globt sei der herr, der sie mit nammen 
Erhöcht; sein reich bleibt ewig, amen. 


10. akt, argument. 
Argumentator (der sagt das letst argument; geht jeder an sein ort.) 

4955 Vernemend all, nach diser gschicht 
Als Tobias gwann sein gesicht 
Widerumb, lebt er noch fúrwar 
In gsundtheyt zweiundviertzig jar 
Und sah seiner kindskinder vil. 

4960 Als er nun reycht seins alters zyl, 
Thet hundert zwei jar auff im haben, 
Starb er, ward gantz ehrlich begraben 
Zü Ninive, in welche statt 
Salmanassar in gfüret hat 

4965 Gefangen und vil juden mehr. 
Sechsundfiinfftzig jar was alt er, 

Da ihm die blindtheit zhanden gieng; 
[N5a] lm sechtzigsten sein gsicht empfieng. 
Doch eh er von der welt schied hin, 

290 Gewann sein son vil schóner són, 

Mit welchen der alt hat vil freydt. 
Er gab in auch vor | 








al) 8 RER 
E 


Tobias der alt. 
Mein son, gang, bring dein kinder her! 
Dann sie zů sehen ich beger. 
Gott will mich nemen von der erd, 
Des ich vor langem hab begerd, 
4% Als ich vier jar erblindet gar, 
Welchs dann derselben zeit hie har 
Ist es auff zweiundviertzig jar. 
[N5b] Ich hab lang gnúg gelebt fürwar ; 
Dann ich hab hundert jar auff mir 
3000 Und zwey jar mehr, das sag ich dir. 
Tobias der jung. 
Vatter, es bringt mir schmertzlich weh, 
Das ich die wort von dir versteh; 
Dann ich gern lenger wer bei dir. 
Tobias der alt. 
Gang, bring dein weib und kinder mur, 









>| 











Tobias, 10. akt, 1.—2. scene. 171 


5005 Damit ich in den segen geb! 
Ich glaub nicht, das ich morn erleb. 


10. akt, 2. scene. 


(Tobias der jung, Sara, Jesaias, Jeremias, Hesechiel, Daniel, Hosea, 
Joel, Ammos.) 


Tobias der jung. 
Sara, gang, bring all deine sön! 
Beim vatter ich gewesen bin; 
Er ist sehr schwach, wolt sie gern haben. 
5010 Lieber saum dich nit mit den knaben! 
Sara. | 
Nun kommend eylens, lieben kind! 
Ir kompt umb ewern besten freünd, 
So ir je hand auff erd gehan. 
Ewer großvatter, der frumb man, 
5015 Der würdt sich von uns scheiden hin. 
Jesaias. 
O liebs drauts giildins miterlin, 
Soll mein großvatter nymmer leben, 
Wer will mir dann mehr weißbrodt geben ? 
Sara. 
Mein liebes kind, nun schweig nur still! 
5020 Der ewig gott das also will. 
Jeremias. 
[N6a]O du mein lieber großvatter, 
Wer will mir jetzundt kramen mebr? 
Ich bin nie kommen in dein hauß, 
Mit lehren henden gangen drauß. 
502% Ach, soll ich kommen nim zů dir, 
Wie will doch immer gschehen mir! 
Hesechiel. 
Geklaget sey ein solcher tag, 
Das mein großvatter zü beth lag. 
O weh und ach, wird er mir sterben, 
60890 So müß ich jamers halb verderben. 
Wo soll ich auß, wo soll ich hin, 
O du lieber. großvatter mein! 


Hosea. 
Ich klag dirs, gott von himmelreich, 
3040 Das du mich beraubst jemerlich 
Meins draut lieben grofvatter alt. 
O todt, mit deim grausamen gwalt 
Wie darffst ein solchen frummen man 
So erschreckenlich greiffen an! 
Joel. 
5045 Brüder, du thust in dem nicht recht. 
Du weyst, das gantz menschlich geschlecht 
[N6b] Mü&ß also durch den todt zergehn, 
Gar niemand mag im widerstehn ; 
Wiewol mir auch bringt grosse pein 
5050 Der abscheyd des großvatters mein. 
Ammos. 
Ach allerliebster brüder mein, 
Laßt uns dem herren danckbar sein, 
Das er dem großvatter hat geben 
In ehren so ein langes leben! 
5055 Ach, wer es doch nit umb in gschehen, 
Das ich ihn noch einmal möcht sehen! 
Sara. 
Seind still! Wir seind schon vor der thir. 


Komnt inher. leben kind. mit mir! 





Tobias, 10. akt, 2.—8. scene. 173 


Jesaias. 
Was thüst, lieber großvatter mein ? 
Ich bitt, wólst lenger bey uns. sein. 
Tobias der alt. 
Seind willkum, ihr mein lieben kind, 
Ich frew mich, das ihr hinnen sind. 

5065 Hórend mein wort und thins verstehn! 
Ninive wird bald undergehn ; 

Denn gwißlich wird des herren wort 
Nit fehlen ja an keynem ort. 
In Meden aber wird es doch 

5070 Ein lange zeit frid haben noch. 
Unßre brüder auß Israel, 

[N7a]So zerstrewt sind in angst und quel, 
Die werden wider allesand 
Gantz frólich kommen in ihr land. 

5075 Welches land jetzund gantz wüst leit, 
Wird widerumb belont der zeit, 

Und das hauß gotts, so was verbrant, 
Wird wider gbawen allessand. 
Dahin all die versamlet werden, 

5080 Die gott fórchten auff diser erden. 
Die heyden auch semlicher massen 
Ire götzen werden verlassen, 
Kommen in Jerusalem wonen 
Mit iren kindern und matronen; 

5085 Denn all heyden und künig groß 
Werden sich dein frewen on maß, 
Den gott Israel betten an. 

Solchs gschicht als, sollend mich verstohn. 
So hör du, meiner kinder schar, 

5000 Ewren vatter und nemend war! 
Dienen dem herren solcher gstalt, 
Gantz rechtschaffen euch zú im halt 
Und thünd, was er gebotten hat, 
Lerts ewer kinder frü und spat 

30% Und heyssend sie allmäsen geben, 
Auch gott fórcht 


4 





t 
Vai 





NA Tate 
in disem 


| | spy. 
Verborgen ` was es will, 
5115 So das man sich darinn soll schawen 
Wie in eim spiegel mann und frawen! 
Denn ir sehend, wie es uns lert, 
Von einr tugent zür andern kert. 
Erstlichen weißt es uns gar fein, 
5120 Das wir barmhertzig sollen sein, 
Wie denn Christus, das ewig wort, 
Lert klerlich in Mattheo dort. 
Lucas am fünfften auch erzalt, 
Hebreos am zweyten dergstalt 
512 Sagt, das auch Christus gwesen sey 
Barmhertzig. Drumb ein jeder frey 
leb solichs an dem nechsten sein, 
Wo man sicht warer notdurfft schein. 
Theyl mit den armen frü und spat, 
[N8a] Wie dich Tobias gleret hat! 
Bey im ler auch dein gastung halten, 





5135 


5140 


514) 


Tobias, 10. akt, 3. scene. Beschluß. 


Vor allen dingen gottsforcht walten! 
So dir gott ein creütz sendet zů, 
Nimbs an mit gedult spat und frü, 
Wie dich Tobias leret das, 

Welcher vier jar gesessen was 

In seiner blintheyt, grossen schwer, 
Noch ward nie ungedultig er. 

Wenn du in solchem leiden bist, 

So rüff gott an, der gwaltig ist! 

Er wird gwißlichen senden dir 

Ein güten engel, (glaub du mir) 

So dich tröst in dem leiden dein. 
Wenn denn gott dir abnimpt die pein, 
Solt du im auch sein danckbar drumb. 
Hiemit schirm euch in einer sumb 
Der höchste herr, gott Sabaoth, 
Einiger herr und warer gott. 

Der geb uns alls, so uns noth ist, 
Durch sein lieben son Jhesum Christ, 
Bscher uns sein friden allensamen. 
Die das begeren, sprechen amen. 


@ Getruckt zü Straßburg, 


bey Jacob Frölich. 


M. D. LI 


— iu. 


175 





(Heidelberg 1578). 
1) Zu s. 8, hinter v. 45: 


[A8a] Zuvor unserm gnedigsten churfürsten und herrn 


we 


3135 


[B4a] 


5165 


[B6a] 


Sampt ihrer churfürstlichen gnad gemahl reich, 
Auch sampt deren junger herrschafft gleich, 
Der edlen gestrengen ritterschafft, 

Den[!] achbarn und ehrwürdigen priesterschafit 
Sampt einem erbarn wollweisen raht 

In diser weitberümten churfürstlichen statt. 


2) Zu s. 16, hinter v. 334. 


Dem meine söhn auch günstig seind. 
Darumb ich sie nit halt zu freünd, 

Schwör auch bey meiner konigliche[n] kron, 
Sie werden empfahen iren lohn. 

Dann ich fürwar darnach wil streben, 

Wie ich sie bring all beid umbs leben. 


3) Zu s. 21, hinter v. 471: 


Dann so ich am leib mein eigen kind 
Will straffen, darumb das sie seind 
Den juden so günstig über mein gebott, 
So schwär ich hie bey meinem gott, 
Will vil mehr euch zu straff sein breit, 
Die ihr allein mein diener seid. 

Wenn ihr dann stehn den juden bey, 
So solt ihr sein der straff nit frey. 


Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 177 
75 Du arger jud, du schnöder wicht. 
Ich will dir jetzund helffen gleich, 
Das du kompst in dein himmelreich, 
Da wirst hinfaren sonder schaden, 
Ja ich meyn, da die gänß inn baden; 
5180 Dann dir mag hie nit werden bag. 
Ich schlag dich nider in das gras. 


5) Zu s. 28, hinter v. 694: 


[C3b] Laufft schnel, ihr schnöde juden beydt! 

Hand ir nit gehört des künigs bescheid, 
Das keiner soll kein juden vergraben ? 

5185 Darvon wend ihr nit lassen aben. 
Den grabzeig wil ich ligen lon 
Und wil ihn auff dem füß nachgohn, 
Wil sehen, wo sie ir herberg han, 
Das ich mein gsellen zeige ahn. 

519 Zuvor hab ich betrachtet, das 
Es sey der alte Thobias, 
An dem kein warnung helffen will. 
Ihr lieben geseln, nun schweigen still 


6) Zu s. 31, vor v. 755: 


[C5a] Der 5. actus, soll auch gesungen werden. 
Tobias der alt. 
O hertzliebster vatter Naboth, 
5195 Ich bitt dich durch den milten yott, 
Du wollest mich verwaren eben. 
Der kiinig stellt mir nach dem leben, 
Sollen darvon mit lassen ab. 
Ein juden ich vergraben hab, 
5200 Sein gwardi-knecht hand mich erschlichen; 
Vom grab do ward ich schnel gewichen 
Und gieng noch meiner behausung schon, 
Auff dem füß thetten sie mir nachgohn, 
Stunden algemeinlich vor der thir. 
5205 Wann sie es dem kiinig legen fiir, 
So gibt er ihnen befelch und gewalt, 
Das sie mich darinn holen balt, 
Dann kost es mir mein leib und leben. 
R 
5183 ghört DE — bscheid DE — 84 keinr DE — 88 wos DE — 
93 geseln nun] gsellen E — vor 94 Der 4. actus, musica D — 94 hertz- 
lieber DE — 5201 da war DE — 02 bhausung DE — 08 thetends DE 
— 04 all gmeinlich DE — 05 sies DE — 06 ihn DE — gwalt DE. 
Wickram VI. 12 


or 
paá 
o 





[D5a]. König schreit. 
O mordt, was zeigstu mich alten mann ! 
5225 Hab ich dir doch kein leid gethan. 
Sisserach. 
Solchs hast mir sampt meim bruder gund; 
Jetzt hast dein theil zu diser stund. 
(spricht weitters.) 
Ich mein, ich hab in recht antroffen, 
[D5b] Mit disem dolchen in angloften 
5230 Und im ein stich so tieff bald geben, 
Das er schon hat geend sein leben. 
Simri. 
So werden wir furbas sein frey 
Und fürter leben ohn allen schey. 
* 

5209 Lieber vetter DE — 11 manchmal E — gsagt D — 14: 
fehlt DE — 15 bontel D — was d hast D — 18 f. die abweichung 
von DE s. unten v. 5764 — 20 stelts an bsonder DE — 22 Gnedigs 
DE — und auch DE — 23 euwrem bger DE — 24 bis 27] fehlen | 
— vor 28 schaltet E 18 neue verse ein (unten v. 6299 f.) — 31 hat sch 
D — 33 one schey D. 





0235 


[D6a] 


0245 


5200 


Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 179 


Damit aber gstilt werd unser sachen, 
Wöllen wir uns ins lossament machen. 


9) Zu s. 46, hinter v. 1220: 


Der achtest actus, sollen auch die instrumenta gehört 
werden. 
Hoffmeister. 
Nun hörend wunder, ir herren all, 
Von einem erschrecklichen fall ! 
Sich hand des königs söhn entpört 
Wider den vatter (hab ich gehört) 
Und haben in heint umb mittnacht 
Mit einem dolchen umbs leben bracht. 
Ligt noch im palast in dem blut. 
Marschalck. 
Das ist ein bottschafft nit sehr gut. 
Wie ist doch imer das zugangen, 
Wer hat den lärmen angefangen ? 
Cantzler. 
Hab ich nicht manigmal gesagt, 
Ueber sein tyrannische weiß geklagt, 
Gott möchts die läng nicht unterlon, 
Würd in darüber straffen thun, 
Da er die juden mit grosser gfär 
Zu todt ließ schlagen hin und här, 
Die ihm doch nützend in dem land, 
An welchen er kein schuld nicht fand! 
Kamerling. 


[D6b] Ist ihm das widerfaren dis nacht 


5255 


5260 


In abwesen seiner gwardi und wacht ? 
Nächt spot da thet ich von im gohn, 
Dann er wolt mich nit bey ihm lohn. 
Nun schlag sanct Veltins leiden drinn, 
Das ich nit bey im bliben bin! 

Marschalck. 
Herr cantzler, ir macht mir verlangen, 
Wie es dem könig sey ergangen. 

* 


Vor 5234 schaltet E 10 neue verse ein (v. 6317 f.) — 34 aber] nun 
DE — vor 36 Der 7. actus musica D; Actus 3 scena 3 E — zu v. 86—48 
vgl. oben s. 53, v. 1410—1417 — 36 Nun] fehlt DE — 39 ghórt DE — 
41 eim DE — 42 Ligt in dem pallast noch im E — auf 45 folgen in E 
8 neue verse (v. 6327 f.) — 47 tyrannisch weyß klagt DE — 50 die] 
DE — 54 Ists DE — das] fehlt DE — 55 seinr gward DE — auf 61 
folgen in E 6 neue verse (6335 f.). 


12 * 


180 Georg Wickram, 


Cuantzler. 
Ich wils ench jetz in gemein sagen 
Und nimm verschwigen bey mir tragen. 
Zu gschehnen dingen soll man fürwar 
5205 Reden das best obn als gefar. 
Ir herrn, ir wißt ohn zweiffel wol, 
Wie er hat d juden gehaßt zumol. 
Auch in dem thet er darnach ringen, 
Sein beyde söhn umbs leben z bringen. 
5970 Darumb sie größlich wurden erzürnt 
Und machten ein vertrag gschwind, 
Wie sie irm vatter das firkemen, 
Der in begert das leben zu nemmen. 
Drumb hat in Sisserach dis nacht 
575 Mit einem dolchen umbs leben bracht, 
Also das er jetzund hinfort 
Kein juden mehr bekiimmeren würdt. 
Damit vertädigt würdt die sach, 
Sa wil ich nit vil wort mehr mach, 
so) Allein so merckend mich gar eben, 
Ob ich ein guten rhat köndt geben! 
Dieweil der alt künig hat sein end 
Und wir ein andern wählen wend, 
[D7a] So thut under den brüdern ein erlesen, 
528) Welcher die kron am besten mag verwesen ! 
Simri. 
lr herrn und freünd, was ıst der raht, 
Das ir so lang auff dem platz umbgaht ? 
Marschalck. 
Ir jungen herrn, wir haben vernommen, 
Ewer herr vatter sei umbs leben kommen, 
5200 Welchs mich erschreckt, so ichs erfar. 
Doch als er so blutdürstig war, 
So übel mit den juden schafft, 
Acht ich, das in gott hat gestrafft. 
Drumb berathen wirs ohn all geferd, 
* 

5263 Und nimr D, Nimmer E — 64 geschehnem ding D, gschehn 
dingn E — 65 alle gfar DE — 67 ghat DE — 70 Drumb DE. 
73 zu] z DE — 75 eim DE — 78 sachen DE — 79 machen DE — | 
kong DE — 84 undern brüdern erlesen DE — 85 Der könn die kr 
am bast verwesen DE — 87 lang] fehlt DE — auf 87 folgt in E: | 
euch etwas gelegen an | Schwerlichs, so zeigend es mir an! — 88 har 
DE — 89 Der konig sey DE — 93 ich in gott habe E — 94 brathen | 
rahten E. 





5295 


5900 


5305 


Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 18ł 


Welcher under euch zweyen kônig werd. 
Sisserach. 

Mein vatter war ein groß tyrann, 

Darzu ein blutdürstiger mann. 

Alzeit so thet er darnach ringen, 

Mich und mein bruder umbs leben z bringen. 

Als wir nun solchs wurden gewar, 

Bin ich im selbs gwesen darvor 

Und hab mich hinnacht an inı grochen, 

Hab in mit einem dolchen erstochen. 

Darumb darffs nit vil disputieren, 

Die sach wil ich zum ende fieren. 


10) Zu s. 47, hinter v. 1236: 


Hoffmeister. 


[D7b] Herr cantzler, marschalck, gohn mit mir, 


5310 


5315 


Den küniglich sitz zu holen schier, 
Das schwerdt, den zepter und die kron! 
Ir zween trabanten solt mitgohn. 
Cantzler. 
Marschalck, sagt ich nit offt, disen man 
Kan gott nit ungestraffet lon 
Von wegen seiner sund und schmacht ? 
Jetz hand in sein eigne sohn umbbracht, 
Simri den eltren wölln wir krón. 
Gott wöls im geben zu verstehn, 
Das er nit regier land und leut 
Wie sein vatter bey seiner zeit, 
Das er ließ d juden schlagen z todt, 
Darzu bey leib und gut verbott, 
Das niemandt die nit solt vergraben. 
Ich hoff, wir wend ein gnedigen künig haben. 
Marschalck. 
Mein hertz thut auch in solcher hoffnung schweben. 
Ach wenn in gott nur lang ließ leben! 
Hoffmeister. 
Hie ist schwert, zepter und die kron. 
Gfalts euch, so wolln wirs fahen an, 
Ihn setzen in sein herrligkeit. 
Gott der bewar ihn alle zeit, 
* 


5295 konig D — 99 umbzubringen E — 5303 eim DE — 07 köng- 
klich D, könglichen E — 10 offt] fehlt DE — 13 seine sohn DE — 
21 Ich hoff] fehlt DE — gnädign E — kong D — 22 Ich thin in DE 
— auf 28 folgen in E 20 neue verse (6341 f.). 





odo) 


0360 


[Dsb] 


nderthanen, le 
wehren allem laster und 
Und üben die gerechtigkeit 
In seinem land ohn underscheid, 
Richten dem armen als dem reichen; 
So wird es gott umb in vergleichen. 
Herr cantzler, merckend mich gar eben, 
Den zepter sollend ihr im geben 
In seine hand ohn alle klag, 
Das man darbey erkennen mag, 
Das er ein gekrönter künig sey! 
Nun habt ihr ghort, ir herren drey, 
Die mein wort wol hand vernommen; 
Dem thund all fleißig nachkommen ! 
Hoffmeister. 
Durchleuchtig großmechtiger herr, 
Ihr habt ghort ewers bruders bger, 
Das man euch zum konig kronen soll. 
Solchs mich erfrewt hertzlichen wol, 
Nun setz euch nider auff den thron, 


* 


0331 seim DE — 33 zu] z DE — 41 gscheh DE — gstalt DE — 44 ki 
klich D — 47 welchem DE — 58 krönter DE — 63 bger DE — 64 kong 


0375 


0380 


3885 


5890 


Ela] 


5395 


5400 


Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 


So setz ich euch auff die kôniglich kron, 

Dieweil das haupt und der verstandt 

Das fürnembst mag werden genant. 

Dieweil das euch die gnad jetz hat 

Mitgetheilt der gnedig gott, 

So werd ir mit der kronen ziert, 

Welch euch vor einem andren gebiert, 

Zum zeugnus, das ir habt gewalt 

Zu gebiten über manigfalt. 
Marschalck. 

Durchleuchtiger künig hochgeboren, 

Dieweil das ich bin außerkorn 

Euch zu geben das weltlich schwerdt, 

Wies ewer bruder hat begert, 

So nempt das hin in ewer handt, 

Darmit zu beschirmen leut und landt! 

Der ewig gott woll ewer pflegen 

Und wolle euch geben seinen segen, 

Woll euch in gsundheit reformieren, 

Das ir das schwerdt lang zeit mog[t] fiern. 

Cantzler. 

Durchleuchtiger hochgeborner künig reich, 

Hie übergib ich euch den zepter gleich. 

Den zepter werdt ir zum zeichen tragen, 

Den friden allzeit lieb zu haben, 

Ewer underthanen sanfftmütig zu regieren, 

Mit in ein zuchtig leben füren, 

Sie beschützen und schirmen alle zeit. 

Simri konig. 

Das helff mir gott in ewigkeit. 
Hoffmeister. 

Dieweil wir in jetz krönet haben, 

So mercken auff, was ich wil sagen! 

Das fürnembst wird von noten sein, 

Und das wir gohn zum künig hin 

Und unsern dienst begeren wider, 

Wie uns sein vatter hat gehalten sider, 


Ob er uns laß beim selben eidt, 


* 


183 


5367 d kongklich D, die konglich E — 71 Mitgetheilet DE — 73 
im DE — 75 bietten DE — 76 kong D — 77 das] dann DE — 81 
wchirmen DE — 83 woll DE — 86 Durchleuchtig DE — kong DE — 
8 ir] fehlt DE — 90 Ewr E — underthon D — zu] z DE — 91 ihnen D — 
2 schützen schirmen DK — auf 93 folgen in E 172 neue verse (6361 f.) 
- 94 bekrönt DE — 99 vatter ghalten DE — 5400 bey seinem E. 





5410 


5415 


[Elb] 


5425 


Von unser aller wegen bat 

Umb dienst mit einem solchen bscheidt, 

Ob er uns bey dem alten eydt 

In seiner krönung bleiben ließ. 
Credentzer. 

Das ist mir warlich kein verdrieß. 

So kommend alle sammen mit! 

Kan ich etwas außrichten heut, 

Bin ich gantz willig und bereit 

Zu volbringen ewren bescheidt. 

(Credentzer zum könig.) 

Herr, auß gewalt der götter schon 

Bsitzt ir den küniglichen thron. 

Drumb kommen wir, o künig reich, 

Bitten umb dienst demútigklich. 

Denn unser jeder insonderheit 

Mit willn und fleiß ist bereit 

Sein alt ampt wider zu versehen. 

Wie dann vormaln ist beschehen 

Bey alter pflicht und eydt, so wir 

Hand thon, so wolln hinfürter wir 

Uns in des kiinigs dienst nit sparen. 

Das soll ewer mayestat erfaren. 

Simri. 

Der dienst der sey euch zugeseyt. 

Ich laß euch bey dem alten eydt, 

Den ir meim vatter hand geschworn. 

Darin sich keiner nit soll sparen, 

Handlen. wie varmals ist hesehehen. 


Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 185 


5485 So wurd euch alles lob verjehen. 
Credentzer. 
Das dancken wir dem künig gleich, 
Wünschen im glück in seinem reich. 
Simri zum marschalck, 
Marschalck, nempt von mir hin das schwerdt, 
Welchs ir vor mir füren werdt, 
5440 Damit ich der grechtigkeit nit vergiß, 
Dem armen als dem reichen miß! 
Marschalck. 
Herr künig, gott geb euch den segen, 
Zu wandlen stats auff seinen wagen! 


11) Zu s. 51, hinter v. 1344: 


[E23] Dann ich hab kürtzlich hören sagen, 
5445 Diejenigen, die in kronet haben, 
Die seyen schon genommen an. 
Frisch auff, wir wend mitnander gan. 


12) Zu s. 54, vor v. 1448: 


[Esa] Der neundt actus, soll man orglen und gesungen werden. 
Der Thobias unnd die trabanten gehen in die schatzkammer; dieweil 
geht Hanna und der jung Thobias wider zu haus. 


Thobias der jung. 
O herre gott von himmelreich, 
Deine gaben seind wunderbarlich. 
5450 Ich hor, der alt künig sey tod, 
Der meinen vatter vertriben hat. 
Simri sein sohn tregt jetzt die kron, 
Hat meinen vatter suchen lon 
Und will in wider setzen ein 
5455 Inn all die hab und gütter sein. 
Komm her, hertzliebste mutter schon! 
Wir wollen wider heime gohn 
Und unsers vattern warten bhendt, 
Biß ihn der künig heyme sendt. 
5460 So wollen wir in fragen frey, 
Wie es im beim künig gangen sey. 
* 
5436 Deß DE — 39 ir offt vor DE — 40 ich] fehlt DE — vergeßt 
DE — 41 gleich als D — meßt DE — auf 43 folgen in E 10 neue verse 
(6541 f.) — 45 kronnt DE — vor 5448 Der 8. actus, musica D; Actus 8 
scena 5 E — 50 Nun hör ich, der konig DE — 51 mein DE — 58 vat- 
ters DE — 61 Wies DE. 





5470 


5475 


Drumb thund all wıt mir trolich sein 
Ir trabanten, tragens mir herein! 
Sisserach. 

Bruder, aus freundtlicher begir 

Kumb ich zu reden jetz mit dir. 
Simri. 

Du thust gar recht an disen dingen, 

Dein zukunfit thut mir groß freud bringen. 

Darumb so kumb herein zu mir! 

Zu reden hab ich vil mit dir. 

So kummend auch ir herren all 

Mitnander dort in jenen saal! 


14) Zu s. 63, hinter v. 1702: 


[Flb] Der 11. actus, soll gesungen werden. Nach disem 


[F2a] 


der bettler für des Thobie tisch. 
Bettler. 
Gott gesegne euch das trincken und essen, 
Wie ir allhie zu tisch seind gsessen! 
Ich habs warlich erfaren bald, 
Ein würdtschafft halt Thobias der alt 
Mit seinen freünden in gemein; 
Drumb bin ich kommen herein. 
O lieber Tobias, merck mich eben, 
Hast mir einmal ein rocklin geben. 
Hett ich das nit von dir empfangen, 
Wer mir den winter übel gangen, 
Ich glaub, ich müßt erfroren sein. 
O hertzlieber Thobias mein, 
Ich bitt, gib mir ein stücklein brot, 
Das ich mit büß des hungers not! 


Tobias, Thomas Schinids zusätze (C). 187 


Thobias deralt. 
Sehe hin, nimb dieses fleysch und brot! 
Es wolle dich der ewig gott 
Speisen in seinem himmelreich, 
54% Da frid und wunne ist ewigklich. 
Bettler. 
O lieber Tobias, hör mir zu! 
Wer jedermann so trew als du, 
Kein grösser frewd wolt ich begeren, 
O wie wolt ich mich so wol erneeren! 


Über ein kleine weil nach dem spruch redet Naboth. 


15) Zu s. 73, vor v. 2008: 


Thobias der alt. 
[F7a] Thobias mein sohn, kumb zu mir 
Und hor, was ich befilhe dir! 
Gang hin zu unseren freunden bhend 
Und frag sie fleissig an dem end, 
Ob in kein leidt sey widerfaren, 
5505 Weil sie noch auff der straßen waren, 
Als sie von maltzeit giengen. 
[F7b] Ach soh[n] frag fleißig nach den dingen! 
Thobias der jung. 
Vatter, ich wil sein bereit 
Außzurichten deinen bscheidt. 


16) Zu s. 122, hinter v. 3517: 

[K2a] Da du solst bleiben ewiglich, 
Biß an den jüngsten tag mein ich. 

[K2b] Du hast dein gwalt lang gnug thun treiben 
Und gemeint, es soll ungerochen bleiben. 
Nun aber sichstu, was jetz gott 

5015 Durch mich außricht, sein werden bott. 

Drumb streich fort an, mach nit vil wort, 
Biß das wir kommen an das ort, 
Da du in nötten, bang und klag 
Must bleiben bif an jüngsten tag. 


17) Zu s. 124, hinter v. 3599: 


[K4a] Gabel Gretta. 
5020 Wie gehts, mein lieber ASmodoth? 
* 


5495 wunn DE — 96 O] fehlt E — 5502 unsren D, unsern E — 08 
gantz bereit DE — 09 Zü richten auf DE — bescheidt DE — 12 gnug 
getriben E — 17 Biß wir da E. 


Iva YLLACı Ta Cupei alITLWIU ALLAU AIGIAL 
Wie ich für Sara kammer kam, 
Da wolt ich Thobiam auch umbbringen, 
Und thet mir solche kunst mißlingen, 
5530 Und bandt mich so hart an dise kette. 
Ach 108 mich ab, mein Gabelgretta! 
(spricht weiter.) 
Es steckt etwas in schlússel. 
Gabel Gretta. 
Ein dreck auff deinen rüssel! 
Du darffst mir nicht vil darvon sagen, 
5535 Ich will dir bald den kopff zerschlagen. 
Du hast mich nechten gebetten zuhand, 
Ich sol dir thun ein beystand; 
So hastus ohn mein wissen allein 
Gethan und mir nicht gefolgt fein, 
540 Sonst het ich dich geloßt mit"disem schlissel. 
Da hastu eins auff deinen rüssel, 
[K4b] Du bosser verlogner dropff, 
Du wüster dicker mollenkopff. 
Ich will wider faren ins hellisch reich 
5545 Zu meinen andern gesellen gleich. 
Darumb magstu woll hie bleiben stan, 
Von mir solstu kein húlff nicht han. 


18) Zu s. 138, hinter v. 4030: 


[L2b] Raphael spricht zum Thobia und Raguel 
Der ewig gott wöll euch behüten 
Mit seiner vätterlichen güte 
550 Und erhalten zu aller stund, 
Biß ich wider komme frisch und gsund. 


ym ©. -. a... "ova e I- 





ahl > 


0009 


[Lda] 


[M2a] 


8575 


3080 


Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 


So wöllen wir frölich ziehen hin, 

Auch auff dem weg gantz frölich sein, 

Biß wir kommen zu Gabelo schon 

Und ihm als geben zu verstohn, 

Wie mich mein bruder hat gebetten, 

Das ich ihn denn soll so vertretten. 

Ich wils als außrichten dem knaben, 

Das er an mir kein klag sol haben. 
(Singendt.) 

Nuh wöllen wir singen mit begier. 


19) Zu s. 153, vor v. 4466: 


Schäffer. 

Ihr ziehen da vornen mechtig schnell, 
Und scheint die sonn ohn massen hell. 
Wann ir das treiben ein tag oder zwen, 
So wurdt das vieh nimm mögen gehn, 
Von hitz so würdt es müd und schwach. 
Darumb so ziehendt allgemach! 
Wann ihr so schnell wolt ziehen hin, 
So solt der teuffel ewr schäffer sein. 
Dann ich bin jetz worden betrogen; 
Heut morgen, da wir auß seind zogen, 
Da hatt ich mich nicht vermessen, 
Das ich müßt sein so lang ungfressen. 

Tobias der jung. 
Mein lieber schäffer, laß dir sagen, 
Soll ich dir kaß und brot nachtragen ? 
Darumb solt du mich recht verstohn, 
Heut morgen soltst versehen hon, 
Soltst käß und brot in sack han gstossen, 
So hetst auch zu fressen auff der strassen. 
Damit aber das vieh nicht werde schwach, 


[M2b] So magst wol ziehen allgenıach. 


5585 


Ich und mein gleidsmann werden von euch weichen, 


Ihr möcht wol allgemach hernacher streichen. 
Scheffersknecht. 
Ziehe du fort an, mein lieber herr, 
(Auff uns darffstu nicht warten mehr) 
2 


189 


5559 im d sachen soll vertretten E — 62] fehlt DE; vgl. weiter un- 
ten v. 5936 — vor 63 Actus 4 scena 6 E — 63 ziecht E — 65 oder] 
ald DE — 69 weltend D — 70 So] fehlt E — 81 s vieh nicht werd 
DE — 83 werdn D, wern E — 84 allgmach DE — nacher schleichen E 
— 85 Zieh DE. 


A dC 





: 100, VOL Y 
[M3b] Hanna Thobie 
Thobias, bleib ein klein weil hie! 
Ich will gohn schen, wann oder wie 
Es doch stehe umb unsern sohn 
5610 Und das er nicht will kommen thon. 
Ich wil gehn schawen in das land, 
Ob mir sein zukunfft würd bekannt. 
Thobias der alt. 
[M4a] Ey ja, gang hin und sieh dich umb, 
Ob unser sohn doch iergent kumb! 
5615 Sichst ihn herkommen autf grüner heid, 
Soch [!] verkünd mir solch grosse freud! 
Hanna Thobie. 
O freud, freud über freüd! 
Dort sieh ich auff der grünen heyd 


* 


5590 der von jaren DE — 92 erkeichen E — 95 güttig DE - 
5603 Wo hasts E — 04 und füß D, im leib E — 05 ich] mich DE - 
hitz DE — auf 06 folgt in E eine weitere schäferscene (6942 f.) — v 
07 Actus 5 scena 1 E — 10 Umb DE — 15 herkon D, herkommn E - 
16 So DE. 





Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 191 


- Herkommen meinen lieben sohn. 
3620 Das will ich gehn verkünden thon 
Seim blinden vatter gantz frölich. 

Er würd im hertzen frewen sich. 


(Laufft eilendt zum Thobia und sagt.) 


21) Zu s. 157, statt v. 4550—4551: 


[M4b] Mein son hast mir gsundt wider bracht. 
O wie hab ich so manigmal gedacht, 
3625 Es sey euch etwas widerfaren, 
Dieweil das ir so lang auf waren! 
Nun hor ich, das er ist noch gsundt. 
Das danck ich dir zu aller stund. 


22) Zu s. 160, hinter v. 4659: 


[M6b] Thobias der jung. 
Vatter, es thut erfrewen mich, 
5680 Das du hast wider dein gesicht. 
Sichstu nuh dort einher gohn, 
Da dir mein gleydsman saget von, 
Sara, mein allerliebste fraw ? 
Gar fleißig und eben sie beschaw ! 
Thobias der alt. 
5635 Biß willkumm, hertzliebste tochter mein! 
O wie möcht mir immer baß gesein 
Auff disem gantzen erdtrich, 
Weil ich hab wider mein gesicht, 
Das ich jetzunder sehen kan 
3640 All meine freund, die vor mir stohn, 
Und auch meins liebsten sohnes weib, 
Mit dern ich als mein leyd vertreib! 
Komm her, hertzliebste tochter mein .. 


23) Zu s. 167, hinter v. 4880: 


[N2b] Thobias der alt. 

Ihr lieben freundt, ich bitt euch all vorauß, 

5645 Daß ir gohnd wider heim zu hauß 

Und dancken dem allerhöchsten gott, 

Der uns die gnad gegeben hot, 

Das er sein heylgen engel wert 

* 
5624 meng mal gdacht D, manchmaln gdacht E — 27 noch ist DE 

81 Sichest du D — 34 bschaw DE — 35 liebste DE — 36 sein DE — 
37 erdterich DE — 44 euch] fehlt DE — 46 danckt D. 


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5870 Den frommen, so in meiner foreht 
Gelebt und mein gebott gehorcht, 
Dem Adam, Seth und Noah, 
Abraham, seinem sohn Isaac, 
Jacob, Joseph und Daniel, 
2675 Kha, David und Samuel, 

Anania, Misael, Assarias, 

Raguel und diesem Tobias. 

Deren kinder ich behüt 

Durch Raphael meinen engel gut 
3680 Sampt andern mehr in grosser zahl, 

So mich in nohten anrüffen all. 

In diesen hiemit der gantzen welt 

Ein lebendig exempel fürgestellt, 

* 

5649 aschicket hat D — 50 alle D — 51 liebe D — glößt D — 
vor 52 Der 11. actus, musica D — 52 komm D — 55 zu] z D — 57 
gsicht D — 60 allsamen D — 61 göttlichen] fehlt D — 63 meim D — 
64 bschehen D — 65 gsehen D — 66 geben D — 67 mein D — 72 und 
dem D — 74 und] fehlt D — 78 ich steht D — 79 mein D — 81 not D 
— 83 fürgstelt D. 


E 
la E 





Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 


[N3b] In meiner forcht gleichfalls zu leben, 


5685 


Darmit zu erlangen das ewige leben. 


24) Zu s. 171, hinter v. 5026: 


[N4b] Ach liebes guldes mutterlein, 


5689 


[N6a] 


5690 


[N6b] 


5710 


Woh soll ich auf, woh soll ich ein! 
Dieweil mein großvatter jetz will sterben, 
So muf ich jammers halb verderben. 


25) Zu s. 174, vor v. 5107: 


Der herolt sagt den beschluf. 


Za lob unserm gnádigen churfúrsten 

(Nach gottes wort thut ir gnaden dúrsten), 
Zu lob ihrer churfürstlichen gnaden gmahl, 
Insonderheit deren junger herrschafft all, 

Zu lob allen herrn und stenden 

Gott wöll allen sein heyligen engel senden 
Und ihn allzeit wohnen bey, 

Mit seim heyligen geyst selbs bey ihn sey, 
Damit sie rühig leben ein lange zeit, 
Sanfftmüttig regieren land und leuth. 

1) Zu lob der edlen gestrengen ritterschafft, 
Der achbarn und ehrwürdigen priesterschafft, 
Gott in auch die gnade verleihen wolle, 

Das sie gotts wort führen sollen 

Also fortahn zu aller zeit 

In allen landen weit und breit, 

Darmit doch die gottlose rott 

Für gott möcht werden zu schandt und spott; 
Zu lob eim erbarn wolweisen raht 

In dieser weitbrhümpten churfürstlichen statt, 
Gott woll ihn auch sein gnade geben, 

Das sie regiern in langem leben 

Und gutem frid ihr underthon, 

Damit sie vor gott mögen bestohn. 


* 


5685 zerlangen s ewig D — 88 Weil DE. | 
1) Holzschnitt wie auf bl. A8a: Herold mit baret, kurzem 
mantel, kurzen pluderhosen, degen und scepter, auf der brust einen 
doppeladler. 


Wickram VI, 


193 





5730 


3785 


BYE 


[A6a] 


314) 








Der mag wol an& der gselschafft tretten, 
Das hettend wir in jetzmal betten, 
Auft das der sprüchen und geschicht 
Mencklichs dest baß empfach bericht. 
Drumb sey im jederman vor schaden, 
Das er nit muß mit naren baden 
Und dann ein jeder thue verjehen, 
Es sey dem narren recht geschehen, 
Sein lohn trag er verdient darvon. 
Hierbey so wil ichs bleiben lon 

Und jetzund mich nit lenger saumen, 
Sonder den blatz den weisen raumen. 
Nit mehr dann seind still diesen tag, 
Nun merckend, was der herold sag! 


2) Zu s. 9, statt v. 87—102: 


Seinr freunden thandt thet er verschetzen 
Und sein sach heim dem herren setzen. 
Es gibt uns auch diß spil verstand, 

Wie gott der herr mit seiner hand 

Die seinen wunderlich erhalt 










Tobias, zusätze der Sanct Galler bearbeitung (D). 195 


In lieb und leid so manigfalt 
5750 Daheim und an der frömbde fer; 
Sie seiend auff landt oder meer, 
Werdend sie doch von gott gregiert 
Und durch sein engel außgefürt, 
Biß daß sie ab der frombde fliehen 
5755 Und in das himlisch heimat ziehen. 


3) Zu s. 19, statt v. 430—443: 


[B5a] Herold des königs. 
Wolhär, ir gsellen, auff die fart! 
Die arbeit wer mir lieber gespart. 
Dieweils müß aber also sein, 
5759 So wil ich mich gleich schicken drein. 


4) Zu s. 23, hinter v. 545: 


[B7a] So dunckt mich s königs meinung güt, 
Darmit der juden übermüt 
Gemindert und gestilt mög werden; 
5768 Man solt sie dilcken von der erden. 


5) Zu s. 38, hinter v. 973 (vgl. oben s. 178, v. 5218): 


[C8a] Der sibendt trabant. 
Hie ist das gelt und silbergschir, 
5765 Gnedigster kónig, welches wir 
Bringend auf argen juden hauß. 
Wir hands ersächt durch auf und auf ; 
Alls, was da was, bringend wir her 
Nach euwer mayestet beger. 


6) Zu s. 184, hinter v. 5413: 


[D8b] Derersttrucksäß. 
5770 Weil Simri an seins vatters statt 
Die regierung angnommen hatt 
Und im das zepter und die kron 
Sein brüder nun hat willig glon, 
So wend wir für ihn frolich trätten, 
5775 In freundtlichen umb dienst auch bätten. 
Der ander trucksäfß. 
Du redst gar wolbedacht von sachen. 
Wir wend uns auch zum könig machen; 
Ich hoff, er werd uns nicht versagen 
Und unser begern nit abschlagen. 
x 
5763 tilgen E. 





(E7b] 


[E8a] 


OTN 


Jetzt redt der erst wider. 
Es gfalt mir wol. Drum wend wir gon 
Und im die sach befelhen thon. — 
Credentzer, wie ir fir ander herrn 
Gleich werdend für den könig keren, 
Also thund uns auch nit versaumen, 
Damit wir mögend dienst bekommen ! 


7) Zu s. 59, hinter v. 1580: 


Abel. 

Ach wellest mich beim leben lan, 
Hab ich dir doch kein leid gethan ! 
Erbarm dich über mich ellend, 
Dein freflen zorn doch von mir wend! 
Müß es aber ye also sein, 
So bitt ich gott den herren mein, 
Er woll mir gnad und stercke geben, 
Das ich im todt und auch im leben 
Von hertzen und mit mund verjeh, 
Daß sein göttlicher will geschech, 
Auff das durch disen abscheid mein 
Geheilget werd der namme sein. 

Nimroth. 
Kein bitt wirt dich jetzund erretten; 
Auff disem plan wil ich dir betten. 
Hey jud, nimb von mir disse kappen! 
Da hast fürwar ein güte schlappen, 


Mirar) han lA Ain, sen] BEE EN 


Tobias, zusätze der Sanet Galler bearbeitung (D). 197 


8) Zu s. 70, hinter v. 1908: 


[F6a] Bettlerin. 
Lieber Thobia, es ist mein bitt, 
5815 Du wellest uns etwas theilen mit. 
Laß mich so vil gnad bey dir finden 
Mit meinen vatterlosen kinden! 
Dann wo du uns nit bietst dein hand 
Sampt andren frommen in dem land, 
5820 Ich müßt fürwar gar hunger sterben, 
Mit mein kleinen kinden verderben. 
Tobias der alt. 
Sehin, nimb dise gaab von mir! 
Durch gottes willen gib ichs dir. 
Bettlerin. 
Der herre, der gott Israel, 
5825 Bhüt dich vor aller angst und quel 
Und segne dich zü allen zeiten! 
Drum ich ihn mit mein kinden bitten. 


9) Zu s. 99, hinter v. 2787: 


[H7a] Vor augen han den herren gott; 
So werd er gwüß on allen spott 
5880 Von im bewart in aller noth 
Im gantzen leben und im tod. 
Es lehrt auch diß spil manigfalt, 
Wie gott der herr vors teuffels gwalt 
Bewaret hab Thobiam fromm. 
5835 Darbey lern du in einer sumn, 
Das Belial nit mehr vermag 
Zü jeder zeyt, sey nacht ald tag, 
Dann im von gott wirt zügelassen, 
Welcher die seinen gleicher massen 
5840 Durch gutte engel thüt bewaren, 
Das ihn gar nicht mag widerfaren, 
So schedlich ist an irem heil 
Auch mit dem allermindsten teil; 
Ja das die engel dienstbar sind 
5845 Den außerwelten gottes kind. 
Der engel fürt den lieben Loth 
Von Sodamma auß feures noth. 
Drey Daniels gsellen gleicher gstalt 
* 
5821 Und mit mein klein E — 28 gotte E — ich sie E — 87 ald] 
und E. 





"Watton TUE A 
nimmermebr, = © — ll 





10) Zu s. 101, hinter v. 2849: 
[Jla] IL 


Der herr für uns mit seiner hand 

5875 Gen Rages in der Meder land 
Und leit uns frolich wider har, 
Das uns kein arges widerfar. 
Kyrieleison. 


II. 


Leer uns, o herr, den rechten weg 
5880 Und zeig uns auch den himmelsteg, 
Das wir nach diser bilgerfart 
Wonend beyn heilgen englen zart! 
Kyrieleison. ; 


* 





9893 alles E — 54 seiner gfäncknuß E — 73 grewen | 





Tobias, zusätze der Sanct Galler bearbeitung (D). 199 


11) Zu s. 107, vor v. 3036: 
[J4b] Der 2. actus. Musica. 
Cantzler redt weiter. 
Vom kénig hab ich wol vernommen, 
588 Sein bruder werd bald zu ihm kommen 
Von wegen gar wichtiger sachen, 
Die sie auff heut zum end wend machen. 
Ich hoff, es werde sein nützlich 
Dem könig und seim gantzen reich, 
5890 Kan aber hierbey wol ermessen, 
Sisserach werde mit ihm essen. 
Drumb dunckt mich gut, daß man bey zeit 
Sich rüst mit breitschafft jeder zeit, 
Mit speiß und tranck und andrem allem. 
58% Solchs wirt dem könig wolgefallen. 
Marschalck redt auff den cantzler. 
Die sach mir fürauß wolgefalt, 
Dieweil die brüder solcher gstalt 
In frid und einigkeit thund leben, 
Das mag dem reich bstendigkeit geben. 
5900 Darumb sind wir schuldig mit fleiß, 
Das alles breit sey sampt der speiß, 
Gut achtung geben auff dißmal, 
Das neut versaumpt werd überal. 
Ich sich aber den hoffmeister schon 
595 So geschwind und schnell dort einhar gon. 
Gwüß wirt er auf königs befell 
[J5a] All sachen fein zurichten schnell. 


12) Zu s. 107, statt v. 3056 bis 3059: 
[J5a] Simri. 
Dein zukunfft ist mir lieb und werdt; 
Dann grösser freud auff diser erdt 
5910 Kan und mag mir nit widerfaren. 
Die gótter wellend dich gsund sparen! 
Nun komm, wir wend in sal hinein, 
Ein werder gast solt du mir sein 
[J5b] An meiner tafel, wie es zimpt. 
5915 Demnach, so man wider aufnimpt, 
Wend wir hinaus spacieren gohn, 
Zu hof die ráth und diener lohn. 
s 
vor 5884 Actus 2 scena 1 E (das voraufgehende argument unten 
v. 6628) —90 darbar- R — 92 dunekts E — 5908 nichts E — 14 wies sich E. 





[K2b] 


5930 
[K3a] 


[L7a] 


Dersibendttrabant. 
Mein gsell, du bist nit unrecht dran. 
Die meinung ich auch vor mir han, 
Will lieber in der gwarde bleiben 
Dann weib und kind vom hauß vertreiben 
Und jederman sein überlegen 
Mit rauben, beuten, kistenfegen. 
Doch dunkt mich jetz von nothen seyn, 
Das einer gieng gantz still hineyn 
Zu dem pallast, das er verstand, 
Ob man auffheb, und uns zuhand 
Deß gebe fleißigen bericht, 
Damit wir uns versaumen nicht. 
Der dritttrabant. 
Ich will gehn eilends lauffen dar, 
Euch bringen wider bottschafft har. 
(Kompt wider und spricht.) 


14) Zu s. 139, statt v. 4032—4035 


Da singt der engel mit sampt dem gefer! 
(1.) In gottes namen farend wir, 
Seiner gnaden begeren wir; 
Deß vatters güt behüt uns heut, 
Beware unser seel und leyb. 
Kyrieleyson. 
(2.) Messias sey unser gleittsman, 
Bleib stettig bey uns auff der ban 
Und wend von uns deß feindes list, 
Auch was seim wort zuwider ist. 
Kvrielevson. 


Tobias, zusätze der Sanct Galler bearbeitung (D). 201 


(3.) Der heilig geist auch ob uns halt 

Mit seinen gaben manigfalt, 

Tröst, stercke uns in aller not 

Und für uns wider heim mit gott. 
5950 Kyrieleyson. 


15) Zu s. 158, hinter v. 4591: 


[N2a] Blind mann. 
Lieber Thobia, sich doch an 
Mich arbeitselgen blinden man 
Und teil mit das allmüsen dein, 
Nun was dein gütter will mag sein! 
5955 Wie andrer dich thfist erbarmen, 
So sich an mich blinden armen! 
Thobias der alt. 
See hin, nun [?nim] dise gaab von mir! 
Durch gotts willen gib ich sie dir. 
[N2b] Blind. 
Der herr gott vergelt deine gaaben, 
5960 Mit denn du thust die armen laben. 
Er well dich segnen gnedigklich. 
Hie im zeyt und dort ewigklich. 


16) Zu s. 174, hinter v. 5106: 


[03a] Esaias, 
O großvatter, wie gern ich wott, 
Das ich mit dir von hinnen sott! 
59%5 Dann muß ich fúrhin on dich seyn, 
Wirt mir ein grosse schwere peyn. 
Führ mich mit dir ins himmelreych, 
Damit ich werd den englen gleych! 
Jeremias. 
Nun bhüt dich gott, großvatter mein. 
5970 Verleich mir gott die gnade sein, 
Daß ich der schönen leere dein 
Allzeit könn gflissen, ghorsam sein, 
So du mir vor deim end hast geben! 
Dann wurd ich gwüß mein gantzes leben 
59775 Zubringen nach gottes gesatz ; 
[03b] Wer mir der allerbeste schatz. 
Hezechiel. 
Der gott, der allen gibt das leben, 
Woll uns nach dem ein bessers geben. 
+ 


5956 sich auch an E — 62 in E — 68 wolt E — 64 solt E. 


A sh 


i 
7 + i 


pœ 
1 
i + 





‘Bit RN rah Gone A 
6000 Zur herrligkeit erwecket werd. 
Thobias der alt. 
Nun bhüt euch gott, mein lieben kind, 
Der geb, das ich euch wider find 
[O4a] In dem himmlischen paradeyß. 
Doch sehend und volgend mit tleyf 
6005 Den elteren und gott vorab, 
Daß er euch für sein kinder hab! 
All in gemeın. 
Gott woll uns sein gnaad darzu geben, 
Bscheeren nach dem ein ewigs leben. 


Beschluß deß andren 
Ihr frommen christen allesampt, 
6010 Ein yeden nach seim titel gnampt, 
Der ihm gebürt von ehren wegen, 
Weyl ihr auch disen tag zugegen 
Erschinen sind zu der kurtzweyl 
x 
5987 zlosen E — 91 Solln E — 93 Obs E 
dann E — 08 Bescheren E. 








| 


tags. 


— 6005 Den eltern und 


Tobias, zusätze der Sanct Galler bearbeitung (D). 


Und christenlichem burgerspyl, 

Deß danckend wir euch gantz freundtlich 
Allen in gmein und sonderlich, 

Wiewol uns gar nicht zweyflet dran, 

Wir habend vil zuseher ghan, 

Die machend drauß ihr gspött und glechter. 
Das sind die spötter und verechter, 
Welche allein dem gend den preyß, 

So grichtet ist nach ihrer weyß; 

Das ander, so sie nit verstond, 

Gar nit ungelesteret lohnd. 

Darnach so sind auch deren vil. 

Die söllich übung und kurtzweil 

In gmein verwerftend und verachtend; 
Weyl sey vorab nach Mammon trachtend, 
Haltend sie den allein fúr gschwind, 

Der täglich neuwe list erfindt, 

Das zeitlich gut hauffecht zu mehren. 
Was aber dienet gott zu ehren, 
Deßgleich dem gmeinen nutz zu gut, 


[04b] Dardurch def menschen sinn und muth 


6085 


6045 


6055 


In rechter maaß wirt geregiert, 
Auch zu gutem verstand gefürt, 
Daßselbig als thund sie verachten. 
Das müssend aber gar nit achten, 
Die ihr gemüt, sinn und verstand 
In gschrifft und bücher grichtet hand; 
Doch wünschend wir ihn auch darneben, 
Daß ihn gott beßren sinn thu geben. 
Neüt dester minder achtend wir, 
Es seiend auch, die mit begir 
Solche kurtzweyl gesehen handt, 
Dieselben wend wir han ermandt, 
Daß sie die lehren und geschicht, 
Deß uns das spyl gibt guten bricht, 
Zu hertzen faßınd, bhaltind wol. 
Darbey lehrn jeder, wie er sol 
In seinem ampt getrewlich handlen 
Und in der forcht deß herren wandlen; 
Und was ihm drüber widerfart, 
Wie bitter s sey, rauch oder hart, 
Sol er befelhen seinem gott, 

s 


203 


6026 solche E — 31 häufig E — 40 In d schrifft E — Nichts 
desto E. 


6065 Hiebey so will ichs bleiben lon; 
Spilleut, blaßt auff! Wir wend darvon. 


End. 


3. Zusätze Johann Yetzelers (E) 
(Schaffhausen 1605). 


1) Zu s. 7, statt v. 1—42 (aus Georg Gotthar 
von zerstörung der statt Troia 1599, bl. B2a- 


[B2b] Zum eingang des spils. Der narr spricht: 
Ich bin der erst und heiß Hans Lapp, 
Das secht ir wol an meiner kapp. 
Und wer ich nicht der erst im spil, 
6070 So schüff man nichts, wers glauben wil. 
Ich hab mich dester eh her gmacht, 
Hab nächt’gstudiert die gantze nacht, _ 
Drumb daß ich bin der erst im buch. 
Wann irs nit glauben wolt, so sucht, 
[B3a] ')So werdt irs finden also bar. 
Verstehn es recht, so heißt es narr. 
Weil an meim ampt nit wenig leit, 
So lant mir hie den platz frey weit, 
Damit ich könn herumb spaciern 
6080 Und s miillers thierlein mit mir führn. 
Wann ir schon meynt, ich sey allein, 
So wirdt das thierlein bev mir sein. 





Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 


Mit dem ich treib mein federspil 
Und reitt das tierlein offt und vil. 


[B3b] Als ich heut frü nun war auffgstandn, 


6030 


6100 


6105 


6110 


[B4a] 


6120 


6125 


6130 


Der tag noch nit vast war verhandn 
Und mich halb schlaffert bald angleit, 
Hab ich erwischt das narrenkleyd, 
Habs do erst gsehn, wie ich erwachen, 
Eylends mich thet zum spiegel machen. 
Als ich drein lugt, da sach ich schnell 
Ein stockvisch, gar ein schön gesell. 
Da hab ich in [der] eyl dermassen 
Ein schönen hut in ermel gstossen, 
Wann ich her käm zun leuten fremd, 
Daß ich in dann auffsetzen köndt. 

Ich glaub, ich muß in herfür nen 

Und muß der kappen urlaub gen. 

Ich mein, ich habs getroffen recht. 

Ey wie ein schönes hütlein, secht! 

Bin ich dann so ein schöner lapp, 
Daß mirs alls wirdt zur narrenkapp, 
Was ich stoß in den ermel mein! 
Hab gmeynt, ich solt ein doctor sein; 
Vergebens hab ich lang gstudiert, 

Ich hab den narrenbrey z fast grührt. 
Nun weil ich hab ein kappen für, 

So will ich lugen, wa ich gspür 
Etwan ein gut gselln und gespan, 
Dem dise kappen wol stind an. 

Ders maul und d füß nit baschgen möcht, 
Dem müßt sein dise kappen recht. 
Wer auch z fast hie wolt fürhin stahn 
Und nit von seinem schwetzen lahn, 
Dem wolt ichs understehn z vertreiben, 
lhn wol mit meinem kolben reiben, 
Daß etwan einer wurde wöllen, 

Daß er sich het thun züchtig stellen. 
Nun welcher mir hie volgen wirdt, 
Fein züchtig sein und lahn ungirt, 
Daß man uns möge hören wol, 

Danck und preyß von uns haben sol. 
Wer aber wolt zu jedem wort 

Lachen und schreyen: Luge dort, 
Was thut derjenig, was thut der, 

Bey meiner kappen ich im schwer, 
Ich wurd in bald beym er 


205 


za À 
- 





Sie woller iepr chaffen ger 
Mein kölben auch fein rhhwig jahr: 
Darff keinen damit z boden schlan, 
Weil sie sich halten also still; 
6160 Groß lob ich ihnen geben will. 
Ich sich jetz schon den herold kon, 
Er wirdt mich nit mehr reden lan. 
Meins bleibens ist hie gar nit meh, 
Ade, ade, ade, ich geh. 


2) Zu s.9, hinter v. 66 (aus Gottharts Troia 1599, bl. B4b—B5a): 


[B5b] Was kan man doch der jugendt eben 
Bessers, nutzlichers immer geben 
Dann sie allzeit zur tugendt weisen ! 
Welchs der weiß mann hoch thut preisen; 
Im achten er gar heiter meldt, 

6170 Die weißheit sey on end der welt, 

[B6a] Von jugendt auff hab er die gliebt, 
Ir nachzustellen fleissig gubt. 
Ja wer gmeinsame hat mit gott, 
Der lobt ir herrligkeit on spott. 





6175 


6180 


6185 


6190 


6195 


[B6b] 


6200 


[B7a] 


[B7b] 


6210 


Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 


Im dreyssigsten der Syrach spricht: 

Wer sein kind liebt und hasset nicht, 
Under der ruth und straff es heb, 

Damit er frewd an im erleb. 

Wer sein son laßt durch weißheit lehren, 
Der schwächt sein feind und thut ihn bschwören. 
Nun was man schitt in newe gschirr, 

Das thut man in dem alter spürn. 

Also ists mit der jugendt gstalt; 

Was man ir fürbildt, sie gern bhalt. 

Thut man für ihn stäts fressen, sauffen, 
So gibt es gern ein tollen hauffen; 

Spilt vor in, schmecht, schwört und flucht, 
Darbey wirdt sie auch gern verrucht, 

Ja ungottsförchtig rauhe gsellen. 

Wann sie dann etwan vorstahn sollen 

Zu irer zeit dem gmeinen nutz, 

So gibt es nichts dann winterbutz; 

Kein hilff noch raht man je nit find 

Bey solchem ungezognen kind, 

Dardurch offt z grund geht statt und land 
Durch solcher leuten unverstandt. 

Zeucht man sie dann durch tugent recht, 
So zierend sie ir freund und gschlecht; 
Kompt offt zu gut dem gmeinen mann, 
Wo man solchs regiment kan han. 


3) Zu s. 10, statt v. 109— 200: 


Argument oder inhalt des ersten tags in gmein. 


Thobias, ein hebraisch mann, 

Von Hanna zeuget einen son; 

Auß Nephtalim dem edlen stamm 

Er sampt seim weib den ursprung nam, 

Kompt gfangen ins assyrisch reich, 

Die mutter und der sohn deßgleich, 

In Ninive sein wonung hat. 

Die gnad im bald der könig that, 

Daß er möcht ziehen durch das land, 

Sein mitgefangnen bietten d hand. 

In Meden trifft Gabelum an, 

Dem er bey zehen pfund hat glan 

Auff widergeben. Was erschlagen 

Von heyden, thet er stäts begraben, 
* 


6207 wohung E. 


207 




















Lg lurch de: ‚era Türkon : 
Hie kompt im d sinn, das gbett zu gott 2 
Am besten helff in aller noht. 
Kein achtung def Senacheribs hat, 
6240 Außrüffen ließ er ein mandat, 
Das, wo im land ein jud erschlagen, 
Solt er da liegen unbegraben; 
Begrub in jemands, auff der stett 
Er leib und gut verfallen het. 
6245 Das was ein grub darumb gemacht, 
Daß wurd Tobias drein gebracht. 


4) Zu s. 16, hinter v. 332: 


[C3a] Senacherib, kónig. 
Thymnat, was rahten ihr hierinn? 
Was duncket euch in ewerm sinn 
[C3b] Von Tobia dem judsgnossen, 
6250 Der sich keinswegs will warnen laßen ? 
Thymnat. 
Weil ihr, herr kónig, mich fragt an 
* 


7 
| 


vor 6231 Augumentum E. 








[C7b] 


5265 


[C8a] 


(F3b ] 


6285 


Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 209 


Von Tobia dem jüdischn mann, 

Wolt ich ihm noch ein warnung thun, 
Ob er wolt vom vergraben lahn 

Der juden, so werden erschlagen, 

Und kein gmeinsam mehr mit ihn haben. 
Wa ich somlichs mehr von ihm hort, 
Wolts mit ihm machen an ein ort. 


5) Zu s. 22, vor v. 498: 


Musica, Argumentum actus II. 
Nachdem Tobias hat vernommen, 
Was für befelch vom könig kommen, 
Ist er der sach erschrocken sehr 
Wie auch sein lieber freund Asser. 
Und als sie sich des gnug erklagen, 
Geht Asser heim und wirdt erschlagen. 
Den corpel nemmendt ohn gewalt 
Thobias jung wie auch der alt, 
Legend ihn heimlich in die erden, 
Hoffend, man solls nit innen werden. 
Was gschicht? D trabanten horendts graben, 
Drumb eylendt sie ihn nach thun jagen. 
Schnell aber seind sie grissen auf 
Und gflohen in def Naboths hauß. 
Hie zwischen wurden sie gesucht; 
Da mans nit fand, der kong verrucht 
Dem fluchtigen alls, was er findt, 
In sein schatzkammer zu sich nimbt. 


6) Zu s. 37, vor v. 938: 


Argumentum actus III. 
Senacherib der konig war 
Ein groß tyrann, kompt drumb in gfahr 
Seins leibs und lebens bey sein kinden, 
Da mans nit het gedacht zu finden. 
Erstochen wurd er in seim tempel 
Allen tyrannen zum exempel. 
Tobias hort, das all sein gut 
Der kong hab gnommen in sein hut, 
Nimbts gdultig auff, steht drumb nit ab, 
Gibt stewr den armen biß ins grab, 
Deß konigs tod gar bald außkam, 
Der älter son die kron auffnam; 
Die raht, truchsessen und trabanten, 
Deßgleich all ander hofsverwandten 


Wickram VI. 14 





> Ls a ERA 


(Simri und Sisserach sampt beiden brüdern trabandten un 


() Zus. 178, vor v. 5228: 


[E8a] Senacherib der alt konig, als ihn sein sohn - 


O wee, o wee der grossen noht! 
6300 Wer sticht mich mit dem dolchen z tod? 
O Baal, dich [!] meinr bitt gewehr! 
Hilff mir! Meins bleibens ist nit mehr. 
Simri, der älter sohn def kónigs, bettet, nachdem 
stochen. 
O Jupiter, du hochster gott, 
[E8b] Erbarm dich diser grossen noht, 

6805 Daß ich, deßgleichen nuch mein bruder 
Müssend umbs leben bringen leyder 
Unsern vatter, den tyrann groß! 

O gott, verzeyh uns gnadig das, 
Dieweil wir dif thun haben mussen! 

6310 Dann er uns beyde gleicher massen 
Nach unserm leben hat gestelt, 

Die gotter habens nit gewolt. 
Sonder uns bhüt vor tyranney! 
So wollend wir fürohin frey 

6315 Besser regiern das konigreich. 
Darzu helff uns gott gnidigkleich. 


8) Zu s. 179, vor v. 5234: 
IFERb] Auch unsers lebens fürohin 


[F2b] 


[F3a] 


[F4b] 


6345 


6350 


[Esa] 


Tobias, zusútze Johann Yetzelers (E). 


Het er lieb ghabt die grechtigkeit. 
So wer es nit komn in dif leyd. 


9) Zu s. 179, hinter v. 5245: 


Gwiß hand in seine sohn umbbracht; 
Das hab ich gar manchs mal gedacht. 
Thymnat. 
Ich hab heut in der frú verstanden, 
Eh der tag recht war verhanden, 
Der könig sey kommen umbs leben. 
Aber wie sich das hab begeben, 
Möcht ich bey mir selbs nit erfinden. 
Es steckt gewiß ein butz darhinden. 


10) Zu s. 179, hinter v. 5261: 


Verschwigen solt irs nit mehr tragen 
Und uns den handel in gmein sagen. 
Dann es nit länger z warten ist, 
Weil wir dann all zu diser frist 
Ein andern konig müssen haben, 
Der fürter die kron thue tragen. 


11) Zu s. 181, hinter v. 5323: 


Mich dunckt, er wurde wol regieren, 

Daß er sein lob nit werd verlieren. 

Mit weißheit ist er wol begabt, 

Darzu mit betten frü und spat 

Gegn gott, dem allmächtigen vatter. 

Er mahnt mich gleich an Salmanassar, 

Der sein großvatter gwesen war, 

Regieret auch löblich vil jar. 

Derhalb bin ich guter hoffnung, 

Er werd uns halten in einr summ 

Und könig Salmanassar schon 

In alle weg nachschlagen thun. 

So hand wir dann ein gnádign herrn; 

Von im wolt ich mich nit bald kehrn. 
Thymnath. 

Ir herrn, es thet mir gfallen wol, 

Daf man den Simri krónen sol, 

Weil er der älter ist im reich; 

An tugendt findt man nit seins gleich. 

Ich hoff, er werd regieren wol, 

Wie sichs eim könig zimmen soll. 


14 * 


211 


~ 


So sollend ir in trewen wissen, 
Daß ich mich allzeit will beflissen, 
Euch samptlich mit könglichen gnaden 
6370 Will mächtig sein und wol begaben. 
Beyneben so will ich auch euch 
Bey alter freyheit lassen gleich. 
[F7a] Dargegen solt ir wie bifher 
Euch halten wie trewe diener, 
6375 Damit das unser königreich 
Erhalten werde stätigkleich 
Durch gut policey und regiment. 
Die götter verleyhend uns das end, 
Daß wir im frid, auch in ruh leben, 
6380 Regiern one falsch trew eben. 
Darzu helffen uns die götter all, 
Ir lob bey uns mit frewd erschall! 
Nachdem er gekrönt ist, spricht Sisserach zu den 
Jetzund ist alles außgericht, 
Was bey krönung eins königs bschicht. 
6835 In königlicher mayestet : 
Ich sehe meinen bruder bstät. 
Nun woll alles Assyrien 
Mit frolocken im zuschreyen: 
Lebe der könig, der konig leb, 
6390 In grosser ehr und glory schweb! 
(Sisserach zu seinem bruder, dem könig. 
Mein bruder nit alleine mehr, 
Sonder mein gnädig kong und herr. 
Zu diser schonen thewren kron 





6410 


6415 


[F8a] 


6425 


6435 


Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 


Das sich Assyrier regiment 

Erstrecke weit und breyt on end, 
Kein könig sey für euch gewesen 
Eins so mächtigen thuns und wesen ! 
Ewer nam werde weit bekandt 

Und erschalle durch alle land, 

Das, wann man nur von ewerm pracht 
Und von der unerhörten macht 
Wirdt ein klein geschrey vernemmen, 
Jedermann muß stracks bekennen, 
Daß die unüberwindlich sey, 

Für der niemandts sicher noch frey. 
Darzu ein frewdigs langes leben 
Wöllen euch auch die gotter geben, 
Und [was] sonst mehr für glück auff erden 
Mag einen grossn könig werden. 

— Allein, allein thu ich jetz führen 
Ein underthänigs supplicieren, 

Daß ir allzeit haben in acht, 

Was ewrn vatter umbs leben bracht. 
Ihr habt erlangt ein grosses gut, 

Das mag euch wol bringen ein mut. 
Secht nur, das nit auß disem gut 
Entstehe etwan ein übermut, 
Welcher euch zu tyrannisiern 
Villeicht einmal möchte verführn! 
Gedenckt, das gott über uns ist, 
Welcher der könig hertzen sicht ! 
Alles, was dise thun und schlichten, 
Wirdt er nach gstalt der sachen richten. 
Groß ist zwar ewer herrligkeit, 
Grösser ist deß allmächtigkeit. 

Seiner hand niemandts [mag] entrinnen, 
Und solt einr übern himmel klimmen. 
Darumb ir meinen gringen raht, 

Bitt ich, wolt volgen in der that. 
Salmanassar gewesen ist 

Ein grosser könig lange frist. 

Diser unser großvatter war 

Und hatte grosses glück vil jar, 
Dieweil er recht und billichkeit 
Beschirmbte mit bescheidenheit. 
Einem jeden gab er sein sold, 

Keiner tyranney ward er hold. 


[F8b] Dem armen wie dem reichen bschach, 


21: 





[Gla] Und thu dir auch dancken n zugleich r 


6470 


647 


a 


a 


Deinr glückwünschung zum königreich. 
Gott woll, daß ich mich könn verhalten, 
Daß dir und andern potentaten 

Mein regiment gefiel zuhand, 

Damit ich recht regier das land. 

Ich wünsch dir auch von gottern all 
Vil glück, vil heyl, vil guts zumal. 
Dann mir gewißlich gar leyd wer, 

So dir nit gieng nach deim beger. 
Verhoff auch, werdst dich gegen mir 


6480 Verhalten, wie ich trawe dir. 


In einigkeit und statem frid 

Wollest verbleiben allezeit. 

So will ich mein köngreich erstrecken, 
Die grechtigkeit im land erwecken, 


6155 Den unfrid dampffen allezeit; 





Die hoftart sey von mir gar weit. 
Jupiter verleych, daß ich mich 
Verhalt wie mein großvatter gleich, 
Salmanassar loblicher gdachtnuS, 





6490 


Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 


Welcher vil guts hinder im ließ. 
Also hab ich gstelt mein datum, 
Im nachzuvolgen in einr summ. 
Der alt Tobias (verstehe mich) 

Soll gnad bey mir finden sicherlich, 


[G1b] Dann er ist ein auffrechter mann, 


605 


6515 


[G2a] 
6520 


6530 


Den will ich zu mir brúffen lan. — 

Jetzunder, lieber bruder mein, 

Setz dich in disen stul hinein! 

Dem mächtigen gott Jupiter 

Will ich jetzunder geben ehr 

Und im dancksagen umb die kron, 

So er mir hat auffsetzen lan, 

Und sonst umb andere gutthat, 

Die er mir gibt beyd frú und spat. 
(Das gebett nach beschechner krönung def konigs.) 

O du hochster gott Jupiter, 

Dir allein sag ich lob und ehr, 

Daß du mich auff den könglichen thron 

An statt meins vatters setzen thon. 

Dieweil er als ein tyrann stoltz 

Übermuth gbraucht hat offtennals, 

Auch die lieblich justitia gar 

Verkleinert hatte immerdar, 

Darumb du dann, mächtiger gott, 

Ihn gstrafft hast mit dem bittern tod. 

So will an disem ich fürwar 

Ein spiegel nemmen immerdar 

Und mich in meinem königreich 

Verhalten gegen menigkleich 

In trewen, vorstehn alle zeit 

Dem reich und arm mit bscheidenheit, | 

D justitia halten, wie es dann 

Gebürt eim könig lobesaın. 

Drumb bitt ich dich, o Jupiter, 

Deinr höchsten gnaden ich beger. 

Daß du wöllest mir allezeit 

Beystehn mit deiner grechtigkeit, 

Damit ich kondt regiern zugleich 

Mein erbland und auch konigreich, 

Auft das durch dises mein verwalten 

Mein lob erschall bey jung und alten. 

Dazu hilff mir, o Jupiter! 

Vor allen sey dir lob und ehr. 


[Hla] 


000 


65600 


bob) 





15) Z 
Konig Simri zum cantzler. 

Cantzler, gehet ir hin geschwind, 

Den herold mir eylends her bringt! 

Biet im, daß er sich nit lang saum, 

In seim heroldskleyd zu uns komm! 


16) Zu s. 54, vor v. 1448: 


Argumentum actus IV. 
Was dem Tobia ward entwendt 
Und wider vom kong zuerkendt, 
Das alles kompt im sauber z haufi, 
Klein, grosses, da nichts gnommen auß. 
Drauff stelt er bald ein malzeit an, 
Brüfft zu sich d freund von weib und mann. 
Weil aber lag dort auff der strassen 
Kin todter jud, kondt ers mt lassen, 
Steht auff vom tisch, thut in begraben, 
Laßt drüber d gast und Jie fraw klagen. 
Die todten als ein werde tracht 
Er über sein malzeit geacht. 








6570 


Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 217 


Dic werck der lieb gegen seim nachsten 
Im lagend an beym allerhöchsten. 

Drumb gibt er von seim tisch den armen 
Und thut sich der von hertzen erbarmen; 
Danckt ab den güsten, zvorderst gott, 
Daß er sie tranckt und gspeyset hat, 
Laßt jeden wider zu hauß gahn, 

Daher sie warend zu im kon. 


17) Zu s. 54, statt v. 1451—57: 


[H1b] Sey gtrost und bi8 nur wolgemut 


6580 


6355 


[J6a] 


6590 


53% 


(J6b] 


Und leb wie vor disem allzeit! 

Mein kúniglich gnad sey dir zugseit. 

So lang ich trag die koniglich kron, 

Will ich dich gwißlich nit verlahn, 

Wie auch dein gschlecht, dein weib und kind ; 
Bey mir allzeit genade findt. 

Gschicht dir unrecht, so klag es mir! 

Vor unglück ich auch sein will dir; 

Daran du gar nit zweyflen solt, 

Der grechtigkeit bin ich gar hold. 


18) Zu s. 72, vor v. 1963: 


Argumentum actus V. 
So lang das morden wert beyn heyden, 
Ließ im Tobias nit erleyden, 
Die todten juden zu begraben; 
Das sollen wir im noch heut nachsagen. 
In Meden Raguel der fromm 
Liesse sich trösten eben kaum, 
Drumb das sein tochter Sara ghan 
Biß in die siben gsunder mann, 
Die all durch todtes zwang getrendt 
Von ir, eh und sie die erkendt. 
Sathan diß werck im gar zumißt, 
Verhängnuß gotts hiemit vergißt. 
In dem zu Rages solchs beschach, 
Der alt Tobias gar nichts gsach 
In Ninive der werden statt. 
Darüber er vil glitten hat 
Von nächsten freunden und seim weib, 
Wie Job er doch gedultig blib. 
Hierumb ein engel wurd gesandt 
In Meden und Assyrier land; 
Der halff in beyden solcher gstalt, 


Wie in der engel hat gelehrt. 
Raguel in groß sorgen staht, 
6615 Nit gern zusagt, nit gern abschlagt, 
Bewilligt endtlich doch darein. 
Im namen gotts von güte sein 
Verspricht er ihr zur ehestewr zgeben 
Den halben theil; wurd ers erleben, 
6620 Da[s] er und Hanna gott befohlen, 
Das übrig alles soll er holen. 
Nachdem der heyrat also gmacht, 
Volgts heyratmal angehnds der nacht. 
Der beyschlaff auch wirdt angestelt, 
6625 Dem bösen geist sein macht entfelt, 
Durch Raphael wirdt er verjagt, 
Deß er sich starck umbsonst erclagt. 


20) Zu s. 199, vor v. 5884: 


[N3b] Argumentum actus II. 
Tyrannen wann gott nimbt eim land, 
Die underthanen friden hand. 
6630 Zu hof wird aller unwill gstilt, 
Einer den andern nit mehr schilt; 
Mit dem verstorbnen fahrt dahin, 
Was bey dem raht verdächtig gsein. 
[Ola] Das hat Senacheribs hof gespürt; 
6655 Nachdem er in dem tempel gmürdt, 
Sein söhn, die er nach im verlassen, 
Vergleichtend sich, und das dermassen, 


Dae eine dam undern d kran walt ennnen. 





[03b] 


[Pla] 


(P1b] 
6670 


6615 


Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 


Da warend fürsten und trabanten, 

Nit schonten sie allsampt den kandten. 
Darnach so kam ein post zuhand 
Gesandt auf dem Asayrierland 

Zu kónig Simri von deßwegen, 

Daß er sein vatter bracht umbs leben. 
Die ward verhört mit wenig wort 
Seins innhalts, darnach gschicket fort. 


21) Zu s. 108, hinter v. 3089: 


Schenck. 
Das kan mir ein feins gsindlein sein, 
Ich muß in geben guten wein; 
Dann sie seind allsamm wacker kunden, 
Ihrs gleichen hab ich nit vil funden. 
Eh einer sich het umbgekehrt, 
Hat ir einer zwey glaß außglert. 
Drumb muß ich in zusprechen nun, 
Welcher wóll den ersten bscheid thun. 


22) Zu s. 118, hinter v. 3390: 


Dererstedelknab. 
Wo werden doch die andern sein? 
Wir wölln jetzund zum könig hin. 
Es wurd sich sonst nit schicken wol, 
Wann der kong auff uns warten sol. 
Dann er von stund an wirdt außgohn. 
Der ander. 
Thu nit so letz! Wir kommn auch schon. 
Wir hond zeit gnug, ist nit so spat. 
Ich bitt euch, volget meinem raht, 
Laßt uns ein klein weil hie kurtzweiln! 
Der dritt. 
Schweig mit deim rat! Wir wölln jetz yln. 
Du kompst allzeit mit disen schwencken, 
Thust wenig an dein gschäfft gedencken. 
Das kan gschehen ein ander mal. 
Der vierdt. 
Was laufft ir, seind doch da nit all? 
Wir wölln allsampt beysamen sein, 
Es wirdt sich sonst nit schicken fein. 
Der fünfft. 
Dises zwar auch mein meynung wer, 
Ja wann ich d streich nit förcht so sehr. 
Ihr wißt wol, daß mans uns schen! 


219 





6705 


615 





WAR UU LIU ALI sl BEA YUL. DAL e 
Wolt t dif für nbel nent MA 
Du solts vil mehr für ein dienst han, - 
Daß wir so lang deinr gwartet hand. 
Wilt uns so dancken? Pfuy der schand! 
Der zehend. 
Was führend ir da für ein klag?; 
Horend ein wenig, was ich sag! 
Ich komm jetz eben auß dem saal, 
Sitzend zmal ob dem tisch noch all, 
Wann wir über ein stund gehnd hin, 
So wirdt es dann noch zeit gnug sein. 
Darumb so laßt von ewerm gfecht! 
Der letst nun auch kompt, ist mir recht. 
Dereylfft. 
Secht, diser auch fein fru her kompt 
Sag an, wo hast du dich versaumpt ? 
Bist umbher gloffen nach deim bauch. 
Gut schleckerhafftig bißlein gsucht ? 
Wie darttst du sein also vermessen 
Und dein bevelch so gar vergessen ? 
Der zwolfft. 
Ich wills grad sagen, was es ist. 








Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 221 


Der könig will auffstehn vom tisch; 

6720 Darumb wer das die meynung mein, 
Daß wir bey zeiten giengen hin. 

Sonst wurde gar bôß unser sach, 
Wann wir nit in deß königs gmach 
Werend, so er vom tisch auffstaht. 
6725 Nun fort, nun fort! Es ist schon spat. 
Ein ander mal gib ich dir bscheyd, 
So wir hond bessre glegenheit. 
Hie kompt ein Gesandter, spricht zum Credentzer. 
Köndt ir mir nit gebn zu verstohn, 
Ob ich möcht für den könig kon? 
Credentzer. 

6730 Aufl dises mal es kaum geschicht. 
Will aber hin gehn, geben bricht 
Dem könig und solches ansagen. 

[P3a] Ir wolt ein weil gedult hie tragen: 
Ich will bald wider bey euch sein. 
Gesandter. 
6735 Das ist mir lieb. Nun geht gschwind hin! 
Credentzer. 
Herr kong, es ist was news verhanden. 
Ein post ist kon auß fremden landen, 
Er audientz von euch begert. 
König Simri, 
Des soll er sein von mir gewert. 

6740 Sobald ich von dem tisch aufistahn, 
Will ich ihn dann gern hörn an. 
Heißt in dieweil verziehen nun! 

Credentzer. 
Herr kong, das will ich willig thun. 
(zum gsandten.) 
Ein weil solt ir verziehen hie. 
Gesandter. 
6745 Ich danck dem herren diser múh. 
(zum diener.) 
Geh du jetz hin, versorg die pferd, 
Hab acht, das nichts verlohren werd! 
Diener. 
Ich will alles vesehen recht, 
Wie es gebürt eim gtrewen knecht. 
König zu seinem bruder. 
6750 Mein bruder, wie gfalt dir die sach? 
[P3b] Ich forcht, das nit etwan ungmach 
Mir dise post bringe zu banfi: - - 





[P4a] 
6770 


5779 


0750 


6755 











EMA T 


Kompt bald wider, ich bitt euch sehr. 
König. 


Nun sagt, was ist ewer beger, 

Warumb seind ir komn zu uns her? 
Gesandter. 

Vil glück und heyl zu jeder zeit 

Euch werde von den gottern breyth. 

Durchleuchtiger konig und herr, 

Auf trembden landen komm ich ferr, 

Ein sach bey ewr gnad zu verrichten, 

Welche gar nit ist zu vernichten. 

Was aber für ein sach das sey, 

Auß dem brieff werdt ihrs sehen frey. 

Konig. 
Herr cantzler, nembt den brieff in d hand 
Und leßt in laut, daß mans verstand! 
[Cantzler.] Der inhalt dif briefts. 

Dieweil man mir hat geben bricht, 

Daß du dein vatter hin hast gricht, 

Die kindtlich trew so gar vergessen, 

Das kongreich dir also zugmessen, 





6790 


[P4b] 


6795 


6310 


i Pda] 


6815 


6821) 


Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 223 


Welchs wider das natürlich recht, 
Hiemit auch die gantz freundtschafft gschwächt, 
Hab ich dir wöllen z wissen thun, 
Was ich mir jetz hab fúrgenomn, 
Namlich daß ich in wolle rächen, 
Wo ich dich antriff, stracks erstechen, 
Dein land mit krieg will nemmen ein. 
Du solt mir nienen sicher sein, 
Das sag ich dir bey meinem eyd, 
Es soll dir gwißlich werden leyd. 
Dein freund was ich, jetz feind bin ich. 
So aber du berichtest mich, 
Wies zugangen, so du hast ghan 
Rechtmássige ursach, will ich dann 
Dein trewer vetter wie zvor bleiben. 
Dises hab ich dir wollen schreiben; 
Ich könig im Assyrierland 
Diß gschriben hab mit eygner hand. 
König. 
Nun trettend ab auff dises mal! 
Die antwort euch bald werden sol. 
Gesandter. 
Mir überauß sehr wol gefalt, 
Daß mich ewr gnad nit lang auffhalt. 
Konig. 
Hat mir dif nit mein hertz vor gsagt ? 
Sisserach, 
Ir solt darumb nit sein verzagt. 
Laßt uns jetzt sehen, wie man woll 
Im antwort gebn, damit ungfell 
Vermitten bleib, kein krieg entstand, 
Kein unruh geh in disem land! 
König. 
Mein liebe freund, ir hand vernommen, 
Warumb der bott ıns land sey kommen, 
Wie häfftig mir mein vetter trowt. 
Drumb solt ir mir bey ewerm eyd 
Ewr meynung jetz hie zeigen an. 
Bruder, ich wills zerst von dir han. 
Sisserach. 
Man hat in eben falschlich bricht, 
Sonst het er so scharptf gschriben nicht. 
So er die ursach wirdt verstahn, 
Sein zorn wirdt er dann fallen lahn.. 
Darumb die ursach schick man 





64 


6850 


[Poa] 





Hierinnen ich nit vil wort mach. 
Wann man im allen handel schreibt, 
Wie sichs begeben, gwiß er bleibt 
Ewr guter freund wie vor der zeit. 
Diss soll man thun, ist mein bescheydt. 
König. 
Herr Nimroth, sagt ewr meynung har! 
Nimroth. 
Die herren hand wol grahten zwar. 
Aber mich dunckt nach meinem sinn, 
Man soll in schicken wider hin 
Olın alle antwort und bescheyd. 
Es wirt im gwiß noch werden leyd; 
Wann er schon kompt in unser land, 
Köndn wir im nit thun widerstand ? 
Darumb so wer mein will und bitt, 
Daß man im antwort gebe nit. 
Konig. 
Herr kimmerling, was rahten ihr? 
Kammerling 
Dieser meinung bin ich auch schier. 


Km 


~ 


rd! 


0 


Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 


Es nimbt mich wunder, daß er darff 
Ewr mayestet schreiben so scharpff 
Und nit denckt, daß ewr mayestat 
So wol als er gut kriegsleut hat. 
Nun laßt in kommen, wann er will! 
Das ist mein meynung, schweig jetz still. 
König. 
Herr Thymnat, ewrn bscheyd druft gend, 
Damit wirs bringend bald zum end! 
Thymnat. 
Herr köng, daß will ich thun angehnds. 
Ich hab ghört zweyerley sententz, 
Erstlich daß man im d ursach schreib, 
Damit unruh vermitten bleib, 
Darnach daß man die post schick fort 
On bscheyd, on brieff und on antwort. 
Auß dem wurd gwißlich gfahr entstohn, 
Ein schwerer krieg ins land thet kon. 
Der ersten meynung hang ich an, 
Nit besser ichs jetz schliessen kan. 
Herr könig. 
Herr marschalck, sagt mir ewr meynung her! 
Marschalck. 
Desselben ich mich nit beschwer. 
Wie darff er so gar frevenlich 
Schreiben so gar scharpff wider euch! 
Doch was deß mehrtheils meynung ist, 
Das lob ich auch zu diser frist. 
König. 
Dieweil der grost theyl gsinnet ist. 
Daß man meim vettern schreib on list, 
Wies zugangen, den rechten grund, 
Das gfalt mir auch zu diser stund. 
Vil besser ists, daß man mit frewd 
Einandern bericht dann mit leyd. 
Darumb, herr cantzler, merckend mich, 
Das schreiben macht, wies geburt sich! 


225 


lie tritt der konig und seine riht ab, und kompt der cantzler. 


'] 


Cantzler zum gsandten. 
Da hat der herr die handschrifft schon. 
Wann es euch gliebt, mögt ir darvon. 
Gesandter. 
Bin fro, daß ich schon gfertigt bin. — 
Hörst, knecht, lauff du jetzt eyllends hin, 


fickram VI. 


Raguel hat siben jüngling, 
Die all seiner tochter brautling, 
Einandern nach in d erden bgraben, 
#05 Def er sich thet beym höchsten klagen. 
Da nun der achtet bey ist glegen, 
Nichts anders hat er sich z verwegen, 
Dann das wie andern im wurd gahn. 
Drumb war das grab gemachet schon. 
6910 Als aber gute bottschafft kam 
Von einer magd, wie der bráutgam 
Mit seiner gspons wern frisch und gsund, 
Zugwortien ward das grab zur stund. 
Groß frewd entstund im gantzen hauß, 
#15 Bey alln verwandten auch durchauß. 
Der heyratsbrieff ward approbiert, 
Mit Raguels sigel confirmiert. 
[P7b] Zur hochzeit Gabel wirdt begert 
Durch Raphael, Tobiae gferth, 
6920 Sampt glyhen gelt. Die magd im hauß 
Umb fegens willen hand ein strauß. 


23) Zu s. 141, vor v. 4105: 


[R2a] Argumentum actus IV, 
Weil Gabel ist zur hochzeit gladen, 
Will er den dienst gar nit abschlagen, 
Frewdt sich der guten bottschaftt wol, 
692 Zeigt an den seinen allen zmal, 
In holtz und veld was sie solln thon. 





Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 227 


Ein freundtlichs urlaub von seim schwäher, 
6935 Das gieng nit ab ohn heisse zaher, 

Nimmt mit sich d fraw, knecht, gelt und vich, 

Uff seiner reyß ist worden rich. 

Vil glück wirt im gwünscht uff die straß 

Vom schwäher, schwiger one maß, 
640 Ja von irem gantzen haußgsind. 

Dem vich giengens nur z schnell und gschwind. 


24) Zu s. 190, hinter v. 5606 (aus G. Gottharts Troia 
1599 bl. D7b—E6b): 


[S3a] Actus 4, scena 7. 


Hie kommend sechs birten Raguelis auff den platz, die besetzend ein 
gricht und einen richter. 
Der erst hirt spricht. 
Was wend wir doch anfahen jetz, 
Daß uns nit plag die grosse hitz? 
Wend uns ein weil an schatten setzen, 
645 Mit etwas kurtzweil unß ergetzen. 
Das vich jetz auch am schatten leit; 
Dörffend jetz gahn nit mächtig weitt, 
Bif das die hitz ein klein nachlat 
Und s vich widrumb zu weyden gaht. 
Der 2. hirt. 
680 Es gfiel mir auch, wir sessen zsamen, 
Etwas kurtzweiligs zhanden namen 
Und nit hie sitzend also still. 
[S3b] Der 3. hirt. 
Ein guten tag [l. rat] ich geben will. 
Land uns ein gricht hie bsetzen gschwind! 
Der 4. hirt. 
6955 Es gfiel mir auch, damit ich kündt 
Anzeigen einen zanck und gspan, 
Den ich mit disem hirten han: 
Den stab, den er hat, ist der mein. 
Der 5. hirt. 
Du sagst es wol, wirdt nichts dran sein. 
6060 Ich han in gmacht, das sag ich dir. 
Ich wag es auch, stahn mit dir für. 
Der 3. hirt zum 6. 
Sag du auch her, was ist dein raht ? 
Der 6. hirt. 


Hilff auch darzu, biß d hitz vergaht. 
15 * 





6970 


[S4a] 


6975 


vt was ans. 204 20 > es et Gee MAY 224 un ar y D 20 DA Y u wasanane 


Der 3. hirt. 
Ein bessers ist mir gfallen ein. 
Stücklein von rinden machen gschwind 
An der zahl, alls vil unser sind, 
Und nemm ein jeder eins mit fleiß, 
Mit einem messer darein reiß 
Ein sternen und ein halben mon, 
Was jedem gfalt und d sinn wirdt kon. 
Die müssen sein fein gleichlich groß, 
Darmit so wend wir legen s lof. 
Doch d sitz wir vorhin ordnen wend, 
Auff jeden dann eins legen wend. 

(Der 3. zum 6. hirten.) 
Nimm sie in hut und ründs frey gar! 
(Der 3. zum 5. hirten.) 
Nimm im sie ab, legs erst hieher, 
Das ander hie, das dritt dahin, 
Fahr also fort und leg sie tein! 
Das z oberst ligt, deß richters ist. 
Der erst zum 3, hirten. 

Weil du der erst anfanger bist, 
Heb zeichen auff, (du kennst sie wol) 
Ruff jedem dar, wo r sitzen sol! 

Der 3. hirt. 
Will grad zum erst hie unden dran 
Und fahren fort biß oben an. 

(Der 3. zum 2.) 


Kom du hieher, hie ist dein sitz. 
Tas mes Tae ist 


Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 229 


Wer unser kóng und richter sey. 
(hebt das ober auff und spricht zu dem ersten.) 

Glück zu, mein gspan! Es graht dir recht. 

Nit besser man es ordnen möcht. 

7000 Hie sitz zum stab und zeichen dein, 
Must unser herr und richter sein. 
(Der 3. weiters zum sechßten hirten.) 
Hie ligt deins zeichen. Komm, sitz har! 


Der 6. hirt. 
Ich komm und folg dir jetz fürwar. 


Derersthirt und richter. 
Hat etwar z klagen, der stand für. 


Der 4. hirt steht auff und spricht. 
7005 Herr richter, thunds erlauben mir! 


[S5a] Der Richter zum cláger. 
Sey dir erlaubt. Red nur frey har! 


Der 4. hirt, cláger. 
Ir herr der richter, nemmend war, 
Deßgleich ein ehren gericht allhie, 
Will euch anzeigen wann und wie. 

7010 S trifft sich jetz auff ein viertheljar, 
Das sich begeben hat ungfahr, 

Mich diser hat gesprochen an, 
Ob ich mit im ans meer wolt gahn. 
Ich gieng mit im auff einer heyd, 

7015 Da stiessen wir den stein all beyd, 
Unsre stäb wir legten zusamen. 

Bald noch mehr hirten zu uns kamen, 
Die legten ire stäb auch dar, 
Spilten mit uns. Nun nemmend war, 

7020 Da es nun auff den abendt kam, 

Sein stab ein jeder widrumb nam, 
Ließ seinen ligen, nam den mein. 
Gleich wolt er diß nit bkandtlich sein, 
Wiewol ich seinen gar wol kandt. 

1025 Mein klag ir wol verstanden hand, 
Bitt euch, herr richter und ein gricht, 
Wöllend im das vertragen nicht, 

Eim andern also z nen das sein. 
Helffend mir doch zum stecken mein, 
[S5b] Laßt mir das mein mit recht zukon! 
Der 5. hirt, antwortet. 
Gsich wol, ich muß jetz auch auffstohn. 
(Zum cläger.) 


= o . i . 4 .— i > - 
AS Oy Peer e a Pre 
> a, > vés ta 


7055 


1060 


T065 


70 


"Wie du dann schreyst 








= po 7 2 = e ney. ES 


und h 
Der stab ist ja mein, den du hast. 
Wiewol ich schier nit z red mag kon, 
Will drumb nit von der warheit stohn. 
Der 5. hirt. 
Sag, was ghort dir jetz für ein lohn, 
Daß du so falschlich mich verklagst 
Und es doch nit erzeugen magst? 
Derhalb must du mirs bringen ein 
Oder mir ein verlogner sein. 
Der 4 hirt. 
Ich kan nit weiters zeugnuß stellen. 
Die götter d warheit offnen wollen, 
Sie thund der grechtigkeit beystand. 
Dererst hirt, richter. 
Gnugsam wir euch verstanden hand. 
Drumb trettend mit einandern ab! 
(zum ð. hirten.) 
Doch lang mir vor her deinen stab, 
Den ir all beyd ansprechen tund! 


* 


32 du) dst EF — 7059 ein] bey F — 7096 S wirdt F. 








Tobias, zusätze Jahann Yetzelers (E). 231 


 Derö5.hirt. 
Komm her, mir beyd abtretten mund. 
Sie tretten mit einandern ab, und spricht der richter erstlich und 
fragt umb: 
[S6b] Ir hand sie beyd jetz wol verstanden, 
7070 Aber kein zeugnuß ist verhanden. 
Nun mögen wir nit wissen wol, 
Welchem man hierinn glauben sol. 
Was rahtest du, wem sprichst in zu? 


Der dritt hirt. 
Ich weiß nit, wie der sach ist z thu. 

7075 Vil z ring und schlecht ist mein verstand, 
Weil sie in beyd angsprochen hand. 
Doch zeig ich an die meynung mein, 
Wils mehrer gern das best lan sein. 

Der cläger soll sein klag beybringen 
7084 Oder drumb büssen aller dingen. 
Klag einer, daß er mög bezeugen; 
Kans einer nicht, so thu er schweigen. 
Das wer fürwar die meynung mein. 
Der richter zum 2, hirten. 
Sag du auch bhend die meynung dein! 


Der 2. hirt. 
7085 Sie wird auch grad wie seine sein. 
Wer mehr klagt, dann er zeugen kan, 
Der soll den spott zum schaden han. 
Darzu ich in auch straffen wolt. 


Der richter zum 6. 
Dein meynung du auch sagen solt. 


Der 6. hirt. 
[S7a] Das ist die meynung, merckend mich, 
Dem cläger ich den stab zusprich. 
Ir kennend in all gmeinlich wol, 
Er ist inehr list und tücken vol, 
Als wie der ander ist abgricht. 
Der richter. 
70% Es seind zwo meynungen. Wie wirts gan? 
Der 3. hirt. 
Wirdt, herr der richter, an euch stahn. 
Der richter. 
Zu keinem mehr fall ich hie nicht, 
Ich will erfahrn bessern bricht. 
Heissend allein den clager kon, 
7100 Den andern land mehr bleiben stohn ! 





Der 5. hirt. 

7120 Nichts bsonders ich dran weisen mag; 
Ein stefftzgen darein gmacht fürwar, 
Darzu ein zwingen auch von horn. 

Der 1. hirt, richter. 
In welcher lang ist er ungfahr? 
Der 5. hirt. 
Das mag ich wissen nit fürwar. 
Der erst hirt, richter. 
1125 Du magst wol wider tretten ab. 
Wend jetz bald sehn, wer recht hie hab. 
(Trittet ab. Spricht der richter weiter : ) 
[Ssa] Jetz gsehn ir recht den trug und list 
Und darzu auch, wes der stab ist. 
Da secht ir, wo das zeichen staht, 
1130 Der stab auch grad die lange hat. 
So fehlt es an der zwingen nit; 
Secht zu, das horn ist grad so weit. 
Warlich de® clagers ist der stab. 
Ich habs schier gmerckt, darumb ich hab 

135 Den stab mir heißen hie lan stohn, 

Damit ich mög auff d warheit kon. 








Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 233 


Weil mir jetzund gar kundbar ist 
Deß trugers boßheit, falsche list, 
So will ich jetz mein urtheyl gen. 

7140 Den stab er hie in d händ soll nen, 
(Ich meyn den schalck, nun merck mich eben) 
Dem clager er in selbs muß geben 
Und hie bekennen unverholen, 

Den stab hab er im gnon und gstolen. 

71145 Loßt weiters, was wir im thun wend! 
Zwen wetschger im anhencken sönd; 
Alls, was wir darein mögend bringen, 
Das wend wir drein thun aller dingen. 
Drey tag uns die nachtragen sol, 

1150 Wo wir hinreysend (merckt mich wol). 
Wirdt uns von im etwas drauß gnon, 
So wend wir in gar von uns schlan. 

[S8b] Wem dise urtheyl wie mir gfalt, 
Derselb mit mir sein hand auffhalt ! 


(Sie hebend mit im auff, und spricht der richter weiters zun antwor- 
tern oder 5. hirten :) 
7155 Hast du den stab gmacht, wie du seist, 
So kans nit fehlen, du wol weist. 
So sag uns her, nit lang betracht, 
Worab hast dise zwingen gmacht ? 


Der 5. hirt. 
Ab einem horn, das hab ich hie. 


Der 3. hirt, richter. 

7160 Bhalts noch nit; muß vor sehen wie, 

Wies sich doch zsammen schicken woll. 

Drumb gib es mir nur bald und schnell! 

Wann es nit fehlt, so treugt es mich. 

Dein schalckheit du fein selbs doch sich! 
1165 Wie kan sie daran gstanden sein? 

Sie ist vil z klein, sie geht doch drein. 

Du bringst dein schalckheit selbs herfiir. 


Der 5. hirt. 
Ich bitt umb gnad, verzeyhend mir! 


Der richter. 
Dieweil dein btrug jetz ist am tag, 
7170 So loß, du laur, was ich dir sag! 
Nun nimm den stecken in dein hand 
[Tla] Und gib in im und bekenn dein schand ! 
* 


7142 in] im EF. 


mio DIU uao ULUMUJA VOVAVIV uwnuy 
Wo wir dann werden reysen hin. 
7180 Dasselb dein straff und buf soll sein. 
Was wir drein thun, drinn bleiben laß! 
So du verrückest drauß etwas 
Und wirs von dir wurden gewar, 
Von uns verstiessen wir dich gar. 
Sie füllen die sáck. Spricht der ander hirt, der si 
hals henckt. 
7185 Den esel ich frey laden will. 
Ein ander mal deß frommen spil! 
Wirst fro sein, wann dahin wirst kon, 
Wo wir das lager werden schlan. 
Jetz kompst daher als ein kauftherr. 
Der 5. hirt. 
7190 Ich wolt, sie lagen in dem meer 
[T1b] Oder sie werend voller gold. 
Mehr dann wol möcht ich tragen wolt. 
Der erst hirt, richter. 
Wir wend auffstehn und widrumb gahn, 
Wo wir das vich hand bleiben lahn. 


25) Zu s. 190, vor v. 5607: 
[T2b] Argumentum actus Y. 
71% Auf Meden zeucht Tobias jung. 
Alls, was er thet, mit glück abgung ; 
Bringt mit sich, was der schwaher geben. 
Vich grol und klein. Was noch im leben 


Caia ln hn... IT oan A EA PA 





Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 


Blindheit alßbald von ime weicht. 

Ein willkommsmal wirdt zugericht; 
Darob Tobias wirdt bericht, 

Was im begegnet, wies ergangen, 

Da Raphael den teuttel gfangen, 

Der siben jüngling hat erlegt, 

Ihm aber nie kein haar bewegt. 

Dem Raphael wirdt bstimpt sein lohn, 
Bald er verschwindt und fahrt darvon. 
» Als enden wolt Toby sein leben, 
Kindskindern gibt er seinen segen. 





Der Jungen Knaben 
Spiegell. 


“e: Fin schönes 
Kürtzweilichs Spyl von 


Zweyen Jungen knaben / Einer so wol 5 
gezogen vnd aber von einem bösen ver- 
lotterten junge verfúrt / Allen Jun- 
gen knaben ein gúte warnäg sich vor 
üppiger Böser geselschafft zů 
hüten / New gedicht durch 10 
Jorg Wickram zü 
Colmar. 


Holzschnitt 1: 


Koch und kellner tragen 
einer um einen tisch 


sitzenden gesellschaft 
auf. 





Personen. 


Gottlieb, der ritter Schneider 
Concordia, sein weib Schuhmacher 
Wilbaldus, sein sohn Metzger 
Fridbert, sein angenommener sohn Metzgers frau 
Felix, pedagogus Kaufmann 
Preceptor, schülmeister Richter 

Fraw Wehmút Stadtknecht 
Lottarius, ihr sohn Henker 

Bote Herolt 

Wirt | Argumentator 
Knecht des wirtes Narr Obnkunst 


Lang Nags Narr Frißumsunst. 





40 


Geo rg Wickram ' 


Dargegen was der unfleiß that, 

So man an kinden spart die rüht, 
Laßt in den zaum zü lang hinaus, 
Küntzt und zertet in in dem hauß 
Und laßt in nach als iren wol, 
Schickt sie zü keiner leer noch schúl. 
Und so man sie zii zeiten schon 


In die schül oder leer laßt gon, 


So find man doch der eltern vil, 

Der keines glatt nit leiden wil, 

Das man ir kind mit rûten schlag, 

Wans schon verschulden allen tag; 
Sprechen: ‘Sagts im mit worten lind! 
Dann ich euch nit drumb gab mein kind, 
Das ir mirs sollent schinden gar.’ 

So blibt dann das kind hin als har. 
Geht on all forcht und scham dohin, 
Gwindt gar ein halsterrigen sinn. 

Sein leermeister ist im ein schat, 

Auff in es gar kein acht mer hat. 

Ob er sie schon mit worten strafft, 

So sagt er gleich eim, der da schlafft 
Und den er nit erwecken darff. 

Dardurch manch ingenium scharpff 
Verderbet würt und goht zü grund. 
Zülest aber naht sıch die stünd, 

Das erst die eltern umb sich sehen; 
Dann hilffts nicht mehr, es ist geschehen. 


[A3a] Das sönli hat den hals gestreckt, 


to 


Sich minder dann ein stein bewegt, 
Henckt sich erst böser gsellschafft an. 
Da lernt er, was er vor nicht kan, 
Allen mütwill und büberey, 

Ergibt sich allen lastren frey. 

Darzú sich offt begeben thüt, 

Das die vätter gern sehen gút 

Mit ihren sönen, damit sie 


wW In ehren möchten laben hie, 





Knabenspiegel, prolog. 241 


Befelhen dem schülmeister wol, 
Das er zimlich anhalten soll 
Mit zimlicher straff, zucht und rüht, 
Wo das die notturfft heischen thút. 
55 Aber das múterliche hertz 
Mag nit geduldenn solchen schmertz. 
Dann bald ir sin kumpt heim zů hauß, 
Erfart sye im all sachen auß, 
Wie offt mans hab den tag geschlagen; 
60 So thúnd sies dann zwyfachen klagen. 
Erst dann so ist das feür im tach; 
Die müter laufft. schreyt weh und ach 
Über den schülmeister und rach, 
Laufft etwann selb zi im hernach 
65 Und thüt in auch dermaß außfegen, 
Wer er in eim bantzerfaß glegen, 
Er wer so fein nicht auBgebutzt. 
Was aber solchs die jugent nutzt, 
Das werdt ir jetzundt sehen hie. 
70 Darumb [solt] ir auffmercken, wie 
Das spil sich jetz anfahen würt. 
[A3b] Was sich ein jeder zeit gebürt 
Und darbey ein jede person 
Ein ander nach hie werden gon, 
75 Die würt man euch mit nammen nennen, 
Ir ampt und gschefft gen zü erkennen, 
Domit irs eigentlich verstendt. 
So merckend auff das argument! 
Argumentator ?). 
Gottlieb ein frummer ritter was, 
x 
1) Holzschnitt 3: ein knabe mit wappenschild und scepter, 
inmitten von vier mannern stehend, deren einer durch buch und stab 
als aktor (regisseur) gekennzeichnet wird. Das bild ist einem holz- 
schnitte in J. Ruefts bearbeitung des Tellspieles (Zürich 1545) bl. A4) 
nachgebildet, den Könnecke (Bilderatlas * s. 95) wiederholt. Vgl. 
Biichtold, Schweizerische schauspiele des 16. jahrhunderts 3, 63. Heitz, 
Originalabdrücke von fornıschneiderarbeiten des 16. und 17. jahrh. n. 


” f. 1894 taf. 128, 1. | 
Wickram VI. 16 


942 Georg Wickram, 


so An dem pretißischen hoff der saß; 
In seim alter zúm weib er nam 
Dise wittwen Goncordiam. 

Von ir ein kind geboren ward 
Wilbaldus, diser jüngling zart. 
[Ada] Bey im ward aufferzogen wert 
Eins armes mans son, gnant Fridbert. 
Als die waren erwachßen schon, 
Ließ sie der ritter zschülen gon, 
Bat demnach den preceptor umb 
Ein feinen glerten knaben frum, 
Seim son zü einem pedagogen, 
Nemlich den Felix, wol erzogen, 
Von armen eltern, aber tüchtig, 
Zür lernung gflissen, framm und zúchtig. 

ü Der bracht die beiden jungen an 

In kurtzer zeit auff solche ban, 
Das in der weiten welt nichts was, 
Sye könden z latein nennen das. 
Zülest sich Wilbaldus verpflicht 

109 Zü Lotario, disem wicht, 

Bey dem er alle boßheit lart, 
Wand sein sinn auff ein andre fart, 
Bey im gwont aller argen list. 

Wie solcher jungen gwonheit ist, 

105 Das man so args nit gdencken kan, 
Sie nemen für das git bob an, 
Also auch Wilibaldus thút, 

So ım entzogen würt die rüt. 
Zûlest lauffens mitnander beid, 

10 Dardurch erwúchs den eltern leyd. 
Sie schickten ein bottschafft zúruck, 
Erdencken gar vil böser stück, 

Biß sie gelt von der müter bringen; 
Die schickt in gelt. Nach disen dingen 
115 Haben sie bey dem gelt kein rhú, 
[A4b]Ziehen den nechsten Antorff zd. 


Do finden sie ir gattung gschwind, 


in 


— 





Ar 


120 


125 


14. 
[ Ada] 


Knabenspiegel, 1. akt, 1. scene. 


Gleich wie sie süchten, sollich gsind. 
Die gwiinnen in 4b, was sie hand, 
Das in blibt weder gelt noch pfand. 
Lottar sich von Wilbald abschleicht, 
Wilbald arm in das ellend zeucht. 
Lottar kumpt zi eim metzger rych, 
Stilt eim kauffman sein gelt gelich, 
Laufft wider mit zi seinem wirt. 

Der hauBknecht, wie eim frummen gbirt, 
Als er den kauffmann s gelt hört klagen, 
Thüt er im alle meynung sagen. 

Sie kummen in des wirtes hauß, 
Schickend nach einem stattknecht auß; 
Der bringt fürn richter solche ding. 
Bald mann den Lottarium fing. 
Dieweil er nun ergriffen was 

An frischer taht, gschicht im nit baß, 
Dann das er würt züm galgen gfiert 
Und do entlich erhangen wirt 

Von dem nachrichter, der zümal 

Kan solchen sönen zwagen wol 

Mit laugen, so darzü gehört. 

Dann welcher semlich hantwerck lert, 
Wie diser Lottar hat getohn, 

Dem gebürt ein semlicher lohn. — 
Nun haben rhü und schwigen still! 
Das spil man jetz anfahen will. 


1. akt, 1. scene. 


(Gottlieb der ritter, schülmeister; dann Felix.) 


| Gottlieb, der ritter. 
Herr preceptor, gott grüße euch! 
Preceptor. 
Derselb euch glück und gnad verleich ! 
Gottlieb. 


Herr, merckt, warumb ich zú euch kumb! 


Ich wolt, wann ir ein knaben frum 
Wißten, den wolt ich nemmen an 


243 


244 Georg Wickram, 


150 In meinen tisch und herberg han, 
Nach aller notturfft mit gewand” 
Versehen und mit allerhand, 

So im not ist zü seinem lib, 
Als wer er von meim eignen wib, 

155 Damit er mem son zů schäl fürt, 

In und Friedberten reformiert. 
Denselben ich auch gnummen hab 
Von seim vatter, der mir in gab; 
Der ist gantz arm, wie ir ihn kendt, 

160 Armüt aber gar niemandt schendt. 
Will er im selbs wol, folget mir, 
Soll er noch weith kommen hinfür. 
Dann ich in zů mir nemmen teht, 
Domit mein son ein gsellen hett, 

165 So mit im zür schül gieng al tag. 

Preceptor. 
Strenger herr, nach euwerer sag 
Ir eines frummen knaben gert. 
Ich weiß ein, dran seind ir gewert; 
Er heißt Felix mit seinem namen. 

170 Under mein schülern allensamen 
Weiß ich kein, so mir gfallet baß. 
An im hat er kein neid noch hab, 

[A5b] Ist gantz still. frunm, gerecht dabev, 

Gegen all sein schúlgsellen treuw, 

Hat auch ein ingenium scharpff. 

An im ich nicht vil treibens darff; 

Dann er sich selb treibt gantz geflissen. 

Doch soll euwr strenge von mir wissen. 

Er ist von reichen altern nit: 

Seind fast arm, aber frumnı damit. 
Gottlieb. 


Darumb ist er mir nit unmehr. 
Dann ich keins richen nit beger, 
Allein der frumbkeit stell ich nach. 
So er darbey ist ghorsam auch. 


17 


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Knabenspiegel, 1. akt, 1. scene, 245 


Preceptor. 
185 Dort kumpt der jung. Sagt im darvon! 
Mogt ir sein meynung selb verston. 
Gottlieb, der ritter. 
Nein, mein preceptor, fragt ir in, 
Ob er zú mir hab einen sinn! 


Preceptor. 
Felix, sag mir, wo wilt du auß? 
Felix. 
19 Herr preceptor, ich gang zi haub. 
Preceptor. 
Sag mir, wo bist zú herberg in? 
Felix. 
Bey einer witfrauwen ich bin. 
Preceptor. 
Thút dir dieselb auch z essen geben ? 
[A6a] Felix. 


Ach nein; sie hat selb nit zü läben. 
19 Sye gibt mir weder kalt noch warm, 
Sie ist als arm, das gott erbarm. 
Preceptor. 
Felix, wann dir wer zü vertrauwen 
Und das ich auch auff dich dörfft bawen, 
So solt du das gelauben mir, 
20 Ein herren wolt ich schaffen dir, 
Der dir geb gwand, herberg und speiß. 
Doch mústu brauchen allen fleiß, 
Damit du in behieltst zü hulden. 
Felix. 
O preceptor, ich wolts verschulden 
205 Mit meiner armút frú und spat, 
Wann mir mócht gschehen solcher raht. 
Preceptor. 
Den herren, do ich dir sag von, 
Thút hie personlich vor dir ston. 
Den magstu friintlich sprechen an. 
Felix. 
210 Ach gott, eim sol 


Gottlieb, der ritter. 
Junger, ist dein meynung also, 
[A6b] Wie du vergichst, so gang mir nah! 
Preceptor, hand ir lust, gond mit, 
20 Thünt das mal mit mir essen hüt. 
Preceptor. 
Von essens wegen gang ich nicht, 
Allein auß rechter fründtschafft gschicht. 


l. akt, 2. scene. 
(Lottarius; dann fraw Wehmit.) 
Lottarius mit im selbs, 
Hey, das gott alle schülen schendt! 
Ich wolt, sie weren all verbrendt, 
225 So vil der in der welt thünd stahn. 
Mich lust, ich wolt gar nimm drinn gahn. 
Ich meint, wan ich schon zü drey tagen 
Einmal drein kem, man solt nichts klagen 
So müß ich, wann ich kum darein 
20 Und bin ein letzgen hauß gesein, 
So sat[sam] rechnung darumb geben, 
Als wann es antrifft leib und leben; 
Oder man streicht. mich, das ich blitzen 
Und kaum anff dem arsloch kan sitzen. 
“35 Wolan. ich leids, so lang mirs gfalt. 





Knabenspiegel, 1. akt, 2. scene. 


Lottarius. 
Do het ich dir zú sagen von 
Ein gantz jar, wann das woltst verston. 
Ich weiß nit, ob ich dir bin gwachßen 
[A7a] An ferßen oder auff der achfen, 
245 Das du mich und der vatter mein 
Mich so gend auff den fleischbanck hin. 
Kein tag im himmel nit vergaht, 
Ich würd gegeißlet hart mit noht 
Von meim schülmeister, das ich schier 
20 Wolt, ich leg in eim grab darfür. 
Ich sag, eh ichs lang lyden wolt, 
Das man mich also martern solt, 
Ich lieff eh hundert meil von hinnen, 
Du soltst mein nimmer werden innen. 
Fraw Wehmüt. 
25 Ist dein schülmeister ein solch mann, 
Darzi ein sollicher tyrann ? 
Das hett ich im vertrauwet nimmer. 
Nun hab ich in gehalten immer 
Für ein gar tugenthafften mann. 
20 Schaw, wie er doch verbergen kan 
Den schalck hinder die ohren trechen! 
Schwig, ich will im dermaß züsprechen, 
Im die knechtwort der maßen sagen, 
Er soll dich in jarsfrist nimm schlagen. 
Lottarius. 
Das thú, mein mütter, wilt du mich 
Bey dir behalten! .Sunst wird ich 
Einmal entlauffen sicherlich. 
Fraw Wehmüth. 
Bald als mir z imbiß gessen hand, 
Wend du und ich gon beidesand 
20 Zh im. Do müstu selber hören, 
[A7b] Wie ich im so wol ab wil keren. 


96; 


w 


Wann emer dise vettell nem 

15 Und thet sie von haut auff wol schmieren 

Lert sie den son also verfieren. 
Auf im würts machen ein auffhenckel 
Und, wie man sagt, ein galgenschwenckel 
Narr Onkunst. 
Ey, wann es ir dann auch geling, 
250 Wie es einsmals einer múter gieng! 
Narr Frißumbsunst. 
Lieber, wie ist es ir ergangen? 
Narr Onkunst. 
Ir sün der lag umbs läben gfangen. 
Und als man in außfüren solt, 
Das man ilın jetz gleich hencken wolt, 

235 Rúfft er seinr miter zů im und 
Bat sie umb ein kuß an den mund 
Jetzund zür letz in gröster nodt. 

Und als sie im den mund darbodt, 
Bissz er ir bald die nasen ab, 

200 Sagt: ‘Mutter, di zür letze hab! 
Hettest du mich auff tugent zogen, 
Dieweil ich jung was, mich gebogen, 
Dörfft ich nit an den galgen gon.’ 

Narr Frißumbsunst. 
Wie hat er ir so recht gethon! 
[A8a] Wann es alln müttern also ging, 





Knabenspiegel, 1. akt, 3.—4. scene. 249 


Das ir mich hand gehabt zü gast. 
Gottlieb. 
Schúlmeister, nempt also fúr gút 
300 Und spart an mein sönen kein rút! 
Schúlmeister. 
Ich brauch die nit, dann wans nodt thút. 
Fraw Wehmút. 
Kumm her, mein son, [kumm] nur geschwind ! 
Sobald ich dein schúlmeister find, 
Will ich im den Levitten leben ; 
305 Du solst fürbaß wol vor im gneßen. 
Lottarius. 
Mútter, halt im nur dapffer an; 
Dann ers euch auf der maß wol kan. 
Sich, dort kompt schon der neidig man. 
Fraw Wehmit. 
Schúlmeister, wo kommen ir her? 
Schülmeister. 
310 Weyß ich, mein frauw, was seind die mer? 
Fraw Wehmit. 
Warlich, ich bin mit euch uneins. 
Schülmeister. 
Von solchem hader ich nicht weyß. 
Hab ich euch etwas thon zü leyd, 
Das ist mir leyd in der warheit. 
[ASb] Fraw Wehmút. 
315 Ich wolt jetz auch nichts wissen drumb. 
So sag ich jo, ich sey nit frumb, 
Wer ich als groß als ir, ein mann, 
Ein schlacht die wölt ich mit euch han. 
Schülmeister. 
Darvor wöll mich bewaren gott, 
320 Das ich mich mit eim schlagen sot! 
Vil lieber ich zü friden bin. 
Fraw Wehmüt züm Schülmeister. 
Jo, man weißt züvor euwern sinn. 
Ir reibt eüch nur gern an die ki 
So euch zü schwach und kı 


250 Georg Wickram. 


Schiilmeister. 
3% Ich kan die sach gar nit verston. 
Drumb sagt mir teütschlicher darvon ! 
Fraw Wehmit. 
Schülmeister, das ist [längst] mein klagen, 
Das ir mein son so übel schlagen. 
Was ziecht ir in doch? Wißt ich gern. 
Schülmeister. 
0 Fraw, wann ir nit so zornig wern, 
Ich wolts euch sagen alles gar. 
Fraw Wehmút. 
Sagend mirs nür frölichen har! 
Wann ir mich on ein antwürt finden, 
Will ich mich läbendig lon schinden. 
Schülmeister. 
s Wolan, so ir das je wend hören, 
[Bla] Erstlichen will er gar nichts leren, 
Züm andren ist er gar ungflissen. 
Wend ir noch etwas weiters wissen ? 
Fraw Wehmút. 
Das seind noch nit ursachen gnüg, 
30 Darumb ir brauchen solch unfüg 
Mit meinem son. Er ist ein kind: 
Wie könd er all ding fassen gschwind ? 
Schülmeister. 
Wolan, ir wends alssamen hören, 
Weil euwer son das bof kan leren. 
315 Nem er das gåt auch an die handt. 
Under mein schülern allensandt 
Hab ich kein, der so schalckhafft sey 
In allem mütwill, büberey. 
Do steht er selb und hört mich wol. 
3% Heüt hab ich in gstrichen einmal. 
Umb das er was seim vatter kummen 
Über sein gelt und hat ims gnummen. 
Das hand mir andre knaben gsagt, 
Hand auch weiter von im geklagt, 
35 Sie können nichs vor im verhelen ; 





360 


[Blb] Darf eim alsbald ein mummschantz warten, 


365 


Knabenspiegel, 1. akt, 4. scene. 


Papir und fedren thút er stelen, 
Verschleckt ist alles, was er hatt. 
Kein warheit auß seim mund nit gaht; 
Wann ich ein ding erst von im sich, 
So müß im dannocht liegen ich. 

Kein spil man nit erdencken kan, 

So er nit weiß sein teil daran, 

Es sey mit würfel oder karten, 


Als wer er ein riffiener alt. 

All schwier kan er außsprechen bald, 

Darzü all tafernen auBlaufft, 

Darin zúm offternmal vollsaufft. 

Solt ich ein sollich schantlich läben 

Nit an im straffen, müßt ich geben 

Gewiß gott schwere antwort drumb. 
Fraw Wehmit. 

Und ist diß euwer klag in sumb, 


- Die ir habt wider meinen son, 


So habt irs wol verantwurt nun. 


5 Lieber, wend ir auß eim kind machen 


Glich ein doctor? Das müß ich lachen, 
Wiewol es mir nit ist umbs hertz. 

Ob er auch schon glich in eim schertz 
Den andren knaben nimpt das ir, 
Warumb kummend die nit zü mir? 
Ich könd ins zehenfach bezalen. 

Und wann er schon zü etlich malen 
Kaufft zuckererbis und lecküchen 

Und thüt gelt bey dem vatter süchen, 
Wolt irs im für gestolen rechen ? 

Do thü ich aber nein zü sprechen. 

Er hat euch doch nie nichts entragen ; 
Was wölt ir dann böß von im sagen? 
So thünd ir allein von im hören, 
Wann er nur thút ein wenig schweren. 
Warumb wert irs nit andren auch, 
Von welch: 


2 


Solch groß und schwere scnieg verscnuldt. 
100 Ich sag euch, wólt ir han mein huldt, 
So lond in machen, was in lust. 
Dann ich laß im auch keinen brust, 
Dieweil er ist ein einigs kind 
Und all mein güter auch sein seind. 
405 Ich hab in nit zú schülen gthon, 
Das er sich neren müß darvon; 
Dann sein güt ist gewunnen schon. 
Sohúlmeister. 
Mein fraw, wann er nicht leren darff 
Und ir meynt, ich sey im zú scharpff, 
+10 So mögt ir in gar dheim behalten. 
Fraw Wehmút. 
Wolan, spitzhültzlein můß es walten, 
Wann mein son nit zü schül darff gan, 
So spart er mir |darfür] den lon. 
Wir gond, ir mögt noch lenger stan. 


l. akt, 5. scene. 
(Narr Onkunst, narr Frifumbsunst.) 
Narr Onkunst. 
415 Lieber, sag, was halst du darvon ? 
Was meynst, das aub dem vogel werd? 
Narr [Frißumbsunst]. 
Stirbt er eins rechten todts auff erd, 





Knabenspiegel, 1. akt, 4.—6. scene. 


Narr [Frißumbsunst]. 
Das hab ich wol gehört und gsehen. 
Gwiß würts noch an im leyd erläben ; 
5 Des wirst mir noch gewunnen geben. 


1. akt, 6. scene. 
(Wilbald, Lottarius.) 
Wilbald. 
Lottari, wie kumpts, das du heüt 
Bist in der schúlen gwesen nit? 
Lottarius. 
Ja, da hab ich schon außgelert; 
Dein schúlmeister mich nimer lert. 
Wilbald. 
430 Wie, woltest dann nimmer gon drin ? 
Lottarius. 
Nein, lieber will ich haussen sein 
Und haben meinen freyen willen, 
Mit andren büben lauffen, spilen 
Und was ich will für kürtzweil treiben. 
45 So müstu in der schülen bliben 
Und deins schülmeisters liedlein singen, 
Auch lyden, wann er dich thüt schwingen. 
Wilbald. 
Du hast warlich jetz gar güt läben 
Dann ich, wann du das magst beheben. 
Lottarius. 
40 O, ich hab schon die sach erkobert 
[B3a] Und, wie man sagt, den streit erobert. 
Wilt mit mir gon? Wir wend züm wein. 
Ich halt dich z gast, will dein wirt sein. 
Wilbald. 
Ich gieng mit dir, dörfft ich nit sorgen, 
445 Das mans von mir erfür bib morgen; 
Dann ich hab der auffseher vil. 
Lottarius. 
Kum nur mit mir in schneller yl! 
Wer wolt es von dir - 





460 


icn sorg, er nan gesenen MUCU. 
Lottarius. 

Du thüst so gar seer forchten dich. 

Gang dapffer har, nit umb dich sich! 


1. akt, 7. scene. 
(Schülmeister, Felix, narr.) 
Schülmeister. 
Ich hab ein ding zü diser stundt 
Gsehen, so mir mein hertz verwundt. 
In keinen weg ich nit erwind, 
Lüg, wo ich den Felixen find; 
Dem will ichs geben zü verstahn. 
Sich zü, er kumpt glich dort hergahn. 
Felix. 
Preceptor, wa staht euwer gmút? 
Wie sehend ir doch, herr gott bhüt! 


[B3b] Sagt, seindt ir mit kranckheit umbgeben ? 


+10 


Ich gsah euch nie in all meim leben, 

Das ir waren so gar verblichen; 

All menschlich farb ist euch entwichen. 
Schülmeister. 

Felix, ich will dir bergen nicht, 

Was mich hat also gar entricht. 

Ich hab erst in der stund gesehen 

Kin ding, davon mir weh ist gschehen. 


[B4a] 


490 


4% 


Knabenspiegel, 1. akt, 6.—8. scene. 


Sorg ich, es würt im übel lonen. 
Ich will hingohn in des wirts haus 
Und in mit gwalt füren herauß. 
Narr Onkunst. 
Sie schöpffen auff |jetz] nach der pauß. 
Ich sorg, dem Wilbald sei eingangen 
Der rauch, er hab den schmack empfangen. 


1. akt, 8. scene. 
(Felix, Wilibald. Gottlieb.) 
Felix. 

Wilbald, hüt dich bei leib und leben 
Und thé dich nit in gsellschafft geben 
An disen lotter! Er wiirt dich 
Sunst gwissz verfieren sicherlich. 
Gang heym! Der vatter wartet dein. 


Wilbald. 
Felix, weyßt nit, was will er mein? 
Felix. 
Nein. Gang, ich will bald bey euch sein. 
Gottlieb. 


Wilbalde, sag, wo kumpst du her ? 
Wie seind dir deine füß so schwer? 
Wie gehstu auff der gassen schwancken, 
Gleich einem truncknen boltz gehst wancken! 
Ich glaub, du seiest voller wein. 
Wilbald. 
Wie kundt ich doch so bald voll sein! 
Ich drunck nit mehr dann nur ein glaß. _ 
Gottlieb. 
Sag mir an, wo dasselbig was 
Oder wer hatt dir geben das! 
Wilbald. 
Lottarius, mein güter gsell. 
Gottlieb. 
Ey das er in abgrundt der hell 
Müß faren, wann er dir mer geit! 
Son, son, laß dirs jetz e 


GU 


Dieweil ich von dir thet erwerben 
Ein son, so nach meinem absterben 
Mich ersetzet, auch all mein haab 

ə Ererbett, so ich kem zů grab. 





Jetz hab ich einen schonen son 

Und solt mich sein ergetzen nün. 

Dann er zům theil erwachßen ist, 

An schöner gstalt im nichts gebrist: 
530 Zür lernung wer er auch geschickt, 

Wann in der mútwill nit verstrickt. 

Derselb hat ın umbgeben seer, 

Daß er acht keiner straff nit mehr: 

Forcht und scham hat er gar verlorn. 
w Weyer wer er mir nie geboren. 

Darzü thüt ihn der lotter reitzen 

Und durch sein boßheit gar verbeitzen. 

Doch kan ich ım die schuld alleın 

Nit geben: dann ich entlich meyn. 





540 


Knabenspiegel, 1. akt, 8.—9. scene, 


Sein zuchtmeister in straffet nicht, 
Der schülmeister durch d finger sicht, 


[B5a] Und land in also anhin hotten, 


So,sie in billich schelten sotten. 

Ich aber allein trag das krütz, 

Ihn allen gibts zü schaffen nütz. 
Wolan, ich hoff d sach zü versehen, 
Domit ein solchs nit mehr sol gschehen. 
Sobald ich sein zuchtmeister find, 

Ich im die sach dermaß einbind, 

Das er wirt andren fleiß ankeren 

Und mein son ander mores leren. 


1. akt, 9. scene. 
(Lottarius, Wilbaldus.) 
Lottarius zú Wilbaldo. 
Woher, mein gúter gsell Wilbald ? 
Wie kumpst du so trauriger gstalt ? 
Was ligt dir an? Sag, bistu krank ? 
Du kümbrest mir meinen gedanck. 
Sag, ligt dir etwas schwerlichs an? 
Ich wend dirs, wo ich anders kan. 
Das solt du gwiß an mir erfaren, 
An dir wil ich kein trew nit sparen. 
Schaw, da hab ich ein güte beüt, 
Die ist mir erst gerathen heit. 
Die wend wir gon verzechen beyd 
Und damit haben grosse freud. 
Darumb so laß dein trauren stan! 
Wilbald züm Lottar. 
Ach, wie gern wolt ich mit dir gon! 
Mir aber jetz zü diser zeit 
Ein hart und schwere sach anleit. 
Lottarius. 
Wilbalde, sag, was ist die sach, 


[B5b] So dir bringt sollich ungemach ? 


Wilbaldus. 


so Ich von: 


Wie 


17 


257 


N II ayas Masas aaau IT WAL 224 11.000 =} sr... 


Lottarius. 
Darfür so geb ich nit ein schnall. 
Wann mir dein freund schon trawen a 
Vor in will ich dannocht beliben, 
Weiß sie auch wol zü überküben. 

580 Ja, hettest du ein sinn als ich, 

Du ließt nit also plagen dich. 
Wilbaldus. 

Den sinn mocht ich gern von dir leren 

Damit ich mich ir möcht erweren. 

Sag mirs, ich will güt fleiß ankeren. 
Lottarius. 

585 Ich sorg, du werdest volgen nicht. 
Wenn ich dich schon der kunst bericht. 
So thetest du nit, was ich sagt; 

Dann du schier bist zů gar verzagt, 
Wie ich dann vilmal von dir sich. 

59 Bald dein zuchtmeister schiltet dich, 
So stahst du vor im als ein stum. 
Gebst du im antwurt widerumb 

[B6a] Und ließest dich nit also fatzen, 
Stettigs vexieren, bochen, tratzen, 

8% Dich gleich haben wie ein füßhüdel, 

Wann du nur werst ein kuchisudel, 
Dein vatter solt es nit zügeben, 


we 





61 


o 


61: 


Ge 


Knabenspiegel, 1. akt, 9. scene. 


Sag, ist er nit ein bettler gsein ? 

Als er in diese statt ist kummen, 
Lieff er nachts auff der gassen ummen, 
Sant Klaußen umb die schinbein schläg, 
Mocht kaum ersingen brots genúg. 

Er gieng zerlumpet und gantz laußig; 
Jetzunder halt er sich so mausig, 

Als wann er auch gút edel wer, 

Trit in eim linschen rock doher 

Und dreit noch ander schon gewandt. 
Der laussig und rotzig bachandt, 

Er solt sich in der schwarten schemen, 
Das er im in sein sinn thet nemmen 
Mit dir zú reden solche wort, 

Als ich zúm nechsten von im hort. 

Ja, ich bin nür eins metzgers son; 
Solt ein solcher bachant mir thün, 

Als diser schitz dir thät dermaßen, 
Ich wolt ein messer in in stoßen, 
Wann der hencker hinder mir stind 


[B6b] Und wolt mir abhauwen den grind. 


625 


640 


Vil lieber wer mirs einmal gstorben 

Dann allen tag und stund verdorben. 
Wilbaldus. 

Du sagest warlich recht darvon, 

Wann ich die sach dörfft underston. 

Ich hab an mir der hund zü vil, 

Ein jeder mich zerreyßen will. 

Wann schon der vatter von mir kumpt, 

So steht mein zuchtmeister und brumbt. 

Jetz thú ich zú vil, dann zü wenig. 

Dann er der ansprach süchet menig, 

So er dann wider mich thüt haben, 

Wirfft mir auch für andere knaben, 

Die zi der leer getlissen seind, 

In sunderheit des bauren kind, 

Welchen mein vatter gnummen hat 

Von seim vatter an eins kind 


259 


AUB dem perte: nat aungelesen, 
Die wend dich jetzund registrieren. 
Hey, sie thiind dem adel wol zieren. 
Nun thetten sie doch nie nichts leren 
650 Dann in dem feld die schollen keren. 
Folg mir und dich gar nichts bekümmer, 
Was sie joch hand für ein gewimmer, 
[B7a] Und laß sie an ein kerbholtz reden! 
Wir wend wol fretind uns machen beiden. 
655 Kumb her, so wend wir gahn zim wein. 
Dis geltlein müß vertruncken sein. 
Ich habs doch leichtlich überkummen, 
Meim vatter auß der teschen gnummen. 
Die hat er hetit von im gelegt, 
660 Sich ein weil auff die gauttsch gestreckt; 
Bald griff ich in die täsch ein zuck 
Und erwuscht gleich die zehen stuck. 
Wie vil sie thúnd, weyß ich noch nit; 
Doch wend wirs wol erfaren hüt, 
665 So mir kummen zü unsrem wirt, 
Der ungenetzt gar sauber schirt. 
Wilbaldus. 
So gang! Ich wils recht mit dir wagen, 
Gott geb was mir mein vattr thüt sagen. 
Wann er sich schon glich letz thüt stellen, 
670 Will ich dich haben für ein gsellen. 





Knabenspiegel, 1. akt, 9.—10. scene. 261 


Wirt unser wirt dir zeigen an, 
Der do sitzt in der nechst tafern. 
Der hat [auch] solche jungen gern, 
Die in den teschen können maußen 
680 Iren vättern, das gelt drauß laußen. 
[B7b] Er hat mich selb der ding bericht. 
Wilbaldas. 
Gang bald, damit uns niemant sicht! 
Lottarius. 
Hand mir uns doch selb gstolen nicht. 


(Die zwen jungen gond in die taffern. Gottlieb betritt underdem den 
Felixen, seines sons zuchtmeister, handlet in fast übel.) 


1. akt, 10. scene. 
(Gottlieb, Felix, Fridbert.) 
Gottlieb, der ritter. 
Ich gang umb, süch dich disen tag, 
68 Eh dann ich dich betretten mag. 
Felix, der pedagog. 
Ach strenger herr, nit zürnet drumm! 
Dann ich erst auß der schülen kumm. 
Gottlieb. 
Sag, warumb hab ich dich angnummen, 
Odr warumb bist du zi mir kummen ? 
690 Was stond dir doch in meinem hauß 
Für grosser gschefft zi richten auf? 
Felix. 
Strenger herr, semlichs weiß ich wol, 
Das ich euwern son füren sol 
Za schél und achtung auff in haben, 
6% Auch auff Fridberten, disen knaben. 
Gottlieb. 
Wie kumpts dann, das ein solchs nit bschicht ? 
Des will ich haben kurtzen bricht, 
Ja das du bist so ungeflissen, 
Das sag mir! Ich wils von dir wissen. 
[B8a] Fait te 
70 Strenger he 


740 


145 


Knabenspiegel, 1. akt, 10.—11. scene. 


Wie mir von dir beschehen ist. 
Niemandt d studenten überlist. 


1. akt, 11. scene. 
(Die vorigen, schülmeister.) 
Schülmeister. 
Strenger herr, ich wünsch euch vil heyl. 
Gottlieb. 
Des geb euch gott ein güten theil! 
Lieber preceptor, sagt mir an! 
Dann ich mich hart erzürnet han 
Über Felixen hie zügegen. 
Gschicht als von meines sones wegen; 
Der hat sich gantz und gar verkert, 
Als vergessen, was er hat glert, 
Kan nichts dann mútwill, búberey. 
Darumb sagend mir, ob im sey, 
Wie Felix sein antwurt einfürt, 
Sagt, er hab erstlich wol gstudiert, 
Sey jetz hinder böß gsellschafft kummen, 
Die hab in von der leer genummen! 
Schilmeister. 
Zwar, strenger herr, ich sag euch das. 


[Cla] Als Wilbaldus noch gar jung was, 


3 


160 


Desgleichen Fridbert, so hie staht, 
Irs gleich ich in der schül nit hat. 
Dann kein ding in der welt nit was, 
Im latein wüßtens znennen das, 

Es wer von voglen, fischen, thieren, 
Als was sich in der welt thút rieren, 
Desgleichen aller báumen zucht 

Und was ein jeder bringt fúr frucht, 
Deßgleich blúmen, kretiter und gras. 
Semlichs aber thet machen, das 
Felix mit in solch fleıß ankert, 

Sie trewlich underweißt und lert, 
Zor summerszeit ins feld: thet fåren, 
Gieng in i 


263 


Al IM €s ¿war nit mangilen LOUL, 

115 Dann er meints mit den knaben git. 
Sich aber erst in kurtz begab, 
In der schúl was ein böser knab, 
Eins metzgers son, voll aller dick, 
Der braucht sich aller bößen stück. 

76 Zü im sich Wilbald gselt vor allen. 
Solchs thet mir selb nit wol gefallen, 
Thet sie offt beid mit worten straffen, 
Ward aber wenig an in schaffen. 

[C1b] Zületst do brauchet ich die rhút, 

78 Wie billich ein schülmeister thüt. 
Lottar aber (so heißt der wicht, 
So euwern son hat gar entricht) 
Verklagt mich vor der müter sein. 
Die kam bald in die schülen mein 

7% Und für mich an mit mist und koht; 
Kam mein tag nie in grösser noth 
Dann mit dem wunderlichen weib. 
Die stieß zú mir mit solchem kib, 
Das ichs mein tag nie scherpffer hort. 

79 Herr bhút, was schnöd und böse wort! 
Das wapen kondt sie mir außstrichen, 
Kein ınaler ir nit möcht vergleichen, 
Der eim das wopen so visieren, 
Sein helm und schilt köndt plafinieren. 





810 


Knabenspiegel, 1. akt, 11. scene. 


Gottlieb, der ritter. 
Ist im dann, wie anzeigen ir, 
So will ich die sach kummen für. 
Mein son müß Lottars müßig ston, 
Oder müß drob zü trimmer gon. 

Schülmeister. 

Ja, im ist, herr, wie ich gsagt hab. 
Drumb reuwt mich Wilbald, ewer knab, 


[C2a] Das sein ingenium geziert 


815 


So schandtlich soll werden verfiert 
Von eim so schnóden lottersknaben. 
Umbsunst nit disen nam thút haben, 
Dann Lottars namen wol bewert, 

Kein bößer lotter lebt auff erdt; 

Er ist unschamhafft, gantz verrücht, 
Gern auff ungwischten bencken sücht.. 


Er schleckt und leugt, stilt, was er find. 


Die drey stück seind gar nahe friind ; 

Dann welcher sich dern eins nimpt an, 

Ist gwüß, das ers all treibt und kan. 
Gottlieb. 

Ach, ıst es nit z erbarmen hoch, 

Das mein son disem schalck hangt nach 

Und nimpt sich seiner gsellschafft an, 

Wiewol ich in mein bhaussung han 

Im z gsellschafft dise zwen genummen, 


Meint, er solt ir gsellschafft nachkummen. 


Wolan, es müß flicht also sein, 

Das Wilbaldus, der sone mein, 

So von mir warten ist groß gut, 

Zür lernung hab kein sinn noch mit; 

Dargegen die zwen junge seind 

Beidsammen armer lüten kind 

Und studieren so fleißig wol. 
Schilmeister. 


Strenger herr, dis geschicht vilmal, ..... -... 


Dann armer lüten kind 
Von gott hand 


265 





Köndten sie nichts, es wer umbsunst, 
So müßten sie dohinden bliben, 
Ir lebtag lang hart arbeit triben, 
Groß armüt leiden hie auff erdt. 

865 Darauff merck, Felix und Fridbert! 
Legt euwer jugent nutzlich an! 
Was HanBlein nit thüt, Hans nit kan 
Züwegen bringen nimmermehr. 
Vonn mir so bhalten dise leer, 

810 Wennd ir der kunst haben genieB! 

[C3a] Und das euch die reülich züflıeß, 

Soltu erstlichen gotsforcht han. 
In zütem ghorsam jedermann 
Beflei dich underdienstbarkeit ! 

875 Bhalt, was man dir in gütem seit! 
Das alter hab ın hoher acht 
Und dem zů dienen fleissig tracht! 








Knabenspiegel, 1. akt, 11.—12. scene. 267 


Kein armen nit verachten sollt; 
Dann die kunst ist den armen holt. 
880 Du sichst selten ein reichen mann, 
So etwas kunstlichs bringt auff d ban. 
All kunst solt lieben in gemein 
Für gold und silber, edel gstein. 
Durch unfal mag das nemen ab, 

& Kunst blibt nnd weret biß ins grab. 
Acht nit, das mancher geltnarr spricht: 
‘Ich nem gelt, acht auff kunst gar nicht.’ 
Gwißlichen so ir dise leer 
Vergessen werden nimmermehr, 

80 So werd ir gwib noch über lanek 
Mir meiner leer gwiß sagen danck. 

Fridbert. 
Schúlmeister, gott geb euch den lon, 
Der wöll euch treuwlich dancken schon. 
Dise leer soll stetz bey mir bleiben, 
85 Dann ich wils in mein hertz thún schreiben. 
Schülmeister. 
Das thün, mein hertzlieber Fridbert, 
So gwinst du glück und heil auff erdt. 
Strenger herr, wölt mir urlaub geben, 
[C3b] Gott laß euch gsund auff erden láben ! 
Gottlieb. 
%0 Der ewig gott woll euch bewaren, 
Vil glück euch lassen widerfaren ! 


1. akt, 12. scene. 
(Gottlieb, Concordia.) 
Concordia. 
Ach gott, mein herr, wo kumpt ir har? 
Wie sehend ir so wunderbar! 
Euwer farb hatt sich gantz verwendt. 
% Wann ich euch nit vormals hett kendt, 
So wer mir nit möglich, das ich 
Fa lich. 


Ich sturb vor grossem leyd und schwer. 
Concordia, 
Ach mein herr, sagt mirs doch herauB! 
915 Ab mir so habend keinen grauß! 
Ich wend euch, was mir möglich ist. 
Gottlieb. 
Ach mein haußfraw, das mir gebrist, 
Kanst du mir leyder helffen nicht. 
Ein junger schalck hat mich entricht 
%0 Und mir mein liebsten son verfürt, 
Welchen züvor all tugent ziert, 
Hat grossen fleiß zür kunst und leer; 
Jetzund acht er sein gar nicht mehr. 
[C4a] Dann er in kein schül nimmer kumpt, 
925 Bey dem schandtfogell sich versumbt, 
Zücht mit im umb in die tafern, 
Darin thüt er all bofheit lern. 
Das ist der unmüt, den ich trag, 
Und mein gröst leiden, das ich klag. 
990 Drauff magst mir geben deinen raht; 
Dann güter raht kam nie zü spat. 
Concordia. 
Ach mein hertzallerliebster herr, 
Ich bitt, bekrenckt euch nit so ser. 
Der sachen ist noch raht zü finden. 
935 Wann ir der sachen recht nachgrinden, 





Knabenspiegel, 1. akt, 12. scene. 


Sagt mir die ding von wort zú wort. 
Concordia. 

Darauff, herr, mógt ir achtung haben, 

Wann er findschafft treit zú eim knaben, 

So darff er wol sagen auff in 


5 Das, so er nie nam in sein sinn. 


Gottlieb. 
Nein, mich hat auch vor lang bericht 
Sein pedagog Felix der gschicht, 
Seid er sey in die gselschafft kummen, 
Hab er all boßheit angenummen. 


[C4b] Lottarius ist sein gesell; 


970 


Ich glaub nit, das won in der hell 
Ein solch ungezogener strick. 
Concordia. 
Er ist hinn mit im gwesen dick ; 
Mach aber bey der worheit sagen, 
Das ich von im nichts weiß zi klagen. 
Gottlieb. 
Er kum mir nür nit mehr ins haus, 
Sunst wil ich in weisen hinauB 
Und im dermassen außhin leuchten, 
Er soll das keinem pfaffen beichten. 
| Concordia. 
Nün miB Wilbald auch gselschafft haben 
Mit disem oder andren knaben, 
Ir wolt dann ein münch auß im machen. 
Gottlieb. 
Concordia, schwig zü den sachen! 
Mein son den will ich dermaß ziehen, 
Das er müß schand und laster fliehen. 
Ich bin dermaß gezogen auch, 
Das man kein schand mich züchet nach, 
Bin dannoch kein kartuser worden 
Noch angezogen mtinches orden. — 
Dorthar kumpt schon mein lieber sûn; 
Ich wil selbs mit im reden thün. 


269 





[Loa] 


979 


W1IDaluaus. 

Was ists, mein vatter? Zeyg mirs an! 

Dann ich sunst auch zü schaffen han. 
Vatter. 

Die gschefft, welche du wendest für, 

Davon hat man gesaget mir. 

Nach böser gselschafft thüstu stellen. 
Wilbald. 

Ich säch doch nur ehrliche gsellen, 

So meinem alter füglich seind 

Und bei den ich mein kurtzweil find. 
Vatter. 

Die gsellschafft, welche du thüst süchen, 

Sich keiner erbarkeit genühen. 

Ich kenn wol den Lottarium, 

Das ist dein schöner gsell so frumm. 

Sein beste kunst ist flächen, schwören, 

Gott und sein lieylgen gar entehren ; 

Onghorsam vattr und mütter ist, 

Ein junger schalck voll arger list. 
Wilbald. 

Keyn schalckheit sah ich nie von im 

Noch anders, so sich nit gezimm, 

Sunst wolt ich seiner müßig gohn. 
Vatter. 

Vor einer stund da hört ich schon 


1000 


1010 


1015 


1020 


1025 


Knabenspiegel, 1. akt, 13. scene. 


Thú dich zú frummen knaben gsellen, 
Welche nach ehr und tugendt stellen! 
Bedenck, was unrecht darauß springt, 
Welcher nach aller boßheit ringt! 
Samuel in seim ersten büch 

Das zweyt capittel wol durchsúch! 
Do nent die schrifft des Ely sün 
Belials kinder. Solchs bschach ihn 
Alleyn von irer boßheit wegen, 
Darinn sie waren so verlegen, 

Das an in halff keyn straffen gar. 
Weiter, mein son, solt nemen war, 
Wie Salomon sagt in sein sprüchen: 
‘Ein weiser son der macht frölichen 
Sein vatter. Weiter sagt er mer: 
‘Wer annimpt warnung, straff und lehr 
Der würt weiß werden; dann der sün, 
So weiß ist, laßt sich straffen nun 
Sein vatter, so der spotter nicht 
Weder warnung noch straaff ansicht. 
Dann der vatter, so spart die rät, 
Sein kinder gwiß nit lieben thüt. 
Wer aber seinen son lieb hat, 

Der straffet ihnen fri und spat.’ 

Am neünzehenden er auch seit: 

‘Der son seigs vatters hertzenleydt, 
Der nerrisch und onghorsam ist.’ 

Im dritten búch Mosi man 1iBt, 

Das gott den kinden hart gebetit, 

Ja das sie sollend alle zeit 


[C6a] Vatter und müter ghorsam sein. 


Am zwentzigsten findstu auch fein, 
Wie Moses thüt die jungen leren, 

Wie sie sond alte leüt verehren. 
Spricht: ‘Vor eim grawen haupt alzeit 


108 Sollend auffston die jungen lüt 


Und den beweisen zucht und ehr. 
Noch weiters, lieber son, mich hör! 


271 


Die müst mann füren für die port, 
104 Und alles volck am selben ort 

Mit steinen den werffen zú todt. 

Zün Ephesern am zweyten staht, 

Und zú den Colossern am dritten 

Do lernt dich Paulus auch mit sitten, 
100 Sagt: ‘Ir kinder, seid gehorsam 

Euweren elteren mit nam!’ 

Diß nim zú hertzen, lieber son, 

Und folge meinem willen nun! 

Züch dich, wie ich dir vor gsagt hab, 
1055 Aller bösen geselschafft ab! 

Mein son, damit so wirst du mir 

Alles thún, was ich bger von dir. 

Volg deim preceptor, pedagogen 

Und thün sonst nach keinr gselschafft frag 
100 Dann nach Felixen und Fridbert! 

An in hast, was dein hertz begert; 

[C6b] Dann dich sie beid hertzlich lieb hand. 

Hast ihr ein ehr und gar keyn schand, 

Als du von dem Lottar thúst haben. 
1065 Dann derselb under allen knaben 

Der aller boßhaffst ist erkant. 

Boßhaffters schalks lebt nit im landt, 

Dann eben diser Lottar ist. 

Darumb so tleüch sein falschen list! 





1080 


1090 


C7a] Merck mich, Wilbald! Ich will glat nit, 


1100 


1105 


Knabenspiegel, 1. akt, 13. scene. 


Ein spiegel es der dugendt ist, 
Drinn die jungen zů aller frist 
Sollend besehen ir gestalt. 
Thústu das, würst du gwißlich baldt 
Ein ander wesen an dich nemen 
Und dich des Lottars gar beschemen. 
Wilbald nympts büch, sagt: 
Geplaget müssen die all sein, 
So mich und auch den gsellen mein 
Gegen euch hand so hart verklagt, 
Den Lottar so gentzlich versagt, 


Als wann er [wer] der schnödest wicht, 


So man auff erd mögt finden nicht. 
Nun weyß ich, er meyn mich so güt, 
Das in seim leib keyn tropffen blüt 
Nit ist, er teylet mir den mit. 
Gottlieb. 


Das du dich sein mer nemest an. 

Wilt mich für einen vatter han, 

So denck hinfürt dein leben lang, 

Des Lottars gentzlich müßig gang! 

Hab ich dir nit gselschafft genúg 

Ins hauß verschafft nach deinem fúg, 

Zeygs an! So will ich sehen drumb, 

Das ich dir noch mer überkumm. 
Wilbald. 

Vatter, von keynem ich nit spir, 

So sich so freuntlich halt zú mir, 

Als diser Lottarius thüt. 

Was freundtschafft mir der Felix that, 

Deßgleich Fridbert, die ist seer kleyn. 

Aber sie hand im brauch gemeyn 


` Mit mir zů zancken spath und frü. 


Ich fach an oder was ich thú, 

Ist ihn bitter wie entzian. 
Gottlieb. 

Du hörst, wo ich dir sage von. 


Wickram VI. 


18 


273 








1115 


Dort sich ich schon sein edle gstalt. 
Zü im will ich mich fügen baldt. 


1. akt, 14. scene. 
(Wilbaldus, Lottarius.) 


Lottarius. 
Wilbalde, wo bleibst disen morgen ? 


[C7b] Ich süchte dich mit grossen sorgen, 


1120 


1125 


1130 


Forcht, du werst aber im nodtstall, 

Do die hund in dich bissen all. 
Wilbaldus. 

Es hat fürwar nit gar gefelt. 

Ich meyn, mein vatter hab mir gstrelt 

Und aber mit camillen zwagen. 
Lottarius. 

Lieber, thet er nichts von mir sagen? 
Wilbaldus. 

Der hader was von deinent wegen; 

Do hettest ghört donder und regen. 

Jedoch ich ims als gern vertrüg, 

Dieweil das wetter nit gar schlúg. 

Lottarius. 

Ich acht sein nit ein kirsenstil, 

Das mich dein vatter fressen wil. 

Schaw zů. wie forcht ich mir so übel! 


Knabenspiegel, 1. akt, 13.—14. scene. 275 


Lottarius. 
Es sey glich was wóll für ein gdicht, 
So kenne ich den namen nicht. 
Lieber, was seinds doch für tandmeren ? 
1140 Das wolt ich dannocht wissen geren. 
Wilbaldus. 
Mein vatter sagt, wann ich das leß, 
[C8a] Ich deiner gselschafft gantz vergeß 
Und würt din gentzlich müßig gon. 
Darumb wend wirs beschlossen lon. 
Lottarius. 
114 Thút es dich anderst leren neit, 
So wirffs hin zi dem teuffel weit 
Und nim ein kartenspyl darfür! 
Das ist vil ntitzer mir und dir. 
Wilbaldus. 
Hey nein, ich wils dannocht behalten, 
1150 Damit ichs wider zeyg dem alten. 
Wann ichs nur in dem búsam trag, 
Acht ich nit, was es ler noch sag. 
Lottarius. 
Der teuffel hat das büch erdacht 
Und, wie ich glaub, auff die ban bracht. 
1155, Wann es ein nichts anders kan leren 
Dann sich von gúten gsellen keren, 
Warlich in meinem sinn ich acht, 
Dein schúlmeyster habs selbs gemacht 
Oder der pedagogus dein, 
1160 Damit du gangest müßig mein. 
Ich glaub, sie hand keyn grössern schmertz, 
Darzü keyn ander kreütz imm hertz, 
Dann das du dich nimpst meinen an 
Und ich dich wie ein brúder han. 
1165 Doch hoff ich auff ein solchen tag, 
Das ich mich gnúgsam rechen mag 
An dem Felixen und Fridbert. 
Das sie verschlinden müß die erdt 
Und das sie müß der schinder decken 


Dann möcht man vor in sicher sein. 
Wilbaldus. 
Es gilt mir glich umb sie all beid. 
Doch wer mirs für den vatter leyd. 
Lottarius. 
Ich aber wolt verzihen mich 
1180 Meins vatters, gilt mir schier gelich, 
Wann nur der schúlmeister mitgieng, 
Bey din gsellen an ein baum hieng 
Und darnach wer der vatter dein 
Ein todtenbor und leg der mein 
118 Darin und wern die mútern wax 
Verbrunnen vor der lychen strax. 
Wilbald. 
Hey nein, es wer mir dannoch leyd. 
Gott bhüt mir meine eltern beyd! 
Acht mit, wie es den andren gang, 
1199 Wann nun mein eltern leben lang. 
Lottar. 
Es ist jetz gnúg darvon geredt. 
Umb einen blappart ich verwett, 
Unser wirt wartet unser beyder. 
Wie möcht im doch geschehen leyder, 
119 Dann wann unser gselschafft zertrent 
Und wir nimm kamen zů im bhendt! 
[DlalTieher lak uns can 2% im haldt! 





1205 


1210 


1215 


[D1b] 


1225 


Knabenspiegel, 1. akt, 14.—15. scene. 2. akt, 1. scene, 


Und will nicht leren, ist sein schadt. 
Er fart Wilbaldum dapffer an 
Und lert in alles, was er kan; 
So folgt im auch Wilbald zimlich. 
Doch will zületst gern sehen ich, 
Was doch zületst will werden draus; 
Wann sie ligen in aller lauß, 
In alln mütwil und boßheyt leben, 
Umb ire áltern gar nichts geben, 
Achten auch ir schülmeyster gring, 
Schämen sich nit schandtlicher ding. 
Die zeit aber müß rosen bringen, 
Lohnt jedem, darnach er thüt ringen. 
Narr Onkunst. 
Hett ich güt warnung nit veracht 
Und allweg kunst, weißheit verlacht 
Und in allweg den müpff geschlagen, 
Dörfft ich keyn narrenkappen tragen. 


2. akt, 1. scene. 
(Felix, Fridbert.) 
Felix, der pedagog. 
Fridbert, an dich hab ich ein bitt, 
Die wöllest mir versagen nit. 
Dann du die sach vor allen dingen 


Vil baß dann ich magst zwegen bringen. 


Fridbert. 
Sag, lieber Felix, was mags sein! 
Ich wilfahr dem begeren dein. 

Felix. 

Du hast on zweifel wol gehört, 
Wie mir der herr so grob abkert 
Von wegen Wilbald seines sons. 
Wolt gern die schuld jetz geben uns, 
Als dem preceptor und auch mir, 
Wiewol wir können nichts darfür, 
Das sein son nicht gerhaten will. 


247 


1265 


1270 


1275 


1280 


Knabenspiegel, 2. akt, 1.—2. scene. 279 


2. akt, 2. scene. 
(Gottlieb, Concordia). 


Gottlieb. 
Haußfraw Concordia, vor leid 
Solten wır sterben alle beid, 
Das unser son Wilbaldus nit 
Will leren züchtig berd und sit. 
Als ıch von seim schülmeister han 
Vernummen, so hangt er sich an 
Eim bösen búben, welcher sich 
In allen lastern übt täglich. 
Er stilt und spilt, [er] schleckt und lügt, 
Vatter, múter, schúlmeister trügt. 
An im hilfft weder schelten straffen, 
Im mútwiln ist er gar ersoffen. 
Ach gott, ich sorg, das unser son 
Die stick von im werd leren nun. 
So wolt ich, das er wer ertruncken 
Und in dem ersten bad versuncken. 
Das wer uns baß zü dulden beiden, 
Dann das mir sollich crütz und leiden 


[D2b] An unsrem sün erst sond erleben. 


1285 


12% 


12% 


Ich bit, wölst dein raht hierein geben. 
Concordia, die müter. 
Seind güter ding, mein lieber herr! 
Die sach nit kommen soll so fer. 
Unser son ist noch jung und zart, 
Man mú im noch nit sein zü hart. 
Sonst wolt ich zwar nit darzü schlaffen, 
Wolt in mit rauhen worten straffen, 
Er solt sein lebtag dencken dran 
Und sich nit gsellschafft nemen an, 
So im böß exempel fürtriegen, 
Als stelen, spilen, schlecken, liegen, 
Und die sıch alles mütwils bflissen. 
Zwar es blibt im nit unverwissen. 


280 


i300 


Georg Wickram, 


Narr Frißumbsunst. 
Ey jo, sie hat sich wol beschissen; 
Wie man dann noch vil müter findt, 
Die sagen: ‘Ach, was ziicht mans kindt t 
Wans schon zehen, zwelff jar alt seid. 


2. akt. 3. scene. 


(Lottarius, Wilbald; nachher Fridbert. — Lottarius und Wilbald ku 


1305 


[D3u] 


1310 


1315 


132) 


men auf der tafern, epricht Lottarius,) 

Lottarius. 

Wilbalde, wie schmackt dir der wein? 

Was nit all ding bereitet fein ? 
Wilbald. 

Botz Judas, es ist als gút gsein. 
Lottarius. 

Hey, wie schwerst du so liederlich! 

Nim gat lantzknechtisch schwür für dich 

Als marter, leiden, krafft, onmacht! 

Solch weibisch schwür nimpt niemant acht. 
Wilbald. 

Ja, man sagt aber, es sey sünd. 
Lottarins. 

Was sagst! Es thünds die kleinen kind 

Jetzunder in der jugent leren. 

Von meinen eltern thet ichs hören; 

Eh dann ich hat sechs jar auff mir, 

Konds baB dann betten, sag ich dir. 

Drumb, wiltu werden ein lantzknecht, 

So múst du können schweren recht, 

Oder dich nimpt kein herr nit an. 

Dann welcher knecht nit schweren kan, 

Darbey auch allen mütwill triben, 

MB offt und dick dohinden bliben. 
Fridbert. 

Wilbalde, ich wolt dich gern han. 
Lottarius. 

(wiß ist etwas neüws auff der ban. 

Wilbalde, du müst den hundt heben, 





Knabenspiegel, 2. akt, 2.—3. scene. 981 


Des wil ich dir ein bürgen geben. 
Wilbald. 
Was ists, Fridbert, was wiltu han ? 
135 Sag mirs, machs kurtz und zeig mirs an! 
Mich wundert, was du wöllist mein. 
Kan nit wol gon, bin schier voll wein. 
Fridbert. 
Ach gott, Wilbald, was züchstu dich! 
Ich bitt, wölst ein klein hören mich. 
1330 Wiß, das ich heüt auff disen tag 
Von deim vatter hort grosse klag. 
[D3b]Sollichs umb deinetwillen gschach. 
Dein weif bringt in in weh und ach, 
Weil du dem Lottar hangest an, 
1885 Der dich doch nichts gúts leren kan; 
Dann er steckt aller boßheit voll, 
Das du dann selb thüst wissen wol. 
Nun hör, wie sich die sach angfangen ! 
Als mir seind auß der schülen gangen 
1840 Felix und ich, von ungeschicht 
Uns unser herr, dein vatter, sicht, 
Laufft schnell daher, in zorn erbran, 
Für dein zuchtmeister grimmig an; 
Ich meyn, er butzet im den búben. 
145 Sein augen zehern im anhúben; 
Dann im derhalb die schuld gar gab, 
Das du werst so ein bößer knab, 
Sagt, er het auff dich gar kein acht, 
Semlichs dich so unghorsam macht, 
1350 Vergessest aller zucht und lehr, 
Werest auch nimm gehorsam mehr. 
Felix zeiget an sein unschuldt 
Und bat in, das er het gedult, 
Biß er in aller sach bericht. 
1355 So begibt sich von ungeschicht, 
Das unser schülmeister kumpt dar, 
Berichtet deinen vatter gar, 
Das dich niemant auff solch onfleib 





1365 


1870 


1875 


1380 


Und nimpt ihm ab all ungedult. 

Dann wo du wider in thüst streben, 

Müst du gott schwerlich antwurt geben. 

Dann dir gott selb gebeutet fein, 

Solt vatter, mütter ghorsam sein, 

Wilt anderst lang auff erden läben 

In dem land, so dir gott würt geben. 
Wilbaldus. 

Fridbert, sag mir, wie lang es ist, 

Das du predicant worden bist! 
Fridbert. 

Du hast all warnung fúr ein spot. 

Ach ach, das mäß erbarmen gott! 
Lottarius. 

Wann hat der heimlich raht ein end? 

Das euch potz taussendt leiden schend! 
Wilbaldus. 

Es ıst nichts anders, dann er wolt, 

Das ich mich dein entschlagen solt 

Und mich dein gar nit nemmen an, 

Spricht, mein vatter wöll semlichs han. 
Lottarius. 

Du baurenknebel, bettelsack, 

Dich nummen flucks do dannen pack, 

Eh dann ich dich zü boden schlag! 


dor ram warns las He Ana WAW s.... ann 


1410 


1415 


Knabenspiegel, 2. akt, 3. scene. 


Er ist ein burger in der statt, 

Darbey ein grossen namen hat: 

Von seinem gschlecht vor langen jaren 

Hat mann sie in den raht erkoren, 

So du bist auß eim dorff hrinkummen. 

Hett man dich nit vom bettel gnummen, 

Du möchtest nit erneren dich, 

Werst bliben ein hirt bey dem viech. 

Hast schon ein herren jetz ein weil, 

Er ziecht dich, thút dir freuntschafft vil, 

Mags doch geschehen kurtzer zeit, 

Das er dein achtet nit ein meit 

Und jagt dich aub von hoff und hauß 

Zi deim vatter auffs dorff hinaub ; 

So bist du ein bettler wie vor. 

Mich lust, ich zieh dich umb beim hor. 

Troll dich nur bald von uns hinwegk, 

Eh dann ich dich umbzüch im dreck! (Fridbert ab.) 
Wilbaldus. 

Ich meyn, du habst in außgeriben. 

Gelt, wo er lang bey uns sey bliben, 

Sunst wolt ich ims han gröber gmacht, 

Das er sein nit müß haben glacht. 
Lottarius. 

Wilbalde, ich dir sage das, 

Du wólst die sach bedencken baß. 

Dann wo du dich wirst keren dran, 

So mústu drey zuchtmeister han. 

Der ein würt dir singen die metten 

Und dich des morgens gar wol fretten ; 


[D5a] Der ander würt dir vesper lesen ! 


1425 


Vom dritten magstu nit genesen, 
Er würt dir zletst das Salve singen, 
Das wasser auß den augen bringen. 
Der bachant Felix fahet an, 
Demnach múst den Fridberten han, 
Zim dritten den schülmeister dein, 
Werden all dein zuchtmeister sein. 


283 


284 Georg Wickram, 


Drumb bis nur willig, schick dich drin! 
Wilbald. 
Eh müssen sie mich gar ztodt schlagen. 
Lottarins. 
1430 Ich will dir wol ein anders sagen, 
So du mir anders folgen wilt. 
Wilbald. 
Sags rauß! Ich volg, geb was es gilt. 
Lottarius. 
Ich wey ir aller rahtschlag schon. 
Sobald du jetzund heim würst gon, 
1435 Wirt Felix, der zuchtmeister dein, 
Gar seltzam abenteurisch sein. 
Zerst wirt er auff den vatter trawen, 
So werd dich der schúlmeister hawen, 
Darnach will ers der múter sagen 
140 Und allen deinen fründen klagen. 
Dann mústn im also begegen 
Und dapffer wider in dich legen. 
Wann er dir gibt ein bößes wort, 
Gib du im zehen an dem ort! 
145 Dich gegen im gantz dapffer ryb, 
[D5b] Schnur, grum, schnaw umb dich, kretz und beiß 
Und heb vor ım zü zannen an! 
So machst in, das er nichts mer kan. 
Sav, wöl er dich des nit vertragen. 
150 So wollest dus der mútter sagen; 
Dann eh du wollest semlichs lyden, 
Eh wölst deins vatters hauß vermyden 
Und lauffen auß dem landt so fer, 
Das man dich erfar nimmermebr. 
145 Damit würstu in angsthafft machen, 
Das er thüt schweigen zü den sachen, 
Du fahest gleich an, was du wöllest. 
Wann du dich so rumorisch stellest, 
So würt er stetz in sorgen stohn, 
1460 Wann du dem vatter lauftst darvon, 
So müß er auch ein weyten weben 





Knabenspiegel, 2. akt, 3.—4. scene. 285 


Und wider in der armüt leben. 
Wilbaldus. 
Warlich, deim raht ich folgen will, 
Damit ich solchen hader still. 
Narr Onkunst. 
1465 Welcher schüler die leer behalt, 
Kumpt gwißlich an den galgen baldt. 


2. akt, 4. scene. 
(Fridbert, Felix.) 
Fridbert. 
O Felix, wie ist mirs ergangen ! 
Ich meyn, ich hab mein danck empfangen 
Ab meiner treüw warnung und leer. 
1470 Dann sie mich hand gescholten seer, 
Mein armút mir wol auffgemutzt; 
Ich sey ein mensch, so nyemandt nutzt, 
Drumb solt ich mich bald von in machen 
[D6aJOder graufft, das mir dschwart thet krachen. 
1475 Also ich mich von inen trolt, 
Da ich ir streych nit haben wolt, 
Docht: 'Ich gang hin, weil es ist gút. 
Felix. 
Schweig, Fridbert, hab ein gåten mit! 
Deiner armút solt dich nit schemen, 
1480 Ein beispyl bim schúlmeyster nemen. 
Dann du hast vom schúlmeyster ghórt, 
Die armüt tugent nit zerstört. 
Drum biß nur gflissen, folge mir! 
Dann ich nichts args will rahten dir. 
Wer weyßt, erleben mir die zeit, 
Auß uns mögen auch werden lüt, 
So Wilbald mit seim grossen güt 
Noch kummen mag in gros armit, 
So er nit von seim wesen laßt 
149 Und sich der |bößen] gsellschafft maBt. 
Fridbert. 
Gott geb genad, das er sich ker 


1485 


w 


ame Sa an SEG we as Ww AD WO 


(Felix, Fridbert, Wilbald.) 
Felix zü Wilbalden. 
Wilbalde, was ist die ursach, 
Das du uns bringst solch ungemach, 
Deim vatter und desglichen mir? 
Warlich, warlichen sag ich dir, 

[D6b] Ich wils fein dem schülmeister sagen. 
Er würt dir semlichs nit vertragen, 
Das du dich nimpst des Lottars an. 
Nichts gütes er dich leren kan, 

Dann er steckt aller boßheit voll, 

1505 Solchs magstu selber wissen wol. 
Wilbald, ich bitt dich, laß darvon 
Und thü des ertzschalcks müssig gon. 
Bey im erlangst du doch kein ehr. 
Drumb thé dich selb bedencken mehr, 

1510 Das du bist von eim edlen stammen, 
Darzü auch von eim grossen namen. 
So findstu sunst noch feine knaben, 
Mit welchen du magst gselschafft haben 
Und haben ein ehrlich gemüt. 

1515 Drumb dich vor dem schandtvogel hit, 
Folg mir, Wilbalde! Es ist nodt. 

So mag dir noch wol werden raht. 
Wilbaldus. 





1525 


Knabenspiegel, 2. akt, 5. scene. 


Wilbald. 
Du bettler, red, wann ich dich frag! 
Was darffst du antwort geben mir, 
Dieweil ich noch nit red mit dir! 
Felix. 


Wilbalde, du bist vil zü hitzig 


[D7a][ Und] hast ein köpfflein gar zů stützig, 


1530 


1540 


1545 


1550 


Ich hab dich nun gewarnet dick. 
Wilbaldus. 
Umb euch all geb ich nit ein wick, 
Ist minder dann ein dudenier. 
Felix. 
Eim andren will ichs sagen schier, 
Gott neme mir dann vor mein leben. 
Umb denselbigen müstu geben. 
Wilbaldus. 
Ja, wann dus schon dem vatter sagst 
Oder glich dem schülmeister klagst, 


Wolt ich nit drumb dort umbhein sehen. 


Mich aber merck! Was wirt geschehen ? 
Du würst mit deiner weiß anrichten, 


Das dich noch reuwen solch geschichten. 


Dann einmal, eh ich von euch allen 
Will liden sollichs überfallen, 
Eh will ich lauffen also weit, 
Das mann mich nit in langer zeit 
Erfaren müß. Dann wirt man dir 
Jıeygen den weg, so daus goht für, 
Was darff mein vatter dein ım haus, 
Wann ich nün bin gelauffen draus! 
Dann henck wider an deinen hals 
Den bettelsack glich wie vormals! 
Felix. 
Wilbalde, ich meyns git mit dir. 
Drumb soltest billich horchen mir 
Und nit glich under augen schlagen 
Mein armút. Was wilt mir dran sagen, 


[D7b] Dieweil ichs vor weyß selber wol! 


287 


Narr. 
1560 Ey, wie bhalt er so fein und eben 
Die ler, so im der Lottar geben! 
Wol würts im kummen all sein leben. 
Ich müß fein hüpschlich nahin dichen 
Und heymlich umb die lecker schlichen, 
1365 Ob ich auch etwas leren kéndt, 
So einem lecker wol anstiend. 
Sorg aber, wann ichs treib zů lang, 
Man mögt mir lohnen mit eim strang. 
Böß end gwan nie güten anfang. 


2. akt, 6. scene. 
(Wilbaldus, Lottarius.) 
Wilbaldus. 
1570 Lottari, nun biß gúter ding 
Und hor, was ich fir zeitung bring! 
Lottarius. 
Lieber, sag mir, wie ist dirs gangen ? 
Wilbaldus. 
Felix hat mich dermaß empfangen, 
Wie du mirs vormal sagtest eben. 
Lottarius. 
1575 Was hast ihm aber z antwurt geben ? 
Wilbald. 


Racht wia an miche lartact varmal 





1585 


1590 


1600 


Knabenspiegel, 2. ukt, 5.—6. scene. 289 


Lottarius. 
Sie seind beyd nit eins nestels wert. 
Sag mir, womit sie wolten beid 
Eim jungen machen künden freud, 
So das sich einr -ergetzen mögt! 
Glaub, wann ich eim ein mummschantz brecht, 
Er wißt mir sie zü halten nit. 
Darumb dörfft ich groß wetten mitt. 
Wilbaldas. 
Ich kans noch frey, wie du michs glert, 
Als mir zünechst hand z abendt zert. 
Ich nim wirffel und gelt, legs nider, 
Sag 'Mummschantz', nim ein wirffel wider, 
Wirff den hinauB und laß in stohn. 
Den andern m&B ich werffen lon. 
Welcher zúm minsten hat, ist knecht, 
Hab ichs anderst behalten recht. 
Derselb wirfft dann die schantzen an, 
Sagt: ‘Das ist für dich, gúter mann.’ 
Die ander schantz, so naher falt, 
Welcher wiirfft. im dieselh behalt. 
Eh kummend schantz die ist die best. 
Lottarius. 
Das dus so wol behalten hest! 
Herr bhüt, du hast ein gúten kopff. 


[D8b] Was bin ich nummen für ein tropff! 


1605 


1610 


Z/wen gantzer tag lert ich daran, 

So kaum ein ding behalten kan. 

Ich kan noch eins, müß dichs gleich leren, 

Damit sich zwen möchten erneren. 

Den würffel ich frey knipffen kan, 

Das er mir gibt, was ich will han, 

Es sei eß. daus oder drey 

Ein quater, zincken. ses so frey. 

Auff dem wirffel znechst bei der handt 

Kan ich es werffen alles sandt. 
Wilbaldus. 

Das ist warlich ein feyne kunst. 


Wickram VI. 19 





1635 


1644) 


1645 





ladann de erst Herisbaitlig EE, 
Sag, wie dirs this so 5 bel gon, 
Du seyst bedacht und wölst darvon. 
Beid vatter und müter verlassen, 
Eh du wolst sein gequetscht dermassen. 
Was soll es gelten, sie würt bald 
Die sach anrichten dergestalt, 
Das sie dich werden lassen machen 
Und dir nichs tragen in dein sachen. 
Narr Onkunst. 
Des kleinen schelmen müß ich lachen. 
Lauff, hencker, lauft, henek, das möcht krachen! 
Wilbaldus. 
Ich will gon heim von stunden an 
Und alles brauchen, was ich kan. 
Lottarius. 
Mit disen stiicken obgedacht 
Hab ich mir freyheit z wegen bracht 
Als durch mein múter, ich dir sag. 


Enabenspiegel, 2. akt, 6 scence. 


Dann es begab sich auff ein tag, 


16 Das sie mich auf der schülen nam 


Und selber zúm schúlmeister kam, 

Thet im den búben weidlich butzen. 

Der krieg würt mich mein lebtag nutzen: 
Dardurch ich auf der schúl mag bleiben, 


1655 Im hertzen hassz ich lesen, schreiben, 


Sag, was nutzt mich doch schriben, lesen ! 
Mein eltern seind auch leut gewesen 


[Elb] Und hands nit understanden z leren, 


1660 


1665 


1670 


1675 


Ich ger mich auch nit mit zü neren. 

Wann ich schon glich ein metzger bin, 

Gibt mir das schreiben schlechten gwin. 

Und wann ich gleich vil schuldner han, 

So schneid ichs an ein kerbholz an. 

Dieselben frisset mir kein maus, 

Und reißt keiner kein blat heraus, 

Wie man auß eim register kan. 

Was ist dein vatter für ein mann, 

Das er dich mit plagt spat und fr, 

So du doch hast kein lust darzú! — 

Es dunckt mich zeit, ich múb heimgon. 

Mein volck hat gwißlich gessen schon, 

Aber mein múter bhaltet mir 

Mein teyl, das weyß ich gwiß an ir, 
Wilbaldus. 

Was sagt aber der vatter dein, 

Wann du so lang thüst aussen sein ? 
Lottarius. 

Sobald ich an den himmel sich. 

Hab ich ein lug erdacht für mich. 
Wilbaldus. 

Lieber. sag mir teutschlich mit namen. 

Wo kummen wir «hier wider zeamen? 
Lettarias. 


“Ich rabt. in sera wirtes hate: 


Derly use aufftren nach der pase, 
Drum lig ber bry und vests mit «ute! 


19° 


21 





16% 


100 


1705 


O gott, wir wóllen preysen dich. 

Gesegne uns genadigklich 

Die gegenwertig speiß jetzund! 

Von dir, herr, alles gütes kumpt. 

Gib uns, o herr, den segen dein 

Über die speiß, tranck, brodt und wein, 

Das wir in deim lob solches niessen ! 

Dann von dir alles gút thüt fliessen, 

So uns widerfart allensamen. 

Dir sey ewig lob! Sprechend amen! 

(Jetz kumpt Wilbaldus über tisch. Spricht der v: 
Gottlieb. 

Seind wilkumm, lieber juncker mein! 

Wann seind ir lang gnüg auf gesin? 

Du hast angnummen ein fein wesen 

Und dir ein gsellen außerlesen, 

Der dich über die maß wol ziert. 

In büberey er wol studiert, 

Dieselbig müst auch von im leren. 

Er mag sichs henckers nit erweren. 

Wann ich zü deim schúlmeister kum, 

Will ich in freuntlich betten drumb, 

Das er dir ein güt fel abker 

Von wegen deiner schonen leer, 


Knabenspiegel, 2. akt, 7. scene. 293 


Sag: ‘Herr vatter, ich thüs nit mehr. 
Ich bitt, verzücht mir nummen das! 
1715 Hinfürt will ich mich halten bas.’ 
Wilbald. 
Was hab ich dann übels gehandlet, 
Das man mirs so in böß verwandlet ? 
Gottlieb. 
Secht zü umb unsren lieben son! 
Hat er nit wol studieret nun? 
Müter. 
1120 Er ist erschrocken und verzagt, 
Weißt werlich gar nit, was er sagt. 
Kum raußher mit mir, du unflot, 
BiB dem -herren der zorn vergodt! — 
Ach gott, mein son, was izt dir gschen, 
115 Das du thúst also übel sehen ? 
Wilbald. 
Felix, der schmützig bettler, het 
Also sein kurtzweil mit mir thet, 
Er plagt mich, trawt mir für und für. 
Drumb will ich jetzund sagen dir, 
uw Eh ich mich also quetschen loß, 
Lanff ich darvon nackend und bloß 
Hin auß dem land so weyt und ferr, 
Das ir nichs von mir hörend mehr. 
Müter. 
Ach, was woltst.mich, die múter dein, 
[E3a] Ziehen, das du mir solche pein 
Woltest machen an meinem hertzen! 
Wie überwund ich solchen schmertzen ! 
Wilbald. 
Wie soll dann ichs erst überwinden, 
Das ich teglich von bettlerskinden 
1740 Soll also hart geplaget sein, 
Die mir doch abfressen das mein! 
Müter. 
Schwig, mein son, laB dich nit belangen! | 
Sobald der imıbiß ist vergangen, 





4 — ey = u _ 1. 


1760 Ich wıll hingan, die sa sh vertra zen; 
[E3b] Der vatter soll gar nichts mehr klagen. — 
Gottlieb. 
Wo hast dein lieben son hingtlian ? 
Muter. 
Ach mein herr, sagt mt mehr darvon! 
Er hat mir also angst gemacht; 
1165 Dann im im leib sein hertzlein kracht, 
So gar hand in ergelstrett ir. 
Gottlieb. 
Ich weyB ein oft artzney darfür. 
Wann man nem em newgbachne rüt 
Und hiew in, das ims arsloch blüt. 
1770 Das macht solch bobe btben güt. 
Wo man in aber halsstarck geit, 
Da hilfft auff erd keim ziehen neit. 
Muter. 
Alch] lieber herr, seind gúter dingen! 
Ich will euch ein vergeßdrunck bringen. 





1775 


Knabenspiegel, 2. akt, 7—8. scene, 


2. akt, 8 scene. 
(Wilbaldus, Lottarius.) 
Lottarius. 
Wilbalde, sag mir, wie dirs geht! 
Wilbald. 
Ich glaub zwar, du seyst ein prophet. 
Dann wie du mir gewissagt hast, 
So ist es als ergangen fast. 


‚Die múter hat all ding verricht, 


Den hader gar zerlegt und gschlicht, 
Hat mir darzü diß geltlein geben, 
Damit sollen im saus mir läben. 
Das nechst mal zaltest du für mich; 
Jetzund wil ich zalen für dich. — 
Lottarius. 


[E4a] Jetzund sichst erst, was dich all tag 


1805 


Mein güte leer genutzen mag. 

Drumb folg du mir in allen dingen! 

Gelts wend wir gnúg züwegen bringen. 
Wilbald. 

Lieber, lig, das mir z essen finden! 

Mich hungert, das mir möcht geschwinden ; 

Dann mein volck schon zů tisch war gsessen. 

Als ich heimkam, wolt ich nit essen, 

Ich stund und maulet immerdar. 

So fert mein vatter eilens har 

Mit bösen worten gantz grausam 

Und schar mir scharpff über den kam. 

Ich blickt umb mich, wandt ım den rucken, 

Sorgt stetz, er würt ein teller zucken. 

Die múter aber sorgt darfür; 

Dann sie es allweg hielt mit mir. 

Zúletsten stunds auff von dem tisch 

Und fúret mich heraußer risch, 

Erfragt mich aller glegenheit. 

Ich antwort, wie du hast geseit. 

Do ging es mir nach meinem sin; 


295 


296 Georg Wickram, 


Sye gab mir gelt, ich für dohin. 
Lottarius. 
Ey ja, also es sich gebürt. 
Mir wend hingon zü unsren wirt, 
Da ist bereitet etwas gúts. 
1810 Erst wend wir sein eins liechten múts 
Unds nummen dapffer setzen nein. 
Wann wir schon all tag gond zúm wein, 
[E4b] Mógen wir das gelt nit verbrassen. 
Hey, thúndt uns schon die vátter hassen 
1815 Und wends die müter mit uns han, 
So ligt mir nit ein wick daran. 
Sye werden uns wol gelt aufftriben, 
Das mir lang mögen frölich bliben. 
Narr Frißumbsunst. 
Nur dapffer dran, thünds bald auffriben ! 
s% Wann dann die mütter nimm wend geben. 
So greiffen dapffer drauff darneben ! 
Dann sagt man: Ziehend auß die schü 
Und lauftt barfüß dem galgen zů! 


2, akt. 9. scene. 
(Gottlieb, Concordia, Felix, Fridbert.) 
Gottlieb. 
Sobald mir von dem tisch auffston. 
1525 Felix, so solt du eilens gon 
ZX dem schúlmeister und im sag, 
Das er von heut an allen tag 
Acht nem auff meinen son Wilbald 
Und in scharpff in der rûten halt. 
1830 Insunders wann er von im sicht. 
Das er den Lottar midet nicht. 
Aber wann ichs bedencke lang. 
Ists best, das ich selb zü im gang 
Und sags im gar ernstlicher weiß, 
1835 Damit er brauch des grossern fleib. 
Kumpt zu dem tisch und machts nit lang. 
Sagend vor gott dem herren danck! 


Knabenspiegel, 2. akt, 8.—9, scene. 297 


Fridbert. 


O höchster gott in deinem reich, 
Der du uns hast so vätterlich 
[E5a] Mit speiß und dranck versehen hüt, 

O lieber gott, speis uns auch mit 
Deim heilgen wort an unsren seelen 
Und behüt sie vor hellenquelen, 
Beleit sie in dein ewigs rich! 

155 O herr, uns allen das verlich! 
Von ewigkeit zü ewigkeit 
Sey dir lob, preiß und danck geseit. Amen. [Gottlieb ab.| 

Müter. 

Felix, Fridbert, verziecht ein weil! 
Mit euch hab ich zü reden vil. 

180 Lieber Felix, sag mir darvon, 
Wie sol ich doch die sach verston, 
Das du meim allerliebsten kind 
Bist so auffsetzig, neidig, find? 
Kein kurtzweil er nit driben darft, 

185 Du farst in an mit worten scharpff. 
Dann thét er dir zi kurtz, zů lang, 
Es thit mir an meim hertzen bang. 
Ich meynt, du ließt benügen dich 
Der güthat, so dir bschicht täglich 

1880 Von mir und auch dem herren mein, 
Und liest mein son auch frölich sein, 
Bey andren jungen süchen freüd. 
Ich sich, du und Fridbert all beid 
Kein andre freüd begeren mer 

185 Dann zů studieren und der leer. 
Das ist bey meinem son verdust, 
Dann er hat zü der schül kein lust. 
Derhalben wölt ir mein genad 
All beid behalten. ist mein raht, 

[E5b] So lond Wilbaldum frölich sein 

Und tragend im gar nichts darm! 
Ey. wann er glich etwas verthút. 
So goht es doch auß meinem güt. 


Zim pfand mein seel des jeder hab. 
Felix. 
Vergebt uns, fraw! Es soll nimm gscheher 
Das sollend ir gwiß von uns sehen. 
Wann er glich auf dem kopff thút gon, 
1885 Ich sagt, er hab im recht gethon. 
Miter. 
Ir habt mich wol verstanden schon. [ab.] 
Felix. 
O Fridbert, sich, wie gaht es zü! 
Was ich im allerbesten thú, 
Das wirt mir yetz auffs böß außgleyt. 
180 Wolan, wir hand schon unsern bscheyd, 
Wir müssen durch die finger sehen 
Und allen mütwill lassen gschehen, 
Es sey mit spylen oder rassen, 
Mit füllen, schlemmen und mit prassen ; 
18% So wend wir ihm nit reden drinn. 
Fridbert. 
O Felix, liebster gselle mein, 
[E6a] Ach, wie wol es umb einen staht, 
Der da ißt seines vatters brot 
Und darff sich nit durch frembd leüt neren 
1900 Schaw, was müß einer sehen. hören! 
Die frauw uns gleich verweißen thüt, 





1910 


1915 


1920 


1925 


Knabenspiegel, 2. akt, 9.--10. scene. 


Und über nacht zühanden gohn. 

Wolan, ich habs befolhen gott. 

Dem gleich du, Felix, auch thún sott. 
Felix. 

Ich habs warlichen zú vil molen 

Gott alles sam trüwlich befolhen. 


2. akt, 10. scene. 
(Gottlieb, schülmeister, Felix, Fridbert.) 
Gottlieb. 
Ach gott, wißt ich doch schlipff und steg, 
Das ich mögt finden füg und weg, 
Dardurch ich meinen son mögt bringen 
Auff güte ban zú grechten dingen ! 
Das wer mems hertzen grosse freüd. 
Sunst weyß ich yetz kein grösser leyd, 
Dann das er sich nit schicken will, 
Damit er lernt der tugendt vil. 
O gott, ich bitt dich durch dein huld, 
Hab ich ye solchs umb dich verschuldt, 
Du wöllest mir ein solchs vergeben, 
Damit mein son ein ander leben 
Doch an sich nemen thet einmal, 
Eh er wirt aller laster voll. 


[E6b] Ich will zú seim schülmeister galın, 


1980 


1935 


Sein selbs raht auch von im verstahn. 

[Sich,] dort staht er on all geferdt, 

Bei ihm mein Felix und Fridbert. 

Wo aber mein son yetz umbgaht, 

Ein solchs mir nit zü wissen staht. 
Schulmeister. 

Secht, dort kumpt ewer herr allein. 

Er würt gwüß aber zornig sein. 

Felix. 

Gar nit in zorn er kummen thüt, 

Sonder [hat] ein fürnemen güt 

Seins sons halb. Gott geb sein genad, 

Das die sach jetzt züm besten graht! 


299 





n 1405 


163 


puro 











So lang das er in kuntschafft kummen 
Des hößen Lotters nndernammen. 
Da hab ich in gewarnet offt, 
Auletst mit gúten riten gstrofft. 

[ch bhalt auch hei‘ (er warheyt das, 
Seit ich zúm nechsten bei euch was. 
Hab ich in seidher gsehen nie, 

So hand mich yetz berichtet die. 
Da znechst sei ein schnode tafern. 
Drin alles búbenvolck wondt wern ; 
Da haben sie beid irn auffritt. 

Nun ist der wirt. also gesitt, 

Das er vil reicher burgerskind 
Inziehen thüt. wo er sie findt. 

Die sich an seine schalekhevt keren, 
Dieselben thút er Heißig leren, 

Das sie den Altern wein und brot 
Abtragen und was in ist nol. 











1975 


1980 


[E7b] Wie wir zwen giengen durch die gassen. 


1985 


1990 


(Felix, Fridbert. Lottarius, Wilbald. — Gottlieb, Schülmeister.) 


Knabenspiegel, 2. akt, 10.—11. scene. 


Das bringens im täglich zü hauß, 

Und lebt dann mitt in in dem sauß. 

Das müssens dann als doppel zalen. 
Gottlieb. 

Ach gott, wern sie zü disen malen 

Beinander, wer das allerbest, 

Wir wolt gohn, [den] wirt und die gest 

Beiln]ander fein subtil auffheben. 
Fridbert. 

Herr, sie seind darinn gangen eben, 


Sie sitzend noch beinander zbrassen. 
Gottlieb. 

Schúlmeister, nempt zwo rúten mit! 

Damn ich will ye erwinden nit, 

Biß mir sie haben funden dort 

In dem schonen ehrlichen ort. 

Sohilmeister. 

So wend wir recht mitnander gohn. 

Felix und Fridbert, mich verstohn, 

Gond ir mitnander hnin geschwindt! 

Ist es sach das irs drinnen find, 

So sond ir uns bald rüffen hnin. 

Gar bald wöllend wir bei euch sein. 
Felix. 

Find ich den lotter selb darın, 

Er müß mir gwißlich nit entrin. 

Ich will im ein sufleten geben. 

Er sols gedencken all sein leben. 


2. akt. 11. scene. 


Lottarius bekumpt Felixen rauß zü gohn. 


[Felix.] 
Du galgenstrick. find ich dich hie! 
Du hast mir mögen werden nie, 
Jetz hab ich dich zü rechtem fundt. 


301 


|[E8a] Lottarı, el und lauft darvon, 
2005 Sunst wirds uns beiden übel gohn. 
Felix schreit, sinckt nider. 
Mort, immer mort mir armen knaben! 
Secht, wie sie mich gestochen haben! 
Gottlieb besicht den stich. 
Hat das gthon Lottar, der bößwicht ? 
Friäbert. 
Nein, Wilbald thets, der ander nicht. 
Felix. 
2010 So gschwind ist mir der stich geschehen, 
Das ichs fürwar nit hab gesehen. 
Gottlieb. 
Wo seind die schelek doch hingeloffen ? 
Schilmeister. 
Herr, sie haben sich schon verschloffen. 
Ich hab sie gsücht an allen orten. 
Fridbert. 
2015 Ich bin gweßt under der stattporten. 
So lauffens hinweg vogelgschwindt, 
Nit müglich ist, das man sie findt. 
Gottlieb. 
Hey, lautfend hin ins henckers namen ! 
Ach, hiengens an ein baum beidsamen. 
2020 Das wer ir lohn und gröste ehr. 
Ber ihn ist keim besserung mehr. 





Knabenspiegel, 2. akt, 11—13. scene, 303 


2. akt, 12. scene. 
(Narr Onkunst, Narr Frißumbsunst.) ` 
Narr Onkunst. 
Woher kumpst, mein Küntz Frißumbsunst ? 
Narr Frifumbsanst. 
Ungfer dohar, Klewi Onkunst. 
l Narr Onkunst. 
2090 Lieber, was hast du neuws gehört ? 
Narr Frißumbsunst. 
Ey, gar ein wunderlich gefert. 
“ Narr Onkunst. 
Lieber, gib mirs auch zü verston! 
Narr Frißumbsunst. 
Die zwén ertzlecker seind darvon. 
Narr Onkunst. 
Welch zwen? Ich bitt, verteütsch mirs gar! 
Narr Frißumbsunst. 
285 Der Wilbald und der schalck Lottar. 
Die hand ein böße sach begangen; 
Ir schúlmeister wolts haben gfangen, 
Da seind sie im beid[sam| entsprungen 
Und haben gar ein feinen jungen 
2010 Verwundet in ein schenckel dieff. 
Ich sach das blút, wies außer lieff. 
Narr Onkunst. 
Das hab ich lang gedacht fürwar, 
Wiewol ich bin ein narr und thor, 
Das Lottar durch sein list und gfert 
206% Den Wilbaldum verfieren wert. 
Der thút mich in meim hertzen tawren, 
[Fla] Das er von disem schöden lawren 
So schandtlich soll werden verfürt. 
Ey, wye schon er den galgen ziert! 


2. akt, 13. scene. 
(Concordia, Gottlieb.) 
Müter Concordia. 
2050 O we, o we mir btrübtem weib! 








d ‘i + v 
`i Má ANI ae 
E ae = ” 
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| 1 


suo Von böser | geellschaftt. Dra a 


2015 


So wer es uns nit dahin kummen. 
Sich zů, das ist jetz unser lohn. 

Das er laufft mit eim schalck darvon. 
Wolan, es gschicht dir eben recht. 
Als. das er nur anfing, was schlecht. 


["1b] Heimlich hastu im gelt zügstossen 


I 


Und mich das gar nit wissen lossen. 
Damit er nur sein büberey 

Mit dem Lottar mocht haben frey. 
All laster. so man im gewert. 

Hat in der Lottar zwifach glert. 

Za dem du m selb gschicket hast 
Und im geben des gelts em last. 
So er doch fals] ist worden on. 
Schantlich mit dem Lottar verthon. 
Ein schantzen hat er dörffen warten; 
Kein spil man nit erdencken mag, 


Knabenspiegel, 2. akt, 13.—14, scene. 


In dem er sey gwesen ein zag. 

Solchs ich mein tag nie hab gethan. 
2000 Dörfft mich sein auch nit underston. 

Blan. hin ist hin, kan nichts darfür; 

Der lecker kum nur nimm zü mir. 

Müter. 

O we, mein hertztraut lieber herr, 

Ich bitt, krenckt mich nit weiter mer. 
20 Dann ich bin sunst gar hart bekrenckt, 

Mein hertz an einem faden henckt. 


2. akt, 14. scene. 
(Wilbaldus, Lottarius, bott.) 
Wilbald. 
Gott geb dir glück, [mein] güter fründt! 
Weißt nit, wo ich ein botten findt, 
So mir umb seinen gúten lon 
2100 Biß morgens thet gen Boßna gohn? 
Bott. 
Wolt ir lonen, das billich ist, 
So bin ich selb zür reiß gerist. 
Lottarius. 
[F2a] Wann du die sach außrichtest eben, 
Wend wir dir zweimal sovil geben, 
210 Als dann trifft der gemeynest lon. 
Bott. 
Sagt mir den bscheit! Ich will glich gon. 
Wilbaldus. 
Ist dir nit ein ritter bekant 
Zi Boßna, ist Gottlieb genant? 
Bott. 
Wann ich euch soll die warheit sagen, 
2110 Hab ich im vil bottschafft zütragen. 
Dann er das gröst auffsehens hat 
Nach dem hochmeister ın der statt; 
Dann er zwar sein hoffmeister ist. 
Wilbaldas. 


Ich hör wol, das du recht dran bist. 
Wickram VI. 20 


306 Georg Wickram, 


2115 Doch darffst du nit für sein person, 
Sonder müst zü der frawen gon. 
Ich will dir geben disen ring, 

Dann lüg und ir den eilens bring! 
Sag, ir son hab ir den gesandt, 

2120 Der sey des willens in Brobant 
Und wóll drin bleiben ein zeit lang, 
Biß dem vatter der zorn vergang; 
So wóll er wider kommen z landt, 
Doch hab er sie früntlich ermandt, 

21% Das sie in mit einr kleinen beyt 
Versehen will, das er ein zeit 
Doch an der frembde z leben hab; 
Er wöll thün als ein frommer knab. 

[F2b] Doch müstu sein darauff gerüst, 

2180 Wann mann zů hoff im ımbiß ist, 
Das du dich gar keins wegs nit sumbst, 
Damit du zi der miter kumbst. 
Dann wann der vatter ist im hauß, 
So wirstu gar nit richten auß. 

Bott. 

2133 Ich glob euch das hie in die hand, 
Das ich die ding außricht alsampt, 
Das ırs nit besser möcht erkiessen. 

Lottarius. 
Ker git flei an! Du solts geniessen. 


3. akt. 
Argumentum. 
Der bott sich auff der fart nit sumpt, 
240 Gar kürtzlich zü der müter kumpt, 
Die gibt im gelts ein grosse summ. 
Gar bald wend er sich widerumb, 
Kumpt zü den wolgezognen sünen, 
Bringt vil gút gelt und gibt das inen. 
2145 Bald sie dem botten gebn den lon, 
Machen syes kurtz, ziehen darvon, 
Kummen in Brobant zů eim wirt. 


2150 


2155 


Knabenspiegel, 2. akt, 14. scene — 3, akt, 1. scene. 


Derselb in wol abnetzt und schirt, 
Also das sie in kurtzen tagen 


Ein läre bulgen außer tragen. 
Aldo die gsellschafft gwan ein loch, 


Wie manchem noch möcht gschehen ouch, 


Darzú gar vilen bschehen ist, 

So sich under böß gsellschafft gmischt. 
Nempt acht, so wert ir sehen baldt 
Des gantzen spils grund und inhalt, 


[F3a] Wie es dem Lottar würt ergon 


2160 


2165 


2170 


2175 


Und was böß gselschafft gibt für lon. 


3. akt, 1. scene. 
(Bott, Lottarius, Wilbaldus.) 
Bott. 
Ir herren, gend mirs bottenbrot! 
Dann die sach auß der maß wol stot. 
Ich bring des gelts ein grosse sum. 
Lottarius. 


Bötlein, hab danck! Ich lob dich drumb. 


Lieber, was hat sein miter gsagt ? 
Bott. 
Ach gott, sie weinet, schreyt und klagt. 


Da habt ir als, was sie mir gab. 
Wilbaldas. 
Seh, bott, das gelt zúr blonung hab! 
Bott. 


Danck hab! Es ist schier gar zú vil. 

Weyß nit, wie ichs verdienen will. 
Lottarius. 

Schweig, mein liebs bötlin, nim für gút, 

Was man dir frintlich willens thút. — 

Nun dörffend wir uns nit lang sumen, 

Damit wir nur das land bald rúmen. 

Dann wirt dein vatter unser innen, 

So móchten wir gar: va 

Als als den * 

So wend 


307 





— « 
- 


Dasselb mich dermaßen betriebt, 

21% Das ich das nieman weiß zů klagen. 
Dann jederman wirt zü mir sagen: 
‘Warumb hast in also erzogen! 

Ach gott, die lieb hat mich betrogen, 
Die ich stetz auff in hab gelegt. 

200 Das mir im leib mein hertz bewegt, 
So ich zü keiner stund noch tag 
Von seiner wolfart wissen mag. 

Ich weiß doch mt, ob ims wol gang 
Oder ob es umb in stand bang, 
205 Ob er im tieffen meer versinck 





Oder in eim Wasser ertrinck. 
Sorg auch, der schalck, so mit im gang, 
Werd sein untrew nit lassen lang 
Und im etwan sein gelt entragen 

210 Oder villeicht gar z todt erschlagen; 
Dann er steckt aller boßheit voll. 


Knabenspiegel, 3, akt, 2.—3. scene. 


[Fta] Ach gott, hett ichs bedacht so wol, 


2215 


N 


2225 


E 


Eh dann mein son mit im hinzoch, 

So hett ich in in freüden noch 

Bey mir: so ich kein stundt gar nicht 
Seiner zúkunfft hab zúversicht. 

Mir ist, glich wer er schon gestorben 
Und endtlich durch den todt verdorben. 
Welchen ich befilch meinem gott, 

Der bhüt in [gar] vor angst und nodt. 


3. akt, 3. scene. 


(Lottarius, Wilbaldus, wirt, wirtin, knecht.) 


Lottarius. 
Glück zü, herr wirt, mein lieber man! 
Mögend wir bey euch herbrig han? 
Wirt. 
Danck hab, mein lieben junckherrn beid. 
Ich bhalt euch gern, ist mir ein freüd, 
Wolt ir mit mir vernügen han 
Als von eim güten schlechten mann. 
Wilbald. 
Warumb des nicht, mein lieber wirt ? 
Wir thin, wie frummen gesten bürt. 
Nempt hin die bulgen, bhaltend schon! 
Wir wend ein weil spatzieren gon, 
Ob mir ungfahrlich gsellschafft funden, 
So mit uns legen oben unden. 
Wirt. 
Seh hin, weib, trag die bulgen nein, 
Leg in mein schlaffgmach in den schrein! 


» So will ich mit den junckherrn gon. 


Lottarius. 
Der wirt uns gwiB wirt halten schon, 


[F4b] Umb unser gelt machen güt gschirr. 


Wolt nit, ich wer daheim darfür. 


Wilbald. 
Was sagstu? Heim wiinsch dich mit mir! 


309 


Nur güt schlucker. Mir achtens nüt, 
25 Ob sie glich nur seind handwercksleüt, 
Wans nur güt bossen künden machen, 
Das man ir allmal hat zü lachen. 
Wirt zúm knecht. 
Kum her, Heintz, lauffend für d statt naus 
Eilens in meines schniders hauß 
2250 Und sag, das er sich nit saum lang, 
Mit dir zü meim schüchmacher gang! 
Sag in beid, das sie sich nit sumen 
Und eilens in mein herhrig kummen, 
Do werden sie güt gsellschafft finden. 
255 Der schonen Nesen sond verkünden 
Und gedencken vor allen dingen. 
Das sie mitkum; sie müß uns singen. 


3. akt, 4. scene. 
(Knecht, schneider, schimacher, Lang Naf 


Knecht. 
Dado, ich merck den bossen wol, 
Wann ich die gsellen brüffen soll: 
2260 Der jungen seckel, so do seind, 
Den ist gwißlichen weh zim kind. 
Sie werden inen, als ich meyn. 
[E5al Die beuch gar kurtzlich machen klein, 





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255 


[F5b] 


2290 


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2290 


244) 


Lamina. R it Nod wum. x‘ 


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x m Tori ster meh 
7 UITIBRCINT om Sul! 
ster III N: 
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wi hat exch doom) uhr bo. 
sanz NaS muii it imma wat 
Sas MIÉ zu kuwen BN 
Nich dol Samle drd, chy heaped? 
War die ach an wer yint mit eid 
Sie könt nit wrahten also wel, 
Als es geschehen that ukwmal, 
Dort kummens mit einander schon, 
Die wir erst welt süchen gulm., 
Lieber meiner, sax mir bei zeit, 
Was seind [dann] deine west für leüt, 
Ob sie jung seiend oder alt! 
Knecht. 
Hey nein, in meinem sim ich halt 
Sie beidesamen noch für kind; 
Und wan sie schon beid gleich alt sind, 
Ist keiner über viertzehn jur, 
Sohnider. 
Das geltlein nem ich nit züvor, 
Wann es die meynung hat mit in. 
Wolher. ir zwen, so wend wir hin 
Wider in unsren alten jon! 
Do wirs das nechst mal hand gelon, 
Wend wir jetz widerumb anheben, 
Sohiimacher, 
Thänt uns doch vor ein bacheid dramb gehen ! 
Was ist, wo müssen wir doch hin? 
Gehts auff verlust oder gewinn ? 
Kneobt. 
Meim wirt seind gest kummen 70 haus, 
Die hand nach euch geschicket nub, 
Die Nes sond mir auch mit uns bringen, 


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Kum nur, du wirsts wol sehen selber. 


3. akt, 4 scene. 
(Wilbaldus, Lottarius, wirt, knecht, schneider, schümact 
. Der wirt. 
Do wert ir sehen euwer wunder 
An disen drey personen bsonder, 
2310 Wie sie einander können triben. 
Es möcht einer das halb nit schriben, 
Was sie doch nur für züfall hend. 
So ir lust hand und spilen wend, 
[F6a] Sie thúndt mit euch ein kärtlein brechen ; 
2315 So euch dann baß gelust zü zechen, 
Find ir an in auch güt zechgsellen. 
In summa, wie irs haben wöllen, 
Ir mögt in gar verderben nüt; 
Dann es seind also gütig lüt. 
Knecht. 
2320 Darbei groß búben in der hiit. 
Die werden nit lang umb sie bleiben, 
Den schmutz sie ihn sauber abtreiben. 
Schneider. 
Gott grüß den wirt und seine gest! 
Wirt, trag mir auff das allerbest ! 
2325 Mein fraw thet mir heüt ablaß sprechen, 
Drumb will ich auf den schrecken zechen. 





230 


2335 


Knabenspiegel, 3. akt, 3.—4. scene. 


Es tribt mich auch offt au dem haus. 
Lang Naß. 

O, ich wißt, wie euch z helffen wer. 

Dich brent übel die schniderscher, 

So magstu auff dem stål nit bliben. 

Wer ich allein bey euwern weiben, 

Ich wolt sie lern ein selblein breiten, 

Die man euch in rucken und seiten 

Thet schmiren mit ungbranter eschen. 
Schneider. 

Schwig, Näß, mit deim maul ungeweschen ! 

Darfür wend wir sein gúter dingen. 


[F6b] Gond hnin und heißt ein trinckli bringen! 


2345 


W 


2350 


2300 


So mógen wir des essens warten. 


Lottarius. 
Wirt, lieber gebt ein frische karten 
Oder zwen wirffel! Mir wend spilen 
Ich und mein gsell für d lange weilen. 


Schümacher. 
Ir herren. wer es euwer will, 
Ein gsellen geb ich auch im spil. 
Dann ich mag noch nit essen zwar, 
Biß ich mich baß erneuchter vor. 
Ich thet nacht gar vil faden zwirnen; 
Der wein steckt mir noch in der stirnen. 


Schneider. 
Zwey, drey, vier bätzlein ich noch han. 
Wans mumschantz gült, ich wagt sie dran. 

Wilbaldus. 
Mumschantzen ist ein redlich spyl, 
Kein liebers ich nit machen will. 

Wirt. 
Do habt ir würffel, wie ir wend, 
Groß, klein, seind gricht auff alle end. 
Schümacher. 

Werfft! Wer die meisten augen hat, 


Wirfft die erst schantz. Drumb gond von statt! 


313 


So gwin ich in gwiß nit mit dreyen. 
Wilbaldus wirfft. 
Wievil ist das? Es seind acht augen. 
Schümacher. 
So seind dis zehne sunder laugen. 
Die schantz ist für euch, lieben gsellen, 
Und die für mich. Was ir nun wöllen, 
Das mag ein jeder schlagen har. 
Ich halt, sovil ir schlagen dar. 
Wirt. 
2370 Diß seind, juncker, die seckel beid. 
Lottarius. 
Wilbald, sag mir, wie ist der bscheid ? 
Wiltu setzen für uns albeid? 
Wilbaldus. 
Den seckel nim, setz selb für dich! 
Ich hab zů schaffen gnúg für mich. 
Schümacher. 
2375 Stats umendum, so wirff ich nin. 
Lauff, wirffel, lauff und schick dich fein, 
Das mir mein schantz mit ersten kum! 
Da ligt sie. Ich gwins umb und umb. 
Wilbaldas. 
Mann sagt gewonlich: Wers erst gwan, 


236) 


w 





Knabenspiegel, 3. akt, 4. scene. 315 


Her leichtsinnig nin, wann du wilt! 

Mir angstet schier, weils sovil gilt. 
Schnider. 

Wann kumpst sibne, mich blanget schon, 

Wann die schantz dolest auß will gohn. 
Lottarius. 

Frisch auff, [biß] glück auff unser seit! 

Hohoh, mir gwinnen aber nüt. 

Die neüne seind schon auff der ban. 
Wilbaldus. 

Würt er den wurff für und für han? 
Schnider. 

Weil unser schantz nit oben stoht, 

Der wurff nit auß sein henden gaht. 


Schümacher. 
Schlagt dapffer her! Es hat nit not; 


Ich gwins züm liebsten, wans dick staht. 


[F8a] 
9405 


2410 


Das ist für euch, do ligen zwölffe. 

Und das für mich, sich, das seind eilffe. 

Danck haben, meine eylffen frum! 

Hachten, ich gwinn es umb und umb. 
Wilbaldus. 

Hey, das ist ein unfletig spyl, 

Das er den wurff stetz haben wil. 
Lottarius. 

Ich thün warlich das spyl auch hassen. 

Ich rieth, wir wolten dafür passen. 
Schnider. 

Den pass ließ ich mir auch gefallen. 

Wirff, wer den passz hab vor uns allen! 
Schümacher. 

So gilt der wurff recht umb den pass, 

Sich, wett ein hübsche drey ist das! 
Schnider. 

Den beden mir, so wer es schlecht. 

Zwolffe. Der wirffel ist gerecht. 
Lottarius. 

Das seind zehne. Was helffens mich! 


2430 


2435 





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Her Ai 
UL i y 


Schnider zalts gelt, 


Meins ist gerad vier flemisch pfundt. 


Schümacher. 
So ist meins drei, sag ich gút rundt. 
Lottarius. 
Nempt hin den seckel mit dem gelt! 
Was yedem ghört, euch selber zalt! 
Ich verstand mich der pfunden nit, 
Wie man die in Brabant außgeit. 
Schnider zalts gelt. 
Hie ist nit gelts genüg, ich sag, 
Das jedem sein they] werden mag. 
Lottarius. 
Ich hab nit mer, wie man mir thd. 
Nempts gelt, den seckel auch darzú. 
Wilbald. 
Ist nit der paß in meiner handt? 
Schlacht har! Ich paß. gott geb was stant. 


[Gla] 
2450 


2460 


2465 


Knabenspiegel, 3. akt, 4. scene. 


Schimacher. 
Halt still, git gsell! Ich will dir sagen. 
Wievil ich yetzund hab geschlagen: 
Ein, zwey, drey, vier, fünff, sechse, siben. 
Do ist ein stüber überblyben, 
Sunst wer es siben flemisch pfundt. 


Schnider. 


Zü meim thets fünff pfundt [zü der] stundt. 


Gib har das gelt, so zal ichs schon, 

So kummend wir dest eh darvon. 
Lantzmann, noch umb ein seckel läg! 
Dann hie ist noch nit gelts genüg, 

Hie brist mehr dann ein flemisch pfundt. 


Knecht. 
So hat das spil ein loch jetzundt. 
Bey den badren ist nit güt zwagen, 
Wann sie so scharpffe laug zütragen. 
Lang Nat. 
Da darff es nit vil singens zú. 
Sie habend beide güte rhü 


Vor iren beütlen; sie seind lår. 


Schneider. 
Junger, es ghört mer gelt doher. 


Wilbaldus. 
Ich hab keins mer; ir habts als samen. 


Schneider. 
Süchs im andern seckel zúsamen! 
Dann ich weiß wol, du hast noch einen, 
Auß welchem du müst teglich zeren. 
Wilbald. 
Ich hab sunst keinen, bei mein ehren. 
O Lottary, wo hast du nıich 
Hinbracht mit deim list felschigklich! 
Weh mir, das ich dir jo folg gab, 
Meim schúlmeister nie gfolget hab! 
Des kumm ich jetz zů schand und spott. 
Ach ach, das müß erbarmen gott. 


317 





Du nimpst noch wol mit dem für güt, 
So du mir abgewunnen hast. 
Du hast nit drumb gearbeit vast; 
2485 Es hatt nit gar em stund gewert, 
Das ir uns beid hand [d]seckel glärt. 
Wirtsknecht. 
Ir habens also haben wöllen. 


Drumb hand gedult, mein liebe gsellen! 

Gond heim und bringend ander gelt! 
2490 Ir seind zů schlecht im dise welt. 

Wend ir euch an alt kessel riben, 

Thut euch der rom an henden bliben. 

Ziecht hin und sücht ein andren wirt! 

Dann euch kein herberg hin gebürt; 
2% So hat man nit auf? euch gekocht. 
[G2a] Heüt morgen hand ir fast gebocht 

Auff ewer gelt. Das ist verstoben. 





Knabenspiegel, 3. akt, 4.—5. scene. 


Sitzt auff eins andern voglers kloben! 
(Hie weißt man sie auß dem hauß.) 

Trolt euch nur hin! Habt hie nit zbleiben. 
2500 Euwer gwerb anderstwo thünd treiben! 

Es möcht auff ungewischten bencken 

Ettwas beliben an euch hencken; 

Das müßt ich armer tropff dann zalen. 

Flucks, flucks hinauß! Es darff kein schmalen. 


3. akt, 5. scene. 
(Wilbaldus, Lottarius.) 
Lottarius. 
245 Wilbald, wo wöllend wir yetz hin? 
Wilbaldus. 
Weh mir, das ich ye kummen bin 
In dein geselschafft all mein tag! 
O we der jämerlichen klag! 
Jetzund müß ich im bettel gon. 
2510 Warumb hast mich nit dheym gelon! 
Lottarius. 
Hab ich dich heissen lauffen raug! 
Warumb liefist nit ins vatters haub ? 
Ich bin dir z lieb glauffen darvon. 
Jetzt woltest mir geben den lohn. 
2515 Gang wider heym ins henckers namen! 
Dann ich mich deinen müß beschamen. 
Du magst nit wercken, weyß ich wol. 
War ich mit dir hinkommen sol, 
So würt ich auch mit dir unwerdt. 
(Lottar laufft darvon.) 
Wilbald. 
[G2b] Nun bin ich jetz auff diser erdt 
Fürwar der armetseligst knab. 
O todt, hilff mir meins ellends ab, 
Damit ich auß dem jamer kum! 
O vatter, wer ich widerumb 
22 Bey dir, ich wolt dir volgen gern. 
Jetz müß ich deiner hilff entbern. 


3 


20 


2350 


Georg Wickram, 


O Felix, jetz gedenck ich dein; 

Dann mir wirt jetz gelonet fein. 

Das ich dir so ein bößen lohn 

Gab umb das güt, so d mir gethon, 
Als ich dich durch ein schenckel stach, 
Dein güthat so mit bößem rach. 
Jetzund erlern ich erst erkennen 

Den Lottar, wie er sich thút nennen. 
Er laufft jetz von mir [gar] darvon, 
Laßt mich in großer armút ston. | 

Ich hab kein gelt. Wo soll ich auß! 
Darff nit mer in meins vatters hauß, 
Weiß auch sunst niendert hin zú kummen. 
All hoffnung, trost ist mir genummen. 
Durch Lottar, den schandtlichen wicht; 
Hat mir groß ungluck zügericht, 

Mich aller boßheit underwisen, 

Schand und laster täglich geprisen, 
Doneben all tugendt verlacht, 

Die ältern züchtmeister veracht. 

Den hab nit treüwlich gfolget nach, 
Geachtet weder schand noch schmach, 
Die forcht auch gantz gesetzt hindan, 
Güt warnung ghaßt bey weib und man. 


[G3a] Darumb mich gott billichen strafft; 


Dann ich auff in nie hab gehofft. 
Gottsforcht die hat ich gar verlorn, 
Derhalb mich straffet gottes zorn. 


255 Stand jetz hie aller welt zů schand; 


Ich aber rang nach disem stand. 
Ich hab das end noch nie bedacht, 
Biß mich Lottar ins ellend bracht. 


4. akt. 1. scene. 
(Lottarius, metzger; dann kauffınann.) 


Metzger. 
Junger, woltest ein meister haben, 


260 Teh ding dich; dann ich dorfft eins knaben. 


2565 


2570 


Knabenspiegel, 4. akt, 1. scene. 


Lottarius. 
Was habt ir für ein gwerb? Zeigts an! 
Ich dien euch, wo ich anderst kan. 
Metzger. 
Meins handwercks ich ein metzger bin, 
Dasselb kan auch der vatter mein. 
Lottarius. 
Mein vatter auch das handwerck kan. 
Drumb [ich] gern euwern dienst nim an, 
So ir mir zimlich lonen wend, 
Was zimlich ist, das ir mirs gend. 
Metzger. 
Des lons halb solt kein mangel hon. 
Nem deinen hät! So wend wir gon. 
Lottarius. 
Ich hab in in dem wirtzhaus stohn 
Und für die ürtin bliben lon. 
Metzger. 
Kumb her! Ich weyß dir wol ein hät, 


[G3b] Der dirs noch disen winter thút. — 


2575 


2580 


Seind willkumm, kauffman, lieber herr! 

Ich bitt euch durch all freüntschafft seer, 

Ir wöllet hinnacht sein mein gast. 
Kauffmann. 

Do ist sich nit zü weren fast. 

Die bitt, so ir an mich begeren, 

Die will ich euch gütlich geweren, 

Bey euch hinnacht mein herberg han; 

Das pfert blibt in dem wirtzhaus stan. 

Thúnd mir mein bulgen in das haus! 

Ein klein gschefft hab ich z richten auß, 

Demnach so wend wir frölich sein. 
Metzger. 

Büb, sehin, trag die bulgen nein, 

Sag zü der frawen, das sies bhalt! 
Lottarius. 

Ich will sie gon versorgen bald. 


Wickram VI. 


21 


321 


2590 


Georg Wickram, 


Metzger. 
Irts nicht, so wil ich mit euch gon. 
Kaufmann. 
Nein, ir thind mir ein dienst daran. 
Ich hab eim gen ein schleglein vych, 
Der will yetzund bezalen mich. 
Metzger. 
So gond mir in des herren namen, 
Der geb uns vil glücks allensamen. 


4. akt. 2. scene. 


(Lottarius schneidt die bulgen auff, laufft mit dem gelt ins wirtzhaus, 
darein er seins verspilt hat, wil sein hüt lösen, würt drob gefangen 


[G4a] 


2,5 


2600 


2505 


2610 


und ghenckt.) 
[Lottarius, haußknecht.] 
Lottarias. 
Gott und sant Claus hand brahten mich. 
Lottan, sich eben fiir dich! 
Sunst möcht die sach nit werden gåt. 
Hett ich nit mer dann meinen hút, 
So wolt ich hüpschlich davonschlichen, 
Kein reißig pferd solt mich erstrichen. 
Kem ich darvon mit gantzer heüt, 
Ich meyn, es wer ein güte beüt. 
(Lottar zúm haußknecht.) 
| Hor] haußknecht. seind die zwen noch dinnen. 
So mir mein gelt ab thetten gwinnen ? 
So wolt ich mein hüt lösen wider. 
Mir ist ein schantz geralten sider, 
Das ich sie wol bezalen will, 
Ja wer der schuld viermal sovil. 
Haußknecht. 
Sie seind zů hauß nit kummen gar, 
Ich wils gen wider hrüffen har. 





2650 


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at sais nit tib i il a .» A a 





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4. akt, 4. scene. 
(Die vorigen, Lottarius,) 
[HauSknecht zu Lottario.] 
Lantzmann. hie bring ich dir den mann. 
Der dir dein güt hüt abgewan. 
sr wolt gern wider mit dir spilen 
[Sey] umb gelt oder umb kurtzweilen. 
Lottarius. 
ZX spilen hab ich keinen sinn. 
Hett ich mein hüt, ich für dahm. 
Metzger. 
Du hast hit gnús dein leben lanck, 
Dir soll darfür werden em stranck. 
Kauffmann. 
Hev. du schandtlicher dieb und wicht, 
Am galgen müstu werden gricht. 


bam) 


ae 





2660 


[G5b] 


2610 


2675 


2680 


Knabenspiegel, 4. akt, 3.—5. scene. 


Lottarius. 
(Y) lieben herren, land mich leben! 
Mein rock zum gelt will ich euch geben. 
Haußknecht. 
Deins rocks bedörffen sie gar nicht. 
Er ghört dem hencker, du bößwicht. 
Wie woltest du den güten mann 
So schandtlichen verderbet han! 
Wirt. 
Ey du vernichter junger schalck, 
Hastu ein solchen diebesbalck 
Und bist mir kummen in mein haus, 


Das dich der hencker fier hinauß! 


Habt ir acht, das er nit entspring! 
Ich lauff bald hin, ein schergen bring. 
Damit kumpt er in sicherheit, 


Das keim man mer von im gschicht leyd. 


Schümacher. 
Wir wend acht auff in haben wol, 
Das er uns nit entlauffen sol. 
Lottarius. 
Heüt morgen schaltst du mich kein dieb, 
Damal was ich dir werdt und lieb, 
Als du mir mein gelt gwanest ab, 
Mein hút dir auch zúm letsten gab. 
Hettest du mir den widergeben, 
Das batet mich mein junges läben. 
Warumb fragtest nit damals mich, 
Ob auch das gelt het gstolen ich? 
Schümacher. 
Du bist auff solche kirwyh gangen, 
Drumb hast derglich ablaß empfangen. 


4. akt, 5. scene. 
(Wirt, richter, stattknecht.) 
Wirt. 
Herr blútrichter, ein junger knab 


[G6a] Ist kummen in mein wirtzhauß nab, 


325 


326 Georg Wickram, 


Hat ein groß summa gelt gestolen, 
In mein hauß tragen unverholen. 
2620 Dasselb er einem metzger hat 
Entragen hie in unser statt; 
Ein kauffmann gab im das in bhalt. 
Richter. 
Wann die sach hat ein solche gstalt, 
Stattknecht, so gang zúm hencker gschwind, 
26% Sag im, das er in foh und bind 
Und glich mit im für d schmitten far! 
Stattknecht. 
Darff er in nit fieren [hie] har? 
Richter. 
Laß in vor bringen her für mich, 
Das ich doch nur den lecker sich, 
2700 Was er an im hab für ein gstalt! 
Wirt. 
Frevel, als wer er noch so alt; 
So kondt er je nit freffler sein, 
Sag ich bey gebner trewe mein. 


4. akt, 6. scene. 
(Stattknecht, hencker, Lottarius, kauffmann, schúmacher.) 
Stattknecht. 
Nachrichter, du solt mit mir gon 
2705 Und nem mit dein bereitschafft schon; 
Du múst hencken ein jungen dieb. 
Hencker 
Das ist mir sicherlich nit lieb, 
Wolt lieber, er wer grecht und frum, 
Das ich in nit dörfft straffen drumb. — 
2710 Ist dif das sónle. das ich sûch? 
Kauffmann. 
[G6b] Ja. er geb sehr güt galgenttich. 
Henoker. 
Komm har, mein son, und schick dich fein! 
Dann ich würt yetz dein meister sein. 
Sag. wo bist du in d schúlen gangen, 


2720 


2780 


2135 


Knabenspiegel, 4. akt, 5.—7. scene. 


5 Do du hast solche leer empfangen ? 


Lottarius. 
O we, o we und immer weh! 
Verziht mir! Ich thüs nimmermeh. 
Ach sehend doch mein jugendt an! 
Dann ich nit bessers gwisset han. 
Henoker. 
Sag, bist in kein schül gangen nie, 
Dieweil du junger warest ye? 
Lottarius. 
Nur zwei jar bin drin gangen ich. 
Einsmals mich der schülmeister strich, 
Umb das ich was meim vatter kummen 
Über sein tesch und hab im gnummen 
Ettlich gelt drauß zúm offtermalen. 
Hab aber sunst noch. nit gestolen 
Dann eben disen sack mit gelt, 
Und hat mir gleich die kunst gefehlt. 
Hencker. 
Du bist zwar ein zeitige pier. 
Nun kum, mein son, und gang mit mir! 
Ich will dir gar git arbeit machen, 


Das dir der hals und gnick müß krachen. 


Lottarius. 
O weh, ich mags erliden nit. 
O lieber meister, ich dich bitt, 


[G7a] Wöllst mich darfür mit rüten strichen, 


2740 


Das dir gott lone ewigklichen. 


4. akt, 7. scene. 
(Die vorigen, richter, wirt.) 

Hencker. 

Herr richter, nach euwer beger 

So bring ich disen jungen her. 
Richter. 

Du junger schalck, von wannen bist? 
Lottarius. 

Mein heymet Boßna gnennet ist. 


327 


398 Georg Wickram, 


Ach herr, thúnd mir nur das verzihen! 
Es ist mir doch die erste wihen. 
Richter zúm hencker. 
Sag, müssen dann die bößen knaben 
An galgen noch mer wyhen haben? 


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or 


Hencker. 
Demnach sie seind im hantwerck glert, 
Einer darnach an galgen ghort. 


Richter. 
Hast du vormal mer griffen an ? 


Lottarius. 
Nein. herr, auff keinen frembden mann, 


Richter. 
2750 Hast aber deinem vatter gstolen? 


Lottarius. 
Nein, aber habs gnummen verholen. 
Glaub nit, das es gestolen sey. 
Gschach nur ein mal sechs oder drey. 
Richter. 
Wievil hast aber gstolen heiit ? 
Lottarius. 

[G7b] Herr richter, ich weyß warlich nit 
Keyn eigentschafft darvon zü sagen, 
Dann das ich gnüg dran hat zü tragen. 

Richter. 
O we. da ist keyn güter boden; 
Sunst wer die jugendt zü begnoden. 
2760 Drum, meyster, nym in hin geschwind, 
Die henden auff sein rucken bind, 
In an den hechten galgen fur, 
Henck ihn, das er die erd mit rier. 
Zwischn himml und erden [schweben] müß 
2765 Der jungen welt zů einem grüß, 
Damit sich mengklich stosse dran 
Und nit verderbt werdt mancher mann! 
Lottarius. 
O weh, das urtheyl ist zů schwer. 


Knabenspiegel, 4. akt, 7.—8. scene. 329 


Hencker. 
Biß keck, mein lieber son, gang her! 

110 Hettest gfolgt vatter, mútter dein, 
Werst deim schúlmeister ghorsam gsein, 
So dórffst du yetz nit folgen mir. 

Drum kum! Es hilfft dich nichts darfúr. 
Lottarius. 
O weh, das müß erbarmen gott! 

275 Das ich ihr straff nit ghorchen wot, 
Des mäß ich yetz in schanden stohn 
Und hinauß an den galgen gohn. 

Daran ist auch die mütter mein 
Züm theyl größlichen schuldig gsin; 

280 Dann sie mir nie kein mütwill wert. 

Ich flücht, ich schleckt, ich spylt und zert, 
[G8a] Mú£t auch in meinen jungen tagen 

Zerhackt, zerschnitten kleyder tragen, 

Die alten ich verspotten thet, 

2735 Junckfrauwen ich vast übel redt, 

Verachtet alle güte lehr, 

Dem alter bot ich wenig ehr. 

Ich was ein böß verwegen kind, 

Wie man dann noch meins gleichen find. 

2780 Nun hab ich keinen meyster mehr, 

Der mich lert kunst, zucht, scham und ehr; 
Dem hencker müß ich meyster sagen, 
Wiewol er stelt nach meinem kragen. 

Ein solchs, du junger, wol bedenck, 

2795 Dich an keyn boe gsellschafft henck, 
Folg gúter leer, getreüwen raht, 

So kumpst du hie und dort auf nodt! 
Alde, welt, gott gesegen dich, 
Und also yetz müß lassen ich. 


4. akt, 8. scene. 
(Wilbaldus klagt sein ellend und jamer, entschlaftt auff einer wellen strow.) 
[Wilbaldus.] 
2300 Ach [ach], wie bin ich doch so arm! 


330 Georg Wickram, 


Nyemants lebt, so sich mein erbarm. 
Dahin bringt mich Lottarius, 

Der mich hatt underricht alsus. 
Wolan, es bschicht mir eben recht. 

2805 All gút warnung hab ich verschmecht, 
Mein frummen vatter übergeben, 
Damit ich möcht in mütwill läben. 
Als, was mich mein schülmeister leert, 
Acht ichs nit, im den rucken kert. 

2810 Felix, mein pedagog, desglich 

[G8b] Mich offt thet warnen gantz trewlich: 
Seiner warnung nam ich nicht wahr. 
Das taub ohr ich im wendet dar, 
All trewe leer hab ich verspott. 

2815 Darumb mich yetz thüt straffen gott. 
Het ich gfolgt meinem pedagogen. 
Und nit dem Lottar gantz verlogen, 
So wer ich in meins vatters haus. 
Sunst müß ich sein im ellend daus 

220 Und hab kaum halber brots genúg. 
Weh dir, du freche jugent klúg! 

Wie bist du so behend und gschwind 
Zú glauben ding, so dir schad sind; 
Und denen, so dir rahten wol, 
2% Den bistu mißgünstig allmal. 
Also ich leider auch hab gthan, 
Darumb müß ich im ellend gahn. 
Dem schnóden Lottar, argen wicht 
Hab ich arges vertrauwet nicht. 

2830 Also kond er sein schalck verdecken. 
Mir ein specklein auff d zungen stecken, 
Das ich sein falschen worten glaubt. 
Bin dardurch ehr und güts beraubt. 
Wann ich schon glich zim vatter kam. 

2385 Weiß ich, das er mich nimmer nam. 
So wiirden sich auch meine friind 
Beschemen, sovil deren seind. 

Wolan, ich hab mirs selb gethon. 


Knabenspiegel, 4. akt, 8. scene. 331 


Drumb thút man mir den schaden lon. 
2340 Willig lieff ich vom vatter mein, 
Bey dem mir wer gar wol gesin; 
Möcht ligen an eim gúten bett. 
[Hla]Jetz wer ich fro, wann ich strow hett; 
Vor frost mag ich mich kaum erneren. 
245 Ach. wie gern wolt ich jetzund hören 
Meinen schülmeister allen tag! 
Ach, leyder dasselb nit sin mag. 
O gott, hilff mir in meiner not! 
Sunst wey& ich auff erd keinen raht. 
250 In deim namen leg ich mich nider. 
Gib gnad, das ich auffstande wider 
Gesund, und hilff mir widerumb 
Zú meinem herrn und vatter frumm! 
(Jetzund entschlafft er, kumpt im Lottarius im schlaff für.) 
[Lottarius.] 
O mein Wilbalde, ach Wilbald, 
2855 Ach sich an mein ellende gstalt, 
Wie grausam und schrócklich die sey! 
Ich schweig der grossen schand dobei, 
So mir armen ist z handen gangen. 
Dann als ich von dir gieng vor langen 
260 Und dich im ellend hab verlassen, 
Hab ich angfangen diebisch bossen, 
Bin in denselben worden gfangen, 
Eilens an ein galgen gehangen. 
So hang ich noch diebischer weiß 
265 Den rappen zi narung und speiß. 
Dis als mir worden ist zü solt; 
Dieweil und ich nit volgen wolt 
Dem vatter und schülmeister mein, 
Ist mirs leyder kummen dohin, 
2870 Das ich dem hencker folgen müßt, 
Der mir all meine schalckheit büßt. 
([H1b]Erst ward mir war, so mir thet sagen 
Mein schülmeister vor jar und tagen. 
Wie gern hett ich im gfolgt derzeit! 


2880 


2885 


2890 


28% 


2300 


Georg Wickram, 


5 Aber es möcht mich helffen nit: 


Dann darnach ich teglich thet ringen. 

Demnach mir gentzlich thet gelingen. 

Nun hab ich noch ein bitt zü dir, 

Namlich das du verzihest mir, 

Das ich dich von deim vatter gfiert, 

Dich, der mit tugent warst geziert, 

Mit aller boßheit underricht. 

Du aber dich nımm darnach richt, 

Sunder bis frumm und auch warhafft! 

Dir wirt noch werden glück beschafft. 

Ich far von dir. Drumb fürter mer 

Folg keiner solchen bössen leer! 
Wilbald, als er erwacht. 

O gott, mein herr, wie gantz schwerlich 

Hat dis gesicht erschrecket mich! 

Weyß nit, obs ist ein traum und gsicht 

Oder obs ist ein ware gschicht. 

Es sey glich warhafft oder nit, 

O herr, mein gott, ich dannocht bitt, 

Wollest mir mein vernunftt bewaren, 

Das mir solch stuck nit widerfaren, 

Dardurch ich mich vergreiffen möcht. 

Mich in schand und umbs laben brecht. 

Ich hal, dich, herr, erzürnet seer, 

Das ich verlies dein gbott und leer. 

Mein eltern ich was widerzemm, 


[H2a] lr stroff was mir gar unangnem. 


2007 


Lies mich verfieren boB gsellschafft, 
Drumb ich dann billich wird gestrattt. 
Ach herr, hilff, das ich nit erster), 

Eh ich meins vatters huld erwerb! 
Nimmer will ich mich widr in setzen 
Noch umb kein ding sein gmüt verletzen. 
O gott, thü mich meins leyds ergetzen! 


2910 


2925 


Knabenspiegel, 4. akt, 8. scene — 5. akt, argument, 


5. akt. 


(Jetzund stumpfft sich das spyl. Sagt der Argumentator.) 


Argumentator. 
Ir hand gesehen allesand, 
Wie sich dise zwen jungen hand 
Außbracht in aller biberey ; 
Was lons in darfür worden sey, 
Das habt ir auch gesehen wol. 
Weiter ein jeder mercken sol, 


ð Was Felixen, Fridberten frey 


Durch iren fleiß zügstanden sey 
Und warzü ir gehorsamkeit 

Sie hat gefürdret alle beid. 
Nempt war, als jetzund manig jar 
Vergangen was, Wilbald verlor 
Gentzlich sein adeliche gstalt 

Und schein, sam wer er noch so alt; 
Hat in der zeit sackpfeiffen glert, 
Kumpt in ein statt von ungeverd, 
Darin Felix und Fridbert beid 
Kamen in grosser herrligkeit. 
Felix was cancelarius 


[H2b]Und Fridbert secretarius 


2930 


Zú Boßna an dem hoff, (verstandt) 
Vom hochteütschmeister außgesandt 
Auff ein tagsatz. Zü welchen kam 
Wilbald, (doch kanten sie alsam 
Einander nimmer; dann die zeit 
Ir aller gstalt hat gendert weit, 


5 Die zwen in grosse ehr erhebt, 


Wilbaldum aber gar beschlept 
Mit überschwencklicher armút) 
Ein liedlein vor in singen thút, 
In dem er sich offt selber nent. 
Darbey in zletst Felix erkent, 
Setzt in zü im, halt in zü gast, 
Mit fragen halt er an im fast, 


333 





[H3a] Ja bey den zehen jaren lang! 


29600 


20605 


U 


Ein zeit lang ich ein herr thet sein, 
Müst bald darnach hüten der schwein; 
Bis das ich thet sackpfeiffen leeren, 
Mag ich ein wenig bas mich neren 
Und mich des bettlens bhelifen doch, 
Vil manız böß wort hören ouch. 

All welt will an mir z ritter werden. 
Ein arme zeit hab ich auff erden, 

Ich wird verspottet und verlacht, 
Jeder auß mir ein fatzmann macht. 
Darneben thüt auch mancher sagen, 
Man soll mich hin züm teüffel jagen, 
Heissn mich ein lauren und unflat, 
Ich gang umb, das ichs land verraht. 
Daran mir offt so weh geschicht, 

Das mir im leid mein hertz schier bricht. 





Knabenspiegel, 5. akt, 1.—2. scene. 


5. akt, 2. scene. 
(Felix, Fridbert, Wirt, Wilbaldus.) 
Felix. 
%7 Herr wirt, wann ist es umb die zeit, 
Das man uns em mal z essen geit ? 
Wirt. 
Ir herren, sitzen, wann ır wölt! 
Bald ir sitzt, man euch d speiß fürstelt. 
Wilbald. 
Herr wirt, was habt ir do für herren ? 
Wirt. 
280 Schlep dich, du tropff! Wolst aber plerren ? 
Troll dich nur bald von dannen weith, 
Eh ich dich wegweiß mit eim scheit! 
Fridbert. 
[H3b] Wirt, lieber bringt uns her den mann! 
Lond uns doch hören, was er kan! 
Wirt. 
2985 Ich bin züfriden, mogt ir gern 
In auff seinem sewmagen hörn. 
So kan er auch ein wenig singen. 
Wennd ir, ich will in inher bringen. 
Felix. 
Ey ja. laßt in sein seitenspil 
2w Recht auch vor uns brauchen ein weil! 
Wirt. 
Du laur, kumb rein mit deim sewmagen ! 
Mann solt dich auß mit hunden jagen, 
Das d mit dem laurenwerck gast umb. 
Soltst eh wercken, das du wirdst krum. 
Wilbald singt sein liedlein 3). 
Fridbert. 
25 Lieber gsell, leg die pfeiff von dir 
Und kum, setz dich alher zü mir! 
Sing mir dein liedlein fein sittlich, 
x 
1) Vgl. oben bd. 2, 66—68. 


335 





3010 


SO 


A Ode 


"N 


Du bist ein feiner junger man. 


Wann dich jetzund ein herr nem an, 
Lieber. wöltst du ein ritter geben 
Und stohn von deim bettlischen láben ? 
Wilbaldus. 
Ach gott. möcht ich ein herren haben, 
Der mich nur ließ zů füß mittraben, 
Er solte mich befilhen nit. 
Ich lietf «lich [nach]. als fast er ritt. 
Fridbert. 
Lieber gsell. wie heist mit deim namen ? 
Sags rauB! Du darffst dich sein nit schamen. 
Wilbaldus. 
Wilbaldus ist der namen mein. 
Fridbert. 
Du hast gwißheh gstudirt latein 
In deiner jugent. Dann dem redt 
Gibt. das mann das an dir verstedt. 


Knabenspiegel, 5. akt, 2. scene. 


Wilbaldus. 
Jo, ich hat kintlichen anfang. 


[H4b]Hett ich nur drauff beharret lang! 


3025 


3030 


3035 


304) 


Fridbert. 

Lieber, sag, warumb kambst darvon? * 
Wilbald. 

Das hat der arge mútwill gthon, 

Der mich dermaß hat übergangen, 


Das ich nichts nütz mer kond anfangen. 


Fridbert. 
Was hat dir dazú ursach geben ? 
Lieber, wólst uns das sagen eben. 
Wilbald. 
Ach gott, wann ich solt den anfanck 
Sagen, es wird euch d weil zú lanck. 
Felix. 
Gar nit. Sag uns anfang und end! 
Fast gern wirs von dir hóren wend. 
Wilbaldus. 
Ir mógt mirs glauben oder nit, 
So sag ich euch ein ware gschicht. 
Wolt gott, das alle burgerskind 
Zúhórten, so in der statt seind ! 
Es würd sich mancher daran stossen, 
Damit es im nit gieng dermassen. 
Vernempt! Ich hab ein vatter frumm, 
Und ich war all sein kind in sum. 
Er ist ein edler ritter gût ; 
ZG mir stúnd all sein sinn und mit, 
Damit er mich thet aufferziehen, 
So das ich thet die laster fliehen 
Und nem das güt an meine hand. 


[H5a] Nempt war! Ein jungen voller schand 


%5 Wolt meinr gsellschafit kein gnügen han, 


Den nam ich zi eim gsellen an, 


So mir mein vatter nam ins haus. 
Ich schleifft mich stetz von inen aus; 
Dann sie warn jungen voller zucht. 


Wickram VI. 


22 


337 









" 


alt fern. 
und auch zern, 
In summa allen mätwill triben. 
Docht wenig an lesen und schriben. 





+ ee .- 
i ' Br 
ot rr 1A yp a 
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3075 Zülest specht mich mein vatter auß 


Sampt meinem gsellen ins wirts haus 


[H5b] Und wolt uns han ergriffen beid. 


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Mir aber machten kurtzen bscheid 

Und meynten beide zů entspringen. 

[Als sie] mein gselln. den Lottar, fingen. 
Von ungschicht mir ein messer wardt, 
Verwundt mein pedagosum hart 

In ein schenckel. Wann ichs bedenck. 
Ich mir selb noch mein hertz drumb krenck, 
Als nun der gút jung wardt verwundt, 
Liel3 er den schnöden Lottar und 

Fiel nider. dann sein schmertz war groß. 
Also wir beid entsprungen plob. 

Kamen von BoBna etlich meil. 


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Knabenspiegel, 5. akt, 2. scene. 


Ich schauwt umb ein botten in ell, 
Schickt zú meiner múter umb gelt. 
Der bott kam gschwind; die sach nit felt, 
Wir hatten an der neh kein rhú 
Und reißten geschwind Antorff zi, 
Warden in wenig tagen quit, 
Das wir kein heller bhielten nit. 
Als nun das geltlein ward darvon, 
Die kleider verzert und verthon, 
Der Lottar sich von mir thet schwentzen. 
Do süchet ich den armen Lentzen 
Und hab in nach notturfft gefunden 
Zi allen zeiten, tagen, stunden. 
Nun als ich von dem Lottar kam, 
Er einem kauffmann sein gelt nam 
Und ward an warer that gefangen, 
Entlich an ein galgen erhangen. 
Fridbert. 


[H6a] Als nun der Lottar von dir kert, 


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Was gstalt hast du dich doch ernert? 

Das wercken hatt dir gwiß weh gthon. 
Wilbald. 

Ach, do wer vil zü sagen von. 

Vil unglücks müßt ich mich ernietten, 

Solt ich mich vor dem hencker hüten. 

Ich zog zün bauren hin und wider, 

Hab in des viehes ghütet sider, 

Groß angst, jamer und noth erstritten, 

Groß hitz, frost, hunger, durst erlitten. 

Ziletzst icb zů eim hirten kam, 

Mich der sackpfeiffen undernam. 

Die dienet mir ein wenig bab, 

Dann das ich stetz müß hören, das 

Mich einr hie fatzt, der ander dort. 

Kum durchs jar gar an manig ort, 

Wolt derhalb, das ich hett ein herren, 

Er wer gleich nahend oder ferren, 

Wann er mir nur thet kleidung geben, 


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ich dann rahten — den y 
Mir seien auff biß morgen frü 

Und ritten unsers wegs züm therl. 

Wann wir dann noch hand ettlich meil 
BiB gen Boßna. wend wir beid knecht 
Mit brieffen vorhin schicken schlecht, 
Damit unser weiber der «schicht 

Gantz eygentlich werden bericht. 

Des tages wend wir ligen still. 

Mit Wilbalden haben kurtzweil. 

Sobald dann felt die nacht herin. 

Do wollen wir dann auch auff sein: : 
Damit bringen wir in bei nacht 

In die statt. das er [ir] nit acht. 

Dann mögen wir das nachtmal laßen 
Unser schwiger breiten dermaßen 

Und auch bei inen keren ın. 

So würt er gantz unkantlich sein 


Knabenspiegel, 5. akt, 2.—3. scene. Beschluss. 


Im selb, auch allen in dem haus. 
Dann schicken wir nahm vatter aus; 

3160 Und so man in dem ymbiß ist, 
Schaff ich, das Wilbald sei gerüst, 
Mit seiner sackpfeiff für tisch kumm. 
Dann werden sie all sehen umb, 

[H7a]Wer doch der frembd sackpfeiffer sei. 

8165 Da wirst dein wunder sehen frei. 
Bald er den vatter würt erkennen. 
Alsbald er sich im lied würt nennen, 
So würt der vatter mercken gleich, 
Das es Wilbald ist sicherlich. 

Felix. 

8170 Dein fürschlag thüt mir wolgefallen. 
Jetzund wend wir den wirt bezalen, 
Dem Wilbaldo kauffen ein pferdt, 
Damit er auch beritten werdt. 

(zúm wirt.) 
Herr wirt, machen uns als züsamen, 

8175 Was wir verzeret hand mit namen! 
Dieweil wend wir ein gschefft außrichten, 
Das wir uns morn saumen mit nichten. 

Wirt. 
Mein lieben herren, ziehen hin! 
Euwerm gebott ich ghorsam bin. 


[Beschluss.] 
Argumentator. 
3120 Wilbaldus wider kumpt zů landt, 
Würt von seim vatter nit erkandt, 
So lang biß er sein liedlin pfeifft, 
Singt und auff der sackpfeiffen greifft. 
Der vatter will in bgnaden nit, 
8185 Biß man an in legt grosse bitt, 
Das er in nem züm diener an, 
Wilbald aber keyn gwalt solt han 
[H7b]Umb kein ding in seins vatters haus 
Und als ein knecht gon in und aub. 


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Sich dar richt, zi hertze 
Wie sch en der jugendt sey 
3210 Unghorsam, böß gsellschafft dabey, 
Dardurch die jugendt wirt zerstört, 
Güt sitten und gemüt verkert, 
Wie dann lauter hie ist gemelt. 
Do sich Wilbaldus ghorsam helt, 
[H8a] Förcht sein schülmeister, ghórt seir stimm, 
Geht alles glücklich naher im. 
Bald aber im die forcht vergodt, 
Er zucht, scham und all tugendt lodt. 
Dohin that in böß gsellschafft ziehen. 
3220 Darumb soll mann von krefiten fliehen 
Böße gsellschafft, züvor die jugend; 
So mag sie auffwachssen in tugend. 
Dann sobald dieselb weichen thüt, 
So mag nit helffen grosses gút, 
322 Das man sye damit mög erkauffen. 
Tugendt mag man nit überlauffen, 





Knabenspiegel, beschluss. 343 


Tugent mů man nur überschleichen. 
Tugent thüt alle laster weichen, 

Bey einem tugentsamen mann 

Man kunst und weißheit finden kan. 
Tugent find manchen güten raht, 

So untugent nimmer bestaht. 

Die tugent aber kumpt bereyt 
Allein auß fleiß, forcht, ghorsamkeit. 
ö Die böß gsellschafft aber verjücht 
All tugent; dann sie die fleücht. 
Darumb, ir schülerlein gemein, 
Kerend euch zü der kunst allein ! 


@ Getruckt zu Straßburg, bey 
Jacob Frölich. 








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